Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 43 No. 4 J U E D I S C H E R U N p S C H A U. im Jahre 1910 Knaben mit intelligentem Gcslchisausdruek, welche mit grünem FicüJc lernen. Die Arbeit wird unter sic so verteilt, daß jeder immer ein bestimmtes Muster hcrzustcllc» hat. auf welches er sieb dann besonders cinarbeitet und das er dann bei grünerer Übung in immer kürzerer Zeit fertigstellen kann. Die Lötarbeit ist trotz der primitiven Mittel teilweise sehr sauber. Die Leute machen einen sympathischen Hin• druck und scheinen mit greller Liebe an ihrer Arbeit zu hangen. Die Erzeugnisse selbst befriedigen mich in künstlerischer Beziehung zwar nur teilweise, doch hat diese Arbeit meines Erachtens eine sehr grolle Zukunft, wenn man versuchen würde, die Filigranarbeit in Verbindung zu bringen mit plastisch «0• tricbenen Silbcrlcilcn. cvcntl. unter Verwendung von Emaille und farbigen Halbedelsteinen. Auch die Verbindung von Eben- oder Olivenholz mit Filigranarbeit dürfte von Vorteil sein." ״Die Erzeugnisse der Damaskuswerkstatt sind meines Erachtens a n f derselben Höhe, wie die Arbeiten, die man in C a i r 0 und anderwürts im Orient in den 15 a /. .1 r c ti sieht. Außer jungen Leuten, arbeiten auch eine Anzahl junger Müdchcn In dieser Werkstatt und ich war erstaunt, Miidchen von It bis 12 Jahren zu sehen, die mit großer Sicherheit die doch immerhin schwierige Ausgründung des Metalls beherrschen. In dieser Werkstatt ließe sich noch viel erreichen. Besonders wenn es ermöglicht wer• den könnte, auch die rohen Körper selbst herzu• .v;/י;> ׳י י•;י tt V;\ .;..I'v,' pLt• 4 ׳ •4*« *״׳►.%• •. ׳*־ ־•'•< "/ ’׳• t y : a x: V -V ' Ä\-*, g ilwV , י/•• Jnm t .״X*. , •׳«צ •*'ס/• .f .• » 4r . י :'א, י 6;•־׳ -,«.׳>ז :.•׳!'?*ז‘.'. ,;•׳׳ r•׳ "״“r I,- —«״•,, , .'»••«-• '׳» , . Wi«•{/* - .-*.%» V V \ *» ״י.‘ '* ן * * % * ' •' ' ׳ * /'־ " , ל .. J'.'' - •J ׳Ü i.-' i . I- •> , fl 'גי׳:'1' ' ,r *+■*• *»י* «.—»1»/ * /«v, llezalel-Teppk'li. stellen. Ich glaube zwar nicht, daß cs selbst bei guter Einrichtung möglich ist, diese billiger wie in Europa zu fabrizieren, da der Großbetrieb und die rationelle Maschineneinrichtung in Europa eine Konkurrenz schwerlich aufkommon lassen wird. Es ist jedoch immerhin möglich, die Sachen zu denselben Freisen hcrzustcllcn und ich glaube, daß dann der Zweck, die dortige Bevölkerung zu diesen Arbeiten immer mehr Iteranzuzlelien und ihnen dadurch Brot zu schaffen, besser erreicht wird. Auch meine Ich, daß man auch In den Formen selbst mehr Variationen wird entwickeln können, wenn solche an Ort und Stelle seihst hcrgcstcllt werden. Die vorher erwülmtc Metall• gleßcrcl würde liier von imßcrordcntllchcr Wichtig• keit sein.“ ״In der Holz wc rk s ta 11, die ln einem gemieteten Hause untergebrncht ist, werden bisher hauptsächlich Rahmen mit Pcrlmnttcrclnlage bergestellt. Die Technik selbst entspricht auch hier zum Teil den dortigen speziell arabischen lntentionei.. Mail hat dieses Feld meines Erachtens noch meUt genügend bearbeitet. Außer den Rahmen mustert man jetzt kleine Schmuckkasten, Cigarettenkasten, Markenkästchen usw. Um derartige Erzeugnisse preiswert hcrzustcllcn. Ist ein Maschinenbetrieb von großer Wichtigkeit. Es handelt sich dabei 1. um eine Schneidemaschine, 2. um eine Drehbank. Bis* her