Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1911)
- Date
- 1911-01-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651715--07523-2664695- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 3 JÜD1SCHE RUNDSCHAU Seite 20 Jiilircskwiilcrcnz zu hallen, wird angenommen. Es werden folgende Herren gewühlt: Au Iler den Mitgliedern des 1* a 1z n,״., Wolf f soll 11. Pro(. Dr. O. Warburg.'j. *H* kam,'dYe Herren, ft. Hcntwlch, Dr. M. J, Hodcnheinicr. L. Estcrmann, Dr. A. Pricdcmatm, H. Ouldbcrg. S. Groiicmann, Dr. (}. Halpcru, Dr. A. Ilantke, Dr H 0. Hey mann, b. Ku1)lansky.Ka1)lan, Dr. N. Katzen- ״r° LM״״wCIrfy% L״M״rjlllll״s״ ־,r‘ A1 Mil״"»rek, Dr. y. Munk, D. Iה. fosenbaum, J. A. Rosoff. .1. binion, H. blrutk, Dr. 1״. W. Isclilcnovv, M. Ussisenkm. Der Antrag Dr. Fricdcniuniü ,./׳um Ort der Verliuiidltingeit dieser Kommisslüit wird Merlin bc* sliinmt". wird angenommen. Hs wird nunmehr über folgenden Antrag Pink 11 s-U ronemann abgestimmt: Die zur Meratuug des Statutenentwurfs gewühlte Kommission von 21 Mitgliedern erhalt den Auftrag, aus dem Hut• wurf u׳c Hauptpunkte in lapidarer Horm hcraus/.u.!,eben und dieselben der nächsten Sitzung des Oroflcn A.-K. vor dem Kongreß vorzulegcn, worauf über den Antrag Oronemann beraten werden soll. Der Antrag wird u b g c I c h n t. Mit der Annahme des Antrages Hmlcnhciincr kommt der Antrag Gronemann in Wegfall. Dr. Tschlcnow: Ich möchte der Kommission die Anregung mitgeben, dahin zu wirken, dafl der X. Kongreß sowohl ein Arbeits• wie ein Demonstra tionsk011 grell werde. Schluß der Sitzung 9Vj Uhr abends. Mittwoch, 23. November, Vormltlagssllzung. Die Sitzung begann um!011• Uhr vormittags und war ausschließlich der eingehenden Beratung ver• scliicdcncr politischer Fragen gewidmet. Mittwoch, 23. November, NacliiiilltagsBitziiiig, Nach der Sitzung des Aufsichtsrats des J. C. I‘., die den größten Teil des Nachmittags in Anspruch nahm, wurde um 7 Uhr abends die Sitzung des Grollen Aktions-Komitees wieder eröffnet und auf Vorschlag des Herrn Goldberg zunächst der Punkt Kongreß-Ort und •Zelt In Verhandlung genommen. Der Sekretär verliest die auf verschiedne Anfragen des K. A.-K. eingcgangenen Antwortschreiben aus melircren Städten, die fiir die Abhaltung des Kongresses in Vorschlag gebracht worden waren. Herr J. II. Kann, der den Vorsitz führte, erteilte zuerst das Wort Dr. Ilantke, der in einer längeren Rede eine Darstellung von den Ideen gab, die er und ein Kreis seiner Freunde sich über den nächsten Kongreß gebildet aben. Redner ist der Meinung, daß wir diesen X. Kongreß vor allen Dingen als einen J u b i 'üu 111 sk on g r e ß betrachten sollen, und schlägt dementsprechend eine Zweiteilung der Arbeiten vor. Redner betont, daß bisher unsere Kongresse in der Hauptsache zwei Zwecken gedient haben: erstens der Demonstration nach außen hin und zweitens der eigentlichen zionistischen Arbeit. Heide Zwecke seien nützlich und sollen beibchaltcn werden: cm Nachteil der bisherigen Kongresse war es aber, daß man die Demonstration und die Arbeit immer zu sehr vermischt hat. Zum X. Kongresse sollen wir eine Sclicidung vornehmen, und zwar derart, daß erst zwei oder drei Tage nur der Demonstration des Zionismus nach außen hin gewidmet werden sollen. Durch große und festliche Veranstaltungen der Jüdisch-nationalen Studentenschaft und der jüdischen Turncrschaft aus der ganzen Welt sollen wir dartun, was der Zionismus auf dem Gebiete der geistigen und körperlichen Regeneration unseres Volkes geleistet habe. Weiter sei eine groß angelegte