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Jüdische Rundschau · 1911-02-17 · Heft 7 (17.2.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 76. IUEDISCHE RUNDSCHAU t No. 7. Ägypten: Alexandria.20 ׳״ Kairo.•. 9נ .׳ % An vielen Orten bestehen auch indische Schulen mit deutschem Sprachunterricht, während utt anderen Orten der ausgesprochene christliche Unter• rieht deutscher Schulen den Schulbesuch jüdischer Kinder ausschlicllt, namentlich in England und Nord* amerika. In Klcinasicu und Nordafrika ist allerdings der Einfluß der Alliance israelitc universelle bisher wesentlich zugunsten der französischen Sprache wirksam gewesen. Neuerdings hat sich übrigens aus der Mitte der Alliance selbst deutscher Widerspruch gegen die allzusehr vorwiegende Förderung des Französischen erhoben. Die Zweisprachigen. Wenn das ״Handbuch des Deulschtums im Aus• land" für die Vereinigten Staaten 11 Millionen Deutschsprechende annimmt, so heilit das nicht, dail diese 11 Millionen kein Englisch verstünden oder redeten. Wie jeder beobachten kann, der jahrelang in Nordamerika gelebt hat, ist vielen dieser Deutsch* redenden das Deutsche erst die zweite Sprache. Sicherlich wird eine amerikanische Statistik der Englisch reden den nur einen geringen Teil jener 11 Millionen aus ihren Ziffern ausschal• t c n. Und in anderen, besonders Englisch redenden Ländern ist das Gleiche zu erwarten. Entsprechend würden wir auch bei einer näheren Untersuchung der doppclsprachigcn Verhältnisse unter den Juden zu eigenartigen Resultaten kom• men. Von den 97 70 der russischen Juden, die das Jüdisch-Deutsche als Muttersprache angeben, werden die meisten auch Polnisch oder Russisch verstehen lind sprechen, während im Orient selbst drei und mehr Sprachen von ganzen Schichten der jüdischen Bevölkerung soweit beherrscht werden, daß sic in der Statistik für alle diese Sprachen mit aufgeführt werden könnten. Aber alle diese Viel• sprachigkcit ändert nichts daran, dafl deutsche Mundarten die Hauplspraehc des größten Teils der überallhin verstreuten Judenheit sind. Stimmungen und Interessen. über die wirtschaftliche Wichtigkeit der Erhol• tung und Erweiterung des eigenen Sprachgebiets bc• steht heut kein Zweite! mehr, ebensowenig in Deutschland wie in anderen Kulturländern. Die Be• dcutung der Stirnmungsfrngc in dem Verhält• nis von Volk zu Volk ist weniger oft erörtert. Für sic ist nicht zu übersehen, dail die Mehrzahl der Juden — oder was fast dasselbe sagen will, der deutschsprachigen Juden — seit den letz• ten 1(0י Jahren in Deutschland ein kulturelles Zen• trum erblickt, sowohl in Bezug aul die neuere jüdische Wissenschaft, die ja vorwiegend deutsch• sprachig ist, wie in Bezug aui die allgemeine deutsche Kultur. ' Aller Stimmungen hüben und drüben ungeachtet müssen vor allem auch die Juden i nt A u sl a n d e trachten, das Deutsche bcizubchaltcn, damit nicht die Ablösung dieser Sprache durch eine Vielheit anderer Idiome dem neuerdings wieder erwachten Oe• danken ihres religiösen und nation a 1 c n Zusammenhangs c n t g c g c n w i r k e. ״Torath Awodath Haadamah“ Als ich vor etwa drei Jahren das erste hebräische Jahresprogramm des nunmehr bekannt gewordenen ״Hcrzliah-Gymnasiums" in Jalfa, erhielt, da schrieb leb jenen Tag als ein' Nationalfest in mein Notizbuch ein; ich drückte mit Freude das Droschilrchcn an meine Brust, ich sah in ihm das erste greifbare Zeichen unserer Auferstehung im Lande unserer Ahnen. — Ähnlich erging cs mir nun vor einigen Tagen angesichts des ncucrsehicncncn Buches: ״T 0 r a h t - A w 0 d a t h Haadamah־‘, Uhvbnch der praktischen Agronomie von lng.