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Jüdische Rundschau · 1911-01-13 · Heft 2 (13.1.1911) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 18 .1 U I: D I SC HU RUNDSCHAU No. 2 6. Die Gemeinden sollen von dem Dcutsch-Israclitlschcr» Gumcindcbund ersucht werden, diese Bestrebungen na:ch Jeder; Richtung 1hin V.u unterstützen. Eine über den Berliner Jugendbund an die 0 roß löge gelangte Beschwerde, dahingehend, daß d c r Berliner Jugendbund eine wirksame P (legest litte zionistischcr Propaganda sei. wurde von der Oroßlogc dem Verbände zur Erledigung übermittelt. Die Beschwerde wurde dem Berliner Jugendbund zur Rücküußcrung cingcsuudt. ln derselben bestreitet der Berliner Jugendbund, irgend welche Veraulassung zu derselben gegeben zu haben. Da inzwiselten der Vorsitzende, Dr. Simon, in den Verbandsmitteilungen über die letzt ruhigeren Verhältnisse im Berliner Verein objektiv berichtet hat, und die Verbandslcitung der Ansicht ist. daß der Bericht den Tatsachen entspricht, glaubt die Versammlung, von weiteren Schritten abschcn zu künnen, zumal die Beschwerdeführer jetzt unserer Org a n I s a t i 0 n nicht m c h r angeboren. AUS ALLCR W€LT ־: Deutschland Elsiissischc /Leitungen wissen wieder einmal vom Selbstmord eines liidlschcn Soldaten zu berichten. Es handelt sich um einen infanlcristen namens Isac Geil)heim , dessen Tod allerdings noch nicht ganz aufgeklärt ist. Nach der einen Version soll G. in der Verzweiflung über die Hänseleien seiner Karneraden freiwillig aus den»!.eben geschieden sein, während andererseits berichtet wird, daß er sielt beim Putzen eines Revolvers den tödlichen Schuß versehentlich beigebracht habe. Eine Stellungnahme zu dem traurigen Vorfall müssen wir uns naturgemäß bis zu seiner völligen Klarstellung Vorbehalten. Nur einen innigen Wunsch möchten wir schon heute äußern für den Fall, daß sich die erste Annahme bestätigen sollte: Daß nämlich iildischcrscits in der Diskussion der Angelegenheit — die nicht vermieden werden soll — ein klein wenig mehr Selbstachtung an den Tag gelegt werde, als cs im Vorjahre bei ähnlichem Anlaß geschehen ist. Russland Die Dumakommisskm für städtische Angelegenheften hat dieser Tage die Vorberatungen über die Vorlage betreffs Einführung konmuinnler Sclbslver* waltimg In Polen zu Ende geführt. Vor der endgültigen Abstimmung über die gesamte Vorlage verlangten Friedinan 1» und Petrowsky eine nochmalige Lesung und Durchberatung derjenigen Bestimmungen, die eine Rcchtscinschräukung der Juden enthalten. Abgeordneter Maslcnnikow trat mit großer Wärme für diesen Antrag ein. ln seiner Rede unterzog er die betreffenden Bcstimmungen einer scharfen Kritik und protestierte ganz entschieden gegen den geplanten Rechtsraub a!n den Juden. Der Antrag F r i e d tu a n n - P c t r 0 w s k y wurde zur Ab- Stimmung gestellt und mit alten gegen 5 Stimmen a b g c I c h n t. Diesmal waren die polnischen Abgeordneten mutiger und stimmten gegen d c n A11 - trag. Sonst hätten die Herren sehr leicht die Partie verlieren können: wurde doch die Rcclnscin- Schränkung der Juden seinerzeit mit einer Mehrheit von nur einer Stimme angenommen. Charakteristisch ist, daß in derselben Sitzung ein ähnlicher Antrag, einen anderen Punkt betreifend, cingcbracht wurde, und die Kommission keinen Anstand nahm, den betreffenden Punkt einer erneuten Beratung zu unterziehen. Spanien Die Juden von Hclilla haben den Ministerprii