Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 6. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 63. Sclbstbcsteuerung im Gründe das des Zionisten würdigste Mit tel der Förderung des N.-F. ist, andererseits auch ein Mittel, das ausschließlich dein Zionisten Vorbehalten bleiben 5011. Eine gut diirchgcfiihrtc Sclbstbcsteuerung sichert dem N.-F. ein bestimmtes Minimal-Einkommcn, mit dem er von vornherein rechnen kann, wahrend last alle anderen Hinkünfte mehr oder weniger vom Zufall abhängig sind. Und cs ist ein׳ Zeichen politischer Reife und intensiver zionistischer Gesinnung, sich durch die SelbsHbcstcuerung dc^ Organisation gegenüber zu verpflichten — eine Verpflichtung, die gerade deshalb um so unverbrüchlicher gehalten werden 1111111. weil sie freiwillig übernommen wird. Jener Minimalbeilrag von 1 Mark pro Monal, den wir vorhin als nüchste Forderung aufstclitcn, mag von den Zionisten als Sclbstbcsteuerung gezahlt werden — am besten im Januar für das ganze Jahr im voraus. Wer cs kann, soll natürlich entsprechend mehr geben: denn׳ cs wird auf der anderen Seite an Ausfällen nicht fehlen. Die Sclbstbcsteuerung wird sich besonders leicht in Vereinen, studentischen Korporationen, im Freundeskreiseüberhaupt in gcschlosscncn Zirkeln durchführen lassen, wenn• sich in solchen eine einzelne Person dafür interessiert. Es ist eine der Aufgaben unserer Kommissäre, für die Bildung solcher Sclbstbcstcucrungsgcnosscn- Schäften zu sorgen. Die Göddern- Buch -Spenden betrugen etwa 8500 Mark. Auch bei ihnen ist eine Steigerung leicht denkbar. Ortsgruppcnvarslitzendcl tüchtige zionistische Ehrenbeamte, verdienstvolle Zionisten überhaupt sollten mehr als bisher durch Eintragungen geehrt werden. Allerdings dürfen nur EintTagungen begonnen werden, deren Durchfiihrung auch sicher ist, und die erste Teilzahlung sollte mindestens zwanzig Mark betragen. Daß die Contcn jahrelang offen stehen und schließlich gclöscht werden, ist weder für die Spender angenehm noch für den, der durch die Eintragung geehrt werden sollte. — Wir werden demnächst eine Zusammcnstellung der noch laufenden G.-ll,•Konten veröffentlichen und bitten die Beteiligten, für deren schnelle Ergänzung zu sorgen. Die Sammelbüchsen, unser praktischstes Sammclmittel, haben rund 10000 Mark gebracht (18 Prozent der Gesamtsumme), die einzelne Büchse im Durchschnitt -־ cs sind über 6000 in Deutschland verteilt — etwa 1,50 Mark, gewiß kein zu hoher Ertrag. Es ist seit Monaten t/as Bemühen der deutschen N.-F.-Zcntralc, eine gcnauc Uebcrsicht über die in Deutschland verteilten Büchsen zu bekommen; mir zu viele Büchsen — deren׳ Inhaber usw. in andere Städte gezogen sind oder sic wcitcrgcgcben haben — sind überhaupt nicht zu ermitteln und werden natürlich auch nie geleert. Es kann aber gar nicht oft genug gesagt werden, daß nur eine ganz regelmäßige, mindestens zweimal jährlich erfolgende Leerung die Büchsen überhaupt für den N.-F. fruchtbar macht. Geld, das in den Büchsen cingcsclilossen liegt,!st hir den N.-F. einfach verloren: er kann damit keinen Boden in Palästina erwerben. Ferner aber schadet es unserem Renommee und läßt die Büchseninhaber das Interesse an der Sammlung verlieren, wenn sich Jahr und Tag niemand um die Büchsen kümmert. Die N.-F.-Zcntralc läßt den Kommissären und anderen Gesinnungsgenossen, die sich für die Bilchscnvcrnennt, an dem er den Hund vergraben und den Schatz gefunden. Natürlich ist dann nichts da als ein lltmdckadavcr und ganze vier Imperials. Enttäuscht zieht die liebe Gemeinde ab, und der Totengräber kann seine Mühseligkeiten wieder in die Wohnung schaffen. Tille Chonc aber, die schlaue Totengräberstoclitcr. verrät den Ellern, daß sie bei weitem nicht alles in Putz und Tand ausgegeben, sondern noch eine hiibsclic Summe auf die Bank gelegt habe, und va\\ stolz;nv.i, svie glücklich sic sei, einen Tag Millionärin gewesen zu sein. Man sicht schon aus dieser Skizzierung des Inbalts. wie allgemein das Motiv und wie wenig entwickelt cs ist. Von dramatischer Steigerung ist mir in den beiden ersten Akten