-Agr. 1. J. Ein׳ h 0 r n, und, ich glaube, das erste zusammenhängende Erzeugnis auf naturwissenschaftlichem Gebiete, in hebräischer Sprache. Meine Freude an diesem Buche war, wie gesagt, unermeßlich groll; denn das Fehlen von positiv• wissenschaftlichen Abhandlungen in der Sprache unserer Propheten bedeutet für uns. zumal heute, wo wir bereits angefangen haben allgemeine Kultur mittelst der hebräischen Sprache unter unsere Jugend zu verbreiten, eine Lücke die sich sehr stark fühlen läßt. Dieser Mangel erscheint uns um so bedeut• sanier, als wir in der Entwicklung der modernen hebräischen Literatur doch gewiß «inen Aufschwung 7.u verzeichnen haben, der in den letzten Jahren eingetreten ist und uns als kralliger Beweis ihrer Lebens• fülUgkcit dient. Während wir nun aui belletristischem und literarischem Gebiete täglich neue Erscheinungen begrüßen, sind die wissenschaftlichen Bücher hingegen, die hebräisch geschrieben werden, äußerst rare Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina Der fast alle Länder Europas und die Vereinigten Staaten Amerikas umfassende ״Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina," der jetzt auf eine dreijährige Tätigkeit zurückblickt, hat in dieser kurzen Zeit viel Gutes in Palästina gestiftet. Von der Tatsache ausgehend, dass die wirtscftaftliclic und ethische Hebung eines Volkes stark von der Erziehung der Frau abhängt, hat der Verband cs sich zur Aufgabe gemacht, seinen Teil an der Kulturarbeit in Palästina durch Wirtschaft* liehe und ethische Hebung der Frauen dieses Landes beizutragen. Er versucht, den dortigen Mädchen und Frauen, die noch in dem orientalischen Vorurteil befangen leben, dass Arbeit erniedrigt, einen westlichen Begriff von der sittlichen Höhe rechtschaffen er Arbeit und der darauf basierenden persönlichen Unabhängigkeit beizubringen. Er hat dieses bereits mit Erfolg gclan, wie cs die von ihm in Ja flu und Jerusalem gegründeten Spitzen* 'schulen beweisen. Diese werden von 30 bezw, 50 Schülerinnen besucht, welche je nach Gcschickticiikeit frs. 2,30 bis frs. 3,50 wöchentlich, Ficissigc sogar frs. 6.— per Woche bei sechsstündiger Tagesarbeit verdienen. Bei den dortigen geringen Lebensbedürfnissen hat der für unsere Verhältnisse karge Verdienst eine grosse Bedeutung. Die Spitzenschulen stehen unter Leitung von Prof. Boris Schatz und Frau Mayer* L ii b k c, während ehemalige Schülerinnen des Jaffacr Ateliers als Lehrerinnen tätig sind. Auch in Tiherias soll eine Schule mit 25 Schülerinnen eingerichtet werden. Die Einrichtungskosten werden von der Moskauer Ortsgruppe des Verbandes aufgebracht. Die fertigen Arbeiten werden grösstenteils nach Berlin geschickt und haben überall, wohin sic von hier aus kamen, sehr viel Beifall und viele Kauflustige gefunden. Wenn die Produktion erst eine grössere ist, ist der Absatz an europäische Geschäfte gesichert und vielen palästinensischen Frauen und Mädchen ein Erwerb geschafft. Audi der noch sehr im argen liegenden jüdlsehen Krankenpflege sowie dem jüdischen Spitalwcscn in Palästina wandte der Verband gleich nach Konstituierung sein Interesse zu. Für das jiidisehe