Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1911)
- Date
- 1911-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ן Abonnomonts ן ttf 410 vOcbeadlck am TttU!Ui tneliclncide ״JQdltcho Ru*10c!1»u" ko»le» bd der Expedition und bei •llen Po»t• Imtera vierleliabrllcb 1,25 M״ auOerbilb Deuttchland» und Oe»tefrelch־Ung*rn» 2,— M.| IQr Mitglieder lOdlicher Vcr* eine Im Sammelbeiug durch den Verein I,— M. V#rU« JUuUcbe RumJictun E, Q. o. b. H. Oerlla 8W. 68, Zlmocratr, 77. Qescbltustunden: 3 bla 7 Uhr außer Sonnabend und Sonntag, j 1 I s 1 I I ו s I I 1 1 I I I I I I I I ץי-״-ץ r j'OU Uu . \\ <\\ ין;"/'; Anzoitfon J 1 boalea fflr dl• ICnfgeipaltea* j ״'• /P«1ltrdl• oder deren Ra««a |!1 y. 25 Plg.t Stellen-Aneebole uad! t■•' Qetudio •owlo Verelniml(• I | tellungca u. ״Klelae Aaielgea“ | ■ nur IS Pf. 11 II H II II I ■ Manuakrlpto «erdca, wen»! I P0M0 bell legi, ateti aorOck- | ■ gciandt. — Redaknloimchlnl | S Mittwoch vormittag(. ן * Redaktion JOdlicho Raadiehta! I Ilerlln-Charlottenbiifg. 1 I nicllilreuitr. 47, Tel. Ch. 1831. | ■ Sprechstunden Dlenatag uad ן ■ Donneratag 5-8 nachmittag•, i ÄtllLaSd^QOKl.G ■ Sc.jG 8GCG.G TL 1 ו*! **u u ׳?•* Nummer 8 Berlin, den 24. Februar 1911 — 26. Scb’bat 5671 XVI. Jahrgang Ausweis Schekel: Berlin 4 Mk., Aachen 1 Mk., Allenstcin* stein I Mk.. Uibcck 47 Mk.. Osterode 2 Mk., lisch* weilcr 12 Mk., Königsberg 40 Mk. Lundesbellriigc: Dcutsch-Evluu 40 Mk. I. Rate. Or^aiilsailonslonds: Referendar liricb Cohn-Berlin 5 Aik., Referendar Dr. Siraus*Aaehcn 5 Mk.. Dr. W. Unna-Hamburg 10 Mk., Dagobert David-Bosen (1 $. Dubowski-Alleiislein 5 Mk., Dr. A. Rosen* thal-lfomburg v. ü. 11. 5 Mk. liduard Koopmaim- Bitincn 10 Mk., Ortsgruppe Düsseldorf durch I. Michalowski 7,10 Mk., Zahnarzt Louis Hausmann- Straliburg i. Bis. 30 Mk״ Referendar Dr. Ludwig M. aver-Sirahhurg I. lils. 5 Mk. Referendar Bdgar Weill-Molsheim 5 Mk.. Jakob Reich * Miinnchcn 20 Mk., Albert Bllcrn * Nürnberg 5 Mk״ Heinrich Maier *Nürnberg 6 Mk., Bella Sturmaim * Osterode 5 Mk., Pa.uljt Lonkv*Ostcrodc 5 Mk., Fanny Hildeslieimcr Berlin 5 Mk., Rabbiner Dr. Joseph *Stolp 10 Mk., M. Schlcwinski-Wcrben 3 Mk., Sal. Hofmaiin-KoIn 5 Mk. für l'Mü, W. Zuckermamt-Berlin 50,א Mk., Lotte Kober-Breslau 3 Mk., Aus Hamburg Maut Spezifikation Im N.-F.-Auswcis) 25,20 Mk., Aus Berlin (laut Spezifikation im N.-F.-Auswcis) 3 Mk., Aus Hannover (laut Spezifikation im N.-F.-Auswcis) 3.50 Mk. (lesanitchigung tfer Woche venu 17.—22, Februar 1911: Schekel 107 Mk.. Landcsbcltrüge 40 Mk., Organtballonsfoiid» 200,30 Mk. Ocsaiiüclngang bis zum 22. Februar 1911: Schekel: hon Mk.. Laiidcsbcitrüge:!100,05 Mk., Orgaiilsatlonsfoia/s: •1817.30 Mk. Adresse fiir Octdscnduimeii: Zionistische» Zeiitrallmreau, Cliarloticntmrg, Blcilitreustralle 49. Postscheck-Konto 8091. Berichtigung aus Nr 7: In dem Ausweis der Spenden für den Organisationsfonds sind die im N. -F.-Auswcis spezifizierten Spenden aus Berlin im Qcsumtbctragcn von 38 Mk. hcrausgcfallen; an der Addition änderte sich nichts. Die Juden im Heere. Ein leidiges Thema, um das schon viel Tinte geflossen ist, ohne die Frage auch nur einen kleinen Schritt ihrer Lösung näher zu bringen. Jeder, der sich hier zum Verfechter von Recht und Gesetzlichkeit macht, sieht sich vor einer festgefügten Wand, die durch die l aufe zu übersteigen, niemals aber durch Argumente von noch so starker Beweiskraft einzurennen ist. Dennoch wäre Resignation gefährlich und — unpatriotisch. Denn, wer