Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1911)
- Date
- 1911-02-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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den von KonMuntiiiupcl cn!(ernten Saloniki erscheinen kuiuitcn. Zu Punkt 3 findet Herr Prcsco kein anderes Ver• tcidlgimgsmittcl, als durch einen Schwur , bei flott und dein Uber die Kauze prdc zerstreuten Volk Israel" seine Unschuld zu erhärten. Pin Pid ist Im allgemeinen kaum das ucciKnctc Mittel, Tatsachen* material zu entkräften, hu vorllcKendcn Palle aber ist er ein offcnktiudiKcr Meineid. Denn die beiden Ausgaben des ״Tiempo" existieren. Die eine, welche Herr Prcsco vom Versand zurtlekKchnlten hat, sollte den Chacham-Haschi zu den Ansichten des Herrn Prcsco bekehren. Wir haben das nicht als einen Prprcssungsvcrsuch bezeichnet, sondern Herr Prcsco. Aber wir akzeptieren seinen Ausdruck, weil er wirklich die richtige Beleuchtung seiner Handlungsweise darstellt. Wenn Herr Prcsco Qott zum Zeugen anruft, dall er sich während seiner laugen Karriere keiner ehrlosen Handlungsweise schuldig gemacht liahe. so genügt zur Illustration seiner Wahrheitsliebe die Vorlage der beiden Nummern des ״Tiempo“ oder des Pxcmplars der Konstunlinoplcr Zeitung ״Aurorc", welche die bezüglichen. Titelseiten des ״Tieinpo“ seinerzeit faksimiliert hat. Ferner behauptet Herr Prcsco, er habe den Zionisimis seit seinem Bestehen bekämpft. Dies Ist eine neuerliche Unwahrheit. Ps gibt in Herrn Prescos imiriinlistiselier Praxis eine Periode, in welcher er nicht die geringste Feindschaft gegen den Zionismus zeigte. Pr hat im ,.Tiempo" Artikel von bekannten Zionisten, wie z. U. Sokolow, veröffentlicht, die selhsivcrstündlich zionistischer Tendenz waren. Diese Haltung Prescos war freilich nicht von ideellen oder politischen Motiven hcstiiunit, sondern resultierte aus gewissen finanziellen Interessen des Herrn Prcsco. Als diese finanziellen Interessen nicht mehr vorhan• den waren, begann Herr Prcsco den Kampf gegen den Zionismus. Ps war dies im Sommer 1909. Über die Motive, welche Herrn Prcsco zu seiner antizionistischen Kampagne veranlagen, erzählt er, dall die zionistische Propaganda in den leitenden iungliirkischcn Kreisen einen Sturm entfacht habe. Den hierdurch hcrvorgcrnfcncii schlechten Pindruck habe er auslösohcn wollen. Nun ist cs Tatsache, dall die zionistische Propaganda niemals in den leitenden juugtllrki.sclicn Kreisen einen Sturm erregt hat noch ihrem Wesen nach erregen konnte. Ps. ist aber auch Tatsache, dall Herr Prcsco bemüht ist, durch eine systematische Kampagne von Unter- Schiebungen, Entstellungen und Fälschungen in den jiingtiirkischen Kreisen Milltraucn gegen den Zionlsums zu erwecken und dessen ruhige friedliche Kulturarbeit zu stören. Er verfolgt dieses Ziel sowohl in der Öffentlichkeit, als auch auf Hintertreppon. Der Herausgeber des ״Tanin", Hussein Dscbalild Hey, der die antizionistischcn Briefe in seinem Blatte abdruckte, hat offen und unter Bedauern zugegeben, er sei in wiederholten Besuchen von dem Redakteur des ״Tieinpn“ gedrängt worden, ihm doch den Gefallen zu tun, jene Briefe zu veröffentlichen. Wenn eine Gefahr für das Judentum in der Türkei entstehen könnte, so hegt die Verantwortung hierfür einzig und allein