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Jüdische Rundschau · 1911-01-13 · Heft 2 (13.1.1911) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 15 traut, sein Augenmerk hauptsächlich auf den Verkauf der noch abzusetzenden 138 Grunderaktien ü £ 50.— zu lenken. Außerdem soll das Berliner Bureau an diejenigen wohlhabenden Gesinnungsgenossen, die sich bisher nur in ganz geringem Maße an der P.L.D.C. beteiligt haben, mit dem Gesuch herantreten, ihren Besitz an Aktien zu erhöhen. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ging deutlich hervor, daß die P.L.D.C. gezwungen sein würde, verschicdcnc wichtige und günstige Gelegenheiten zur Ausdehnung des Koionisationswerks unausgenützt zu lassen, falls cs ihr nicht gelingen sollte, im neuen Jahre ihr Kapital erheblich zu vermehren. Neuwahl. Da statutengemäß gelegentlich der letzten Oencrnlvcrsammlung sämtliche Direktoren zurücktreten mußten, so wurden Neuwahlen vorgenommen, die folgendes Resultat (in alphabetischer Reihenfolge) ergeben haben*. Norman Bentwich, London, Adolf Böhm, Wien, B. A. 0 01 d b c r g, Wilna, Bertrand Hambürg, Berlin, Dr. Hans Gideon Heymann, Berlin, Leopold Keßler, London, Dr. Arthur R u p p I n, Jalla, Ing. M. Usslschkin, Odessa, Dr. E. W. Tschienow, Moskau. Prof. 0. Warburg, Der- Un, Prof. Ch. Welzmann, Manchester. Das Direktorium konstituierte sich darauf wie folgt: Prof. O. Warburg, Vorsitzender Dr. E. W. Tschienow, Moskau ) stellvertretende Dr. H. Q. Heymann, Berlin ) Vorsitzende Dr. Arthur Ruppin, Jaffa, dircctor managing. Anfragen sind nicht an die einzelnen Mitgliedcr des Direktoriums, sondern nur an das Berlincr Bureau, Berlin W. 15, Bleib treu- Straße 34/35, zu richten. Adresse für Einschreibebriefe lautet: lutmobilicngesellschaft ״Palästina“ m. b. H., Berlin W. 15, Bleibtrcustraßc 34/35. Zahlungen für Rechnung der P.L.D.C. nimmt für Deutschland das Bankhaus A. H. Heymann & Co., Berlin N.W, 7, Unter den Linden 59, entgegen. Ein Brief Odessa, den 16./29. Dezember I91U. An den Vorsitzenden der Palcstinc Land Development Comp., Herrn Professor Dr. Otto Warburg, Berlin W. 15״ Bleibtrcustraßc 34/35. Sehr geehrter Herr Profcssorl Ich bestätige mein gestriges Telegramm: ״Ein* tritt Direktorium einverstanden." Ich habe auf Ihr Schreiben vom 19. Dezember nicht gleich geantwortet, weil mir Ihr mich ehrendes Anerbieten Anlaß zu ernstem Nachdenken gegeben hat. Ich habe mich auch veranlaßt gesehen, meine hiesigen Freunde und Gesinnungsgenossen zu Rat zu ziehen und erst nach eingehender Beratung und Ucbcrlcgung entschloß ich mich, Ihr Anerbieten anzunchmcn. Dabei erachte ich cs für notwendig, über meine Motive folgendes zu bemerken: Sie werden sich, sehr geehrter Herr Professor, erinnern, daß ich und meine näheren Freunde und Hinde blickte ihn verständnislos an und sie wurde ernstlich besorgt. Sollte er durch sein wahnsinniges Spiel, durch seine fixe Idee etwa den Verstand verloren haben? Um ihn nicht noch mehr aufzuregen oder durch Widerspruch zu reizen, gab sie gar keine Antwort und nahm ihre häusliche Beschäftigung wieder auf. Diese ihre scheinbare Gleichgültigkeit brachte ihn aber noch mehr auf, zumal sic doch diesmal wirklich und wahrhaftig der schuldige Teil gewesen. Er begann daher wie ein Wil* der hin und her zu rasen, wobei er mit schluch• zender Stimme die Worte hervorstieß: ״Aufge* schrieben — Fünftausend Gulden — Totsicher •־ reicher Mann — Alje Nowi!