Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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No. 9. nbrig• Lr besagt: ״Ergebet Euch uns auf Gnade uiul Ungnade; lasset Euch als Majorisicrungswerkzcug ,len kuthenen gegenüber gebrauchen! Verzichtet auf alles, was Euch teuer ist und werdet willen- und ehrlose Lakaien! Dann werden wir Euch Konzessioneu Reben!־* % Das jüdische Volk blutet unter den ״Wohltaten mul Unndenbeweisen" der polnischen Politik und der!״,huschen Behörden. Es wird sich daher hüten, der Ai.flordcrung Lazarkis Folge zu leisten. Immerhin ist dieses neueste Vcrtuschungssiiieklcin zu begrüße״. Hs öffnet allen, die noch auf die Hilfe der Polen veriraat haben, die Augen und lüflt sie die Hinterlist und Hfiichclci der polnischen Führer erkennen, welche nach aullen Judenfreunde und Gerechte spielen, En- ,nieten cinbcrufen und von Wohlwollen faseln, im mieten Herzen aber eingefleischte Judenhasser sind. * ♦ Korruptes aus dem Polenklub weil! die ״J ii d i - sehe Zeit uhk", Wien, zu berichten. Die ״Gazettu Poniedzialkowa" veröffentlicht Briefe, welche die polnischen Abgeordneten P a - d u c!1. W i a c c k und Fiedler an k a I i z i s c h e Schanker «criehtet haben und in denen die Adressaten verständigt werden, dall die Abgeordneu•״ in der Lage wären, Kegen ein Honorar, dessen Hohe /.wischen 200 und 5000 Kronen schwankt, neue Schankkonzessionen vom Lande (ializien zu erwirken. |11< lilall reproduziert zuerst einen Brief des Abgcordneten Paduclt an den Schanker Golia. In dem!,,:.eie bestätigt Paduclt den Empfang von 700 Kronen und fügt hinzu, wenn er die restlichen .100 Kronen nicht erhalte, könne er in der Konzcssionsangelegcuheit nklns mehr unternehmen. In einem zweiten Briefe fordert Paduclt einen gewissen D y nt in Krosno auf, ihm sofort 200 Kronen cinzuschickcn, er werde sonst seine Konzession nicht erhalten. Ein dritter Brief stammt vom Abgeordneten Fiedler, der von einem Schanker in Ostgalizien 5110 Kronen für eine Konzession verlangt. Wie das genannte Blatt weiter miüeijt, hat Paduclt ein förmliches Bureau für Schäukcrkon- Zessionen organisiert. Zum Beweis dessen wird ein Brief Padtichs au seinen Privatsekretür reproduziert, worin diesem aufgetragen wird, die Adressen jiidischer Schanker zu sammeln. Der Sekretär solle in einem Kundschreiben diesen Kommittenten zu verstehen gehen, Paduclt sei der einzige wirkliche Jiidenfreiind im Polcnklub. die anderen Abgeordneten seien Antisemiten und würden für die Konzessionen gewill nichts tun. Am 20. d. M. ist die parlamentarische Kommission des Polenklubs zusammcngutreteii und hätte über diese Affäre beraten sollen. Doch getrauten sich die Partcihäuptlinge nicht, unverzüglich in dieses Wespennest zu greifen, da der Skandal zu arg werden könnte. Es wurde daher . - wie erzählt wird — vorläufig eine Kommission zur Untersuchung dieser Ainviirfc gewählt. Dali diese Untersuchungskommission nicht auch eine Begräbniskotumission der Korruptionsaffäre werde, sorgen alle benachteiligten Kreise und nicht zuletzt die zionistlsehe Partei, die im Interesse der gaüzischcn Schünkcr diesen gemeinen Schwindel aufdecken wird. # Unter der Ucberschrift ״Eine Stiidcntcnschlacht" bringt die ״B. Z." vom 27. Februar die folgende Nachricht, die wir ohne Kommentar weitergeben, da uns authentisches Material noch nicht vorliegt: In der Judengasse in Wie n kam cs heule nacht, wie unser dortiger Korrespondent telegraphiert, zu einer Prügelei zwischen deutsch-nationalen und