Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1911-01-27 · Heft 4 (27.1.1911) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651711-2651716--07537-2664710
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 42 lUEPlSChJE RUNDSCHAU No. 4;1111!:; Entwurf zur Wcrkslätte. Nachdem in der Bezalel-Schulc eine große Anzahl tüchtiger Arbeiter und Arbeiterinnen herangc* bildet sind, kann nunmehr damit begonnen werden, einen Teil derselben auf dem {lachen Lande an7.11• siedeln und somit den ersten Schritt zur Verbreitungdes Kunstgewerbes außerhalb Jc r u sa icm s zu tun. ln der Nahe Lyddn's, einer Station der Eisenbahn Jaffa-Jerusalem in Ben* Schämen geht die erstu Arbeiter-Kolonie des ״Bezalel“ ihrer Vollendung entgegen. Mit dem Bau der Arbeiter-Häuser und der Werkstatt wurde bereits vor mehreren Monaten begonnen, eine Anzahl derselben sind unter Dach und Euch und die übrigen Hiiuscr, sowie die Werkstatt, werden gleichfalls in »Bälde beziehbar sein. Die kleine Kolonie, mit ihren weißen schmucken Arbeiter-, hflusern, macht letzt schon den besten Eindruck. Die Lage ist eine durchaus gesunde. Von dem Boden, Spitzen zu befassen. Auf diese Weise wird man den Arbeiterfamilien, welche in der Kolonie angcsicdclt werden, eine gesicherte und zufriedene Existenz unter gesunden Lehensbedingungen verschaffen, während dieselben seither in Jerusalem in engen und schmutzigen Wohnungen vom Eicher und anderen Krankheiten heimgesucht waren. Eilr die Attsicdhmg sind zunächst 8 tüchtige jemenitische Arbeiter der Eiligranabtcllung mit ihren Eantilicn, ferner 4 Arbeiter ans dem Holz-Atelier, sowie einen Werkineister in Aussicht genommen. Bewährt sieh der erste Ansiedlungsvcrsiich und findet er die genügende pekuniäre Unterstützung, so soll später versucht werden, eine weitere Anzahl derartiger Kolonien in anderen Gegenden Palästinas zu begründen. Daß vorstehendes Projekt zur Ausführung gelangen konnte, haben wir in erster Linie dem Direktorium des jüdischen N a ti0 * n a I f 011 d s zu verdanken, welches die Bedeutung der Kunstgcwerbcschulc ״Bczalcl" für die kulturelle Entwicklung Palästinas erkannte und uns nicht nur in bereitwilligster Weise das erforderliche Terraln zur Verfügung stellte, sondern uns mich zur Errich» tung der Arbeiter-Häuser ein Darlehen von Frs. 20 000 bcwilligte. Der Der Bezalel Trotzdem stellte sich die Notwendigkeit des Baues eines neuen Teppich •Ateliers heraus. Das Teppich-Atelier bestand seither aus mehreren unzusaninicnliängcnden Räumlichkeiten, die die Ucbcrsiclitiichkcit und die Kontrolle erschwerten, ln dem die Bczalcl-Häuser umgebenden Garten wird ein, für die Aufnahme von 100—150 Knüpferinnen bestimmtes Tcppicli-Atelier errichtet, das binnen kurzer Frist seiner Bestimmung übergeben werden kann. , Der Umzug der Schule in das zweite Bezalel- Gebäude, die Vergrößerung der Werkstätten, die Baulichen Veränderungen, die Neuanschaffung einer großen Anzahl von Hilfsmaschinen und Werkzeugen, das Atifstellen großer Webestiihle, haben naturgemäß bedeutende Kosten verursacht und zur Schmälerung des ohnehin kleinen Betriebskapitals nicht unwesentlieh beigetrngen. Die Kosten für den Bau des Te!» pich-Atoliers stellten sielt auf über Frs. 20 000, zu denen der Jüdische Nationalfonds wiederum in liebenswürdigster Weise einen Beitrag bewilligte. Für das rege Interesse, das das Direktiorium des Jüdischen Nationalfonds an unseren Bestrebungen nimmt und für die stete bereitwillige Unterstützung, deren wir uns zu erfreuen haben, sprechen wir demselben hierdurch unseren ailcriicrzlichstcn Dank aus. * Vor mehreren Monaten besuchte ein Sachverständiger — ein in Berlin wohl renommierter, tiiclit^rrnmyT^fW 1^■•־' ■■•-*■ ׳, -*• V 51■«־ 7־־־7y־y t >• י •!< S, . . i ' .1v •״׳ 4 •.־ 1 "f, : k ׳ j** % v\ {׳.:׳!' ..