Krankenhaus in Jaffa hat er eine europäisch gebildete Krankenpflegerin angcstcllt und auf deren Veranlassung einige Anschaffungen gemacht. Von der Moskauer Ortsgruppe des Verbandes wurde ferner eine Wöchnerinnen- und Rcconvalcsccntcn* Stube eingerichtet. Um den Mangel an gut ausgebiidetem Pflegepersonal zu verringern, wurde ein für diesen Be• ruf sehr geeignetes junges Mädchen, das aus Russ- Land nach Palästina ausgewandert war, auf Voran• lassung und Rechnung des Verbandes am Breslauer jüdischen Krankenhaus ausgebiidet und bat nach bestandenem Examen eine Anstellung im Krankenhaus ״Schaarc Zedek" in Jerusalem gefunden. ln Haifa, das sich immer mehr zu einem jiidisehen Zentrum entwickelt, wo jetzt auch das jüdische Versuche. Wem! sich aber die so selten erscheinenden hebräischen Lehrbücher als ganz besonders geiungene Versuche bewähren, so Ist dies gewiß als eine neue Errungenschaft auf dein Wege zur jiidi* sehen Renaissance zu betrachten. Und ein solches Versuchsbuch ist das oben erwähnte Lehrbuch der Agronomie. Von den Zcichnungen, Erklärungen und wissenschaftlichen Erörtcruiigeii her weht uns ein frischer, gesunder Hauch von jung- und zukünftig jüdischem Baucrnlcbcn entgegen, wir spüren den Duft der in der Sonne glän-?.enden, leicht tauenden Äcker, wir glauben uns versetzt inmitten jene so einfachen und doch in ihrem berauschenden Zauber sagenhaft erscheinenden Naturweit, die die meisten unter uns Diasporajuden fast nur vom Hörensagen kennen. Der Autor drückt cs in seinem Vorwort trefflich aus: ״Die Rückkehr nach dem Heimatlandc heißt soviel wie die Rückkehr nach dem Iteimatsboden; eine Ironie der Geschichte ist es, daß das Volk, welches ״unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum blüht, das Volk, weidies allen Erdbewohnern den Ratschlag gegeben, ihre Waffen in Ackcrlmugorütc umzuschmieden, daß dieses eminent agrarische Volk heute fm finsteren Ghetto verkümmern muß, da cs im Laufe der Jahrhunderte dazu gezwungen worden, sein Lcbcnsclcmcnt, den Boden aufzugeben, und sich den von der Qcwalt seiner Bedrücker aufgezwängten Berufen hinzugeben." ' Treten wir nun dem Inhalte des gelungenen Werkes näher, so linden wir eine reichhaltige Fülle von Kenntnissen, die durch die vorzügliche methodische Technikum errichtet wird, will der Verband auch ein jüdisches Krankenhaus gründen und cs ständig subventionieren, damit die jüdischen Pallenten nicht mehr gezwungen sind, das engl1׳,ehe Missionsspital oder das deutsche , katholische Krankenhaus aufzusuchen, in dem sic häufig über antisemitische Unfreundlichkeiten klagten. Von de« öOOO frs., die zur Einrichtung nötig sind, sind bereits •1000 frs. filr diesen Zweck gespendet worden, ii! ist sehr zu wünschen, dass sieh der fehlende Metra! schnell ansammclt, damit das Hospital in kurzer Zeit eingerichtet werden kann. Auch zu dem traurigen Kapitel des Mädchenha n d eis, der in einzelnen Fällen von Aegypten ן|י׳3ח Palästina überzugreiten droht, hat der Vcrinir.K Stillung genommen., Es ist sein Streben, diese* schändliche Geweihe dort zu unterbinden, bevor 6$ grössere Dimensionen annehmen kann. Um die jüdische Frau für das kolonisatorische Werk in Palästina tauglicher zu machen, Hatte der Verband von Beginn seiner Tätigkeit an die Gnind'.ing einer Haushaltungs-und Landwirtschaflsschule im Äuge. Aus Mangel an Mitteln musste er diese ausserordentlich