“, so daß Hinde, deren Ruhe nur erzwungen war, schließlich doch aufmerksam wurde, und endlich brachte sie es heraus, daß es sich um einen Traum han* delt, wobei ihm einige Zahlen vorgegaukelt wurden, die er für eine Offenbarung hielt. Sein unerschütterlicher Glauben, seine felsenfeste Ueberzeugung verfehlten nun doch nicht, auf Hinde einen gewissen Eindruck zu machen und ihr Interesse zu erregen. Sollte doch etwas daran sein? Warum nicht? Die Möglichkeit war doch immerhin 1 nicht ausgeschlossen^ Ihre Großmutter pflegte t Gesinnungsgenossen in Palästina uns ursprünglich gegenüber dem Arbeitsplan der P.L.D.C. ablehnend verhalten haben. Es geschah dies vornehmlich uus folgenden Motiven:!. Charakter und Anlage des ganzen Unternehmens setzten, wenn etwas Nennenswertes auf dem Gebiete der Kolonisation hätte geleistet werden sollen, außerordentlich reichliehe Geldmittel voraus, und cs erschien mir bei meiner Kenntnis der Verhältnisse mehr als zweifelhaft, daß die P.L.D.C. diese Mittel würde auibringen können. Meine Freunde und ich glaubten vielmehr, daß rationelle koionisatorische Arbeit und Förderung der Privatinitiative nach dieser Richtung eher Aufgabe des viel populäreren und reicheren Nationalfonds sein müßte. 2. Es erschien uns ferner verfehlt, daß die P.L.D.C. damals in erster Reihe ihre Aufmerksamkeit der Gründung und Ausgestaltung eines Lehrgutes zuwandtc. Dieses Unternehmen erschien uns weder nach den zu erwartenden Resultaten, noch nach den erforderlichen Mitteln als dringende Aufgabe unserer Organisation. Seit jener Zeit sind nun nahezu drei Jahre vor- Über. Während dieser Zeit haben sich die Verhältnissc wesentlich geändert. — Dank der mächtigen Strömung zugunsten der praktischen Palästinaarbeit, die sich in weiten Kreisjn der Organisation geltend machte, haben auch die* zentralen Organe der Bewegung der Palästinaarbeit mehr Aufmerksamkeit zugewandt. Namentlich hat das Direktorium des N. F, den Bedürfnissen der Palästinaarbeit Rechnung getragen und der P.L.D.C. größere Summen für diese .Arbeit zur Verfügung gestellt, so daß tatsächlich die P.L.D.C. nicht ausschließlich auf ihre eigenen bcscheidend! Mittel angewiesen ist, sondern in der Hauptsache mit den ihr anvertrauten Mitteln des N. F. arbeitet. Dazu kommt, daß der Arbeitsplan der P.L.D.C. im letzten Jahre eine wesentliche Verschiebung nach der Richtung einer weiter gefaßten koionisatorischcn Tütigkit erfahren hat. Das Augenmerk der P.L.D.C. ist ja zur Zeit hauptsächlich auf den Erwerb, die Ameliorienmg, Parzellierung und den Weiterverkauf größerer Grundstücke gerichtet. Diese Aufgabe erfüllte die P.L.D.C. mit dem Terrain in Galiläa und die gleiche Aufgabe hat sic bei versqhicdcncn anderen!,lüncn im Auge. Derartige Arbeit aber haben meine Freunde und ich immer für Uberaus wichtig und zweckdienlich gehalten. Die veränderte Sachlage hat mich veranlallt, meine Stellung zur P.L.D.C. zu ändern. Im Einvernehmen mit meinen nächsten Freunden erachte ich cs daher für angebracht, Ihr Anerbieten zu akzeptieren, und erkläre mich nun bereit, die Gesell- Schaft nach Kräften zu fördern und ihr nach Möglichkeit gute Dienste zu leisten. Freilich glaube ich auch jetzt nicht, daß die P. L. D. C. berufen wäre, die großen Probleme unserer Kolonisalionsarbcit zu lösen — dazu ist sic denn doch zu schwach. Ich zweifle aber nicht daran, daß die P.L.D.C. der unmittelbaren Kolonisationsarbclt In Palästina gute Dienste leisten wird. Daß ich aber stets bereit bin, eine Institution, die nach Charakter und Anlage berufen erscheint, *der Palästinaarbeit Nutzen zu bringen, unter allen - äußeren sowohl wie