׳״ t, ■ V; v& “ ' ,V V, »1 * 'U ׳' »! I ל¬¬ •). *" ן י jH, t %i Erzeugnisse des Flllgran-Atcllers. auf dem sieh einst unsere Almen in friedlicher Arbeit betätigten, haben deren Nachkommen wieder Besitz crgjlienl Bei dem Graben der Fundamente für die Häuser, ist man auf jüdische Grabstätten gestoßen, deren Alter mehr als 2000 Jahre betragen mag. Audi wurden hei dieser Gelegenheit Cysternen aus jener Zeit bloilgclcgt, die jetzt wieder Verwendung finden werden und eine kostspielige Urunncnaiilage überflüssig machen. Nach dem entworfenen Bebauungsplan soll zu Jedem der Arbciicr-Iläuser ein Terrain von ca. 20 ar gehören, auf dem die Arbeiter-Familien einen Gemilscgartcn anlcgcu und Geflügelzucht betreiben können. Die Arbeiter werden sich in der gemeinsamen Werkstätte gegen ein festes monatliches Einkommen, wie sic cs auch seither in Jerusalem bczogen haben, mit der Herstellung kunstgewerblicher Gegenstände befassen, während deren Frauen und die erwachsenen Kinder Gemüsebau, Geflügelzucht und Milchwirtschaft betreiben können. Den Frauen wird außerdem Gelegenheit gegeben werden, sich mit Teppichknüpfuu und mit der Anfertigung von ,",■ךי־. י,y ■ ׳, 1,״ »jur7*״«יי״י*rrygyyrr״־י י׳ ׳ * ׳ ״ .;י., ־ ־ . י * .י ל';־. *!*׳! /',*V * * , , 100 150 270 Köpfe. und verkauften Er• vf k . p-p ־rrrrnT *r rr~rr ח״׳-ז" ■׳׳׳. <♦ י ׳, r -..י ••"ף •י«■ ־׳ין׳ •־«י! ן -ן •-l'V-t-״; ) I ׳ “ י י ־ * * ״'•־*י״ו — L' ♦■■•י 1 י ־ ז 1 wäciWfi.c tfpOMOWW Da« neue Teppich -Atelier. Aufschwung der Schule, hat sich in der diesmaligen Berichtscpochc in rapider Weise fortgesetzt. Die erst 4 Jahre bestehende Schule, ist zu einem wahren Groß• betriebe ausgewachsen. Die Zahl der am Bezalel bcschäftigtcn Personen betrug: im Jahre 1908 ca. ״ 1009 ״ ״ ״ 1910 ״ ״ Der Wert der liergestclltcn Zeugnisse belief .sich: im Jahre 1908 auf ca. Frs. 20,000 ״ h 1009 35.000 ״ ״ ״ 1910 ״ ״.90,000 (II) Diese Zahlen bestätigen, daß cs dem selbstlosen Leiter der Schule, Herrn Prof. Boris Schatz, gehingen ist, dieselbe in außergewöhnlicher Weise zu entwickeln. Die Räume des Bazalcl-Hnuses, die wir seither innc hatten, haben sieh längst für die Zwecke der Schule als viel zu klein erwiesen, so daß wir genötigt waren, in bcnaciibarten Häusern zwecks Unterbringimg verschiedener Werkstatten, Räumlichkeiten zuzumieten. Durch Überlassung des zweiten Bezalel-Hauses hat der Jüdische Nation a i f 0 nd s dem Raummangel, der die ferner Entfaltung der Schule behinderte, Abhilfe geschaffen. Vor einigen Monaten hat die Schule von dein zweiten Bczaicl-I!aus Besitz* ergriffen, es konnte eine bcdcutende Vergrößerung der Ate- Ilers, die Schaffung neuer Werkstätten und die Verlegung des Museums nach gccigncteren Räumen 'vorgenommen worden. .XJ. Besuch des Gouverneurs von Jerusalem Im Bezalel. <• ץ• LJ• die Schule und hatte die den augenblicklichen Star׳! tiger Kunstgewerbler Liebenswürdigkeit, über derselben und ihre l'iitwIekeluiigsmögtiehUctteii für die Zukunft der Leitung der Anstalt einen ausführlichen Be demselben möchten wir Stellen zur Kenntnis Werkstatt hcrgcstcllten die früheren, die ich \ »r rieht zu erstatten. Aus folgende bemerkenswerte unserer Leser bringen: ״Die jetzt in der Teppiche weisen gegen einigen Jahren in Berlin sah. schon einen ganz bcdeutenden Fortschritt auf. Die Technik als sol׳i»c läßt meines Erachtens nichts mehr zu wünschen librig, eher wäre cs zweckmäßig die Formen um! Farben noch etwas zu entwickeln. Von der ci^t einige Jahre bestellenden Schule, kann man naturgemäß nicht Resultate erwarten, wie sic die urni'c Kunst des Orients, die durch eine Jahrtausende alte Tradition eingewurzelt ist, erzielen. Die Entwichhing läßt aber erkennen, daß die Zeit nicht al!«11־ fern ist, wo die Bczalcl-Tcppichc voll und ganz den Wettbewerb mit persischen und türkischen Erzeug• nissen werden aufnehmen können." ״Die Filigran -Werkstatt macht auf den Europäer einen eigenartigen Eindruck. An den Wänden entlang hocken auf den Tischen, jeder seinen Werkzeugkästen vor sich, die jemcnitischCn -Arbeiter, die in der Filigranarbeit bereits außerordentliche Kenntnisse besitzen. Untcr dem jungen Nach- . wuchs sind «ine Reihe interessanter Typen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.