wird die Schneidearbeit bei einem in der Nahe befindlichen Kloster, das solche Maschinen besitzt, hcrgcstcllt. Dasselbe bc• rechnet die Maschinenarbeit mit Frs. L— סזק Stunde. Dieser Preis ist ja äußerst mäßig und dürfte sich wahrschei»• lieh auch in eigenem Be• trieb nicht billiger stellen, doch gilt auch hier, Mo teilten er. was Ich schon vorher erwähnte, erstens schafft man durch die Ausführung der Arbeit mehr Leuten Brot und zweitens hat man mehr Gelegenheit, In den Formen einen größeren Reichtum zu entwickeln und andere Gegenstände hcrzustcllcn. Ich denke dabei vorerst an orlcntalisehe Erzeugnisse, wie kleine Tische, Hocker, Bänke und andero Sitzgelegenheiten und auch an kleinere Schränkchen." ״Als neu clnzuführondo Techniken kommen im wesentlichen die M c t a 111 r c i b a r b e i t in Be• trncht, die, wie bereits erwähnt, zur Vertiefung der Filigran- und Daniaskusmctallarbcit erforderlich ist. Alsdann die EI f c n b c i 11 s c 11 n 117. c r e I, die man als Einlagen sowohl für die Metallarbeitern In Verbindtmg mit Holzschnitzerei benutzen könnte. Als neue Werkstatt würde Ich alsdann noch eine solche für die Batlktech nik empfehlen. Mit Hilfe der letzteren, die keinerlei maschinelle Einrichtungen erfordert, Ist cs möglich, auf Stoffen aller Art, farbige Dekorationen nnzubringen. Die dazu nötige Färbecinrichtung ist ja bereits vorhanden. Die Technik läßt sicli aber gleichzeitig auf Holz, Metall, Leder etc. nnwenden und mit ihrer Hilfe können auf all diesen Materialien farbige und plastische Dekorationen angebracht werden." ״Der persönliche Eindruck, den ich von der Schule und von ihren Lehrern und Schülern bekammen habe, Ist der, daß man cs mit einem kräftig vorwärtsschreltenden, durchaus gesunden Unternehmen zu tun hat, das vorerst noch In der Entwicklung begriffen ist. Wenn icli auf eine Reihe von Vcrbcsscrungsbcdlirfnisscn aufmerk• sam gemacht habe, so soll dies durchaus nicht etwa ein Hcrvorkchrcn von Fehlern bedeuten, sondern ich will damit nur die gewünschte Anregung geben, auf welche Weise nach mcincr Meinung die Schule weitcr entwickelt und gefördert werden kann. In der kurzen Zelt von •1 Jahren ist hier, wenn mau berücksichtigt, dal) man nicht mit vnrgchil• deten Kunsthandwerkern bcgönnen hat, sondern mit Menschen, die früher derar* tiges überhaupt nicht kannteil, E r s t n u 111 i c h 0 s g cleistet wurden.Orüßcrc Resultate kann man in so kurzer Zeit nicht erwarten. Wenn die hier angeregten Verbesserungen vorgenoin• men werden, so dürfte wie■ der einige Zeit verstreichen müssen, bis man die Früchte derselben wird ernten kön• neu. Allzu schnell durf man 1111 Kunstgewerbe keine grell• baren Resultate vcrlan• jedoch keinerlei Bedenken man in der Disposition cs ermöglichen könnte, größere Mittel für das ganze Unternehmen bercitzustcllen, die sich meines Erachtens unter allen Umstünden in vcrhültnismüüig kurzer Zeit gut rentieren dürften." ״Die Menschen, für die die Arbeit dort geleistet wird, sind dieser Fürsorge wert. Ich habe von Ihnen den denkbar günstigsten Eindruck gewonnen. Die Mädchen, welche doch meistens aus sehr ärmlichen mul einfachen Verhältnissen kommen, fühlen sich in der Schule sehr wohl, so daß sic auch Ihre freie Zeit dort verbringen. Während der Mlttngpausc und nach Feierabend