Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6. IUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 65. lens geworden ist, mit Stumpf und Stiel uns aus dem Herzen gerissen werden können. Wer vorurteilslos Juden betrachtet, die auch nicht mehr den küimncr• liebsten Rest Jüdischer Kultur in sich tragen, der weiß, daß wir trotz aller deutschen Kultur von den Deutschen wcscnsvcrschicdcn sind. Das Erbe der Jahrtausende, das tief im Blute sitzt, und die lauge, getrennte Entwicklung lassen sieh durch einen herz• haften Entschluß, wir sind oder wollen Deutsche sein, nicht wcgdckrcticrcn und ausmerzen. Nur durch die Vernichtung der jüdischen Rasse mit Hilfe der (Mischehe, vorausgesetzt, daß diese allgemein werden könnte, lUllt sich auch die Eigenart dieser Rasse aus der Welt schaffen. Mit der ewig und emphatisch ••׳iedcrlioJlcn Erklärung, wir sind Deutsche, kommen wir auch nicht einen Schritt weiter. Nur zwei Wege bieten sich für eine Lösung der hulenfrage dar: der eine ist die Auflösung des Juden• Iiiiiis, der andere ist der Zionismus. Welchen Ver• kehr titelten und Unmöglichkeiten wir auf dem crstcrcn Wege begegnen, haben wir gesehen. Es bleibt also nur der Weg des Zionismus, der für das jüdische VoIk nicht nur der einzig ehrenvolle ist, sondern an seinem Ziel auch wirklich Erlösung bringt. M. J. ״Bresche“ Die ״Staatsbürger-Zeitung" kann sich vor Wut nicht fassen. Dem unter dem irreführenden Namen einer für die Gesamtheit der ״Staatsbürger" erscheinenden Hctzblättchen ist nämlich der Schmerz widerfahren, in einem der deutschesten Organe cm Thema, das auch eine jüdische Seite hat, sachlich erörtert zu sehen.״) Die ״Staatsbürgerin" schlicsst aus dieser Tatsuche — mit Recht — dass deutsch und antisemitisch trotz aller Anstrengungen von ihrer Seite noch nicht gleichbedeutend geworden sind, und sic befürchtet — ebenfalls mit Recht — dass, was bisher nicht ge• hingen ist, in Zukunft noch viel weniger zu erreichen sein wird. Das war ja die Hauptstärkc der Antis, dass sic cs verstanden, das Publikum glauben zu machen, hinter ilincn stünde die grosse Mehrheit des deutsehen Volkes. Und darum sind sic auch auf keine andere Weise empfindlicher zu treffen, als indem einwandfrei nacltgewlesen wird, wie wenig diese traurige Ruhmesrednerei der Wahrheit entspricht. lnv vorliegenden Palle rückt eine der massgebliebsten deutschen Organisationen deutlich von der mittelalterlichen Gesellin ab. Wir sind weit davon entfernt, die Bedeutung einer solchen Tatsache zu überschätzen, aber das Wutgeheul der Staatsbiirgeritt zeigt deutlich: cs ist Brescbegeschosscn worden in ihre Mauern und der breite R i s!s zeigt die ganze Armseligkeit ihres Scheingebäudcsl Die ״Staatsbürger-Zeitung" schreibt am 2. Pcbruar (wörtllehl): *) ״Das deutschsprachige Judentum im Ausland" (von Davis Trietscli) in: Das D c u t s c h t u m i m Ausland. Vicrtcljahrslicftc für das Deutschtum im Ausland. (Allg. Deutscher Sclmlvcrcin) E.V. - Wir bringen das Wesentlichste des Artikels an an• derer Stelle. Die Redaktion. Blicke auf meinen Sohn, dessen Gesicht vor Scham und Zorn purpurrot wurde. Er stand «uf, protestierte Regen die Worte des Lehrers — und zum Schlüsse wurde er aus dem Gymnasium [jestoßen. Nachdem dies geschehen war, be* schloß ich, mich