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Jüdische Rundschau · 1911-02-24 · Heft 8 (24.2.1911) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seile 92. IUEDISCHE RUNDSCHAU bildung seiner Mitglieder gelegt, die zurzeit in verscliicdcncn Farmen tätig sind. Ein jedes Mitglied wählt sich irgend einen Zweig der Landwirtschaft als Spezialgebiet, das er neben den anderen Arbeitsfächern vorzugsweise pflegt. So widmen sich einzelne Mitglieder In erster Linie 11er Geflügelzucht, andere der Viehzucht, dem Körnerbau. den Baumkulturcn usw. Sobald jedes einzelne Mitglied einen Betrag von mindestens 1000 Dollar erworben haben wird, soll die gemeinsame Reise nach Palästina au* getreten werden. Der Verein geht von der Voraus* Setzung aus, daß die nach Palästina einwundernden landwirtschaftlichen Arbeiter von vornherein ein ausreichendes׳ Maß landwirtschaftlicher Kenntnisse und Erfahrungen mitbringen müssen, und daß beim Vorhandensein eines derart vorgcbildetcn Menschenmatcrials die bisher in Palästina beobachteten bedenkliehen Erscheinungen der Auswanderung usw. verschwinden werden. Die großartigen Erfolge der jild»'schcn Ackcrbauschulcn in Nordamerika, die erst vor kurzem auf der Konferenz des Jüdischen Farmerbundes wieder öffentlich fcstgesteilt worden sind, lehren uns, daß cs durchaus nicht so schwierig Ist, wio viele glauben, jüdische junge Leute zu tüchtigen Ackerbauern zu erzielten. Der Verein ״Ha.-lkkar llazair bc-Amcrika" hat in dieser Hinsicht selbst sehr günstige Erfahrungen gemacht und hält cs im lntcrcssc der jüdischen Palüstinakolonisation׳ für überaus wünschenswert, daß sich in Amerika wie in Europa gieichstrcbendc Jugendgruppen bilden. Der Sekretär des Vereins (Adresse: Mr. M. Levine, c/o. S. T. Haight Jr., Earlvillc, 111.) ist zu Auskünften aller Art gern bereit. * Wie amerikanische Zeitungen miUcilcn, sei eine neue Gesellschaft begründet worden zum Schutze der bürgerlichen, ökonomischen und religiösen Interessen der Juden ln der ganzen Welt. Dem neuen Verbände seien bciclts zahlreiche führende Persönlichkeiten der amerikanischen Judenheit, wie Jacob Schiff, Louis Marsliall, Dr. Magnes, Sultzbcrgcr u. a. in., beigetreten. Diese lakonische Mitteilung gibt kein völlig klares Bild von der neuen Begründung. Es hat beinahe den ,Anschein, als hanklcltc es Sich dabei uni nich’iis weniger als eine Art neue ״Alliance Israölitc Universelle“ -- was wir allerdings als einen bedenkliehen Versuch anschen müßten. Jedenfalls ist cs dringend erwünscht, daß die Initiatoren der neuen QrUndung die jüdische und allgemeine Ocffcntlichkcit Über ihre Intentionen genau auiklüren. PALAeSTINA-RUNDSCHAU Der neugegründete hebräische Paliistlnaverlag ״Barkol" in Julia sendet uns seine Statuten sowie einen Aufruf, in dem alle die an den Zielen des Verlages — der Schaffung eines Zentrums für die jildisehe Literatur in Palästina — Anteil nehmen, ersucht werden, sich werktätig durch Zeichnung einer Aktie in dem geringen Betrage von 100 Pres, zu beteiligen. Unterzeichnet ist das Schrcibon von Herrn Markus Knhan. Geldsendungen an die Ang 10-Paiestino Bank in Jaffa für ״Barkoi" erbeten. Der Verein ״Hebräische Höhne“ hat in Jaffa die Aula des hebräischen Gymnasiums für die Dauer eines Jahres gemietet, um darin hcbräischcTh enter• auffUh rungen und literarische Abende zu veranstaltcn. Am 5. Januar ist hier der jüdische, beim Bau des Technikums beschäftigte Kutscher Raphael Ab0d von einem deutschen Schlosser Wcbcrtiü schwer verletzt worden. Der Kutscher hatte wegen der Bezahlung einer kleinen Reparatur einen Streit mit einem