sidenten Canalejas, wie uns aus Madrid telegra phlcvt wird, durch eine Abordnung ersucht, ihnen das Bürgerrecht zu bowl'llgcii, Canalejas hat die Abgcordneten wohlwollend empfangen und ihnen unter Hinweis auf die jetzt in Spanien errungene Frei* heit aller 01 a u bj c ni s■ b c k e n n t n IA s. c Prlifung ihrer Angelegenheit zugesagt. Zeit wtir’s, daß das ״moderne Spanien" den wcnigen Juden, die cs beherbergt, endlich die vollen Bürgerrecht elnräumtc. Türkei Am 31. Dezember 1910 feierte der Konstamino* pclcr Jlidlsch-nntloaalo Turnverein ,,Mnkknbl" das Andenker der Makkabäer mit der Veranstaltung eines großen Turnfestes in den Petit Champs. Der Zudrang zu dem Fest war ein *ungeheurer. Die Feier begann mit der gemeinsamen Absingung der osmantsehen Nationalhymne, , der 1 die, ״Hntikwah", die zionistische Hymne, folgte. Nach einigen Ansprachen in türkischer, hebräischer und französischer Sprache ergriff der Protektor des Festes, der Gouverneur von Peru, Muhicddln Üej, das Wort zu einer längeren Rede, 111 der er zu Eingang erklärte, daß die Zwecke des Turnvereins der Regierung volles Vertrauen cinflöliten. Er schloß mit einem stürmisch a k k 1 a m i c r t c n Hoch auf die K 0 n s t i - t u 11 o 11, die Freiheit, den Sultan und das jüdische Volk. Die Turnübungen, die mau sodann vornalim, landen den lebhaften Beifall der anwesenden Offiziere. - Der Verein wird demnächst unter dem Patronat des Staatsrats Rcscliid Bej ein Fest zugunsten des Flottcnfonds veranstalten. PALfl65Tl RA:RU MDSCH AU Jemeniten in Palästina Die jemenitischen Aiisicdliiiigon In Rcchoboth und Rlschon le Zion. (Von unserem palästinischen Korrespondenten.) Seit dreißig Jahren wandern jemenitische Juden allmählich nach Palästina eia. Aber während sie sich Iriilier ausschließlich in Jerusalem nicdcrliclleu, bevorzugen sic in letzter Zeit die Kolonien. Gegenwärtig befinden sich in der Kolonie Rcchoboth 52, in Rlschon 1 c Zion 28 jemenitische Familien. In der Kolonie Gedcrali, wo man ebenfalls bestrebt war, Jemeniten lieranzuzlelien und zu diesem Zwecke bcrcits einige Wohnungen erbaut hat, ist cs doch den Jemeniten bis jetzt nicht gelungen, Fuß zu fassen. Der Grund hierfür Ist hauptsächlich der, daß sic dort nicht das ganze Jahr hindurch Beschäftigung finden, weil insbesondere für die Frauen keine ständige Arbeit, wie in den großen Kolonien Rlschon und Recho* both vorhanden ist. Zum Teil liegt cs auch daran, daß sic ähnlich wie׳ die osteuropäischen Juden in Amerika, in geschlossener Masse zusamiiicnztilcben wünschen, schon um ihre besonderen religiösen und synagogaten Bedürfnisse leichter befriedigen zu können. Es ist kein Zweifel, daß Palästina für die jemenitischen Juden ein sehr erwünschtes Imiuigrationsgebict ist. Sic finden sich in den neuen Verhältnissen außerordentlich schnell zurecht. Vor zwei Jahren kau» die erste größere Gruppe, in Lumpen gehüllt, zum größten Teil ohne ein Hemd und ohne jede Bcsclmluing. Da sic zumeist nicht einmal das Schilfsbillet aus eigenen Mitteln bestreiten konnten, mußten sie sieb das dafür nötige Geld hei den wenigen ״Wohlhabenden" unter ihnen leihen, ln Palästina angclangt, wurden sic, dank der rührigen Vermittehing einiger Mitglieder des ״Hapoel Hazair" naci» Rcchoboth gebracht. Da dort dauernd Wolinungsnot herrscht, war man gezwungen, die ״Brüder aus dem Jemen" in Kellern und Kammern unterzubringen. Allein im Keller des,: Hellt ha Waad