bei den Schulbehörden nicht weiter zu bemühen, wie dies sonst der hall zu sein pflegt, damit man meinen Sohn wieder auf nehme, vielmehr sollte er selbst studieren und sich daheim für die Aufnahme in eme Universität selbst vorbereiten. Und so mietete ich ihm eine selbständige Wohnung, auf daß er ruhig und sorgenlos studieren könne. Die Wohnung meines Sohnes bildete einen Treffpunkt für die Kameraden, welche er um diese Zeit gewonnen hatte, und er spielte mit ihnen in den freien Stunden nach Art der Jungen. An• fangs zählte er nur wenige Freunde, doch 1m Laufe der Zeit mehrten sie sich und komen ollcrs ־!u ihm. Sie debattierten und piulosvipl! ׳uh.!! acien waren ooiihiwj»»״״1׳., -״־•׳. «»«״׳ ind andere, eine ganz sonderbare GtselL 4ir selbst gefiel diese Ka.ncrads1{־־alt muht• jlaubte, dah sie ״Weltverbesserer seien und ürchtete, daß durch sie noch Konflikte mit מו mtstehen könnten. Den•] uh iTDIrnnnoonen »och der Jugend unserer d. h. der vergangenen ״Sonderbare Auffassungen von seiner Aufgabe scheint der Verein für das Deutschtum im Auslände (Allg. deutscher Schulvcrcin) zu hegen. In No. 6 seiner ״Mitteilungen" befindet sich ein Aufsatz: ״Das deutschsprachige Judentum Im Ausland". Es wird darin die trostvollc Angabe gemacht, daß von 12'a Millionen Juden der Erde nicht weniger als 11 Millionen ״deutschsprachig" sind, wie sich die . Mitteilungen ausdrueken. Zwar sei das von diesen Herrschaften gesprochene Idiom das sogenannte Judendeutsch, aber cs sei dem Deutschen ebenso gut verständlich wie vielen deutschen Mundarten (I), die aus dem deutschen Sprachbercicli ausznschaltcn niemand cinfallcn würde". Das Organ des Allgcmeinen Deutschen Sehulvcrcins schließt sein Elaborat mit dem Hinweis, daß die ״Dcutsehsprachigkcit dieser Millionen ausländischer Juden, zumal im Orient, einen wichtigen Paktor fiir die Ausbreitung deutscher Kultur und Wirtsclmftsintercsscn im Ausland bilde." Als wir diesen ״deutschsprachigen" Erguß lasen, trauten wir im ersten Moment nicht unseren Augen. Wenn ein derartiger Unsinn die Spalten der ״Mitteiluugen" des ״Abwchrvcrelns" geziert hätte, bliebe es verständlich, wenn aber ein bisher doch deutsch sein wollender Verein sich mit den Juden da draußen im Orient und mit den Herren von HoundsUitch solidarisch erklärt, dann hat er seine Existenzberccii• tiguug verloren. Gewiß fördern Milli men von Juden draußen ein gräuliches Spraehgcmcngscl zu Tage, das an die Vcrbreclicrsprachc durch einige deutsche Bestandteile erinnert*), aber dieses widerliche Gemisch aus Hebräisch, orientalischen Sprachen, polnisch und verdorbenem Deutsch als gleichwertig mit der Sprache eines Pritz Reuter, dem anheimelnden Allcmanisch eines Peter Hebel oder dem Idiom des Rlicingaes zu stellen, verrät entweder völlige Unkenntnis oder erkennbare Absicht! ״• Die Millionen Juden draußen, die sieh unberechtigterweise als Deutsche bezeichnen, sind keineswegs ״Paktoren für die Ausbreitung deutscher Kultur", sondern direkte Schädlinge für die Interessen des Deutschtums. Der Deutschenhaß im Ausland wäre lange nicht so groß, wenn nicht Millionen unsauberer, betrügerischer Juden als Anarchisten. Müdchenhündler, Bordcltbcsitzer, Taschendiebe, Wucherer. Kuppler. Hehler dem Ansehen des Deutschtums unendlichen Schaden zufügen