Unrecht und Verfassungsbruch widerspruchslos duldet, macht sich milschuldig und verletzt seine vornehmste Staatsbürgerpflicht. Und wenn wir auch nicht immer all und jedem Vorstoß, der in dieser Sache unternommen wurde, rückhaltlos zustimmen konnten, so bedeutete das keineswegs einen prinzipiellen Widerspruch. Nur damit konnten wir uns nicht einverstanden erklären, daß gar so viele Juden versuchten, mit dem Lärm dieses sehr notwendigen Kampfes ihr jüdisches Gewissen zu übertönen und über diesen Abwehrbcstrebungen ihre positiven jüdischen Pflichten versäumten. Der ״Verband den Deutschen Juden“, der sich auf diesem und einigen anderen Gebieten Verdienste erworben hat, bringt jetzt in zwei« kleinen Schriften neues und altes Material zur Frage. Die eine trägt den Titel .,D a s j ü - dische Bekenntnis als Hinderungsgrund bei der Beförderung zum preußischen Reserveoffizier“ und hat Dr. Löwenthal, den Generalsekretär des Verbandes, zum Verfasser. Die zweite ״Der Zlonlimua crurcbi für uns indische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte .n l'alllsil״»." UaaaUr Pr0|r«mm• flos dem Inhalt Die Judcii lm Heere.. —. Die. Mütter Theodor Herzls, — Nach 100 ,fahren, — 1)10 Lugo der Scliiinker ln Galizien. Von Rcichsratsubsccordnctcu Dr. Adolf Stand, —■ Rabbiner David Rau. — Die Massondcputatlon der indischen Schanker aus Gnllztcn. — Die Judenpollllk der verschlössenen Tür ln FnglunU. — Rumllulsclic Wahlen. — Aus aller Weit. — Palüstina-Rundscliau. — Aus den Gemeinden. — Vcrclnsrundschau. Schrift, die wohl als Ergänzung hierzu gedacht ist, bringt Beispiclsfällc zu der Frage ״W i e wird im preußischen Hcer die Bef ö r d e r u n g v o n Juden zum Reserve. Offizier vereitclt?“ Das erste Büchlein rekapituliert in Übersicht- .lieber Weise all jene Argumente und Gegenargumente, die uns aus Zeitungen und Parlaments* reden geläufig sind. Für den, der sich mit der Frage bereits beschäftigt hat, ist die Sammlung der Beispiclsfällc ungleich interessanter. Man hat sich auf eine kleine Bliitcnlesc von 68 Fällen beschränkt, in denen die Zuverlässigkeit des Materials über jeden Zweifel erhaben ist. Wer mit den einschlägigen Verhältnissen einigermaßen vertraut ist, wird wissen, daß die Sammlung unschwer auf den Umfang eines kleineren Konversationslexikons zu erweitern wäre. Von den vorgetragenen Fällen verdient einer besondere Beachtung, in dem die Sache mit anerkennenswerter Entschiedenheit bis an das zuständige Ministerium verfochten wurde, bis der Petent an die bekannte Matter — das einfache Ableugnen der durch beweiskräftige Belege erhärteten Tatsachen — gelangte. Das Vorgehen zeugt in diesem Falle von einiger Unerschrockenheit, da der Einjährige, um den es sich handelte, zur Zeit der Beschwerde noch seiner Dienstpflicht genügte. Die stereotypen Antworten der militärischen Behörden —־ Regiment, Generalkommando und Ministerium — deuten deutlich darauf hin, daß cs sich hier um ein einheitliches, von höherer Stelle beeinflußtes Verfahren handelt. Die einzige Freiheit, die den niederen Offi• zierschargcn in der Behandlung der Fälle gelassen ist, beschränkt sich auf den Zeitpunkt, an dem die Ausschließung der hoffnungsvollen Aspiranten zu erfolgen hat. Drei Fälle sind da möglich: Entweder der Einjährig-Freiwillige wird zum Offiziersex .men gar nicht erst zugelassen, oder er wird nach wenigen Wochen von der weiteren Teilnahme ausgeschlossen. Drittens endlich kommt es auch vor, daß