jüdisch •nationalen Studenten, an der nahezu 200 Studenten beteiligt waren. Die Rauferei, bei der es zahlreiche Verletzte gab, artete zu einer förmlichen Schlacht aus. Die Gcmeindepaschaschas in Wien haben die Schuiikvrmaiilfcstatioii nicht vorübergehen lassen, ohne wieder einmal das Ansehen der Wiener Judengemeinde vor aller Welt aufs Gründlichste Uentbzusetzen. Wie die ״Welt" berichtet, hat man das Ansuchen der Abg Dr. S t r a u c h c r und Stand, zu den Kosten der Verpflegung der Schünkcr beizutragen, a b g c l c h n t. — Danach scheint man in diesem Falle in der Gemcindcstube mehr dem Stand* punkte des Polcnklubs als dein Wohlwollen, das den armen Petenten von der Hofburg aus entgegengebracht wurde, zuzuncigcn, Oder haben die üngstliehen Herren sich hier wieder einmal verspekuliert? Ru'ütlnnd Aus dein Qouvemement Tschcrnigoff kommen Nachrichten Uber massenweise Ausweisungen von Juden. Aus dem Kreise Surasch dieses Qouvernements werden allein 219 Familien von der Ausweisung betroffen. Diese völlig gesetzlosen Ausweisungen vollziehen sich zudem unter sehr grausamen Begleitumständen. — Um die jüdischen Familien zur schlcualgen Abreise zu zwingen, werden bei 30 Grad Kälte die Türen und die Fenster Ihrer Wohnungen von der JÜDISCH 1• RUNDSCHAU Seite 101. Polizei geöffnet, so dall die Ausgewiesenen schwer zu leiden haben. — Der Gouverneur von Tschcrnigoff befahl, alle gesetzlichen Beschwerden der Juden gegen die Ausweisungen ohne Prüfung abzuweisen. Türke1 Während der kritischen Verhandlungen, die jetzt in der türkischen Kammer geführt werden unJ die immer mehr einem Wechsel im Ministerium zuzustreben scheinen, gab cs einen Zwischenfall, wie er wohl in den Parlamenten westlicher ״zivilisierter" Völker alltäglich ist, wie man ihn aber in der freien Türkei vielfach nicht erwartet hat. Das ״Berliner Tageblatt" weilt darüber zu berichten: ״ln der Kammer gab es Heute stürmische Szenen hei der Beratung des Budgets, wobei Finanzmimster Dschawid von der Opposition sehr heftig angegriffen wurde. Zunächst geiücltc der Grieche Kosmidi die Verhandlungen des Finanzministers über den bedeutenden Terminverkauf von Tax im. dem wertvollen, Inmitten Peras gelegenen Kascrncngcbict. das parzelliert werden soll. Als Kosmidi von Verschleuderung sprach und Dschawid׳ einen Dschanavar. das heiilt ein wildes Tier nannte, gab cs einen grollen T u in u 11. Auf Drängen Dschawids und Hakkis nahm dann Kosmidi die Beschimpfung zurück. Die gereizte Stimmung des Hauses aber blieb und machte sich bcsonders bei der Rede des Führers der Opposition L u t f i F i k r i geltend, der in sehr energischer Weise die Politik des Kabinetts, besonders Dschawids. angriff. Einen ganz neuen Ton brachte •er durch seine Ausfälle gegen die Juden in die Debatte. Man weilt, dalt schon seit einiger Zeit eine gewisse antisemitische Strömung in einigen Türkenkreisen entstanden ist. Lutfi Fikri rief: ״Was suchen die Juden Salem und Rotissou hierzulande? Das sind die Leute, die die öffentliche Meinung erzittern machen." Da Salem, ein indischer Bankier aus Saloniki, als Bankier des ücheinikomitccs eine grölte Rolle spielte und noch spielt, und da Rousscoti die rechte Hand Dschawids und ein wichtiges Mitglied des Komitees ist, will Fikri damit die Geld- und Hintermänner des Salonikcr Komitees tmd der Komiteepartei treffen. Nach l'ikris Rede erschien Talaats Erklärung, dall diese Leute vollkommen anständig arbeiteten, sehr schwach. Die Komiteepartei hat mm doch den bereits