würden. Durch die oft dcutschklingcnücn Namen dieser Gesellen wird der unkundige Bewohncr fremder Länder gar zu häufig veranlaßt, die Schandtaten und das unreelle Gebaren der ״deutschsprachigen" Juden dem Deutschen ln die Schuhe zu schieben; wie man dies in England und Amerika täglich beobachten kann. ־ Es ist zu wünschen, daß sich auf der nächsten Hauptversammlung des Allgcmeinen deutschen Sehulvcrcins deutsche Männer finden werden, die energisch Verwahrung dagegen cinlegen. daß das Vcrcinsorgan nochmals zur Loslassung derartiger Judenarien mißbraucht wird." Wir dürfen diesen Schmerzensschrei einer edlen Seele ohne weiteren Kommentar für sich wirken lassen. Entgegnung Auch nach einer Antikritik der in Nr. 44 v. J. der ״Jüdischen Rundschau" erschienenen Hesprcchung des Pogroiubuchcs würde der Unter- *) Die kostbare Feststellung, daß das Judendeutsch an die Vcrbreclicrsprachc durch seine deutsehen Bestandteile erinnert, ist — wie wir ausdrileklich fcststcllcn, auf dem Beet der Staatsbilrgcrzeitung gewachsen. - Red. d. ״J.R." Generation, ihrer Reden und ihrer Schicksale. Die einen wurden in die Gefängnisse geworfen und gingen dort zugrunde, die anderen irrten als Nomaden hungernd und dürstend in der Welt herum. Und auch ich und du, mein Lieber, bewegten uns öfters in dieser Gesellschaft und viel fehlte nicht, so wären auch wir ergriffen worden und ״einem geprügelten Hunde zeigt man nicht den Stock“, sagt ein Sprichwort. Jetzt, da ich diese Jungen bei meinem Sohne ein* und ausgehen sah, lebte ich in ständiger Furcht, und eine warnende Stimme flüsterte mir unaufhörlich zu: Beamte und Schutzleute werden kommen, um bei mir Hausdurchsuchung zu veran* stalten! — Ich wollte nicht diesen Umgang meinem Sohne verbieten; denn er war doch bereits mannbar geworden und besaß seinen eigenen Willen; auch hätte ich mit Gewalt bei ihm wohl wenig ausgerichtet. Uebrigens hatte ich schon lange gemerkt, daß er mir nicht mehr wie früher zugetan war, und einen stillen Groll gegen mich hegte. Es war wohl für mich und für ihn besser, daß seine Kameraden ihn besuchten, und daß er nicht zu ihnen ging; so beschloß ich denn, ihn einer heimlichen Aufsicht, die er nicht merken sollte, zu unterwerfen, und ver* legte mich darauf, seine Handlungen auszu• spionieren (Fortsetzung folgt,) zeichnete sich nichc bewogen gefühlt haben, aus seiner Reserve herauszutreten und sich öffentlich zur Autorschaft der in Rede stehenden! Kritik zu be* kennen* wenn nicht Ton und auch Inhalt des Auf- Satzes des Herrn Dr. Zlocisti geeignet wären, die in gewissen Kreisen zirkulierenden Gerüchte zu stützen, nach welchen meine Kritik von einer dem Herausgeber des Pogrombuclies angeblich nicht wohlgesinnten Seite beeinflußt sein soll. Nachdem Herr Dr. ZI. von einer ״auffallenden" Achntichkelt der Kritiken des Pogrombuches in den beiden Deutsch geschriebenen zionistischen Zeitungen gesprochcn hat, erkläre ich hierdurch, daß meine Besprcchung völlig unbeeinflußt von irgendwelchen Personen oder linderen Kritiken entstanden Ist. (Coralniks Aufsatz habe leb erst, nachdem der meine längst geschrieben war, zu Gesicht bekommen.) Wer mich kennt, weiß übrigens, daß ich in allen Fragen unbekümmert um die Konsequenzen meine Wege gehe, und daß der Vorwurf einer Beeinflussung