wichtige Gründung bis jetzt aulschieben. Der Verband hofft aber, wenn er nun mit tii.cm ausführlichen, von Sachverständigen atisgcarbi'Rctcm Plan vor die Ocffcniliclikcit tritt, auf die Unterstützung weiterer Kreise 'cdmcn zu dürfc.1. Der Verband ist sich dessen bewusst, dass 110U1 sehr viel auf kulturellem Gebiit in Palästina zu leinen bleibt. Wenn er sich in dem Masse weiter entwickelt wie bisher, wird er bald alten Aufgaben, die er sich noch weiter stellt, w'e: Anstellung voi. Gemeindeschwestern, Gründung eines Heims für Krankenpflegerinnen, eines Ateliers für Wcißwüsclic, Unterstützung von Arbeiterhausern und -Küchen in den Kolonien, gerecht werden können. Es kann daher den jüdischen Frauen aller Länder, welche jüdischen Fragen Liebe und Verständnis entgegenbringen, n ic 111 nahe genug gelegt werden, den ״Verband Jüdischer Frauen nionafssdjrift für Die Crsdjliessung Palüsiinas Herausgeber: Adolf Böhm, Wien. Redaktion: Dr. Ernst Müller, Wien. VIII. Jahrgang 1911. Na. 1/2 Sandernummtr! P. L. 0, C täte llcdcuiunß d?r P. L. f>. C., von A. Böhm, Wien — Landwirtschaftliche Kolonisation ln l’a'flstina.von Dr.Jac. ihon, J,1K * -- Kineret, von Dr. Hünen Katr, Hannover - Die Slc<Jlungsgcn0Mcnsch.itt — Die!׳anrösische Koloni• sailon ln Nord Afrika, von A. A'ronsohn, llaila — Wild• wacii end; Oclrcldcaricn In Palästina - Innere Kolon! sailon In Deutschland — Urschriiicnlunde — llcrichi der I*. L D. C. — Die viilagc von Plbn/iimcn In Palästina - Land uul Qariensicdlungen — Die Ziele der P. L. D, C — I,.1l;)s1injrei1j u. a. m. /.ah reiche Abblldungca Bezugspreis per Jahr für Deutschland M. 3.—■ Vereine die mindestens 50 Exemplare auf einmal beziehen, erhalten 33*/, 0/o RabaR. Soobon erschienen: Aneinanderreihung, wie durch die leichte, populäre D ir- Stellung, sielt nicht nur den Eingeweihten, sondern mich dem größeren Leserkreise der Laien zugänglich machen. In der kurzen Einleitung ״über die l'.roberung der Pflanzenwelt," werden die allgemeinsten Züge dieser Errungenschaft dargetan; sodann gibt uns der Verfasser eine kurze Pflanzcnmorphologic. welcher sieh eine Besprechung einiger wichtiger Pflanzeiifamilicn anschlicßt. ln den folgenden Abschnitten werden Klima. Boden, Bewässerung, mch ihrer Verteilung bezw. Zusammensetzung eingehend besprochen. Besonders lehr reich sind die vielen Experimente und Anführungen aus der Praxis, mit denen ja ein jeder Ackerbauer vertraut sein muß. Pie einzelnen Zweige des eigentlichen Ackerbaues, welche die zweite Hälfte des Buches cinnchmcn, sind mit Rücksicht auf die moderne» Errungenschaften auf diesem Gebiete, abgefallt. Alles in allem ist das Buch, wie gesagt, ein populär-wissenschaftliches, durch welches die Leser eine Summe von geo• logischen, physischen und chemischen Gesetzen und Erfahrungen erhalten. Was aber wirklich von iinbestreitbarem Werte am Buche ist, das ist die glückliehe Lösung des Problems einer hebräischen Terminologic. welche hauptsächlich aus dem vorhandenen Bibel-, Misclmali- und Tabmidsprachstoff gebildet ist; wer sich eine Vorstellung macht von den ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen ein solches Unternehmen verbunden ist, wird dem Verfasser seinen Dank und Lob cntgcgcnbringcn. Das Buch kann zweckmäßig in den elementaren Agronomleklasscn clngcführt werden, wo <wle z. B. 1

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