auf Prcsco und seinen Freunden. Der j'imgtlirkischc Schriftsteller, Kinsim Nami Bey in Saloniki, dessen Äußerungen gegen den Zionismus Jüngst in einem grollen 'Peil der europäischen Pre^t 1 mit viel Lärm verkündet wurden, hat selbst nachher erklärt, er sei absolut unrielitig über den Zionismus orientiert gewesen, ״Wenn Juden s c 1 b $ן 11 er umgehen," hat er dem Herausgeber der f .,Revista Populär" gegenüber erklärt," um zu er. 7 ä h I c n , d a fl ihre B r fi d c r Pläne v c r. folgen, die dem Rcichsintcrcsse!u. w i U c r I a u f c n , so ist cs ganz natürlich dutl dies starken Argwohn und miß! liehe Folgen erzeugen kanu." Nun will aber Herr Prcsco seine Ouiachtet1sanm,. hing als eine Massenbrosehiire gratis verteilen. Dicse : Drohung schreckt uns nicht. Die Persönlichkeit des |t Herrn Prcsco ist nicht imstande mit solchen Mittel.! eben eine Bewegung, wie den Zionismus aufzuhalten. Herrn Presco dürfte das arabischeSpriehwort bekannt sein: ״Der Hund hellt, aber die Karawane gc],{ weiter." Den Plan des Herrn Prcsco besprechen uär nur, um zu beweisen, wie ernst man seine Bcliaup• tung, ״er sei seit vierzig Jahren bestreb», fur den Fortschritt seiner Gluubcnsbriidcr im Orient zu arbeiten" auf/ufassen hat. Herr Prcsco hat das Baseler Programm fatsch zitiert. Das ist vielleicht eine Kleinigkeit, mit der wir uns nicht weiter bc• fassen wollen. Pr hat zwei Briefe in vollständig ver• linderten! Inhalt ohne Vorwissen und Zustimmung der Autoren in eine Zeitung lauziert. Das wäre auch nicht schlimm Ps liehe sich dies aus einer fanati• sclien Feindschaft gegen unsere Bewegung erklären. Fanatiker seihst sonst ehrli'olie Männer, kommen leicht in Vcruscliung, im politischen Kampfe Mittel nnzuwenden, die sic sonst nicht gebrauchen wurden. Aber Herr Presco bat noch mehr getan. — Er hat in den Kampf gegen den Zionismus eine neue Note hineingetragen: Pr schleppt eine jüdische Angelegenheit vor ein nichtjüdiscbcs Publikum. Pr hat den Zionismus in der Türkei als staatsgc• fährlich bezeichne». Pr ist zu Richter und Polizei gerannt und hat Juden, also seine eigenen Glaubens« briider, als Hochverräter denunziert. Pr hat dies in einer Zeit getan, in der der jungtiirkisclic Nationa« iisnius besonders empfindlich war und in der man das Kriegsrecht in Konstantinopcl sehr streng band« hnbte. Die Denunziationen des Herrn Prcsco hätten unabsehbare Polgen haben können, wenn nicht der türkische Richter ein ruhiger und besonnener Mann gewesen wäre. Den Vorwurf des Denunziantentums, der in Kon.stantinopclcr Blättern gegen Prcsco g:• schleudert wurde, hat er auf sich sitzen lassen. Welchen Wert besitzt denn der Pid eines Manncs, dessen Charakter wir hier bloflgclcgt haben! Rin Mann, der seine eigenen Brüder denunziert, der fälscht, nachweisbar die Unwahrheit behauptet: der schwört Jeden Pid. Unsere publizistische Pliiciit ist cs gewesen, die gewissenlose Handlungsweise des Herrn Prcsco. die nachgerade zu einer Gefahr nicht nur für den Zmnis• mus, sondern für das gesamte Judentum wird, vor der ganzen Öffentlichkeit festzusteilcn. Die leitenden türkischen Persönlichkeiten und die Wortführer der jüdischen öffentlichen Meinung wissen nunmehr, wer Herr Prcsco ist. Die Fresco-Affaire In ilircr Nummer vom 3. Februar batte die ״Jüdische R u n d s c 11 a u " in einem Artikel gegen den Herausgeber des spaniojischcn Blattes ״PI Tiempo" in Konstantinopcl, Herrn David Prcsco, Stellung genommen und Ihn der Fälschung zweier an ihn gerichteten Briefe beschuldigt, ln der ״W e 11" war weiter gesagt worden, dali Herr Presco den Chacham-Baschi, Chaim Nalium, durch Drohung mit Enthüllungen gezwungen habe, einen bereits abgesandten Brief zu widerrufen. Dieser Artikel war vom ״Jewish Chronielc" in London vollinhaltlich übernommen worden und Herr Prcsco hatte dem ״Jewish Chrotuclc" einen Brief gesandt, in welchem er sich gegen die Angriffe in der ״Welt" zu verteidigen suchte. Darauf antwortet nunmehr die ״Welt" folgendes: In dem Artikel in Nr. 4 der ״Welt", gegen den sich Herr Presco verteidigt, waren drei Angelegen* beiten besprochen worden und zwar 1. die in dem Briefe des Herrn Prcsco vom 28. Dezember 1910 entlialtcnc Fälschung des Baseler Programms; 2. der zur gleichen Zeit wie im ״Tiempo". aber mit verfindertem Inhalt erfolgte Abdruck der Gutachten der Herren C. Montcliorc und Dr. Frank im ״Yen! Assir“ in Saloniki; 3. die» beiden am 28. Oktober 1910 hcrrfusgckoinmcnttn, im Inhalt verschiedenen Ausgaben des ״Tiempo". Auf den Punkt t gellt Herr Presco nicht weiter ein. Pr sagt bloß: ״Die Herren, die mir die Ehre erwiesen, auf mein Einladungsschreiben zu antworten, wurden in keine Palle gelockt, wie dies der Schreiber des Artikels insinuiert." Demgegenüber stellen wir fest: ln dem Einladungsschreiben des Herrn Prcsco steht: ״Von der Tatsache aus- K c I! c n d, daß der Zionismus, basierend, auf dem Baseler l’rograuini, die Schafjung eines J udc ns t a a »cs in Pa Iüs t inä zum Ziel hat," Tatsächlich lautet das Baseler Programm:: ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Scliufftmg einer öffentlich rechtlich g c s i c I! c r t c n Heimstätte in Palästina." ilerr Prcsco hat! mithin Sinn und Wortlaut des Baseler Programms gefälscht zu dem doppelte)! Zwecke, den Empfängern seiner Briefe eine ganz bestimmte Ansicht auf Grund einer gefälschten Voraussetzung zu suggerieren und die türkische Regierung und Öffentlichkeit durch die erhofften Antworten zu becinllussen. Nicht wir haben dies als eine Palle bezeichnet, sondern Herr Prcsco. Aber wir akzeptieren seinen Ausdruck, der wirklich die richtige Belcuch« tung seiner Handlungsweise Vorstcllt. Zu Punkt 2 erzählt er von den Auszügen der Briefe, die er an den ״Sabah" und ״Tau,in" gesandt hat. Davon war in unserem Artikel keine Rede. Herr Presco sagt aber kein Wort (Hier die in Saloniki erfolgte Vcröifcntliclmng des?!(gestutzten Briefes des Herrn Montefiore und des gefälschten Briefes des Herrn Frank, Briefe, deren Originale nur an Herrn Prcsco fiir sein spanioliselics Blatt nach Koustautinopel gerichtet worden waren. Pr klärt nicht die Frage auf, wieso denn diese Gutachten zur gl eieben Zeit in Konstantinopcl und in dem 24 Stun- Das Haar Erzählung von Mendde Mocher Spltorim. (Schalom Jakob Abrahamowitz). (Aus dem Hebräischen übersetzt von Josef Meisl.) (Schluß.) Du siehst also, daß dieser Abend nicht mit Kartenspielen und Dummheiten ausgefiillt wurde, sondern man diskutierte über Lebens* fragen des Judentums.' Wer von den Rednern recht hatte will ich jetzt nicht entscheiden. Mir