Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 Seite 17 JÜDISCHE RUNDSCHAU Das Oppenlieimersche Projekt der Siailungsgenosscnschaft ist cs wert, dal! sicli mich diu jüdischen Handwerker in Deutschland mit diesem wie Uberhaupt allen PalUstiuuproblcmcn beschäftigen. Im allgemeinen ist man sehr im Unklaren über die Zahl der jüdischen Handwerker. Hs wiire ein dankbares Feld für unsere Statistik, die (lewerhe• Zählung von 1907, bei der 7.11m ersten Male die Religlon angegeben ist, eingehend zu studieren. Wenn schon allein in licrlin zirka 1200 jüdische Handwerker vorhanden sind, so kann man getrost die Zahl der Arbeitnehmer auf das Dreifache schützen. Im allgemeinen wird die Zahl der Handwerker größer sein, als man vermutet. Hs wird von großem Nutzen sein, wenn, wie ich schon eingangs meiner Ausflilinmgen bemerkte, der jüdische Handwerker in Ver• blndung mit modernster Technik unter Leitung 11״• scrcr Künstler wie Konstrukteure gemeinsam einem Ziele zustreben. Um auch diese Kreise, die heute zum Krollen Teile dem Zionismus noch fern stehen, zu gwinnen, sollte keine Mühe gescheut werden. Gustav Eisenstein, Hombruch bei Dortmund. V. Verbandstag der jüdischen Lehrervereine Deutschlands (Schluß.) (Eigener Bericht.) Am Dienstag Abend, dem 27. Dezember, fand in den Räumen des Montefiore-Vereins eine Versanuu• hing zur Aussprache über die Jugendvere in sbcs t r e b u n g statt. Nach längerer Debatte kommt schließlich ein Antrag Peritz-Königsberg zur Abstimmung, es solle Nr. 1 und 2 der Lcitsiitzc in fo|. gender Hassung angenommen werden: Die aus An• laß des V. Lehrcr-Vcrbandstagcs in Hrankfurt a. M. in den Riiumcn des Monteibrc-Vcrcins versammelten indischen!״clircr erblicken in den Bestrebungen der jüdischen Jugendvcrciine Deutschlands ein vorziigliebes Mittel, das jüdische Bewußtsein und die idealen Interessen der hcrnnwnchscuden Jugend zu starken. Den jüdischen Lchrcrvcrcincn wird daher emn• fohlen, sich überall In den Dienst der Jugendbewe• Klingen zu stellen. Die Leitsätze") 3~f» werden von den Lehrern durchaus beifällig aufgeuommeu, von einer Beschluß• fnssung jedoch aus dem Örundc Abstand genommen, um dieselben in den einzelnen Vereinen zunächst einer Snezialherntiing zu unterziehen. Der Antrag Perlt/״ wurde einstimmig angenommen. Die Ausführungen eines Diskussionsredners Hecker-Wöllstein, der im Auflegen 7. io» ist isc 11 er Zeitungen eine Gefahr sieht, werden von A uc rbaeh• Berlin und H0 r wi t z• Kassel zurückgewiesen. Kino Teilnahme anwesender Gesinnung»• ccnossen an der Diskussion war unmöglich, da das Wort nur Delegierten erteilt wurde. In der Naclmiittagssitzimg beginnen die gcschüft* liehen Verhandlungen mit einer Debatte über den gedruckt vorliegenden Bericht des Vors tandes. Von dem Vorstand wird verlangt, er solle sieh mehr um die Förderung des Israel. Rcligionslehrer- Standes!»:mühen; cs wird verlangt, er solle voran• lassen, daß der P..I.Ü.D. seine Leistungen vergrößern und daß die Alliance I s r a 61 i t e. die große Mittel für ein Schulwcrk im Orient aufwende, ihre Mittel mehr den armen Gemeinden zuwendc. Von Feiten des Vorstandes und der Vertreter des D.J.G.B. werden die einzelnen Vorwürfe widerlegt, besonders wird darauf hingewiesen, daß ohne Hriaß eines Or• Willi,atiniugcsotzes keine Hilfe zu schaffen sei: bis dahin sei cs allerdings nötig, daß die Qroßgcmcindcn freiwillig den ziirilckgchcndcn Landgemeinden zu Hilfe kommen müßten. Die Debatte wendet sich dazu, daß der Vertreter des D.J.G.B. im Vorstände dos Verbandes ein entschiedener Gegner der jüdischen öffentlichen Volksschulen sei und damit im F.inklang steht mit dem Vorstände des D.J.G.B.: denn diese Stellung