PalästlitaausstelUmg sowie eine Darstellung der national-jüdischen und namentlich der hebräischen Publizistik geplant. Drei oder vier weitere läge kämen dann für die rcgclmäßigen Kongreßarbeiten in Betracht. Hin solcher Kongreß könne aber nur in einer Stadt ungehalten werden, wo er in einer großen Jüdischen Devöikcrung den geeigneten Resonanzboden finden könne. Ferner hält Redner cs für eine absolute Vorbcdingung, daß vor deni Kongreß die leidigen Fragen, die uns zwar nicht mehr in dem Maße verteilt halten, wie vor der Jahreskonferenz, die aber noch immer nicht endgültig und zu abseitiger Befriedigung gelöst sind, durch eine von allen Seiten ehrlich gemeinte Einigung aus dem Wege ׳״*räumt seien. Heute, in dieser Sitzung des Aktions-Komitees, müssen wir eine Verständigung herbeiführen, von der wir selbst die Ueberzeugung mit nach Hause nehmen, daß sic eine dauerhafte sein wird. In der weiteren Debatte, an der sich *lic Dr. PLkus. Dr. Fränkel. Jean Fischer. N• Sokolow. Rcchtstnwalt Oronemann.?״!״;״SCprH’ now, Dr. Bodenheimer. Dr. Fricdcmann! s°wjc PfJ* sident Wolffsohn beteiligten. w u rd c, v<^'^ , Seiten kräftiger Einspruch gegen die Ausfßl>r|1n«c1j des Herrn Dr. Hantke erhoben. Hs \v rde gelte gemacht, daß. wenn auch der (Z10^f‘us.||*c1׳'.ltl regelmäßigem Fortschritt befindet, doch die at Sache, daß der nächste Kongreß gerade der zehnte Ist. keine genügende Veranlassung z» einer solchen Anhäufung festlicher Veranstaltungen•. ^1° yorge schlagen wurde, bietet. Pc ™ er0״,tinicc sei, zwar die Lcitungsfragc eine äußerst daß es aber durchaus unrichtig *e**.,[10 ®״״JL*?״ Frage zu sehen, die durchaus vollständig vor uem Kongreß gelöst sein müßte. Wolffsohn trat In einer längeren Rede dem von einigen Seiten bekundeten Pessimismus mit Entschiedenheit entgegen. Er wies darauf hin. daß noch niemals so viel in Palästina gearbeitet worden sei wie in der letzten Zeit. Eine ganze Reihe von hoffnuiigsvollcn Unternehmen, wie: die Siedlungsgcnossciischuft. Versuchsstation, Arbcitcrlicime, hygienisehe Institute usw., wurden in Angriff genommen. Auch die Opfcrwilligkeit hat ganz gewaltig ztigc* nominell. Das zeigt sich in dem steigenden Ergebnisse aller Sammlungen. Nur der Schekel hat einen Rückgang zu verzeichnen. Es sei die Aufgabe des A.-K., auch darin Wandel zu schaffen. Zu einem Pessimismus sei heute weniger als je U rsache vor- 11 and;; r.. Nach einer längeren Diskussion wurde beschlossen, den Kongreß Im Monut August ln Basel abzuhalteu. E-. wurde ferner beschlossen, wcnninöglich anläßlich des Kongresses eine Ausstellung zu veranstalten, die die kolonisatorische Tätigkeit In Palästina und die uutlonal-kultiirello Arbeit In Palästina lind In der Dluspora veranschaulichen soll. Schluß der Sitzung um 10 Uhr abends. . Donnerstag, 24. November, Vornilttagssltzuug. Um 9 Uhr vormittags trat heute das Direktorium des J. N.-F. zu einer Sitzung zusammen. Das Aktions-Komitcc setzte seine Beratungen um 11 Uhr fort. Den Gegenstand der Verhandlungen bildete die Agrarbank und die verschiedenen Institutionen. Nach einer Reihe von Referaten fand eine lebhafte Diskussion statt. Ueber den Punkt ,.Finanzen" der Tagesordnung erstattete Präsident Wolffsohn ein ausführliches Referat. Er schlug namens des E. A.