dein Juden im Vertrauen auf das ״zuverlässige“ Bczirkskommando der stolze Titel eines Offiziersaspiranten gegönnt wird. Der Effekt ist in allen Fällen der gleiche: Juden werden nicht Offiziere. Juden wird bei der Ableistung ihrer einjährigen Dienstpflicht auch weiterhin der besondere Anreiz zur Pflichttreue fehlen, den für den Nichtjuden die Aus* sicht auf die Epaulettes bildet. Ein Beispiel: —, der nach dem Urteil seiner Vorgesetzten der tüchtigste von den Einjährig- Freiwilligen des Bataillons ist, wird von der Beteiligung am Offiziersunterricht ausge* schlossen, weil er im zweiten Halbjahr seiner Dienstzeit auf dem Proviantatnte Verwendung finden soll. Die Kommandierung findet nicht statt. Daß der antisemitische Geist dieser unge* druckten Dienstanweisungen weiter wirkt, und auch die Beförderung zum Unteroffizier in vielen Fällen verhindert, ist selbstverständlich. Und als Gegenstück der ernsten, sachlichen Sammlung des Verbandes wäre eine Zusammenstellung von Fallen denkbar, in denen sieh die Ausflüchte und Begründungen subalterner Offiziere bei der Nichtbeförderung jüdischer Einjähriger ins Anekdotenhafte versteigern: ״Wird da einem Kompagniechef das Nationalc des von ihm selbst nach Ableistung einer Reservcübuug zur Beförderun״ vorgcschlagenen Gefreiten vorgelegt. Mit Schrecken bemerkt der biedere Herr Hauptmaim, daß ihm bei seinen Vorschlägen an das Regiment ein Jude unterlaufen ist. Das Unglück ist geschehen und nicht mehr rückgängig zu machen. Lediglich den Herrn Feldwebel trifft der Vorwurf: ״Feldwebel, der Mann ist Israelit? Warum haben Sic mir das nicht gesagt? Da hätte ich den Kerl doch mal drei Tage eingesteckt. Ich befördere doch keinen Juden!“ Der Fall steht nicht in der Sammlung, ist aber doch recht interessant und ein Beispiel für viele. Wann ist hier eine Besserung zu erwarten? Wodurch kann erreicht werden, daß die Anschaumigen über Aufrichtigkeit und Mannhaftigkeit, die in utiserer Armee Geltung haben, auch auf die Frage der jüdischen Reserveoffiziere An- Wendung erfahren? Wo wäre der Weg, wenn ein Wille vorhanden wäre? Eine eindeutige Ka* bineltscrder könnte Wandlung schaffen. Aber: man will nicht und wird auf absehbare Zeit nicht wollen, allen dankenswerten Bemühungen des ״Verbandes Deutscher Juden“ und Einzelner zum Trotz. Theodor Herzl’s Mutter Am Montag starb in Wien Frau Jeanette llcrzl im 75. Lebensjahre. Wer mit der lite-!arischen Lebensarbeit unseres verstorbenen!111!)׳ ers vertraut ist. dem ist auch die Ucstall seiner Mutter keine unbekannte. Denn melirlacli, in der langen Reihe seiner Feuilletons weilt die Feder des liebenden Sohnes, die Vorzüge dieser seltenen Frau zu schildern. Und wer nach dem Tode unseres Herzl über das Glück seiner Häuslichkeit zu berichten wulttc, der schilderte uns wie seine liebende Fürsorge in gleicher Weise der Mutter wie seiner Gattin und den Kindern zuteil wurde. Die Anteilnahme, die sic dem grollen Werke des Sohnes jederzeit bewiesen bat, wird in zionistlsehen Kreisen unvergessen bleiben und aut manchem Bild das Theodor Herzl im Kreise seiner gesinnungsgenössisclicn Mitarbeiter zeigt, ist auch seine Mutter vertreten. Unser herzliches Mitgefühl wendet sich bei dieser Nachricht den Kindern Hcrzls zu, die in kurzer Folge beider Eltern beraubt wurden und nun wiederum einen ihrer Lieben von sich scheiden sehen, wissen wir doch, dafl die hingebende Arbeit für unscre Sache das frühe Ende des Vaters beschleunigt hat.