anderen, in derselben Schlosserei beschäftigten Arbeiter. Der Deutsche kam dazu, wollte dem Streit durch Zurücknahme des reparierten Teils ein Ende machen und schlug, als der Jude sich dem widersetzte, diesen mit einem schweren Schrauben- Schlüsse! auf den Schädel, daß er Zusammenbruch. Der Schläger wurde sofort vom Konsulat verhaftet. Der Verletzte schwebte mehrere Tage in höchster Lebensgefahr, befindet sich jedoch jetzt auf dem Wege der Qcnesung. Die rohe Tat rief in der Stadt große Erregung hervor, Für den Pall eines unglückliehen Ausgangs würc die Stimmung gegen die dcutsehe Kolonie nicht unbedenklich geworden. Bczcichnend ist, daß sofort nach der Tat aus den Kreisen der deutschen Kolonie falsche Berichte in curopüischc Zeitungen lanziert wurden, in denen die ganze Schuld auf den Juden geschoben wurde. Das ge- rlchlllchc Urteil über den Schläger steht noch aus. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat den Ingenieur Nazlf Bey beauftragt, einen Entwurf für den Bau eines Hafens In Haifa auszuarbeiten. Die Regierung hat für diesen Hafenbau die Summe von 10 Millionen Francs ausgeworfen. Dieser Be• No. 3. trag wird der Regierung von der Gesellschaft zur Ausbeutung der Phospliallagcr bei Es-Salt als Darlehen zur Verfügung gestellt. * Der Verein Esra hat die Erlaubnis zum Bau der hei Kafr-Kalm zu errichtenden Arheltcr-lläuscr erhalten. In der letzten Sitzung des Zentralkomitees wurden weiter 39 000 Frs .für die Kolonie Chederah angcwiesen. Davon sollen 12 000 Frs. zum Bau einer Wasserleitung, der Rest für acht Arbeiter-Häuser tmd ein Aerzte-Haus Verwendung finden. Palästina, Monatsschrift für die Erschließung Palästinas, 1911. Heft 1. Die Sondernummer ״T h e Pa Ics t ine Land Dcvc 1 opmc n t Company“, welcher wir Adolf Böhms bedeutsamen Trtikcl in einer der letzten Nummern unseres Blattes entnommen haben, hat einen überaus reichen Inhalt. Von den Autoren, die Beiträge belgcstcucrt haben, seien nur Dr. J. Thon (Jaffa), Dr. Egon I<atz (Hnnnver), der berühmte Agronom A. Aaronsolin (Haifa) genannt. Das Heft beweist, wie würdig ״Palästina" der Fördeamg durch alle Freunde der Palüstinaarbcit ist. Das Jahresabonnement beträgt 2,50 Mk. Außerdem erhalten Vereine, die eine größere Zahl von Abonncments aulgcbcn, grolle Ermäßigungen (bis zur Hälfte). ziomsTiscHe BeweGuno Mitteilungen des Zentrütbureaus der Zionistischen Vereinig, IQr Deutschland Da die II. Auflage unseres zionistischen Merk- Blattes zur Neige geht, empfehlen wir allen Qesinnugsgenossen, die sich noch ein Exemplar dieses jedem Zionisten unentbehrlichen Kompendiums sichern wollen, uns Ihre Bestellung umgehend aulzugcbcn. Vorschläge und Anregungen für die Ui. Auflage, die wiederum bemerkenswerte Erweiterungen erfahren soll, sind uns schon jetzt erwünscht. « Um unnötigen Reklamationen zu steuern, geben wir bekannt, daß die uns zum Umtausch übergebenen Aktien dcs'J.C.T. uns bisher von London aus noch nicht zuriiekgesandt wurden. Sobald die Stücke in unserem Händen sind, werden sic unverzüglich wcitcrgvgcbcn werden. Agilallonsrelsen des Parteisekretärs Magdeburg. Mittwoch den 15. Februar, fand in Magdeburg, iin großen Snalo des Kuiserhofes eine öffentliche zionistische Propagnmlavcrsniumhm« statt- Redner war Herr Kurt Bin menf cid aus Berlin. Seinen glänzenden Ausführungen folgten die äußerst zahlreich erschienenen Zuhörer mit lebhaftem Interesse. In der anschließenden Diskussion wies er die Befürchtungen und Verleumdungen der unsachlichen Gegner scharf und treffend zurück, den sachlichen Gegnern gab er die verlangten klaren Antworten