Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 2 wurzellos umher. Am schlimmsten aber ist dieser Kampf für diejenigen, denen an ihrem Judentum noch etwas liegt, die nicht mit kühler Selbstverständlichkeit diese Existenzfrage von vornherein zu ungunsten des Judentums zu entscheiden vermögen, die die Enge des alten Judentums hassen, ohne von der Weite und Frei, heit eines neuen etwas zu wissen. Hier,in dieser Stimmung, sind die besten Voraussetzungen für den Zionismus gegeben. Das Judentum von allen Resten einer glücklich überwundenen Vergangenheit befreiend, läßt er es uns zum ersten Mal wieder als etwas Ganzes und Einheitliches empfinden; der Zwiespalt ist beseitigt, da wir vom sicheren Grunde eines wohlfundierten neuen Judentums aus, ohne uns selbst auf/.ugeben, an der ganzen Fülle deutschen Lebens (eiineluucn können. Von dieser ״erzieherischen Aufgabe des deutschen Zionismus" ist zum Glück im letzten Jahre bei uns wieder mehr die Rede gewesen als seit langem. In dem offiziellen Blatt unserer Organisation, der ״Welt“, ist sic in vortreffliehen theoretischen Erörterungen eben erst ausführlich behandelt worden.*) Es wäre zu wünschen, daß Männer wie Rathen au, die sich nicht scheuen, über sich selber naclizudenken, auch von diesem Inhalt des Zionismus etwas erfahren. Es ist ganz gewiß notwendig, viel* leicht notwendiger als je, für die äußere Ent* Wicklung und Erstarkung des Zionismus zu kämpfen, wo sich irgend eine Gelegenheit dazu bietet; aber wir wollen darüber nicht vergessen, daß der Zionismus uns in erster Linie deshalb etwas geworden ist, weit er unseren ,tiefsten persönlichen Bedürfnissen entgegenkam. Die Besten unter den deutschen Juden können heute noch Zionisten werden — warn wir dafür sorgen, daß der Zionismus ihnen etwas zu bieten hat! So soll uns Zionisten Rathen a u s Ar* tikel auch dafür eine Mahnung sein, in welchem Geiste sich unsere zionistische Propaganda zu entfalten hat. R o m a n u s. Die Farm Kinereth Am 29. Dezember 1910 fand eine Sitzung des Direktoriums und die Generalversammlung der Aktlonüre der Palcstinc Land Development Co., Ltd., statt. Der von dem Vorsitzenden der P.L.D.C., Herrn Prof. Warburg, Uber 1׳ic bisherige Tätigkeit der Gesellschaft, erstattete Hcricht enthielt verschiedene Punkte, die das Interesse der Allgcmeitihcit beanspruchen dürften. Die Einrichtung der Parm Kinereth war mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Als die P.L.D.C. das Land in Besitz nahm, war dasselbe von den früheren Besitzern noch nicht vollständig geräumt und außer einem kleinen, halbverfallenen Gebäude *) Von M. Calvary in Nr. I des neuen Jahrgangs. waren keinerlei Unterkimttsriiumc vorhanden. Es galt sich mit den feindseligen Vorbcsitzcrn und Nachbarn ausci1mmlcrzusct7.cn, die herumschwcitcndcn Beduinen, die mit ihren Herden aufs Land kamen, an die Respektierung des jüdischen Eigentums zu ge* Wuhnen, die Wirtschaftsgebäude zu erbauen und für einen Ort, der bis dahin vollstündlg unbewohnt war, die richtigen Verbindungen für die Verproviantierung usw. zu finden. Hs Ist der P.L.D.C. gelungen, all dieser Schwierigkeiten Herr zu werden; neben der Parm ist Jetzt bereits von der Jewish Colonization Association eine kleine Kolonie angelegt worden und der Platz ist damit nicht nur zu einer jüdischen Ansicdlung, sondern intolgc seiner günstigen Lage zwischen der Eisenbahnstation Scmach, der jüdischen Kolonie Mcihamic und der Stadt T i b c r I a s sogar sclton zu einem kleinen Verkehrsknotenpunkt geworden. Der Wert des Bodens ist dadurch natürlich erheblich gestiegen. Andererseits hat die Bewirtschaftung des Bodens, durch die Schwierigkeit der landwirtschaftlichen Ar* beit in der ersten Zeit, durch ׳ die schwierige Be* Schaffung aller notwendigen Geräte und Lebensmittel, durch die notwendige Auseinandersetzung mit den Vorbcsitzcrn und Nachbarn, sowie durch die Feind* Seligkeiten der Beduinen, die einmal einen rcgcl* rechten Ucbcrtall auf die l'itrm machten und eine Zeit lang die Arbeit störten, viele Ausgaben ver* ursnclit, die naturgemäß nicht wieder sofort durch die Einkünfte der Wirtschaft cltigcbracht werden, sondern in der eingetretenen Wertsteigerung des Bodens ihren Gegenwert finden. Die Bilanz von Kinereth per 30. September 1910 schloß mit einem Verlust von Pre. 7290.82, von denen Prs. 6917,.