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Jüdische Rundschau · 1911-02-17 · Heft 7 (17.2.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 79. JÜDISCHE RUNDSCHAU ״Die Gebrüder Lurie׳ von Jakob Gordln. Aufführung In Königsberg I. Pr. In Königsberg i. Pr. wurde utilttniest ein Verein bcgiündct, der sieli die Pflege der Jargonliteratur zur Aufgabe gemacht hat. und seine erste öffentliche Vnaiistaltung. die Aufführung des Lebensbildes ״Die Gebrüder Lric" v.on Jakob üordin, dem im vorigen J.1i־rc verstorbenen jüdischen Dramatiker, verpfiieitlei jedenfalls, ilnn in seinen Bestrebungen Interesse cmgcgcnzubrlngcn. Jakob Uordin, der seine literarische Laufbahn als russiclier Kritiker begann, in den achtziger Jahren nach Amerika auswandertc und hier sieh dem jiidiselten Drama znwnndlp. war cincr_der erfolgreichsten Ln monistischen Bülincnschriftstcller. Sein Auftreten bedeutete für das jüdische Drama den Beginn einer neuen Periode. Während seine Vorgänger nur das Bestreben hatten, das Volk zu belustigen, war Oor* ihn der erste, der moderne soziale Probleme auf die jüdische Bühne brachte. Gordins Schöpfungen waren jedoch infolge der groben Produktivität des Dichters recht unglcicliw.crtig. Das Lebensbild ״Die Gebrüder Liirji” gehört nicjjt zu seinen besten dramatischen Produkten. Die Fabel ist dürftig, unpersönlich, ohne besondere Note, die Uandjunw׳ mit aller Gewalt zu \1cr Akten aujscinundcrgercekt. Selbst die drnma• tischen Mittel sind plump und roh und in ihrer Moti* viprung milunter von belustigender Naiyitüt. Lines al>er ist Qordin auch in" diesem Drama gelungen: .Indische 0Q sta 11 e 11 zu sc 11 a f f e n. Die Personen, die in dem Stücke auftreten sind hlutv o 11 j n d i s c 11 c T v |> c 11. denen die nun ein״ mal notwendige — Handlung fast nufgedrangt ist. So kommt cs, dali das Drama szenisch leicht zu be• wültige« ist, an die Schauspieler jedoch keine ge• ringen Anforderungen stellt. Nun. cs kann rumllier״ aus gesagt werden, die Aufführung war mit einer liebevoll-peinlichen Sorgfalt vorbereitet worden, die ernstes Wollen und starkes Können verriet und einige der Mitwirkeitden — in erster Linie der treffliche Daisteiler des alten Rabbi Schräg» — boten Lcistun• gen. die oft vergessen Heften, dali man nicht Künstler, sondern Dilettanten vor sicii halte . . Möge der junge Verein durch den Erfolg, den ihm die erste Veranstaltung brachte, angeregt werden, au schwierigere Aufgaben hernnziigelien, und stofflich wertvollere Dramen zur Aufführung bringen, Hebräische Verlaflsanslallen Die verschiedenen Bestrebungen, in Palästina ein 11 e b r ä i s c 11 c s Zentrum zu schaffen, liaheit fn letzter Zeit, wie ■ms aus Jaffa geschrieben wird, zur Gründung von zwei neuen Vcriagsimieriielmitmgcu geführt: ״Barkai" und ״Jcffcth“. An der Spitze des ,ßurkai‘ stehen S. Outmulm, Mordchai ben Hiiel Kuban und Dr, 1. L. Lurjc. ״Bnrkni" will von Palästina aus auf die gesamten Zweige der Literatur cinwirkcn und zu diesem Zwecke Zeitschriften und Bücher aus verschiedenen Gebieten iterausgeben. Die pekuniären Mittel sucht er durch den Absatz von Anteilscheinen zu je 100 Frs. zu gewinnen. Der Verlag ״Jcifcth" hingegen hat ein beschränktes Ziel. Kr hat sielt zur Aufgabe gestellt, klassische Bücher der Weltliteratur ins Hebräische zu übersetzen, ln erster Heilte sollen