über alle Fragen des Zionismus. Der Abend bedeutet einen starken äußeren und inneren Erfolg. H Anincl* dimgen zur zionistischen Vereinigung fiir Deutschlanil erfolgten. Cötliuu. In der Ortsgruppe Libanon hielt Herr Parteisekretär Kurt Blumcnfeld einen Vortrag über ״Zeitu n d Streitfragen I in Juden- »u m." Die zahlreich erschienenen Anhänger, wie auch Gegner des Zionismus folgten der fesselnden und überzeugenden Ausführung des Redners mit gleichem Interesse und dankten ihm durch reichen Beifall. Eine Diskussion kam wegen der vorgerückten 'Zeit, vielleicht auch aus Bescheidenheit der Gegner, nicht zustände. Auf eine schriftliche Anfrage gab Herr Blumcnfeld In seinem Schlußwort, das einen tiefen Eindruck hintcrließ, Antwort. Aimaberg (Erzgcli.). Am 12. Februar hielt Herr Parteisekretär Blumcnfeld in dem hiesigen I.ltcraturvereln einen Vortrag über ״D a s Judentum hu 10. und 20. Jahrhundert.**. Es war das erste Mal, daß hier von zionistischer Seite eh Vortrag stattfand. Das Ergebnis dieses sehr beifällig angenommenen Vortrags war die Anmeldung von drei Herren als M i t g I i c d c r der O r g a n i s a t i o n mul von neun Abonnements auf die ״Jüdische R u n d s c 11 a u". Chemnitz. Der am M Februar abgchaltcne Vortrag des Herrn Kurt Blum enfcid (Iber ״Das Judentum im 19. u 11 d 20. Julirhundcrt" hat außerordentlich gefallen und großen Eindruck auf die zahlreiche Zuhörerschar gemacht, die z. T. aus Elcmenten bestand, die noch nie zu unseren Verstimmhingen gekommen waren. 7 N'cuamiicldungcn zur Ortsgruppe fanden statt. AUSD€N G£M£IMD6N Duisburg. Am 11. d. Mts. waren 25 Jahre verflössen, seitdem der Vorsitzende (Jos Vorstands der Gemeinde, Herr Emamicl Löwe, dieser Körnersehalt aiigeliört. Aus diesem Anlaß fand eine Festsitzung der Rcpräsentantenvcrsammlung statt. Die Gemeinde errichtete eine Emanuel-Löwe-Stiftung. die zur beruf, liehen Ausbildung bedürftiger jüdischer Kinder be• stimmt ist. Frankfurt n. M, ״Vor jener Zeit wohnten die Juden zwischen dem Dom und dem Mainufer, nüm. lieh von der Brücke bis zum Lumpenbrimncn und von der Mehiwage bis zu Sankt Bartlmlomäi. Aber die katholischen Priester erlangten eine Päpstliche Bulle die den Juden verwehrte, in solcher Nülu: der llaupikirchc zu wohnen und der Magistrat gab ihnen einen Platz auf dem Wallgraben, wo sic das heutige Judeniqiiarticr erbauten. Dieses war mit starken Mauern versehen, auch mit eisernen Ketten vor den Toren, um sic gegen Pdbclandrang zu sperren.•' _ Als״ beschreibt Heine in seinem ..Rabbi vouBaeliarach die Frankfurter Jmleiigasse Wenn man die kleine Ausstellung ״Aus der alten .ludengasse" beschaut, die anläßlich der Gründungs-Gedenkfeier der!•’rank• fiirter Frauetikrankcnkassc im Historischen Museum veranstaltet wurde, so muß man oft an den ״Rabbi von Bacliarach" denken. In dieser kleinen engen Gasse mit den hohen Giebelhäusern, wie sic Anton Burger gemalt hat, wo die Juden in schikanösester Weise zusammengepfercht waren, ist cs immer sehr lebhaft hervorgegangen. Und trotzdem die Juden• gassc im Mittelalter tmd später noch Ungeheures 2u erdulden hatte. Jiidc1is<־hla».