Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651718--07559-2664734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 02._ jene Termins, welche der Nationalfonds bcsizt oder noch erwerben wird. Aber auch für Rechnung von anderen juristischen Personen oder Eiiizelbcsitzcrn übernimmt die P.L.D.C. die Arbeit des lustandset/.cus und Bcwirtscliaftcns. Schon jetzt werden die Ocl* baunipflanztmgcn der Dessauer Stiftung von der P.L.DC, ausgeführt, andere von ihr überwacht. Ferner vermittelt die P.L.D.C. Grundkäufo für eigene und frcimle Rechnung und übernimmt die vollständige Durchführung der hierzu nötigen, in Palilstina äußerst komplizierten rechtlichen Transaktionen. Sic ist Ule geeignetste Vermittlerin׳ von. Grundstücken, weil sie ständig (Iber nllc Angebote am laufenden ist und immer den günstigsten Moment zum Ankauf eines Grundstückes walirnchmen kann. Tatsächlich führt sic schon heute alle Orundkätifc für den Nationalfonds und auch einige (Ur andere Rechnung durch. 2. Im eigensten Wirkungskreis ist die P.L.D.C. eine Pnrzclliorungsgcscllschaft, die Grundstücke für eigene oder fremde Rechnung kauft, sie in Wirt* schaftsiilhigen Zustand bringt, dann parzelliert und an Rcilcktantcn abgibt. Da europäische Käufer immer nur auf schon eingerichtete Wirtschaften reflektieren» solche bisher nie zu haben waren, so hat die P.L. D C. eine ungemein wichtige Punktion innerhalb der jüdischen Kolonisation Palästinas übernommen. 3. Durch die P.L.D.C. werden jene Privatleute, die in späterer Zeit nach Palästina gehen und siel! dort eine Pflanzung bereit machen lassen wollen, instand gesetzt, dies durch eine vcrtraucnswcrtc Grganisation ausfuhren zu lassen. Bei Abschluß eines derartigen Vertrages müssen mir der Dodenwert und die Hüllte der Pflanzungskostcn innerhalb der «Siehsten 4 Jahre bezahlt werden kann. Dies erleichtert ungemein die Uehcrfiihritng zahlreicher kleiner Kapi* talbcsitzcr nach Palästina. 4. Die PL.D.C. ist ferner in der Lage, fiir die so wichtige Ausbildung und spätere Anüicdlung von jüdischen Landarbeitern Bedeutendes zu leisten. Auf ihren Betrieben haben die Arbeiter Gelegenheit, unter einem tüchtigen Agronomen die Landwirtschaft zu erlernen und sich auch etwas zu ersparen, da für die!,armen der P.L.D.C. grundsätzlich die Gewinnbetciligung der Arbeiter vorgesehen ist. Dali die Ge- Seilschaft schon nach einjährigem Bestand in der Lage \var. die kleine Arbeitergenossenschaft in Um-cl• Djuni anzusetzen — die vorzüglich prosperiert - beweist, was sic in dieser Richtung leisten könnte, wenn ihr Kapital groll genug wäre, um ihr den Betrieb mehrerer Pannen zu ermöglichen. Schon diese kurze Uebcrsicht kann ein Bild da• von geben, was die P.LD.C. bedeutet. Ausgestnttet mit vorzüglichen Fachkräften, Juristen, Agronomen. Technikern etc., kann sie, angefangen vom Kauf des Bodens, für eigene und fremde Rechnung die gesamte Kolonisicrungsarbeit leisten. Ihr ureigenstes Tätig• kcitsgcbict Ist es. die Ansiedluug jüdischer Bauern und Arbeiter ins Werk zu setzen. Und dies auf rein geschäftlicher Basis. Die P.L.D.C. ist ein Erwerbs• unternehmen, das weder den Kolonisten etwas schenkt, noch seihst auf Gewinn verzichtet, in allen Ländern der Welt ist das Parzellierungs- und Landeiuwicklungsgeseliäft ein rentables Unternehmen, in Palästina wird cs sielt zweifellos gleichfalls als ein solches erweisen. Dafür bürgt das stete Steigen der Preise von Orund und Boden, der schon dadurch ״Der Schatz“ Eine