steht iu entschiedenem Gegensätze zur Auschauung der überwiegenden Mehrzahl der Lehrerscliaft. Dieser Vertreter des D.J.G.B., Prof. Dr. Türk, verteidigt seinen Standpunkt in sehr entschicdcncr Weise. Am 28. Dezember fand die zweite Hauptver* Sammlung statt. Herr .1. B. Lew-Frankfurt a. M. re• fcrlcrte über das Thema: ״DcrVorbctcrinVerg a n g 0 n 11 e 11, Gegenwart und Zukunft. Der Jüdische Vorbeter, so führte der Redner aus, war von jeher ein Hauptfaktor im Gottesdienst, weshalb an ihn hinsichtlich seiner religiösen Führung und all• gemeinen Bildung, hohe Ansprüche zu stellen sind. Die Ausbildung, die bisher oft eine ungenügende war, soll durch die Jüdischen Lehrerseminare, die Fortbildüng durch eine Kantorcnschulc erfolgen. Für die Kantoren wird ein ausreichendes Gehalt, endgültige Anstellung. Pension und Reliktenversorgung gefordert Das Referat Becker über Wirtschaftliehe und Standcslntercssen fordert die Schaffung von Lehrerheimen, Pensionskassen. Reise* bücher, Vortrffge mit Versicherungen, Stcllcnnachweise für Religionslehrer und Kantoren, Schicds* verlebte zum Austrag von Streitigkeiten zwischen *) Siehe den Bericht über die Vorstandssitzung des Verbandes der jüdischen Jugendvcrclne. Lehrern und Gemeinden. Ganz besonders verlangt \ er die Hrrielitimg jüdischer Volksschulen. Dazu i zwingt die Lehrer die Sorge für iiirc Existenz, besonders aber die filr die Hrluiltiing der jüdischen Kuligionsgemoiiiselialt. Vor Eintritt In die Debatte schlügt der geschält»• führende Ausschuß eine ausführlich begründete Res״• Itilton vor, in der das tiefste Bedauern über die ab• lehnende Stellungnahme des D.J.G.B. zu den öffentliehen jüdischen Volksschulen ausgesprochen wird. 111 der Diskussion wird die Stellungnahme für die jüdische Volksschule •sehr scliarl zum Ausdruck ge• bracht. Dann wird noch beschlossen, den D.J.G.B. zu ersuchen, die Angelegenheit der jüdischen Volksschule auf die Tagesordnung des ordentlichen Genicindetagcs zu stellen. 1111 Anschluß an die Tagung war eine sehr Intercssante J u g c n (I s c h r I f t c n - A u s s t e 11 u n g der Firma J. J. Kauf f 111 a 11 ul ferner eine sehr reich* haltige Auswahl von Ritusgegenstünden in allen mügliehen Hdelmclallen iti wundervoller, künstlerischer Ausführung aus dem kunstgewerblichen Atelier der Firma Felix Morowitz veranstaltet worden und fand bei den Teilnehmern lebhaftesten Beifall, Verband jüdischer Jugendvereine Aus dem Protokoll der VI. Vorstandssitzung, die in Berlin, am 4, Dezember 1910, in den Logcnrüumcn, Willielmstraße 118, 10Va Uhr vormittags, staufand, sei nach den ״Mitteilungen" des Verbandes folgendes »ütgetcilt: Anwesend waren: 1. Rechtsanwalt Dr. Apfel. Berlin (Gabriel Ricilcr-Verein, Cöln); 2. Dr. Rosenkranz und Simon (Jgbd. Berlin): 3. Referendar Rcgensb 11 rger (Jgdv. Braunscliweig); 4. Felix Mever (Montcfiorc-Vcrcin, Frankfurt a. M.): 5. Rechtsanwalt Lichten borg (Jgdv. Hannover); ö Albert 131 oc 11 (Ürolllogc für Deutschland VIII. U..11.13.):• 7. Rechtsanwalt Uradnitz (Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens): 8. Dr. Finkcl, Berlin:!>. Siegfried Brünn und Redakteur der ״Mitteilungen" Jucobv als Giistc. Nach einer Vorbesprechung mit Herrn Felix Mever über die KttsscnvcrhiUtulssc eröffnete der Ver• Iiandsvorsitzende, Herr Dr. Apfel, die Sitzung um Kl1׳/ Uhr, mit der Bitte, ihm einen Urlaub vom IS. Dezember bis 15. Februar zu gewähren. Da sieh Bei der Beratung Schwierigkeiten betreffs des Vertreters lien.usstellen, zieht Dr. Apfel zur Genugtuung der Versammlung sein Urlaubsgesuch zurück. Der VorsUantl beschließt, daß denjenigen Vereinen, die nicht bis spätestens zum 31. Januar 1911 die r i! c k s t ü 11 d I g c 1t Verbunds beitrüge gezahlt halicn und bis zu diesem Termin ihren sonst!