mehrfach genannten Armenier Pasti r madsoli ian als Nachfolger W u I a d s c h I a n s für das Ministerium der öffentlichen Arbeiten vorgcschlagcn. obgleich er zwar türkisch sprechen und etwas lesen, aber kaum türkisch schreiben kann. Die Ernennung von Ismacl Makki Bubansaden zum Unterrichtsminister soll morgen oder übermorgen veröffentlicht werden. Obgleich also die Lücken im Kabinett jetzt ausgefüllt werden, dauern doch die mit starker Bestimmtheit auftretenden Gerüchte an, dall Hnkkis Demission he vors teile. Irgendwelche auch mii* cinlgermallen wahrscheinliche Prognose zu stellen, ist jedoch bei der Zerfahrenheit der Lage unmöglich." Wir nehmen diesen Vorfall natürlich nicht allzu tragisch und auch die osmanischen Juden dürften, soweit sic jüdisch-national gesinnt sind, frei von jeder Nervosität sein. Aber die jüdischen Türken ä la Frcsco sollten doch die Lehre zielten, dalt auch in der Türkei die Stellung der Juden nicht eine derartige ist, dall sie Verleumdungen, wie sie die Spalten des ״Tiempo" füllen, ohne die Gefahr, ihre Stellung innerhalb des Vaterlandes zu erschüttern, Uber sicli ergehen lassen dürfen. Dali das ״Berliner Tageblatt" einer antisemitischen Schimpfrede, wenn sie aus der Türkei stammt, mehr Aufmerksamkeit widmet, als etwa zionistischen Kongrcdvcrhandlungcn, ist nur verständlich. « «erlichen Loyalität in Konflikt kommen kann. Man kann deshalb jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dalt die Prellpoicmiken gegen den Zionismus nunmehr ihr Ende gefunden Italien. Die Generaldircktion des türkischen Kntusterwe• sens hat der Hohen Pforte einen detaillierten Bericht über die folgenden, von ihr ausgcarbeitcien und weitcrgcgcbcncn Gcsctzcsprojckto zugehen lassen: t. Neues Immobiliengesetz, umfassend 245 Artikel. augenblicklich heim Grollwcsirat, ist nur durch Zufall der Verbrennung entgangen. 2. Neues Geset/. über das Schätzungswcscn, das die Grundlage für den neuen .Kataster abgeben soll. (00 Artikel wurden durch das Feuer im Archiv des Staatsrats vernichtet.) 3. Reglement zur Anwendung des Gesetzes Uber das Schätzungswcscn, U3 Artikel. 4. Instruktionen über die Ncucinsebätzungen der Immobilien im Wilajet Kossowo, bereits in Anwendüng: soll auch auf die Wilajets Monastir und Skutari in Albanien ausgedehnt werden. 5. Neues Gesetz über das Staatsgrundbuch, ausgearbeitet aul Grundlage der französischen und italicnisohen Systeme. <). Reglement über die Anwendung dieses Gefetzes. 7. Gesetzesprojekt über die Verteilung der Staatsländercicn Mesopotamiens an die arabischen Stämme; hat den Staalsrat passiert und liegt auf dem Grollwesirat. S. Gesetz über die Formalitäten bei der Grundstlickcrwerbimg für fremdländische Schul- und Wohltätigkcitsanstaltcn. sowie ihre Privilegien. 9. Ovsetzesprojekt über die Rechte des Staatsschat/cs bei Banken auf Stnatsländereien. 10. Instruktionen zur Sicherung des Privatboden• besitzes und Erleichterung der Eintragungsformalitäten. U. (jeset/.esprojekt iiltcr die Verteilung von Staatsländcrcicn au Eingeborene in afrikanisch Tripolis und über die Anlage von Olivenpflaimingcn du* selbst. 