Komödie 111 vier Akten von David Piaskl. Frstaulfiihrtmg um Donnerstag, dem 2. Februar, lm Berliner Deutschen Theater. Ks Ist zweifellos ein literarisches Verdienst Max Reinhardts, für das w ir ihm besonders dankbar sind, duil er sich dauernd darum bemüht, trotz der voraus* zusehenden Ahgeuoigtheit der Mehrzahl seiner Be• wunderer, auch die jüdischeu Jnrgondramen für die dcutsehc Bühne zu gewinnen. Durch Reinhardt hat so mancher Berliner Jude mittelbar erst erfahren, daß das ihm aus dem Hcrrnfeldthcatcr oder anderen antisemitischen Instituten vertraute ״Mauscheln" nur der verdorbene Ueberrest einer jüdisch-deutschen Mundart ist, die — jetzt mit Vorliebe ״yiddisch" genannt — cs längst zur Schriftsprache gebracht hat und mindestens die gleichen Rechte auf den Namen einer Sprache besitzt wie etwa das deutsche Platt, das Schwyzerdütsch oder sogar wie das Holländische.*) Das allein ist ein Verdienst, das wir anerkennen müssen, auch wenn die Wahl des Stückes sich als ein Mißgriff hcrausstcllt. *) Erst jüngst wurde fcstgestcllt, daß eine Warschauer jüdisch-deutsche Tageszeitung mit über 50 000 Exemplaren täglicher Auflage der Verbreitung nach das drittgrößte Blatt Rußlands ist. Und von den etwa zwanzig jüdisch deutschen Zeitungen Amerikas haben einzelne natürlich noch weit höhere Auflagen. _ JOD ISCHE RUNDSCHAU _ enorm an Wert gewinnt, daß er urbar gemacht und rationell bebaut wird, ferner die bekannt hohe Rentabilität der palästinischen Landwirtschaft, die noch gesteigert wird durch den rationellen Betrieb, den die P.L.D.C. führt, sowie durch die hocluiualifizicrten Leistungen der Arbeiter, welche durch die Aussicht auf Gewinnanteile und spätere Sclbständigmachiing angespornt werden, Ihr Bestes zu leisten, und endlich der spezielle Nutzen, der immer dort entsteht, wo größere Güter in kleinere zerschlagen werden, weil diese einen relativ höheren Preis haben, als das urspriiugliche Groltgut. Risikolose Einnahmen erwachsen der l’.L.DC. außerdem aus llouorurcn für erstattete Gutachten. Provisionen für vermittelte Kräfte, durciigcfiilirte Pflanzungen u. u. m. Daß In den ersten zwei Jahren angesichts der großen anfänglichen Kosten und der im Interesse einer kaufmännisch äußerst vorsichtigen Bilanzierung des Unternehmens erfolgten starken Abschreibungen bei dem noch kleinen Geschäftsbetrieb noch keine Dividende verteilt werden konnte, Ist selbstvcrständlieh. Niemand hat für den Anfang eine solche erwartet. Das dritte Geschäftsjahr, das um 1. Oktober 1910 begonnen hat, zeigt aber schon die günstigsten Auspizien. Durch den Kredit des N.-P, konnte die Tätigkeit der P.L.D.C. stark erweitert werden. Zahl• reiche Transaktionen für fremde Rechnung sind int Zuge und die Mnslcrfarm ist in befriedigendem Stande. Es ist an der Zeit, die Aufmerksamkeit weiter jüdischer Kreise auf die ILL.D.C. zu lenken. Dir etwas schwerfälliger Name soll kein Hindernis sein, sic eben so populär zu machen, wie cs die Sicdlungs- Genossenschaft, die ihr Werk noch gar nicht begonnen hat, heute schon ist, umso mehr die P.L.D.C. schon nach kurzem Bestand schöne praktische Erfolge aufzuweisen hat. Die Pfundaklien dieser Gesellschaft sind zweifellos eine sichere Kapitalanlage׳. Aller Voraussicht nach werden sie früher oder später auch ein gutes Erträgnis abwerfen. Hoffen wir, daß cs einer unermüdlichen Aufklärungsarbeit gelingen wird, durch Absatz dieser Aktien, der P.L.D.C, zu einem ansehnlichen Kapital zu verhelfen. Dadurch würde das schwere Weik der jüdischen Kolonisation in Pa* lästina eine mächtige Förderung erfahren. Ausweis Schekel 1911: Mannheim 78 Mk.. Bcuthen 85 Mk., Berlin l Mk. l.sinüesbeltriige 1911: Mannheim H4Mk. (!.Rate), Berlin 9 Mk. Orgaiilsaikmsfonds 1911: Siegmund Samuel- Berlin 5 Mk., Adolf Pollak-Köln 5 Mk״ H. Heller• Köln 5 Mk., Martin Brunn-Berlin 5 Mk.. Dr. Pfälzor-Weinheim 10 Mk., Aus Freiburg (laut Spezi* likati »11 im N.