lindet man sie auf dem Hofe, wo sie teils spielen, teils sich im Turnen versuchen. Einzelne sind jedoch so fleißig, daß sic auch während ihrer Pause mit einer Handarbeit auf den Treppenstufen sitzen und Weiterarbeiten. Die jüngeren Mädchen erhallen ja auch etwas wissenschaftlichen Unterricht, speziell in der hebräischen Sprache. Eine sehr schöne Ein vichtutuc Ist die Schiilcrküche, Ule In einem gemieteten Hause in der Nähe untergebracht ist. Eine ältere Prau führt die Küche und eine Anzahl Schüler und Schülerinnen, die keine Angehörigen 111 der Stadt selbst haben, nehmen Ihre Mahlzeiten dort ein. Ich habe selbst der überaus freundlichen Einladung, dort zu essen, entsprochen mul mich überzeugt, daß. wenn auch nicht gerade lukullische Genüsse geboten werden, doch dem Klima und den Verhältnissen der Schüler entsprechend, eine einfache, schmackhafte Kost bcreitet wird. Die ganze Elnrlchtung ist noch äußerst primitiv, cs fehlt noch mancherlei erfor* gen. darin Ich würde sehen, wenn Entwurl zu einem Hauso für eine Familie. dcrllchcs Geschirr, Glüsc,־ und Bestecke und cs wäre hier einem Freunde der Schule Gelegenheit geboten, durch die Komplettierung der Küchcncinrichtung eine gute Tat zu vollbringen." ״Der Traum des Herrn Professor Schatz, später einmal die umliegenden ircien Bauplätze für die Schule anzukaufen und dort Lclircrwohnungcn und andere der Schule zugute kommende Einrichtungen zu hauen und so aus der Schule eine Kolonie zu schaffen für geistige und künstlerische Kultur in Jerusalcm möge sich in nicht allzu ferner Zeit erfüllen." * ln den vorstehenden interessanten Ausführungen, Ist der Weg vorgczcichnct. den der Bczalct zu bcschreiten haben wird, um die weitere Entwicklung der Schule zu fördern, um eine größere Auswahl in den Erzeugnissen zu schaffen und letztere in Qualität und Geschmack noch weiter zu verbessern. Die Einführung der Mctalltrcibcrci, der Elfenbein• Schnitzerei, der Batik, der Mctnlldrückcrci und die Errichtung einer Gießerei ist von uns in Aussicht gef vl 4 1' •׳;Sr A. ** י■ . CK 1' 1י•", - . Cs,:־!! ..: . ' '•••*<!•• tm .1 ) Mi / '*{'+£1**4* Erzeugnisse des Flllgraii-Atcllcrs. nommen und es wird binnen kurzer Zeit damit bc• gönnen werden. Als Atelier-Leiter sind für die Schule zwei tüchtige Lehrkräfte engagiert, die I9U nacli derselben iibcrsicdehi und zusammen mit Herrn Prof. Schatz die vorerwähnten Verbesserungen utul Neueinrichtungen vornehmen werden. Man hont, daß alsdann aus der Schule Erzeugnisse hervorgehen werden, die in jeder Beziehung cinwandsfrci sind und deren Absatz nicht nur in unserem engeren Preun• deskreisc, sondern überall möglich sein wird. Unsere Arbeiter und Arbeiterinnen wollen wir nicht nur zu handfertigen Kunstgewerblern erziehen, sondern auch auf die Entwicklung ihres Geschmackes iitid Ihres Farbensinnes citiznwirkcn suchen. Wir werden keine Arbeit scheuen und nichts unversucht lassen, um unser Programm, das uns bei der Begründüng der Kunstgewerbeschulc ״Bczalcl" vorschwebte, in allen seinen Teilen vol und ganz durchzuführen. Die außerordentliche Entfaltung der Schule hatte naturgemäß ein bedeutendes Anschwcllen des Mo• natsbuügcts zur Folge. Während Im verflossenen Jnhrc das monatliche Budget sich auf der Höhe von Entwurf zu einem Hause für zwei Familien.