• een Verpflichtungen (für Zeitungsabonnement, Katalogt* iisw.), n'iclit rracligckommen sind; die 1) c I e gierte nkosten nicht erstattet werden sollen. Rechtsanwalt Or, Brodnltz schließt aus dem säumigen Hntrielitcn der Vcrbandsbeltriigc darauf, daß auch die Vereine mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen und schlägt vor. den Vereinen ans Herz zu legen, daß sic aul eine Stärkung der finanziellen Ver• hälluisse Bedacht seien. Hin Leben von der Hand in den Mund und ein beständiges Hoffen und Harren auf die Beihilfen von Seiten der1 Organisationen und Korporationen könnten die Tätigkeit der Vereine be* einträchtigen. Redner empfiehlt dringend, daß sowold der Verband als auch die einzelnen Vereine stets au die Stärkung ihrer Finanzlage denken sollen. Bei der Sympathie, die der Jugendbewegung allerorten cutgcgcngcbracht werde, dürfte eine Selbs t ä n d i g in a c h 11 n g der Vereine in finanzieller Hinsicht nicht schwer fallen. Folgender Antrag Dr. Apfel wird einstimmig an• genommen; ..Die Verbandsvereine werden aufgefordert, int März 19t 1 In geeigneter Weise des Jahrhundertstages der Jmlcneiiianzipatlon in Deutschland zu gedenken, Es wird den Vcrbandsvcrcincn emnfohlen, sicli mit anderen Jüdischen Vereinen zwecks Veranstaltung gemeinschaftlicher Gedenkfeiern in Verbindung zu setzen." Aus Anlaß der 0 r ü n d ti n tr einer Jugendgruppe der liberalen Vereinigung ln 13 c r I i n יי׳ wird einstimmig folgender Erwägung Ausdruck gegeben: ״Jeder politischen und religiösen Partcirichtuttg muß das Recht zuerkannt werden, die hcranwachsende Jugend In ihrem Sinne zu beeinflussen. Dennoch gibt die Vcrbandslcltung Ihren tiefen und sch merz Ile hcnBedauernAusdruck, daß ihr Bestreben, die jüdische Jugend in neutrnlen Vereinen zu organisieren, um sic zunächst auf die gemeinsamen Gesichtspunkte hinzu* weisen, durch Bildung von tendenziösen Jugendvereinen eine wesentliche Schädigung erfuhrt. Der Vorstand beauftragt seinen Vorsitzenden und die anderen in Berlin! wolincnden Mitglieder, bei der ersten sich' darblctcnden Gelcgcnhcit öffentlich In energischer Welse diesem Standpunkt unter Be- *) Siehe den Aufruf ״Junge Juden" Im Inscrutenteil dieser Nummer der ,.J. R." zugnahme auf die Berliner Neu gründüng Ausdruck 7. u gebe n." Aus dem Geschäftsbericht, den Herr Dr. Hinkel erstattete, sei folgendes aiigciiilirt: Seit der letzten Vorsiandssitzung sind iu den Verband nachstehende Vereine anfgeiioimiicn worden: Aachen, H s c 11 w c g c , N a k e I, Emden, M. O In d bn c 11, Stolp und der weibliche Jugendverein 0 s t r o w o . so daß der Verband jetzt 59 Vereine zählt. Die P r o p a g a n d a wurde betrieben in Cottbus. Stargaid. Breslau. Metz. Gelsenkirelien. Leipzig, Selmcideimihl. Posen. Worms. Augsburg. Offeubaclt und St, Ludwig i. Eis (mit Unterstützung des Veiems Lörrach). In den erstgenannten fünf Städten sind bereits Vereine gegründet worden, und zwar in Stareard mit Hilfe des Stettiner ,Ingendbundes. in Metz mit Hilfe des StroHlungcr Jugend Vereins, in Gelsen- Kirchen mit Hille des Rabbiner Dr. David. Bochum. - Sehr fleißig ttinl mit Eriolg arbeitet der Nordwest• Deutsche Bezirks-Verband, der uns Emden zugeführt und in die Regierungsbezirke Stade. Osnabrück, Auris 11 und Oldenburg seine Fühler bereits ausgc* streckt hat. Besondere Anerkennung verdient nach dieser Richtung Herr Marikrcicb vom Jugend- Iniiulc Freundschaft in Bremen. Auch im A a s I a n d c macht die Jugendbewegung Fortschritte. Auf Anregung und mit Unterstützung der Fne Britli Logen ist in Prag die ״Johann flottfried Herd.'r- Vereinigung" gegründet