-K. eine zehnprozentige Bcstcrung der finanziel len Institute vor. Schluß der Vormittagssitzun2 ״ Uhr mittags. Naclimlüagssltziiug. Die Naehmittugssitzuug wurde zum größten Teil von der Fimmzdehatte nusgcfällt. Es wurde schließ- •ich folgender, von den Herren Woliisoltn und Warbürg clngcbrachtcr Antrag angenommen: Das Aktions-Komitee beschließt, daß die Governors beim Jewisli Colonial Trust den Antrag steilen sollen, Bestimmungen zu treffen, wonach der Aufsichtsrat und das Direktorium 10 Prozent des Reingewinnes nach Abzug der Reserven für die Zwecke der Bewegung erhalten. Bis diese Bestimmungen getroffen sind, soll die Bank 10 Prozent des Reingewinnes nach einer näher fcstzusctzendcn Norm für dieselben Zwecke zur Verfügung stellen. b 1111 weiteren Verlauf der Verhandlung wurde folgender Antrag Fricdcmann angenommen: Das Aktions-Komitee ersucht den Aufsichtsrat der Bank, Bestimmungen zu treffen, wonach die vierjährigen Rückstände ln Dividenden der Bank für verfallen erklärt werden. Dr. Katzcnclsolm stellte folgenden Antrag, den das A.-K. zum Beschluß erhob: Unter Beibehaltung des Schekels als obligitorische Leistung zur Erlangung des Kongreßwahl• rechts wird ein Zcntralfonds zur Befriedigung der Bedürfnisse der Organisation gebildet. Zur Ausarbeitung der Details wird eine fünfgliederte Kommission in Berlin gebildet, welche die im A.-K. gemachten Anregungen in Erwägung ziehen soll. Die Kommission besteht aus den Herren Dr. Fricdcmann. Hamburg. Dr. Hantke. Dr. Heymann und Dr. Munk. '־' Mehrere weitertTAnträge wurden ' dieser Konimission überwiesen.׳ ... Die nächste,Sitzung des, A.-K. soll im März stattfinden. Podllscliewskl spricht dem Präsidenten de n Dank der Versammlung aus. Der Präsident beschließt darauf nach einer kurzen Ansprache um 9ISr Uhr die Sitzung. u AUS ALL6R WC LT » Deutschland Die ausführliche Besprechung, die der SchcchUa* (tage gelegentlich der zweiten Lesung der Novelle zum Strafgesetzbuch der sogenannten ״kleinen" Strafgesetzreform im Reichstage gewidmet wurde, zeigte, daß in der Auffassung dieser Frage im aligcmeinen eine vernünftige Anschauung Platz gegriffen hat. Bekanntlich war in der Kommission ein Antrag Gröber (Zentrum) zur Annahme gelangt, der bcstimmt, daß ״landesrechtliche Bestimmungen, welche in die rituellen Vorschriften einer Rcligionsgescllschaft über das Schlachten von Tieren cingrcifcn, nicht zulässig" sind. Unter Bezugnahme auf das umfassende Outachtcnmatcrial, das wir vor allem dem unermüdlichen Eifer Dr. Hirsch Hildesheimers zu danken haben, vertrat der Antragsteller den Standpunkt der Kommission. Wenn auch von einigen Seiten, u. a. vom Vertreter der Regierung, Staats- Sekretär Llsco, st,antrrech1tllch,c Bedenken geltend gemacht wurden, so wur man sich mit Ausnahme der fntransigentesten Antisemiten darüber einig, daß dtcSchechita eine Tierquä'lcrcI weder Im subjektiven, noch im objektiven Sinne involviere. Die Abstimmung ergab eine große Mehrheit für den Korn• missionsbeschhiß trotz des ״Unannehmbar“, das der Staatssekretär ihm entgcgengestcllt Batte. * Die frcundlicho Beihilfe, welche die deutsche; Regierung ihren russischen Gesinnungsgenossen in J puncto Judenpolitik zu bieten beliebt, fiat nun auch I die ״A c 11 c s t c n der Kauf m u 1111 s c h a f t von! Berlin" veranlaßt, sich mit einer Eingabe, die eine Beseitigung dieses sehimpflichcnZustatides ,fordert, an die Regierung zu wenden. In der Beschwerde wird ansgefülirt, daß die Maßnahmen sich vornehm* lieh gegen die deutschen Jüdischen Helfenden In Kußliiud richten während ihre Glaubensgenossen anderer Nationen, Engländer, Amerikaner usv.