die geistigen Bedürfnisse der erwachscncn Schuljugend und der Scfardim berücksichtig( werden, in nächster Zeit werden Bücher von Goethe, Lcrmontoff, Tolstoi, Hauptmann, Biörnson, Emerson, Chamisso, tagcrlöf u. a. in der Übertragung von M. Wilkansky, A. $. Rabinowitz, D. Schimonowitz, I. Ch. Brenner, Sch. J. Agnon, R. Benjamin u. a. erscheinen. Die pekuniären Mittel des Verlags setzen sich zusammen aus einmaligen Beiträgen von 100 Prs. und aus jährlichen Mitgücdshcitrügcn von mindestens 10 Frs. Mitglieder erhalten die Bücher des Verlages gratis. Den Vorstand des Verlags ״Jeffeth“ bilden J. Peldmann, Dr. J. Tlton. ner auf die Gefahren, die der schulentlassenen Jugend drohen, um die Wichtigkeit der Fürsorge für •diese daraus zu schlichen. P.r plädiert für Einführung von Elternabenden (um ledc Schule muh sieh eine Schulgemeinde bilden), für Unterstützung der sich bilden den Jugendvereine, die dazu angetan seien, unserer Jüdischen Jugend wieder einen grollen idealen Zug zu geben. Zum eigentlichen Thema übergehend, verlangt Verfasser Aufklärung der Mutter in Erziehungsträgern Bildung durch Arbeit bereits vor dem sciiulpflic)!• tigen Alter. Wie man auch zur Frage des letzt sehr ver• breiteten Handfcrtlgkcitsuntcrrichts stellen ning. darin wird man dem Verfasser zustimmen müssen, daf) der jüdische Lehrer bestrebt sein müsse, die Jugend wieder dem Handwerk und, vor allem, der Bodenkultur zuzufälircn. Verfasser zerstört mit Recht das Märchen von der Arbeitsscheue der Juden und beschuldigt mit ebensolcher Berechtigung gerade diejenigen, die* Juden vom Handwerk entfremdet haben, die am lautesten jenen Vorwurf gegen uns erheben. — 1111 gunzen eine lesenswerte Schrift, die uns vielerlei Anregung «eben wird, wenn auch mancher F.lnwand gegen dies und jenes erhöhen werden könnte; so — was gerade in diesem Blatte nicht übergangen werden darf - wenn er gegen den Zlo tiismus, ohne diesen Ausdruck zu gebrauchen, pole mlslert, von dem er der Ucbcrzeiigung ist, dali er uns weit ab von dem Wege zum Heil führe. (S. 4.) Dagegen scheint P. sich dns Zitat von Martin Bubcr (S. 9) zu eigen zu machen, ln welchem B. von der Bewegung spricht, sich als Organismus zu fühlen und nach harmonischer Entfaltung seiner Kräfte zu streben.Sic wird uns vor einer äußeren eine Innere Heimat schaffen“. Welche andere ״Pcwegung" dürfte wohl gemeint sein? .1. S. in K. Die Lehre vom göttlichen Willen bildete bereits in den Philosophcnschulen der Araber ein wichtiges Problem. Hier wurde sic in überaus subtiler Weise erörtert, ohne jedoch weiter als zu mehr oder minder scharfsinnigen Wortdeutungen und Haarspaltereien zu führen. Erst die jüdischen Rcligionsphilosophen haben die Frage allseitig und tief zu erörtern ver* standen. Sic brachten das Problem mit dem Monotheismus in Zusammenhang. Zuerst erörterten sie die einzelnen Funktionen und Acuficrungcn des göttiiclicn Willens (von Suudia), bis endlich nach einer Reihe von Wandlungen der göttliche Wille in den Mittelpunkt der Weltanschauung unserer Philosophen tritt. Diese Entwleklungsrcilic darzustcllcn, war' die Aufgabe des vorliegenden Buches. Sic kann als sehr gelungen bezeichnet werden, wenn man annimmt, dal) der Verfasser einen Ucbcrblick Uber die Frage für das gebildete Laicnpublikum geben wollte. Dem Forscher konnte in diesem Büchlein nach