haben einen Winter hindurch sieben Familien gewohnt. Sehr wenig an Sauberkeit gewöhnt, und so zusammengepfercht wurden sic auch viel von Krankheiten heimgesucht, die int krassen Widerspruch zu den bcfriedigenden hygienischen Zuständen der Kolonie stehen. Nichtsdestoweniger ist man auf das angenehmste berührt, wenn man jetzt in Rcchoboth das j e n» c!1 i t i s c 11 e Viertel besucht, Es sind dort bereits zehn Häuschen fertiggestellt, zum grüßten Teile durch ihre eigenen Hände erbaut, die ca. U> Wohnungen umfassen. A)(e diese Häuschen sind mit Gemüsegärten umgeben, die mit einen» wahren Biencnileiß bearbeitet werden. Zumeist sind auch bereits Nutz- und Zicr.biiumc angcpflanzt, die den kleinen niedlichen Häuschen eine gewisse Anmut verleihen. Bis jetzt liabcn die Jemeniten die Zaiilungstermine pünktlich clngchalten, ja cs gibt sogar nicht wenige unter ihnen, die in der relativ kurzen Zeit Ersparnisse gemacht hüben. Alles arbeitet. Per Mau» im Garten und Feld, die Frau wäscht und bä. kt bei den Kolonisten ttnd auch die Kinder fine cn iolmcndc Beschäftigung. Dabei sind sic von ei 1er unglaublichen Anspruchslosigkeit. Schenkt ein Kt 10nist einem Jemeniten einen abgetragenen Anzug, so kann es Vorkommen, daß der Jemenit den Anzug zu Geld macht und weiter seine Lumpen trägt. Vo.n Hause aus waren sic zumeist kleine Handwerker, insbesondere Silberschnilcdc, Thora- Schreiber. Man muß ihnen Geschicklichkeit für Jede Arbeit, die eine gewisse Handfertigkeit erfordert, zuschreiben. So beschäftigen sich einige ihrer Frauen in Rcchoboth, darunter die Frau ihres ältesten Chacham, mit dem Flechten von Körben, das sic ebenfalls bereits in Jemen betrieben haben. Einige Jemeniten liabcn sieb, besonders in!?!schon le Zion, zu guten Handwerkern, Schneidern, Schustern usw., »ungebildet. . Besonders ist die günstige Einwirkung der palästinischen Verhältnisse auf ihre Knaben zu bemerken. Ohne viel die Schule zu besuchen, sprechen sie doch ein klassisches Hebräisch lind lernen cs, tüchtige Arbeit zu leisten. In religiöser Beziehung unterscheiden sich die Jemeniten nicht bloß von den Aschkcnnsim, sondern auch von den Sefardim. Besonders schwerwiegend ist der Umstand, daß die Polygamie bei «Jen Jemeniten in vollem Flor steht, von der sic auch in Palästina nicht lassen wollen. Hand in Hand damit steht die Erscheinung, daß die Erteilung eines Schcidcbriefcs seitens eines Ehegatten in Erniange• hing eines hierfür bei den Aschkenasim üblichen recht peinlichen und minutiösen Zeremoniells sehr leicht von statten geht. Ebenso gibt cs andere rituelle Unterschiede, die nun bei dem Zusammenleben von Aschkenasim und Jemeniten innerhalb einer Kolonie einer gründlichen Regelung bedürfen. Rabbi A. J. Kuk, der Oberrabbiner von Jaffa, gedenkt daher eine wichtige Aktion zu leiten, um die t a l m 11 d i s c 11 e 11 Unterlagen für den jemenitischen Ritus in Jemen selbst aulzusuchen und auf Grund des herhciziisciiaffendcn Materials festzustellen, inwiefern man den jemenitischen Ucbcrliefcrungcn Konzessionen einrüuincn müsse. Abgesehen von diesen Unterschieden, die als Produktc einer langen historischen Entwicklung zu verstehen und zu würdigen sind, muß ohne weiteres zugegeben werden, daß die talmudisehc Durchbildung der Massen bei den Jemeniten viel höher ist als bei Juden anderer Länder. Einen j e 111 e n i t i s c 11 c 1! Am* ha* Are/, gibt es nicht. Jeder hat Thora, Mischnah und Maimonides