׳., von den!10• litischeii Anordnungen nicht betroffen werden, weil , deren Pässe keinen Vermerk der Rcligionszugchörig-! keit anweisen. Abgesehen von der persönlichen Seite der Angelegenheit sind die russischen Maßnahmen I aber auch geeignet, den deutschen Handel in Rußj fand empfindlich zu schädigen. Ob dieser Hinweis | auf die Interessen des deutschen Handels wirksamer j sein wird, als die früheren Proteste, die den derzcl- י tigen Zustand als eine Schändung des deutschen An- Sehens im Auslände betrachteten, ist zum mindesten fraglich. Denn auch jene Imperialisten, die mit schönein Pathos fiir die ״Interessen der Deutschen im Auslände“ cinziitrctcn verstehen, wenn einem Landsmann in irgend einem fernen Winkel des Erdballs ein Haar gekrümmt wird, haben kein Empfinden dafür, daß auch die deutschen Juden vom Ausländer nun einmal als vollberechtigte Deutsche angesehen 1 werden und daß somit jüdische Schande als -- deutj sehe Schande gilt. ( Oesterreich | mmmmmmmmmmmmmmrnmmmmmm Eine widernatürliche Paarung | In Galizien haben anläßlich der Jüngsten Volks- Zählung die Chassidischcn ״Rabbis" mit de» Assii miiationsiudcii ein Bündnis gegen die Nationaljuden geschlossen, welche die Parole ausgegeben hatten,! daß die Juden bei der Volkszählung ״Jüdisch“ als ihre Sprache angcheti sollten, um sich dadurch eben als Juden zu kennzeichnen. Die sogenannten .,guten Juden", die Chassidischcn .,Zaddikim" im Verein mit den ״Polen, Rutheneu usw׳. mosaischer Konfession" — das ist wahrlich ein eigenartiges Mild! Leider Ist ihr Vorgehen, sowie das Verbot des Statthalters, ״Jüdisch" als Sprache anztigeben, nicht ohne Erfolg geblieben, und die meisten galizisclicn Juden Haben in unzutreffender Weise Ruthcnisch und Polnisch als ihre Sprache angegeben. ßngland Der soeben verstorbene Londoner Finanzier Lord Swultlillng-Moutagtic, einer der Stützen der liberalen j Partei, war in England als Sohn deutscher Eltern, die Samuel hießen, geboren und hat sich vom kleinen Bank Clerk zum Finanzmagnaten ersten Ranges aufgeschwungen, dessen Ruhm zeitweilig den seines konservativen Gegenpols in der englischen Finanzweit, des Lord Rothschild, überstrahlte. Königin Viktoria erhob den Bankier Samuel in den Adelsstand; er nannte sich seither Sir Snruucl-Montaguc. Vor mehreren Jahren wurde er Peer des Reiches unter dem Namen Lord Swaithling. Er ist über HO Jahre ult geworden. Swaithlings intensive Betätigung auf üllcn Gebieten jüdischen Lebens dürfte unseren Lesern nicht unbekannt sein. * Der Londoner ״J c w i s 11 Working mens Club“ veranstaltete dieser Tage eine große Pro• teslversauintluiig «egen die .!.C.A.-Verwnltung in Argentiiiicn Herr Leon Chasanowitsch schilderte auf Grund persönlicher Erfahrungen die trostlose Lage der dortigen jüdischen Koolnistcn, die von der J.C.A.- Administration wie Leibeigene behandelt werden und dadurch wirtschaftlich heruntergekommen und 1110t alisch degeneriert sind. Eine von der Versammlung gefaßte Resolution verlangt die Verwaltung der Koionien den Kolonisten selbst zu übertragen und eine spezielle Kommission zur Erforschung der dortigen Verhältnisse cinzusetzcn. Nach privaten Aeußerungen des Herrn Cltasonowitsch, der siel» jetzt in der gleichen Angelegenheit nach Amerika begibt, hätten bereits namhafte Persönlictikcitcn, darunter auch Professor Otto Warbürg und Dr. Franz Oppenheimer ihre Mit- Wirkung am Zustandekommen der erwähnten Koni• mission zugesagt. Die Kosten fiir die Erforscliungs• expedition würden sich auf etwa 15000 Fr, belaufen die ohne Schwierigkeiten zu beschaffen seien ׳Siehe Leitartikel in dieser Nr.) Russland Im Abgeordneten Karaidow, der dieser Tag׳ einer Lungenentzündung erlegen Ist, ha das Jüdische Volk einen seiner besten und aufrichtig sten Freunde verloren, Seit Wladimir So 10wie*