allenfalls die Rede. Der dritte Akt ist einfach eine Fortsetzung des zweiten, und seine erste Hälfte wird dadurch nicht intcrcssantcr. daß eine lange Panse zwischen ihm und dem zweiten liegt. Der vierte Akt (auf dem Friedhof) hat zwar eine groteske Komik, die aber durch die nach der Realistik der drei ersten Akte doppelt auffallende Unwahrscheinlichst - gerade in einem jüdisehen Milieu! — wenig zur Geltung kommt. Der Stil der Komödie ist gut gewahrt, aber infolge der Aermiichkcit der Handlung hetzt der Autor die komisehen Situationen durch ewige Wiederholung, durch allzu starkes Unterstreichen zu Tode, und was zunächst wirklich amüsierte, wird schließlich lang* wellig. Dazu kommt, daß die wenigen Einzelheiten# die dem Jüdisch geschriebenen Original für ein das Jüdische und die ״Jüdischkeif verstehendes Publiteilung und Leerung interessieren, bereitwillig Jede Unterstützung zutcü werden und ist gern׳ bereit, auf jede derartige Anfrage in eine Korrespondenz einzutreten. Zweckdienliche Zirkulare sind teils vorhandelt, teils werden sic auf Wunsch, den lokalen Bedürfnissen entsprechend, kostenlos hcrgcstclit und zugesandt, Hand ln Hand mit der Kontrolle der verteilten Büchsen muß das Bestreben gehen, neue unterzubringen. Mit glänzendem Erfolge hat eine neue Metliodc hierfür die Ortsgruppe Köln angewandt; wir werden demnächst darüber berichten. Gerade bei der Verteilung der Büchsen wird man am ehesten nach dem Satzo handeln dürfen: ״Non׳ ölet", und die Tatsache ausnutzen, daß cs noch heute wenige jüdische Häuser gibt, die nicht eine Palästina-Sammclbiiclisc bei sich aufnehmen würden. Gesammelt werden soll in der Büchse nicht nur an Feiertagen und Familienfesten, sondern der Bilchscninhabcr selber soll, auch ohne bcsonderen Anlaß, etwas hincintun. Das wird, wie aus vielen Zuschriften an die Zentrale hervorgeht, vielfach verkannt; oft genug lautet die Antwort auf die Aufforderung, eine Büchse aufzustcllcn: ״Ich habe liier gar keine jüdischen Bekannten" oder: ״Meine jüdischen Bekannten würden in diese Büchse nichts hincintun". ln diesen Fällen gibt cs zwei Mittel, die Büchse doch zu füllen: erstens, daß man selber etwas hincintut, und zweitens, daß man sic seinen christlichen Bekannten hinhült. — Gerade die Büchse bietet einen anderen, sehr bequemen Weg der Selbstbcstcucrung: man macho cs sich zur Gewohnheit, wöchentlich eine, wenn auch noch so geringfügige Summe hincinzuwcrfcn. Wenn jeder Zionist wöchentlich nur zehn Pfennige in seine N.-F.-Biichse wirft, so gewinnt der Nationalfonds dadurch schon fast eine halbe Million jährlich. ülbaumspciulc Diplom des Jüdischen Nationalfonds. Im Schnee. Ein Märchen von Hcimutli Priester (Schluß). Das Neujahr der Bäume. Die Königswahl der Bäume. Ein Solm des alten Volkes. (Mit Illustration.) ancc gegeben und die Hörer belustigt haben mögen. — dal» alle diese Kleinigkeiten bei der Ucbertragung in das Hochdeutsche naturgemäß verloren gehen oder doch einem tinjlldischen bezw, nichtjüdischen Publiknm unverständlich bleiben mußten. So wurde aus Pinskis indischer Komödie ein breites Allerwcltsstück. dus trotz einiger gut gezeichneter Typen mul mancher wirklich komischen und echt komüdien• haften Szene auf die Dauer nicht zu interessieren vermochte. Die Darstellung litt vor allem unter einer Zwicspältigkeit, an der bisher alle Aufführungen jüdischer Stücke krankten. Man vergißt eben, daß die!,er* soiicn des Originals nicht ״mauscheln", sondern jüdisch-deutsch reden ־־ also eine Sprache, wie eine andere auch, dio für mindestens fünf Millionen Juden die einzige tägliche Umgangssprache und für deren Mehrzahl die Literatursprache istl Man vergißt, daß das Publikum, für welches das Original gcschricben ist, auch die ״Jungfrau von Orlßans", den ״Othello", ״Romeo und Julia" und — steh’ fest, Kurfiirstcndamm! — den ״Faust" in dieser Sprache zu iiören gewöhn» ist. Führt man also an einer deutsehen Bühne ein Stück auf, das in dieser Sprache gcsclt rieben ist, so muß man cs genau so und genau so weit verdeutschen, wie man cs mit einem französischcrt oder englischen Stück machen würde. So wenig man in diesem Falle, unbeschadet der Namen und des Milieus, die Schauspieler Iranzösisch-dcutsch oder englisch-deutsch radebrechen Und daß jeder Zionist eine N.