studiert, und jeder spricht auch mehr oder minder geläufig die hebräische Sprache. Auch ihre Frauen, die äußerlich wie die Araberinnen gekleidet sind, bekunden in ihrer Lebensweise echt jüdische Gesinnung und Frömmigkeit. Das Familienleben gleicht dem der osteuropäischen Juden. Charakteristisch ist cs, daß einer ihrer Rabbiner, der durch Haltung und Gesinnung gleich vornehme Chacham Abraham in Rcchoboth. der von seiner Gemeinde keinen Pfennig .Gehalt bezieht und seinen Unterhalt g:mül) der Lebensweise der Tanaiten als Tagelöhner verdient, von seinen kärgliehen E r s [1 a r n i s s c n ein B c 111 a 11 s für seine Gemeinde baut) Welche ticfinncrlichc Liebe in den Seelen der Jemeniten zu Ercz Israel wohnt, kann man sich leicht vergegenwärtigen, wenn man bedenkt, daß ihre Auswanderung aus dem Jemen mit den inatinigfuchsten Schwierigkeiten verbunden ist. Es ist häufig vorgekommen, daß sic dort ihr Hab und Gut 1111 veräußert zurückließen, um nur unbemerkt den Weg ins heilige Land anzutreten. Und wem» man immer wieder, wie neulich in Frankfurt am Main, die müßige Frage aufwirft, ob nicht unser Kolon i s a t i o 11 s g e d an k c dem G c I s t c der jüdischen Tradition widerspricht, so genügt cs, auf diese frommen und mit allen Fasern ihrer Seele im überlieferten Judentum wurzelnden Jemeniten hinzuweisen, die zu den glühendsten Anhungern des neuen Jischuw und der Belebung der hebräischen Sprache gehören. AUS D£N G6M6jMD6M Berlin. In der Aula der Knabenschule der Jiidisehen Gemeinde hielt am Abend des 27. Dezember die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums unter zahlreicher Beteiligung weiter Kreise ihre Oencralver- Sammlung ab. Der Vorsitzende. Herr Professor Dr. M. P11 il i ppso 11, erstattete den Jahresbericht. Wir heben aus demselben folgendes hervor: Die Zahl der Milglieder hat eine weitere erfreuliche Verinelirnng erfahren. Der Stand der Kasse ist gleichfalls günstig zu nennen, besonders nachdem Frau Marie E r r c r a - B r II s s c I, Herr ,Generalkonsul Franz P11 i l i p pson -B r iiss eI mul Herr Baron Edmund v. Rothschild der Ge- Seilschaft insgesamt HIHH) Mk. für besondere wissenschaftlichc Aufgaben zur Verfügung gestellt haben. Es erschienen im Berichtsjahre der I, Band der talm u d i s c 11 e n A r c h c o 10 g i c von S. Kraul), die Gesammelten Aufsätze U. Steint hals über Juden und Judentum in II. Auflage, die Studie J. Rösels über die R e i c 11 s s t c u c r n der d c u t s e 11 c n J u d c n g e m c i n d e n . sowie eine Reihe weiterer von der Gesellschaft subventionierter Schriften. Im nächsten Jahr hofft der Vorstand mit den ersten Veröffentlichungen des Corpus T a n n u i t i c 11 m, dem I. Bande der Oerm a 11 i a - J u d a i c a und dem II. Bande des Muimonideswerks an die Ocffentlichkeit zu treten. Aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages Ludwig PI» i I i p p s 0!1 s wird eine von seinen Söhnen veranstaltete Ausgabe ausgcwühltcr Schriften PI1ilip״*ons erscheinen, welche die Mitglieder der Gesellschaft kostenlos erhalten Eine Reihe weiterer Schriften stellt der Jahresbericht den Mitgliedern zu ermäßigten Preisen zur Verfügung. Nach Entgegennahme des Berichtes wühlte die Ver- Sammlung durch Zuruf den bisherigen Ausschuß wieder, worauf Herr Dozent “״oro Bresiab seinen Vortrag über; ״die Stellung de»1 Aristoteles bei de״ Juden de» N ‘\

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