Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1911)
- Date
- 1911-01-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651715--07521-2664693- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 3 Seite 27 Brillier, Otnubensuenossen! Fr1lc׳mchr dR"!,1'״,'“ kcl״ S>״ckc־״u Linen ÜÄ wie Clan* " ","S!Ri?־״ vÄhÄ'c11 kommen "'1lss?n *cln0<י‘: י'!“■״ ׳ zu erwerben. Wenn es euch «״ QeldmiUcln fchlL s0«^״t״! cuc^ e n uns• unt* wir werden euch die erforderlichen Summen zur VerfUjcuiiK steilen. Wir habe» SainniluiiKcn für diesen Zweck eröffnet! U11״1״!,C» ^,c t, *Befiel?, bei uns von allen Seiten s;crd־c!״cSBÄSrs Zl" ״״ ׳״ aצ״״ ־״״ Der zionist Zcntralverband in Paris. Daß die konservative ״Schlesische Zcinm*״ diese rartarcnnachricht ohne Koinincittar wiederuibt, erklürt sich aus den Zielen prcullischcr Polcnnolillk ebenso zwanglos, wie das durchsichtige Manöver der Lanzicrun* in der Polcnprcssc, die das unwürdige Vcrlialtcn der edlen Polen wahrend• der letzten Debatten i!> der Duma rechtfertigen soll. Der Verrat an ihren früheren Bundesgenossen, . den die Polen durch faustdicke Lügen ebensowenig werden bcmüntein können, wie durch geschickte Manöver wührend der Abstimmungen, wird der europäischen Oeffentlichkeit zur rechten Stunde unterbreitet werden und cs werden dann auch die letzten Sym* pathien, die eine längst geschändete Tradition diesen korrumpierten ״Freiheitskämpfern" vererbt hat, für immer verloren gehen. Wir aber haben dieses Taschcnspiclcrstückchcn nur niedriger gehängt, damit unsere Leser aus solchen Vorfällen die Mahnung ziehen, immer wieder und aller Orten Aufklärung zu verbreiten über unsere Ziele und die geraden Wege, auf denen wir ihrer Verwirklichung zustreben. Breslauer Gemeindesorgen Hin nettes Schiidbürgcrstückchcn hat sich die jiidisc 11 c Üemcindcvcrwaltung in Broslau geleistet: Anfang Oktober vorigen Jahres wandte sich unser Oesinnungsgenosse Hugo Schachtel im Aufträge einiger Breslauer Herren, die dort eine Ortsgruppe der ״Organisation für hebräische Sprache und Kultur" zu gründen bcabsichtigtcn, an den dortigen flcmcindcrabbincr Herrn Dr. Rosen thai mit der Bitte um Ucbcrlassung־ eines Schulzimmers in der von ihm geleiteten Rcligions-Untcrrichtsanstalt zur Abhaltung eines oder mehrerer hebräischer Sprachkurse nach moderner Methode. Herr Dr. Rosenthal war so freundlich, ihm sofort zu antworten, er halte seinen Antrag für empfclilcnswcrt und habe denselben befürwortend Herrn Qclielmrat Wöllstein übergeben. Dieser meinte, daß er den Antrag dem Vorstand unterbreiten müsse, dessen. Silzung erst in 14 Tagen statifindc. Ueber den weiteren Verlauf der Angelegenheit, die den Aufgaben jüdischer Qcmcindcn neben dem mehrfach geübten Kampf gegen den Zionismus als Neuheit die Unterdrückung hebräischer Kulturbcstrebungen! hinzuzultigcn scheint, gibt ein Brief- Wechsel Aufschluß, Uber den uns Herr Schachtel das Folgende mittcilt: Am 18. November erhielt Ich folgenden Bcscheid: ״Wir sind nicht In der Lage, dem Anträge auf Ucbcrlassung eines Schulzlimucrs zu entsprechen. Der Vorstand der Synagogcn-Ocmclnde. ge/,.: Wöllstein. Marek." Am 23. November schrieb Ich an den Vorstand der Synagogcn-Ücmclndc: ״Zu dem Bescheid (folgt Journ.