innerparteilichen — Umständen nach Kräften zu fördern, glaube ich Ihnen nicht erst sagen zu sollen. Ich empfehle mich Urnen bestens und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß! Halbmonatsschrift für die jüdische Jugend N Anonnemont• an( die 1־albmonotllc11 erselielnrnde Jug ״׳d*jl »,hnli Jung Ir••! Muten 1ei der nxjcdlroi und ollen 1*0*1• ttmiern De jinclvani* und Ocmrrolct•• Ungarns c סח Merk pro Quartal. Anseigen Nos'en die xwcUetpa'fene Pct'ireile so Pig.. In der «u rlk Unterricht 1S l'lg. Pür grösitre Aufträge v.<1l4n e י• «n iciondere Ofr c vum Verlag Jung Draci. Ucrlm .* W.6S. Inhalt des 1. Januarheftes 1911: (Beginn des neuen Jahrgangs.) König David mit der Harfe ^Illustration). — Die Geschichte von drei Sternen. Von Adolt Friedemann. — Was unsere Weisen sagen. — Die Juden in Yemen. Mit Jilust׳at!on. — Zank und Streit Im A-b c. Ein.* Feriengescliichte von E. M. Esther. Eine Geschichte aus dem Mittelabor von Paul Loewenstein. — Plauderecke. — Briefkasten. — Rätselecke. — Kalender. ihr doch von einem Onkel zu erzählen, der einen Schneider gekannt, dessen armer Bruder einen großen Treffer gemacht und der reichste Mann in der Khille geworden war. — Immer* hin war ein Traurn von Alje Nowi nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen. ״Aber Schitnmcleben,“ sprach sie darum nicht mehr so ablehnend wie sonst, wenn es sich um das verhaßte Lotteriespicl handelte.־ ״Wenn der heilige Mann dir eine solche Freudenbotschaft gebracht hat, warum bist du so zornig und schreist so laut? Was liegt daran, daß ich den Tisch abgewaschen habe — was der Himmelsbote dir gesagt, wirst du doch, ohne aufzuschreiben auch wissen! —“ Anstatt aber zu antworten, wurde Reb Schimme noch wütender; denn — 0, Jammer! — was Hinde für unmöglich hielt, war den* noch geschehen: er hatte die Zahlen .absolut und vollständig vergessen. Wie vom Tische, waren sie auch aus seinem Gehirn rein weg* geblasen. Er mochte tun, was er wollte, er konnte sich noch so sehr anstrengen und ab* quälen, er wußte sich auf . keine einzige Zahl mehr zu besinnen und von dem ganzen Traum war nur noch das schmerzhafte Brummen im Schädel zurückgeblieben. Er wußte wohl, daß die Zahlen irgendwie mit der Hochzeit seiner Tochter im Zusammenhang standen; doch, wie? das war ihm vollständig entfallen. Er versuchte das Wort ״Chassone“ in Zahlen zu zerlegen - aber nein! Schon die ersten zwei Buchstaben betrugen vierhundertacht, und solche hohe Zahlen gab es überhaupt in der Lotterie nicht. Ebenso wenig ging es mit ״Cltuppe“; dieses Wort bestand überhaupt nur aus drei Buchstaben. Vielleicht ״Kalle“? Wieder nichts! Er grübelte und sann, aber das Richtige wollte ihm nicht einfallcn. — MisceueM י Ins Sfmiiiiihiich! (Hurrn Prof. Ludwig Geiger und anderen Leuten.) Eine jede Ncugcbnrt tritt mit Schmerzen in das Dasein, einen jeden neuen Gedanken, der schöpferisch, wcltumgcstaltcnd in die geistige Welt cintritt, erwartet ein schwerer und hartnäckiger Kampf mit all jenen geistigen Mächten, die auf ihr Gewohnheitsrecht trotzen und die cs wohl fühlen, daß ihnen durch eine mächtigere Kraft der Untergang droht: sie treten gegen ilm auf mit der ganzen Plumpheit und Derbheit des trügen Besitzes, mit der ganzen heftigen Anmaßung geistiger Hohlheit, die sich so leicht zu herber Schärfe aufstachclt. (Aus ״Das Judentum und seine Geschichte״ von Abraham Geiger. Unveränderter Abdruck der ersten Ausgabe. [Besorgt von Ludwig Qeigerl Breslau 1910. Seite 38.)

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