-F.-Ausweis) 3 Mk., Aus Hannover (lau: Spezifikation im N •I'.•Ausweis) 2 Mk.. Pr. Theodor Zloeisti-Berlin 20 Mk., Referendar!,inner• Treuenhrictzen 5 Mk.. Famucl Stern-Frankfurt a. M. 4 Mk״ l)r. mcd. I'.mil Stern 10 Mk., Hugo Moser Ul Mk., Dr. Weinberg 10 Mk., Richard Ncufeli 5 Mk״ Alfred Horn 5 Mk, Hans Gärtner I Mk. sämtlich aus Dortmund•. Dr. Jakob KonuclHörUc 10 Mk., Ortsgr, Bcuthen 250 Mk., Joseph Scliaclino- München 10 Mk, Jac. Simon-Dresden 10 Mk. Gcsanitcliigang der VVoclio vom 2.-9. Fehr. 1911: Und das ist allerdings, um es gleich vorweg zu sagen, bei der Pinskisclien Komödie ״Der Schatz" der Fall. Demi dieses Stück hat die ״ethnologischen Reize", die manche Kritiker Ihm als einzige nachrühmen zu sollen glaubten, gerade nicht. Es ist eine allgemein menschliche Komödie der Geldgier, der verblendeten Habsucht, die nicht mir In demselben Kleinclcutc-Milicii anderer Völker und Länder, sondern auch in wenig anderen Formen in jcde'ni sozialen Milieu jedes einzigen Volkes ebenso gut spielen könnte wie bei den litauischen oder russisch• polnischen Juden Pinskis. ~ Der verkrüppelte und verrückte Sohn des Totengräbers Chone Imt einen ״Schatz" gefunden. Das heißt: er hat beim Vergraben seines toten Lieblingslumdcs zehn oder fünfzehn alle goldene Imperials tFiiiiizeimrubelstlicke) gefunden, die ihm die Mutter vergeblich abzunclimen versucht, die ihm aber das schmeichlerische, lebensliisternc Schwesterchen leicht entlockt. Tille, die von Rothschild oder einem Großen als Freier träumt, ist berauscht durch den utivcrhofften besitz so furchtbar vielen Geldes, kauft sich im ״Modenhaus" des Städtchens neue Kleider, im ״Pariser Salon" einen Hut, dem Vater und dem Bruder Stoff zu Anzügen usw״ gibt sieh vor dem ganzen Städtchen als hinge Millionärin aus und schwätzt auch vorlaut die Herkunft des Reichtums aus: der Vater habe nämlich einen Schatz auf dem Friedhof gefunden. Man errät, wus nun kommen muß. Der arme alte Chone wird nacheinander von dem Helratsvcrmittlcr, von dem ehemaligen Besitzer des No. 0. Schekel lö‘l Mk., Laudesbeiträge 123 Mk״ Organi• sationsfonds 385 Mk. (iesamtcliigaiig bis /.mit 8, Februar 1911: Schekel 1910/11: 721 Mk.. Lundeslieltriigc 1911: 1420,05 Mk. Orgniilsatlonsloiids 1911: •1508 Mk, Aressc für Geldsendungen: Zionistisches Zentralbureau, Cliarloltciilmrg 2. Bleibtrcustraße 49. Postscheckkonto 8091. Bank-Konto: A. H. Hevinaim & Co., Berlin NW, 7, \ Unter den Linden 59. Vom Nationalfonds II. Deutsche Arbeit.; Die Summe der deutschen Spende» von 191» bc•; trägt genau 56 217,04 Mark, gegen 48 507,15 Mark I im Vorjahre. Die Steigerung erscheint noch be- [ deutender, wenn man berücksichtigt, daß im vorigen ' Jalire eine außerordentliche Spende von 6Ü<XJ Mark zu buchen war. Wöchentlich sind 1910 im Durch- "\ schnitt also etwa 1KM) Mark eingekommen, auf jeden!1 deutschen Juden entfällt ein Durebsehnittsjahresb:- trag von knapp 10 Pfennigen, jeder Sehckctzalilcr hat monatlich knapp 71) JMenifig gegeben. Wenn au eil die letztgenannte Zahl die günstigste ist, t; die überhaupt von einer N.