-No.) erlaube Ich mir die höfl. Ilittc aus/.u* sprechen, mich die Gründe für Ihre Ablehnung der Ucbcrlassung eines Schulzlmmcrs für die Abhaltung hebräischer Sprachkurse wissen zu lassen. Ich spreche dies Bitte aus, well ich nur annehmen kann, daß ein׳ Mißverständnis vorllcgt. Meine damals an Herrn Rabbiner Dr. Rosentlr.il gerichtete Bitte erfolgte Im Aufträge eines Kreises von hiesigen Oemcindc-Mitglicdcrn, die sich mit der Absicht tragen, hier eine Ortsgruppe der ״Organisation für hebrttisehe Sprache und Kultur" zu begründen. Dem Ucr* lincr Lokalkomltec dieser Organisation sind von der Verwaltung der Berliner Synagogcn-Qcmcindc. wie aus einer Jüngst in der ״Algmcincn Zeitung des Judentums" und anderen jüdischen Zeitungen publiziert gewesenen Annonce hervorging, eine ganze Anzahl von Schulzimmcrn in Gemcindcschulcn zur Verfügung gestellt worden. Meine Auftraggeber und ich glaubten annehmen zu können, daß die Breslauer Gemeinde-Verwaltung sich einem gleichen Wunsche gegenüber nicht ablehnend verhalten würde. Qanz ergebenst ..." Am 9. Dezember erfolgte nachstehender Bcscheid: ״Wejm die Sprachkurse die Förderung der verständnisvollen Teilnahme am Gottesdienste oder der Kenntnis des hebräischen Schrifttums bezweckt hätten, würden wir Ihnen die Schulrüumc ohne weiteres überlassen haben. Da die Kurse Jedoch — wie wir auf Grund cingezogcncr Erkundigungen ermittclt haben zionistischen Bestrebungen dienen sollen, deren Förderung als mit dem deutschen Nationalgcfilhl unvereinbar wir entschieden ublchncn. haben wir die Einräumung der Schulzlmmcr verweigern müssen. Der Vorstand der Synagogcn-Ocmclnde. gcz.: Wöllstein. Sachs. Marek." * Ich habe darauf das folgende Schreiben an den Vorstand gerichtet: ״Auf das Schreiben Tagebuch No. 2203/10 gestatte ich mir zu erwidern: Obwohl die Frage der Ucbcrlassung von Schulräumen für den hebräischen Unterricht an sich gegen* standslos geworden ist, weil für die Sprachkurse, die vor mehreren Wochen bereits ihren Anfang genommen haben, genügend Räume zur Verfügung gestellt worden sind, so glaube ich doch auf die für die Ablchnung angegebenen Gründe noch einiges erwidern zu sollen. In letzter Zeit sind in einigen Groß- und Mittel- Städten Deutschlands hebräische Sprachkurse cingcrichtet worden, die von den Ortsgruppen der Organ!• sation für hebräische Sprache, Hauplsitz Berlin, ausgehen. Diese Organisation hat durchaus nicht zionistischen Charakter. Die Hauptleitung der zionistischen Bewegung steht ihm vollständig fern und ist auch nicht im Vorstand der Organisation vertreten. Andererseits sind leitende Persönlichkeiten der Sprach/hrganisation — lei« erinnere an den Orientalisten Professor Dr. Mittwoch in Berlin — nicht Zionisten. Daß freilich gerade zionistische Kreise — aber durchaus nicht die Mehrheit der westeuropäisclictt Zionisten — sich für diese Kurse bc• sonders interessieren, Ist selbstverständlich und sollte von allen Freunden der jüdischen Literatur begrüßt werden. Da in Breslau eine Ortsgruppe der Sprach- Organisation noch nicht existiert, die Zentrale aber mehrfach den Wunsch nach Aufnahme der Arbeit auch in Breslau geäußert hat, so hat sich der Unterzeichnete, der allerdings gleichzeitig Vorsitzender der ..Breslauer Zionistischen Vereinigung" ist. für das j. Zustandekommen mehrerer Sprachkurse interessiert. 