־htcu, Fcuershnmstc, Brandschatzungen, den Fettmilchselicn Aufstand, so konnte sie nicht zu Grunde gerichtet werden, hu Jahre 17(10 standen noch 200 Häuser in der Gasse, alle hatten sic ihren Namen, wie ״Rotes Schild" und ״Grüner Hut", nach dem später die Bewohner genannt wurden (Rothschild, Grünhut). Drei Synagogen, das ״Kalte Bad", das Schlachthaus und zwei Schirncn befanden sich darin. Es läßt sich denken, daß cs im Innern der Häuser recht unzulänglich aussah, in Merimis Grundriß der Judengasse und in der Kopie, die später Bau rat Ritter wieder angefertigt hat. sieht mau das recht deutlich. Große Männer entstammen der Jmleiji/assc. Die Ausstellung enthält die Bilder von fünf Mitgliedern der Familie Rothschild, welche die israelitischen Krankenkassen finanziell förderten, wie ja die Rothschild immer eine ofiene Band für jede wohltätige Bestrebung batten. Die kluge Mutter von Willi und Karl v. Rothschild sieht mau. und natürlich das Stammhaus in der Judengasse. dann Boerne’s Haus und zwei Porträts von Ludwig Börne, ein Porträt des berühmten Oherrahhiners Nanhtali Cohen, in dessen Haus 1711 ein Brand ausgcbrochcn war. der fast die ganze Judengasse cinäselicrlc. - Immer wieder fesseln die Bilder Anton Burgers, der wie kein Zweiter das Leben und Treiben im Bilde verewigt hat. Auch Hermann Junker liefcrlt historisch wertvolle Skizzen. ״Welch ein buntes Treiben! Zunächst waren cs Handelsleute, die laut miteinander feilschten oder auch mit sich selber sprechend an den Finger rechneten, oder auch vmi einigen hoclibcpaektcn Maikilielfern. die ln kurzem liiiiidetiah hinter ihnen lierliefen, ihre Einkäufe nach der Ilcrbprge schleppen ließen." Das sind die Büd.'r nach Hcincschcii Schilderungen. Ein Schrank ist da mit kostbaren Schnitzereien versehen, wie ihn wohl ..Schnapper-Elle" besetzen hat. Treppenpfosten mit Häven und Löwen sieht man. kunstvoll geschmiedete Gitter, eine Sammlung von Bauplänen, die d״m Stadtarchiv gehören. Sie stammen aus dem Jahre 1711. dein Jahr des großen Brandes. Auch Fcttmilclis Bild, der im Jahre löH den großen Aufstand inszeimrt hat ist in verschiedenen Exemplaren vorhanden, und Bilder erinnern an die sich daran anschließende Flucht der Juden und ihre Wiedereinführung durch Ahgo• sandte des Kaisers. An den alten Judcnfriedlioi der -ja noch heute erhalten ist. erinnern die Photographien vieler Grabstätten. -־ Besonderes Interesse erwecken die wertvollen Kultusgegeiiständc. Mau sieht eine kunstvoll gearbeitete Scderschiissel. die an den Abendfeiern des Osterfestes den llauntsclnnuck der Tafel bildete. Einen ..Seder-Abend" findet man ja auch im ״Rabbi von Bachar.idi" beschrieben. ..So• bald es Nach! ist. zündet die Hausfrau die Lichtet an. breitet das Tafeltuch über den Tisch, legt in die Mitte desselben drei vpn den platten ungesäuerten Broten vordeckt sic mit einer Serviette und s'Hlt auf diesen erhöhten Platz sechs kleine Schüsseln, v. < 1׳ in symbolische Speisen enthalten sind. Wehmütig, lad.'r. ernsthaft, spielend und märchenhaft cchcimiii*• oll Ist der Charakter dieser Abendfeier." Die am-’c• stellten Cliiitiuknli-Lamncii erinnern an die Cliamik 11י• Feier, am Spätherbst. Sie gilt der Erinnerung der Verteidigung Jerusalems durch die Makkabäer. K<■st* bare Fclinmckstücke sind auch der Toradeutcr. die Toratafel und besonders die seltsam geformten Trau• ringe. An die Veranstalterin der Ausstellung, die Israelitische Frnuonkrankenknsse, erinnern dann noch besonders ein silberner Becher einer Gründerin der Kasse. Hln׳JJc Schuch, und eine kupferne Sannnel• biiehse der Münncrkrankenkassc. — Den Herren•' welche die vom Historischen Museum auf Voran■• h:-o׳ne des Herrn Julius Hevmann. des Vorsitzenden der Frauc11kr־”'kcnka,ssc, veranstaltete Ausstellung durch Überweisung von Sammlungen unterstützt haben. Heinrich Stichel. Dr. .1. Hülsen. Hofjuwclicr Koch und anderen gebühr! besonderer Dank denn die Ausstellung Ist. wem! auch nicht sehr umfangreich. so doch historisch ungewöhnlich wertvoll. — Iw. * .

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