worden Wien und Lemberg sind mit dein Studium dieser Frage andauernd beschäftigt. Auch sind wir auf Veranlassung der Vereine f'icdmrg und Lörrach mit Hasel und St. Gallen in Verbindung getreten. Unser Verhältnis zu den Organisationen ist dauernd freundlich gewesen. Her Zcntralvcrciu deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat uns in diesem Jalm• eine Subvention von 500 Mark bewilligt. Der ״l.elirervcrbaiid" hat unsere Leitsätze eittgcgengs'iioimiicn. und der Leiter dieses Verbandes, ReWior Feiner in Hamburg, hat‘ iu seiner ilbcauus lesenswerten Schrift ..Kulturelle Bestrebungen innerhalb der deutschen Judenheif‘, die in zweiter Aufläge erschienen ist, auf Seite 11 mul 12 der Tätigkeit unseres Verbandes mit anerkennenden Worten gedacht. Er schreibt dort 11. a.: Die Bildiun׳ und Erstarkung von Jtigcndvcrelucn und in Verbindung damit die mit Jubel und Hegeiste• rung begrüßte Gründung des ..Verbandes der jiidisollen Jtigendvereine Beutielilands" werden dazu beitragen, ein selbstbewußtes Geschlecht licran/.uzielien, .dessen Gciueinscbafistreiie auf erarbeiteter Keimtnis und hegrimdetem Stolze basiert". An den Lehrern licet cs. das Feuer der Begeisterung, das aus dem Willen und dem Streben der jüdischen Jugend aufflammt, zu n-ilire». sic zu dem Arsenal zu führen, das ihr Waffe und Wehr zu stcligeiuäßcr Verteidigung gegenüber gehässigen Angrih'en auf Juden und Judentum bietet und durch Lehre und Vorbild dafür zu sorgen, daß wieder ein großer idealer Zug durch unsere jüdische lugend gelte, daß sie mit ihrem Herzen den Willen znm Judentum als freudiges Beketmlnis fasse." Der Geschäftsführer regt hei dieser Gelegenheit an. den Rabbincrv.'rlvmd anläßlich seiner General- Versammlung Ende Dezember d. Js. in Berlin offiziell zu ersuchen, auch seinerseits die Jugendbewegung zu fördern. Dieser Anregung soll Folge geleistet werden. Die dem Verbände der j iid i s c 11 e n Lehrervereine im deutschen Reiche überreichten Leit- Sätze betreffend die' Jugendbewegung an klein/crcn Plätzen (vcrgl. die Protokolle über die III.. IV. und V. Vorstandssitzung) werden rzur Kenntnis genommen und genehmigt. Das Referat in der Haupt ver- Sammlung des Lebrerverbandes in Frankfurt a. M. wird Herr Felix Mever halten. Die Leitsätze lauicn: 1. Der Veri.ind der jüdischen I.cbrcrvereine im Deutschen Reiche erblickt in den Bestrebungen der jüdischen Jtigendvereine Deutschlands ein vor/.üglichcb Mittel, das jüdische Bewußtsein und die idealen Interessen der heranwachsenden Jugend zu stärken. 2. Der Verband der jüdischen Lelirervereinc empfichlt daher seinen Mitgliedern, sich überall in den Dienst der Jugendbewegung zu stellen. 3. Au kleineren, für Jugcndvcrcinsgriindung nicht geeigneten Plätzen ist es wünschenswert daß die Lehrer die Jtigendvereine dadurch zu ersetzen suchen, daß sic die' reifere männliche und weibliche Jugend in den Gemeinden und deren Umgebung von Zeit zu Zeit um sich versammeln. Bei diesen zwanglosen Zusammenkiinften sollen die Lehrer mit den Teilnehmern einzelne Partien aus der jüdischen Geschichte dtirchneltmcn, jüdische Gegenwartsprobleme behandeln, anregende Artikel aus den jüdischen Zeitungen vorlcscn und besprechen, für gceignctc Lektüre sorgen, überhaupt den gesamten Jüdischen Intcrcsscnkrcis der Teilnehmer in unparteiischer Weise zu fördern bemüht sein. 4. Wo die örtlichen Verhältnisse cs erheischen, sollen die Lehrer gemeinsame Seder- und Freitagnbende veranstalten, eventuell auch gemeinsamc Spaziergänge unternehmen. 5. Die Kosten dieser Veranstaltung sollen den Lehrern von den Gemeinden erstattet werden, mit denen sie sich zu diesem Zweck in ׳ Verbindung setzen mögen.