1 Daraus aber auf den zionistischen Charakter zu I schließen, wäre ebenso verfehlt, als wollte man den! ״llilfsvcrcin der deutschen Juden", wenn der Unter- :־ zeichnete für Ihn eine systematische Propaganda; entfalten würde, für eine zionistische oder schlechte Institution halten, nur well der Unterzeichnete für ihn י Interesse bezeigt und well der Verein auch In Palüstina tätig ist. j So wenig also die veranstaltende Organisation j zionistischen Charakter hat, so wenig dienen die r Unterrichtskurse an sich zionistischen Zwecken, am wenigsten einem solchen, der — wie cs in dem! Schreiben des Vorstandes heißt — ״mit dem dcut- 1 sehen Nationalgefühl" unvereinbar ist. Dabei soll die Frage, inwiefern der, Zionismus überhaupt, selbst wenn er streng national aufgefallt wird, mit deutschnationaler Empfindung kollidieren könnte, als nicht hierher gehörig aus der Besprechung völlig ausscheiden. Eine gründliche Kenntnis der Hebräischen Sprache zu erwerben, ist bei der Vorbildung, die auf den Rcligionsschulcn erworben werden kann, völlig ausgeschlossen, wie kein Rabbiner leugnen wird. Sic genügt bestenfalls zur Erreichung des Verständnisses der leichteren und mitteischwcrcn Stücke des Gebetbuehes und der ältesten religiösen Schriften. Es gibt aber auch eine spätere, ebenfalls höchst wertvolle hebräische Literatur, die in dein Schreiben des Vorstandes völlig ignoriert wird, und die über Jehuda Halcvy und Gabirol und über Muinmnides bis auf; Binliks Poesie und die hebräische Presse herabreicht, eine Literatur, die allerdings fast durchweg national (die alte nicht minder wie die neue), aber durchaus nicht durchweg modern-zionistisch ist. schon deshalb nicht, weil sic viele Jahrhunderte alt. der moderne Zionismus aber erst etwa 14 Jahre alt ist. Wie soll nun das Verständnis für diese Literatur in Dcu*sch־ land erhalten bleiben? Die relativ geringe Vorbilder,« auf den Religionsschulen ist dafür, wie gesagt, mehl ausreichend, übrigens schon deshalb nicht, weil hier das Studium jenes Stvles. wie er sich in den mehl als 1000 Jahren einer literarischen Produktion ent• wickelt hat. überhaupt nicht betrieben wird, so daß jene Schriften auch für den besten Schüler der Re• ligionsschulcn völlig unverständlich bleiben müssen Wenn nun die jüdischen Gemeinden die Erteilung eines solchen Sprachunterrichts nicht selbst in die! Hand nehmen und andererseits jedem Versuche vor anderer Seite. Sprachkurse cinzurichtcn. um eir,' weiteres Eindringen in die hebräische Sprache uni Literatur wenigstens anzubahnen, ein ״principü: obsta!" entgegensetzen, so müßte, wenn dicsei Widerstand von Erfolg wäre, die Kenntnis dicsei | Literatur in Deutschland völlig erlöschen und eil' Reservat zünftiger Gelehrter bleiben. Meines Er• achtens kann es nicht die Aufgabe der Gemcindei « sein, das Aussterben der Kenntnis der hebräischer Literatur, das unfehlbar cintreten muß. dadurch zt begünstigen, daß sic versucht, die ersten Keime de! aullcbcndcn hebräischen Sprachgcistcs. die sich ii unserer Stadt zeigen, zu unterdrücken. Es ist ini unerklärlich, wie die jüdischen Elemente, die da! 1 Aussterben dieser Kenntnis und dieses Geistes nich 1 wünschen, für seine Erhaltung zu sorgen gedenken! Wenn der verehrt. Vorstand infolge unzurcichcn j der Orientierung zu seiner Entscheidung kam. s< hätte ihn in seinen Erwägungen doch wenigstens di« schon in meinem Schreiben vom 23. November angc führte Tatsache zu bedenken geben sollen, daß sclbs die Berliner Gemeinde, deren Vertretung an Libc ralismus und Antizionismus der hiesigen nicht nach steht, unverzüglich eine ganze Anzahl Räumlichkeitei liir mehrere hebräische Sprachkurse zur Verlügum gestellt hat. Spinden stand, den Blicken der gnädigen Frau und des gnädigen Herrn ganz entrückt, der an ihn ganz vergessen hatte, als ob er nicht mehr existierte und aus der Welt völlig •׳cra'hwimtlcn wäre. Heute aber schickte sich Frau Karpas an, das Haus einmal gründlich zu säubern und