gefielen alle Reden gleich gut, weil sic’von Herzen kämet», und durchaus von Liebe zu unserem Volke cingegeben waren. Jetzt wußte ich, womit Phadja und seine Kameraden sich beschäftigten, und daß ich sie von vornherein grundlos verdächtigt hatte. Sic wollten keine Weltverbesserer sein, sondern nur ihr Volk wecken, ihm einer neuen Geist einflößen — Selbsterkcnnanis, Ehrgefühl, Zukunftshoffnung; und auch seine Sprache, die Sprache seiner Thora und seiner Propheten wollten .sie beleben. Nicht um zu zerstören waren sic gekommen, sondern utn aufzubaucn und Israel dem Lande seiner Väter wieder zu verbinden. Solche Typen gab cs zu unseren Zeiten nicht. Sie wollten die Kinder unseres Volkes einander näher bringen, die dürren Zweige am Baume Judas mit ihrem Volke in Liebe, Brüderlichkeit und Freundschaft auf der Basis des Schrifttums, der Sprache und Gcschichte Israels verknüpfen. Und die Schriftgelehrten und die Gebildeten, die vom Juden• tun» nichts wissen, kommen zusammen und stärken sich an ihrem Geiste. Und sie sind cs, die Phadjas Seele und die Seele der Talmudjünger und Schüler wie auch die Seelen jener Juden, die unter den fremden Völkern zerstreut herumwandern, ergriffen haben. Und so haben sic Thoralmnterricht bei meinem Sohn ringe* führt und seine Wohnung ist ihnen ein Versa1»»mlungsort geworden, wo sie über ihre Sorgen und Schmerzen, ihre Ansichten und Holtnungei.» reden können. ״Versteh’ mich recht und erkenne“ —• schloß Sarchi׳ seine Erzählung — ״welch’ wundervolle Kraft in meinem Sohn wirkt, der vollkommen wieder zu seinem Volke zurückgekehrt ist. Kinder, die von früh auf religiös erzogen, im Geiste des Volkes und der Thorah, später als Erwachsene aber abtrünnig wurden — die können den Schritt leicht wieder gutmachen, Infolge der, Bemühungen ihrer frommen Välcr oder durch ein Unglück ■ werden sie zur Rückkehr voranlaßt werden. Aber was soll mit den Kindern gcscheh’n, deren Eltern absichtlich irrten und sie von den Stätten ,ihres. Heils nach den Gefilden der Fremden fiihrfen? Wenn diese zu« riiekkehren, so ist das wirklich eit» Wunder, das sich nicht alltäglich ereignet. Und noch merkwürdiger war es mit Phadja — der nicht nur selbst zurückkehrtc, sondern auch mich zur Umkehr bewog. Und so wie die Bedeutung der Rückkehr meines Sohnes, der nicht in dem Geiste des Judentums aufgcwachsen war, gewaltiger ist als die meine — so ist deine Rückkehr be• deutungsvoller als die meine: denn nicht aus eigenem Antrieb kehrte ich zurück, sondern nachdem soviel Schande und Prüfungen über mich gekommen waren, und nachdem die nichtswürdigen Lehrer und Judenfeinde ihres Schlages mich zur Besinnung brachten. Du aber hast dieses Haar gesellet», ein Haar drincs Vaters, und bist sogleich eit» anderer geworden. Was für deine Umkehr ein Haar in einer Stunde bewirkte, . haben fiir meine Umkehr erst nach so vielen Jahren zahlreiche Feinde getan. Lob und Preis dir, mein Freund! Lob und Preis dem Haare deines Vaters! . . . Lob und Preis deinem Sohne! Lob und Preis seinen Kameraden, den Jungen, sic sind die Schwalben, die den Frühling kündet» und unser Volk mit lugondkraft von neuen» erfüllen werden!“ rief Karpas begeistert aus. Ein erquickender Wind drang durch das nach dem Garten geöffnete Fenster in die Stube.