-F.-Sammclslcllc! erzielt wurde — abgesehen von Brasilien, das aber nur f» Schckclzahlcr hat—, so werden wir doch weniger auf diesen ״Erfolg" stolz sein, als vielmehr die Ucherzeugung gewinnen, daß überall noch mehr geleistet werden könnte. Es sollte nicht schwer sein, von jedem deutschen Schckclzahlcr durchschnittlich eine Mark uro Monat zu erhalten: schon dann würde das Ergebnis auf annähernd 70000 Mark steigen — abgesehen von den zahlreichen besonderen Snenden und denen, die sich, insbesondere durch die Büchsen, aus richtzionistischen Kreisen gewinnen lassen. Wir werden unten bei dem Punkte ״Selbstbcsteuerung" * auf diese festen B c i't r ä g c zu sprechen kommen. j Was die einzelnen Sammclmittel anbetrifft, so sind die Allgemeinen Spenden mit etwas mehr als einem Sechstel an dem Ergebnis heteiligt. Dieser Anteil ist verhältnismäßig gering: der Grund ist, daß sich vielfach die Gewohnheit eingebürgert hat, Spenden, die ihrer Natur nach cigentlieh unter die ״Allgemeinen" gehören, für Glückwünsche, Kondolationcu usw. — in anderen Hubriken — insbesondere fiir das Goldene Buch - auszuweisen oder mit anderen zu Oclbauinspcnden zu vereinigen. Bemerkt sei liier, daß gerade kleinere Spenden oft mit einem unverhältnismäßig langen Begleit( ex t eingesandt werden, dessen Abdruck allein schon einen erheblichen Teil der Spende verschlingt -- die Druckzeile kostet etwa 8 Pfetmigl Pa noch Ueberweisimgsgebülir und andere Vcrwaltungskosten hinzukomineii, so bleibt von einer 50 Pfennig-Spende Ihr den N.-F. oft wenig genug übrig. Wir möchten deshalb empfehlen, wo es gellt, derartige Spenden durch die Versendung eines N.-F.-T.c l c g ra m tu s zu ersetzen; das Ergebnis wird fiir den Nationalfonds durchweg günstiger sein. Die S 01 b s t b c,s t e u c r u n g hat etwa 240» Mark gebracht. Diese Summe ist viel zu klein. Wir haben bereits neulich liervorgehohcu, daß die Fnodüofsgruiidsbleks, vom Gemeindevorsteher, von den sämtlichen Wohltätigkeitskomitccs der Gemeinde bestürmt, die alle ilmi ihren Anteil oder gar den ganzen .,Schatz" abknöofen wollen. Anfangs führt das schlaue Töclitcrchcn das große Wort und läßt weder Vater noch Mutter, die die Situation klären möchten, sprechen. Und als schließlich der Alte, dem die Sache zu dumm wird, aus dem Bett springt, in dem er auf Tillcs Geheiß den Kranke» mimen mußte, um der Vernehmung durch den Öcmeiiiderat zu ent• gehen, mid als er den sämtlichen 111 seinem Sud)• ehe» anwesenden Vertretern der Gemeinde den 1 all wahrheitsgemäß erzählt und hinzuiügt, sein verrück• tcr Sohn wisse jetzt nicht einmal mehr, wo er eigen(• lieh den Hund begraben habe - das glaubt ihm natürlich niemand. Der Gemeindevorsteher jagt ihn auf der Stelle aus Amt und Wohnung, und aus der Komödie droht ein Tragödie zu werden. Aber Tille durclischaut die Geldgier der Leute, und als .in der Nacht — am Abend des Tisclia b’Abli! — die ganze Oenteinde auf dem Friedhof, mit Laternen und Schaulein bewaffnet, nach der Stelle hcriimsuclit, wo des Totengräbers verrückter Solm seinen Hund begrub, da faßt sic ihren Plan. Durch gütlielics Zureden bringt sic den Bruder dazu, sieh zu erinnern und ihr. nur ihr ganz allein das Geheimnis zu verraten. Dann muß der Idiot, wie sic ihm cinreüct, die ganze Geineinde zum Narren machen, der Gemeindevorsteher muß den Vater wieder in Amt und Brot einsetzen und ihm die Hälfte des etwa wirklich vorhandenen Schatzes zusichern als Preis dafür, daß er den Ort '' % 1