12. Gcsctzcsproickt über Schaffung eines Auskunftsburcaiis bei der Generaldircktion dcll Katasters. Die Einnahmen des Departements betrugen im abgelaufencn Jahre eine Viertelmillion Mark mehr als im Vorjahre. Misceu-ers 9 Das Inslrumcnl der Kasse ln dem zionistischen Zentralorgan , Die Welt" wird folgende witzige Bemerkung des österreichischen Rciclisr.itsabgcordnctcn P e r 11 e r s t o r I c r über die Rassenfrage mitgctcilt. In einer Versammlung hatte nämlich ein getaufter Jude erklärt, dalt es kein wisscnschaftliclics Instrument zur Unterscheidung der Rassen gebe. Darauf sagte Pernerstorfer, dall sein Feund Victor Adler auf eine derartige Bemerkung einst erwidert habe, dall cs wohl ein Instrument gebe, nämlich den Spiegel. Der beste Witz aber ist, dall eben dieser Victor Adler ein getaufter Jude ist, und allen Redakteuren der von dem geleiteten ״Arbeiter- Zeitung" ׳len Austritt aus dem Judentum zur Bcdingtmg macht. Allerdings geht die Sage, daß in der Redaktion der ,Arbeiterzeitung" keine Spiegel geduldet werden, weil sonst Grollen wie Felix Austerlitz und Stefan Groll mann zu oft an ihre Rasse erinnert wiirJen. Das Laubhüllcnverbol Herr Dr. Viktor J a c obsoh n , der Direktor der Anglo Levantine Banking Company in Konstantinopcl, Anglo Levantine Banking Company in Konstantinopel, hat am 11. Februar im Nouocau-Club in Saloniki einen Vortrlg über ,Zionismus mul Ottomnnls* mus" gehalten. Die Veranstaltung war von mehr als 400 Personen, darunter viele Damen, dem General- Inspektor des öffentlichen Unterrichtswescns des Vilajets und zthlrcichcn türkisücn Journalisten besucht. Nach der Begrüßungsansprache des Herrn Matalon ergriff Dr. Jacobsohn das Wort zu seinem Vortrag, in welchem er in vorzüglicher Diktion die Beziehungen zwischen dem Zionismus und dem ottomanischcn Judentum sowie den Interessen des ottomanischcn Staates klarlcgc. Der Zionismus — so führte er u alter oftmaliger Zustimmung des Auditoriums in großen Zügen aus — sei in Jeder Hinsicht mit ottomanisch-patriotischer Gesinnung vereinbar. Jeder ottomanischc Patriot müsse mit dem Zionismus einverstanden sein, dessen Bestrebungen einen grollen Segen für die Türkei enthalten, weil sic die Einwan• derung eines treuen, floifllgcn und kulturell hochstehenden Elementes bezwecken, dessen Wert für die sielt verjüngende Ttirkei federn klar sein müsse. Der Vortrag iibte auf die Zuhörerschaft eine ungemein tiefe Wirkung. Er hat auch zu der ullgcmein ausgesprochenen Ueberzeugung geführt, daß die natfonalo Auffassung des Judentums, deren Ausdruck der Zionismus ist, nirgends mit der staatsbür- Eine niedliche Anekdote wird dem ״Israelitischen Wochenblatt" aus seinem Leserkreise mitgctcilt. Wir lesen dort: ״Der vor kurzem verübte Schildbürgerstreich der Nürnberger Polizei, die eine angeblich sittcngcfälirliebe französische Komödie verbot, nachdem diese schon achtmal gegeben worden war und ohnehin bald vom Repertoire verschwunden wäre, erinnerte mich an eine ähnlich schlaue Verfügung, die vor über 50 Jahren erlassen wurde, ln meiner Heimat, in der Nähe von Mannheim, hatten die Juden seit undenkliehen Zeiten ihre Laubhütten auf die Straße gestellt, ohne daß die Bauern nur das geringste dabei gclttnden hätten. Nun wurde ein neuer Pfarrer gewählt, der nichts eiligeres zu tun hatte, als den Bürgernteister aufzufordern, die Juden keine Laubhütten mehr auf die Straße stehen zu lassen. Infolge dessen ließ der Bürgermeister am Rathaus anschlngcn: ״Die Juden werden aufgefordert, binnen acht Tagen ihre Laubhütten bei Strafe von 30 Kreuzer zu entfernen." ziottisTiscHufewecuriG Propaflandarclse des Parteisekretärs Halborstndt. Den Schluß der Tournee des Partei- Sekretärs durch Mitteldeutschland bildete eine Ver- Sammlung der Schckclzahlcr in unserer Ortsgruppe, in der Herr Blumonfcld Uber ״Das jüdische Wirtschaftsproblem" sprach. Die fast zwei-