den grundlegenden und tief schürfenden Darstellungen von Kaufmann (in der ״Attributcnichrc usw") und anderen kaum etwas Neues und Wesentliches geboten werden. Immerhin zeigt der Verfasser einen hohen Qrad von Selbständigkeit und Belesenheit, der von dem in den religion-philosophischen Traktätchen sonst häufig üblichen sielt sehr günstig abhebt. Zu einzelnen Auffassungett könnte man große Fragezeichen setzen, docli gehören solche Erörterungen wohl nicht in den Rahmen dieses Blattes. Als populärwissenschaftliches llucli mag Orllnfcids Arbeit rückhaltlos empfohlen sein. n|l• Bücherbesprechungen Kulturelle Bestrebungen innerhalb der deutschen Judcnl1ctt%von Rektor Feiner, Hamburg, Lcßmann, 2. Auflage. Ein nur 20 Seiten umfassendes Büchlein, aoer welche Fülle der Gedanken! Was uns packt, das ist die innere Erregtheit des bekannten Verfassers, die Echtheit der Worte, die darum zu Herzen geht. Nicht theoretische Belehrung — obwohl auch diese gefunden wird — praktische Ausführung der entwickelten Idecn, Erstarkung des Judentums ist der Zweck des nun in 2. Aufl. erscheinenden Heftchens. Verfasser legt den Finger auf die vielen Wunden in der Erziehung im allgemeinen, im Judentum im bc• sonderen. Er weist hin auf die höchst bedauerliehe Tatsache des Rückganges der ]ü• di sehen Volksschulen in kleinen Orten, fer- S. A. Ilorodczky, Rabbi Nacltmnn von Brazlaw Beitrag zur Geschichte der jüdischen Mystik. Berlin 1910. Verlag von M. Poppelauer. Ilorodczky hat durch seine zahlreichen Schriften über den Chassidismus, die bisher in hebräischer Sprache veröffentlicht wurden, sich längst einen Namen als gründlicher Kenner dieses Gebietes der jildiselicn Literatur und Geschichte erworben. Und in der Tat ist er schon durch die Art seiner Dar- Stellung, die gleich weit von nuaslmystischer Nachalunung chassidischcr Motive wie von allzu trockener und ilbcrgciclirtcr Gcschichtskritik entfernt ist, herufen, über den Chassidismus zu schreiben. Durch die vorliegende Schrift wird der Leser bcfällig!, sich ein getreues Bild von dem Wesen und Inhalt des Chassidismus und die Gestalt des Rabbi Nacltmnn )Heraus zu konstruieren. Er erlebt in dem Buche den wunderbaren Kampf des ״Oefllhlsjudciitums" gegen den starren Rabbinismus; die tiefe Philosophie der bisher nur wenig gekannten Sekte und die vom fokloristischcn Gesichtspunkte aus aullcrordentlich interessanten Sitten und Gebräuche ihrer Anhänger, und ist so imstande, eine ganz neue Seite des jüdischen Wesens zu verstellen. Und im Mittelpunkte der ganzen Schilderung steht die herrliche Gestalt des Rabbi Nachman, eines der Führer der Sekte, der ihr Prediger, Lehrer und Dichter war, ein tief empfindender Mensch, der dem ewig lebendigen Schaffen der Natur einen wirkungsvollen Ausdruck in Märchen und Erzählungen zu geben wullte, ein Mensch mit der ganzen glühenden Begeisterung des Poeten und doch nicht frei von kleinlichen Schwächen. In der russischen Heimat und In Palästina verfolgen wir die Wandlungen dieses Geistes, in welchem die Ideen des Beseht, des Begründers des Chassidismus, eine Renaissance feierten. Dies alles ist halb Im Erzühlcrton, getragen von einer tiefen Kenntnis der Sache und einem Scharfblick für Menschen und Verhältnisse, dargcstelit. Leider darf nicht verschwiegen werden, daß der Stil stellenweise viel zu wünschen übrig