(13 auf Abschreibungen entfallen. Das neue Jahr bietet für ein günstigeres Resultat bessere Aus* sichten als das verflossene, indem der Betrieb mit dem Forlschrciten der Arbeit einen regelmäßigen Charakter annimmt und der Verwalter der Parm auch für andere landwirtschaftliche Betriebe in der Nachbarschaft als Agronom gegen Entgelt fungiert, wodurch sieh die auf die Farm entfallenden Vcrwaltungsspescu erheblich verringern. Die Farm hat außer dem Getreidebau auch bcreits die Milchwirtschaft und Geflügelzucht cingc* liilirt, eine Baumschule angelegt und eine Bcwässe* rungsanlagc eingerichtet, welche stündlich 70 cbm Wasser dein Tiberiassec entnimmt und durch die 300 Dunum Land bewässert werden kann. Mit Hilfe der Bewässerungsanlage werden jetzt auch bewässerte Kulturen (Gemüse, Baumwolle, Luzerne) gepflegt werden. Außerdem wird in diesem Jahre die Oiiveiipflanzung, welche die P.L.D.C. vertraglich für die Israelitische Kultusgcmcindc in Dessau iibcrnoni* men hat, begonnen. Es ist der P.L.D.C. gelungen, sämtliche landwirtschaftlichen Arbeiten durch jüdische Arbeiter aiisführcn zu lassem Naclt Ansicht des Verwalters von Kinereth lohnt cs sich aucii fernerhin, alle Arbeiten, trotz des höheren Lolmcs, jüdischen Arbeitern zu übertragen, falls die ganz einfachen Arbeiten mehr und mehr durch ciuaiifizicrtc Arbeit, z. B. der Handdrusch durch Muschiucudrusch ersetzt werden. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die Farm Kinereth in der kurzen Zeit ihres Bestehens ein gutes Stück Arbeit geleistet hat; sic hat durch eine intensive Amcliorationsarbcit den Boden außerordentlieh verbessert und wird sowohl hierdurch, wie auch sieh daher fest vor — was? Nicht mehr zu spielen? O, nein! Kein Gedanke! — er nahm sich fest vor, das nächste Mal — ein andere Berechnung aufzustcllcn, die ganz, ganz unfehl• bar war und mit der er dem Teufel selbst ein Sclmip|)chen schlagen wollte. ■— Das waren seine Gedanken und Bctrachlungen bis gestern Abend; doch jetzt, im Bette, hatte die Sache eine ganz andere Wendung genominal. Nach dem wunderbaren Traum mit Aljc Nowi, der ihm die drei! heiligen Zahlen gebracht, da brauchte er sich sogar nicht mehr eigenhändig den Kopf zu zerbrechen, da war er ja des Erfolges sicher, da hatte alle Not ein Ende und er war wieder ein gemachter Mann. Mit einer Beruhigung und einem Behagen! wie vielleicht nie zttvor in seinem Leben, lag er noch eine Weile wach, 1un allerlei Pläne zu schmieden, um allerlei Luftschlösser zu bauen, bis ihm die Augen zuficlcn und er wieder einschlief. Kaum hatte er am nächsten Morgen wieder die Augen aufgcschlngcn, als er auch schon mit einem Satze aus dem Bette sprang, hastig zum Tische hinstürzte, wo die glückbringenden Zahlen nicdcrgcschricbcn waren, und — wäre beinah in Ohnmacht gefallen. durch Ihre günstige Lage a- See und in der Näh; i der Eisenbahnstation sicht bald angemmessen; j Erträge abwertun. j Arbeitergenossenschaft Unidjunl. Die Genossenschaft, der die P.L.D.C. von ihrem Land ca. 1000 Dunani zur Bewirtschaftung mit dem Inventar der P.L.D.C. Überlassen hatte, hat sehr gut j gearbeitet und nach der provisorischen Gewinn- und Vcrlustrccluiung einen Gewinn von 4437.60 Prs. erzielt, wovon der P.L.D.C. vertragsmäßig die Hälfte, | hat die P.L.D.C. veranlaßt, die Genossenschaft in diesem Jahre zu vergrößern und ihr 1500 Dunant Land zu überlassen. Parzclticrungstätlgkclt. Durch einen der P.L.D.C. vom Jüdischen Nationallonds gewährten Kredit war cs ihr möglich, ein Terrain, das sich für alle Kulturen, insbesondere für Ackerbau eignet, in Galiläa zu erwerben. Da sich aber die endgültige Erledigung der Kaufformalitätcn sehr lange hinzog, war cs ihr bisher noch nicht möglieh, an die eigentliche Parzellierung des Terrains heranzutreten, obwohl sie sehr viele Nachfragen nach kleineren und größeren Landstücken erhalten hat und das Land in kurzer Zeit mit entsprechendem Gewinn veräußern konnte. j Anlage von Pflanzungen. Außer der bereits