mir gegenüber einfach läelierticli wäre. Was den Inhalt der Gegenkritik des Herrn Dr. Zlocisti betrifft, so bedauere ich zunächst, fcststcllcn zu müssen, daß er auf die von mir gerügten Mängel des Buches mit journalistischen Kniffen und Hut- Stellungen geantwortet hat. Herr Dr. ZI. zitiert: Ist aber jede einzelne Abhandlung auch ״nicht schlecht", so seien doch fast auf jeder Seite stilistisehe und logische Mißgriffe zw verzeichnen. — Diese Gegenüberstellung wäre natürlicli sinnlos, da die Kritik der Porm (des Stils) von der Kritik des Inhalts zu trennen ist. Dies ist auch in meinem Aufsätze geschehen, der übrigens die Präge des Stils nur ganz nebenbei streifte. — Um mir einen Widerspruch nachzuweisen, schreibt Dr. Z.: ״Es ist ein peinlicher Widerspruch, den zweiten monographischen Band zu loben und dann zu behaupten, das vorliegende Matcrial sei umso weniger reif, als uns heute noch die nötige Distanz fehlt, um klar zu sehen." Ich habe wörtlich geschrieben und gemeint: ״Zu einer subtilcln soziialökononi iscltcn Schi,!- derung ist das vorliegende Material umso weniger reif, als uns heute noch die nötige Distanz fehlt, um klar zu sehen." Mit diesen Worten ist die Bcrcclitigung der Einzeldarstellungen ausdrücklich anerkannt, während die Möglichkeit einer erschöpfenden zusammenfassenden Schilderung bezweifelt wird. Herr Dr. Z. läßt aber den erstem Teil meines Satzes einfach weg und stellt damit meine Ausführungen direkt auf den Kopf, Der Aufsatz des Herrn Dr. Z. entsprang, wie mir scheint, dem Wunsche, das von mir angeblich geschmälerte* Verdienst des Herausgebers des Pogrombuches ins rechte Lieht zu setzen. Auf diesem Wege will ich Herrn Dr. Z. nicht folgen, da ich von der unfehlbar daraus entstehenden Prcßpolcmik für die Leser dieses Blattes nichts erwarten kann. Auf einige der im Pogrombuch berührten Probleme werde ich übrigens in einer größeren zur Zeit noch in Vorbereitung befindlichen wissenschaftlichen Arbeit zurückomnicn. Dort wird Herr Dr, Z. meine Antwort in der Sache selbst finden können. Mit Herrn Dr. Z. würde ich cs bedauern, wenn meine Kritik Zionisten ״um die Belehrung und Vertiefung ihrer Anschauungen brächte, die ihnen das Pogrombuch willig bietet". Würde dies geschehen, so wäre damit mir der traurige Beweis erbracht, daß die zionistischen Kreise nicht gewillt sind, Kritiken Tolstoi in hebräischer (lebersetzung Der Verlag ״Misracl! U-Maurabh" (Ost und West) veranstaltet eine hebräische Ausgabe von Tolstois ausgcwüliltcn Schrillen in 6 Bänden. Die Uebersetzung wird1 von den bekannten hebräischen Schriftstellern David P ז i s c h'ima n n, J. Ch. Rawnitzki, A. Drujanow und J. D. Berkowitz besorgt. Als Anhang sollen der hebräischen Tolstoi-Ausgabe fünf Monographien bcigcgcbcm werden, nämlich:!. Biographie Tolstois, von J. Cb. Rawnitzki: 2. Tolstoi der Künstler, von Dr. Eljascbeff; 3. Tolstoi der Phitosoph, vom A. M. Borucho|w; 4. Tolstoi der Bekenner, von A. K arme ly, und 5. Tolstoi und sein Verhältnis zum Judentum, von Achad-Haam. Der Ladenpreis der hebräischen ToistoPAusgabc wird sich auf 5 Rubel stellen. — Wie die Geschäftsstelle der hebräischen Wochenschrift ״Haolam" mittcilt, ist sic in der Lage, ihren Jahrcsabonncnten das Werk als Prämie um die Hälfte des Ladenpreises zu liefern.