läßt, und daß mehrfach Druckfehler störend wirken. Abgesehen von diesen verhältnismäßig nicht sehr erheblichen Ausstellungen, die in einer Neuauflage leicht beseitigt werden könnten, muß dieser Arbeit Horodez.kys ungeteiltes Lob gezollt werden. ml. * Dr. Arnold Grllnfold, Dlo Leliro vom Göttlichen Willen bei den jüdischen RdiglonsphUosophon des Mittelalters von Saad|a bis Matmunl. Münster 1909. Druck und Verlag der AschendorHschen Buchhand• lung. Farbige biblische Wundblldcr zum Allen Testa• ment, licrausgcgcbcn von Adolf Lehmann, Schuldirektor in Leipzig. Original-Stcinzcichnungcn von Professor Franz ff ein. Bildgröße 70:100 cm. Preis pro Blatt: roh 3 Mk., schulfcrtig 3,30 Mk., auf Leinwand aufgezogen, mit Stäben 5 Mk. Rudolf Schick & Co., Verlagsbuchhandlung, Leipzig, Funkenburgstrafic IO nt. Die Bildei. von denen wir das eine zu reproduzieren bereits früher in der Lage waren, sind wohl geeignet, auch im jüdischen Unterricht verwandt zu werden und die Schulstunde in anregender Weise zu beleben. Sowohl zeichnerisch als auch in der tcchnischcn Herstellung des mehrfarbigen Steindrucks verdienen die Bilder ein glattes Lob. Bisher wurden die folgenden Motive des alten Testaments behandelt: Elicser und Rebekka: Joseph wird verkauft: Joseph begrüßt seinen Vater; Die Auffindung Moses: Die Gesetzgebung; Rutil und Boas; Hanna und Samuct bei Eli; David und Goliath; David spielt vor Saul; Tobias Heimkehr. ־— Wir glauben, daß sicii die Bilder iin Scliulgebraucli gut bewähren werden. * Subbat und Sonntag. Von Professor Dr. H. Mein hold. 8°. 125 S. (Wissenschaft und Bildüng. Bd. 45.) Geheftet M. t.—, in Originalleincnband M. 1.25. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. 1909. Das Schriftehen bietet sehr viel Interessantes, insbesondere zur Geschichte des Sonntags und zu dem Verhältnis dieses christlichen Feiertags zum Sabbat. Was über den Sabbat, seine Entstehung, Entwicklung und Bedeutung gesagt ist, deutet aber " zweifellos auf eine recht schiefe und von Objcktivität ziemlich weit entfernte Auffassung der Dinge hin, worüber man sich allerdings bei einem Theologen wie Mcinhold nicht wundern darf. Ein Satz wie ״Jüdische Frömmigkeit ist ohne Sabbat und Beschncidung gar nicht zu denken", spricht bei jedem, der von den Dingen etwas verstellt, für sich selber. Das aber ist tlicologisch-profcssoralc Wissenschaft! Es wäre unnütz, sielt bei allen Schwächen des Buches, dessen Vorzüge dabei absolut nicht verkannt werden sollen, aufhatten zu wollen. Insbesondere der erste Teil des Buches, der über den ״Sabbat" handelt, läßt sehr viel zu wünschen übrig; bedeutend besser ist der zweite Teil ausgefallen, der sich mit dem ״Sotuitag" beschäftigt; was hier speziell Uber den Sonntag In der nachrcformatorischcn Zelt gesagt Ist, verdient in jeder Beziehung viel Beachtung. Im Verlag Sch. Schrcbcrk in Wilna werden dem• nächst sämtliche Werke von Mendclc Mocher Seforim in einer Prachtausgabe von zwölf Bänden in jüdischer Sprache erscheinen. Die Ausgabe wird auch die vom Verfasser selbst aus dem hebrüisehen übersetzten Werke enthalten, wie auch einige bisher dem Publikum wenig bekannte Erzählungen, wie: ״Luft-Ballon". ״Isrolik in der Luft" (eine Fort* Setzung von der ״Kliatsche"), ״A Stodt In Misrnch״ Wand" u. a.

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