erwähnten Pflanzung, die die P.L.D.C. für Rechnung der Israelitischen Kultusge• melndc in Dessau vertragsmäßig übernommen hat, hat sic auch mit kapitalkräftigen Gruppen in verscliiedcncn Ländern wegen der Anlage größerer Pflanzungen verhandelt und cs bestellt die bcrcch- ן tigte Hoffnung, daß sic in naher Zukunft in der Lage sein wird, eine großzügige Ptlanzungstätigkcit in ver-! scliiedcncn Gebieten Palästinas zu entfalten. Der der; P.L.D.C. durch die Ptlanzungsanlagcn zufallcndc Gej winn, der angesichts der großen Objekte eine bc- I träelitliclic Höhe erreichen dürfte, kann aus tcchi nlschcn Qründen erst nach vollständiger Fertigstellung der Pflanzungen zur Verrechnung gelangen. Vermittlungsgeschäft. Die P.L.D.C. hat sich auch dein Landvctmiulungsgcschüft zitgewandt und dadurch kurz vor Schluß des Geschäftsjahres einen namhaften Betrag an Pro- Vision verdient, der allerdings gleichfalls aus technischcn Gründen erst im neuen Jahr zur Verrechnung gelangen kann. Knplinlvcrnielirung. Das Kapital der Gesellschaft hat sielt für die Zeit vom 1, Oktober 1909 bis zum 30. September 1910 nur um £ 2224.— auf £ 10136,— vermehrt, welch ungünstiges Ergebnis hauptsächlich darauf zu rück7.11• führen ist, daß nur ein sehr geringer Teil der Vertraucnsniänncr der zionistischen Organisation bisher die nötige Aufmerksamkeit der P.L.D.C. gewidmet hat. Außerdem hat das Berliner Bureau der P.L.P.C. zur Vermeidung einer Beeinträchtigung der Sammhingen für den Genossenschaftslands in den letzten 6 Monaten keine besondere Werbetätigkeit entfalten können. Nachdem die Sammlungen für den Ge• nosscnscliaftsfonds ein erfreuliches Resultat ergeben haben, ist anziincliincn. daß die Funktionäre der zionistischen Organisation nunmehr ihre Kraft hauptsächlich in den Dienst der P.L.D.C. stellen werden. Mit Rücksicht darauf, daß die Ausdehnung der kolonisatorischen Tätigkeit der P.L.D.C. im wesentliehen von der Vermehrung seiner Mittel abhängig ist, iiat das Direktorium das Berliner Bureau beauf- Da stand er, der Tisch, glatt, weiß, blitz und blank poliert und schien ihm höhnisch zuztigrmsen, doch von den Zahlen nicht die geringstc Spur. ״I linde! Unglücksmensch, was hast du getan?" schrie er verzweifelt. ״Du hast mich unglücklich gemacht! Das ganze schöne Geld ist weg! Alles ist jetzt weg!" Doch!■finde blieb ruhig und kümmerte sich nicht viel um sein Toben. Sic hielt es für einen schon oft angewendeten Trick, um seinen Spiel- Verlust bei dem Eranzefuß durch einen fingierten Diebstahl zu bemänteln. Als sie aber seineu aufrichtigen Kummer, seinen ungeheuchelten Schmerz wahrnahm, da wurde ihr doch etwas bänglich zu Mute, und sie versuchte das Nähere zu erfahren. ״Von welchem Geld sprichst du denn? Wo hat es denn gelegen und wieviel war es?" fragte sie. ״Sei still und frag' mich nicht!“ fuhr er sic barsch an. ״Geld! Wer spricht denn von Geld? Ich meine die heiligen Zahlen, die Aljc Nowi mir gegeben. Und da — da — standen sie," er schlug wütend auf den Tisch, daß die Teller und Tassen klapperten; ״da hast du die Bescherung! Fünftausend blanke Gulden sind futsch, ganz futsch!" Ein Lotteriegewinn ohne Loßerielos Humoreske von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) Von nun an schuf er tagelang allerlei Kombinationen aus Bibel verseil, aus Psalmenanfängen, die sich ganz vortrefflich und zuvorlässig erwiesen, bis — nach der Ziehung. Der sehnlichst erwartete Gewinn wollte und wollte nicht kommen. Trotz der sorgfältigen Bcrcchnungen entdeckte er dann, freilich immer zu spät, einen kleinen Irrtum, der die ganze Kalkulation über den Haufen warf. — Hatte er beispielsweisc ״siebenundachtzig" zusannnengcdeichselt, so wollte das Unglück, daß ״achtundsiebzig" gezogen wurde, und hatte er, nach schwerem Kopfzerbrechen, ״fünfunddreißig‘‘ ausgeklügelt, so mußte er mit Schrecken wahrnehmen, daß gerade ״scchsunddrcißig" den Treffer bekam. Es war ganz klar, daß er sich auf der richtigen Fährte befand, daß er das Glück mit dem Aeraicl gestreift, daß er nahe daran war, wieder ein reicher Mann zu werden, nur daß Satan in eigener Person ihm immer wieder den häßlichen Possen gespielt. Er nahm ץ׳""־-־. '1