-F.-Biichse hat, ist doch eine Selbstverständlichkeit. Die Oclbauinsp enden schließen mit fast 21000 Mark befriedigend ab. N.-.F.-M a r k c n und -T c kc g r a nmn c finden leider immer weniger Absatz. Die in der ״Welt" angegebene Summe von 2400 Mark ist insofern irreführend, als sie nur angibt, wieviel die deutsche Zentrale vom Kölner Hauptburcau bezogen hat; tatsächlich ist aber der grollte Teil dieser Sachen noch unverkauft, und der monatliche Absatz ist ganz minimal. Mindestens die größeren Ortsgruppen, Vereine usw. sollten sich einen Vorrat an Marken und Telegrammen zulcgcn und auf deren Verkauf bedacht sein; in großen Städten muß eine Anzahl von N.-F.-Vcrkauistcllcn bestehen. Man bcherzige, daß der Verkauf jeder N.-F.-Markc dem Nationalfonds dus Entgelt für einer! Quadratnictcr palästinensischen Bodens zufülirt ~ ein Gedanke, der die Freude an ihrer Ver- Wendung unbedingt steigern wird. Uebrigcns ist von den Nordauma rken nur noch ein kleiner Vorrat vorhanden, ein Neudruck findet nicht statt. Wir empfehlen also, den Gesinnungsgenossen, sich rechtzeitig noch ein Heftchen fiir eine Mark zu bestellen. An ihrer Stelle wird im gleichen Format und zum gleichen Preise, eine Palästina - Marke erscheinen, auf die wir schon jetzt Bestei- I u n g C n c n t g c g cn (1 c 11 m c 11. Ungünstig schlicsst auch die Land spende ab, die knapp 1500 Mark — darunter eine Spende von tausend Mark! — gebracht hat. Wir empfehlen, für sic speziell bei grösseren Festen u. dgl. zu sammeln; hier lässt sich am leichtesten die immerhin ansehnliche Summe von vierzig Mark auf einmal aufbringen, während gleichzeitig: die Notwendigkeit, sic zu erreichen, den Sammeleifer günstig Eine Schulstunde im alten Jerusalem. Abraham ilm Esra. Der Ifirtcnbiibc. Von H. H. C. Wallen und Rüstungen der Juden im Altertum. Mein* Mumme. Gedicht von Leo Dcnibitzcr. Plaudcreckc. Briefkasten. Rätselecke. Kalender. läßt, so wenig darf man sic hier ״mauscheln" lassen! Anders wird’s eine I tcrrnfcidiaclc, die manche Kritiker ja auch tatsächlich in dem Stück gesehen haben. Von diesem Felilcr hielt sich am meisten die Darstellerin der Tille, Fräulein C a in i 11 a E i b c 11 schütz, frei, deren Unart, ins Publikum liiucinzu• sprechen, freilich sehr störte. Aber mich die ganze Auffassung der Rolle, die dieses ein bißchen phan• tastischc und träumerische, ein bißchen gutmütigfreche und raffiniert kokette iiidisclie Kleinstadtmudehen in der Komödie spielt, scheint mir Fräulein Eihcnschiitz durchaus richtig erfaßt und gut wiedergegeben zu haben. Wäre ihr Spiel nicht durch manche äußerlichen Mängel bisweilen aus dem Rahmen des Ganzen etwas hcrausgcfullcn, so war das die echte jüdische Armclcut-Kokcttc aus Bialystok oder meinetwegen auch aus Pinsk. Allgemeiner, weit weniger typisch, war Herr Qottowt als Tillcs verrückter Bruder, der aber sonst eine achtbare schauspielerische Leistung bot. Die übrigen gchörten mehr oder weniger zu den Mauschelnden. Unter ihnen verdient Herrn Arnolds Totengräber sowie Herrn Kühnes heuchlerisch-milder und gcstrenger Gemeindevorsteher anerkennende Erwähnung. Auch Herrn Großmanns Heiratsvermittler war eine ganz gelungene Figur. Else Kupfer als Frau des Totengräbers hatte in ihrer Weinerlichkeit und Verängstigung sehr gute Momente. Die Inszenierung war passabel, aber sonst war von einer Regie nichts zu merken. Es spielte eben jeder drauf Abonnemont• auf die halbmonatlich erscheinende Jugendxcl'sehrlli Jung Israel Kosten hei der Expedition und allen Po«• amiern Dcuischiand» und Oesterreich• Ungarns c!no Mark pro Quartal. 1 Halbmonatsschrift für die jüdische Jugend Anxalgcn kosten die iwclgospaltcne Pctllicile 50 Plg., In der Uu!׳rlk Unlcrricht 13 Ffg. Für grossere AulirSRC verlange man besondere Ollere vom Verlag Jung Israel, llerlin SW. M). Inhalt des 3. Heftes; kum wenigstens eine interessante, eigenartige Nii-