also hatte sie ihr Urteil gefällt, daß man das Spind dorthin schaffen müsse, wo man cs nicht sieht und findet, das heißt, daß man es tief unten im Keller gleich den übrigen zerbrochenen,s״.hmut?.i* gen und ekelerregenden Gerümpel vei wahren müsse. Jetzt erst erinnerte sielt Karpas?enter und die Trennung fiel ilun sehr schwer. Aber was konnte er tun? Gegen den Richtspruch seiner Frau gab es keine höhere Instanz. Auch mit ihm war sie heute nicht gerade freundlich umgegangen, und darum ward er den ganzen Tag ärgerlich und einsam, betrübt und niedergeschlagen. Einsam und gedankenvoll, traurig mit gesenktem Kopfe saß Karpas da. Plötzlich erhebt er sich von seinem Platz und geht zu dem Spind, wie einer, der zu seinem Freunde geht, um sich von ihm zu verabschieden, öffnet ihn und nimmt eines der großen, dicken Bücher heraus, das dort unter den dichtgedrängten, staubigen und wurmstichigen Kameraden ruht, betrachtet es mit Kopfschütteln, geht wieder zurück und legt es auf den Tisch. Kaum hat er einen Blick hineingeworfen, als er ganz erschrocken, wie von einer Schlange gebissen, von seinem Stuhle aufspringt. Er beginnt im Zimmer auf und ab zu gehen mit wühlendem Schmerze, so daß er gar nicht merkt, daß jemand eben ins Zimmor tritt. ״Karpas!“ ruft ihm der Eintretende zu, nachdem er stumm vor Schrecken eine ganze Weile auf der Schwelle gestanden hatte. Bei dem Anrufe fährt Karpas zusammen, wendet sich dem Gaste zu, blickt ihn an und ruft voll innerlicher Erregung aus: ״Sarcki, mein Freund 1 ... Sei willkommen, teuerer Gastl“ ״Wie geht es dir? Lieber Karpas!“ ״Wann bist du gekommen und woher kommst du? Warum bleibst du auf der Schwelle stehen?“ ״Jetzt, soeben bin ich gekommen! ... Ich bin auf der Reise. Meine Geschäfte führten mich nach deinem Orte.“ Karpas und Sarcki stammten aus einer Stadt und waren Freunde seit ihrer Jugend. Beide hatten zugleich bei demselben Mclamdin biis in ihr Jünglingsalter Torah gelernt, beide waren aus den Zelten Sems nach den Bildungsstätten Japhets gezogen, beide waren von dort als elvi* lisierte und aufgeklärte Männer, mit Weisheit und Wissenschaft ausgestattet, heimgekehrt; beide hatten ihr Volk und ihren Talmud vergessen und interessierten sich nur für das Leber auf dieser Welt, jeder hatte in dein Orte, wo e; sich niedergelassen, geheiratet, Kinder gezeug und sein Glück gemacht. Karpas Vater war eil!rechtschaffener gottesfürchtiger Jude, der ini inniger Liebe studierte und an den Worten de: Torah festhielt. Als er dort in seiner Stadt starb hinterließ er seine Möbel und seinen Bücher schrank als Erbstück seinem Sohne Gabriel. Di« Möbel wurden gerne angenommen und in Ga briels Haus die ganze Zeit benutzt, doch de Bücherschrank war weniger willkommen, wan dertc von einer Stelle zur anderen, und wurd schließlich in eine Nische gestellt, wo man ai seine Existenz vergaß, ln seiner Lebensweise in der Kindererziehung, in den Hausgebräuchei ahmte Karpas den Nichtjuden nach, und von Judentum waren ihm nur eine lange Nase, ge kräuscltcs Haar, ein scharfsinniger Kopf, leich erregbare Nerven und sanguinisches Tempera inent geblieben. letzt, da Karpas aufgebrach war, nervös und verärgert war, erschien ihm di Ankunft dieses Freundes wie die Ankunft eine Erlösers, und er wurde darüber sehr erfreu ״Du hast gut daran getan, mein Frcunc daß du gekommen bist“, sagte Karoas zu se nem Freunde, indem er ihn zärtlich umarmt! ״setz dich zu meiner Rechten und rücke diese Schemel unter deine Füße. So, so . . . Jets