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Jüdische Rundschau · 1910-12-30 · Heft 52 (30.12.1910) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ז ו Seite S*>S 2. Uml damit kommen wir zu dem zweiten uml Hauptzweck unseres Institutes, nämlich der Wiederhelebung des altjudischcn Liedes und Gesanges vorzubereiten »ud der allgemeinen Verbreitung derselben im ganzen judennun die Wege zu bahnen. Wenn sieh im l.auie der /.eil die jüdischen Sänger an einem Orte zu gemeinsamen Gesänge versammeln, muh die eine Abteilung auf die andere einen l'.influll ausiiben und alle werden so von einander lernen. Der bruderliebe mul kollegiale Geist, dev Geist Israels wird die Herzen einander Malier bringen und die Schmach des Uolus von den Verstollenen Israels wegnelunen. Ls wird sieh fiir das ganze Volk Israels ein ge* ineinsames I Inionslied, ein altneues Lied heranshilden, mau wild uiebt mehr von einem deutschen, jemlmii* sehen, sepltardischen. Alcppor Lied reden, sondern von dem l.icd Israels, welches ausgeht von Zion. In dem Institute sollen dann nicht nur die alten Melodien gesammelt werden, sondern, die Gedichte und die Puitim, denn mich auf die Texte der Lieder selbst bat der Golutli seinen, dem ursprünglichen Geiste des Liedes fremden Goluthstempel gedrückt, wie allgemein bekannt ist. Lied und Melodie waren ja immer beisammen, wie Leib und Seele, so d 111 auch heule von autlcieu Umflüsseu gleicherweise m Mn* j leider.selu.ft gezogen werden mullten. Das bisher Gesagte hctriit't die abstrakt wissen* sehatllube, theoretische Seite des neuen Uutcrueli* mens, aber dasselbe hat auch einen eminent prakti* : sehen Zweck, ln dem Institute sollen nämlich hcbr.iij sehe Sauger hcruitgebildet werden, welche dieses; Namens windig sind, welche dem Liede Israels zur 1 Lhre gereichen Die Simger. welche aus dem judij sehen Institute in Jerusalem entlassen wurden, sind I bernien. mit ihrem Liede aus Zion den Geist, die Seele, die Gedanken, die Gefühle ihrer Urinier im (jointli zu erwecken and dieselben nach dem geisti* gen mul nationalen Zentrum nach Jerusalem hin• zu/iclnn Darum besteht ein Hauptzweck des liiMi* tutes dann, für alle Abteilungen und jüdische Go• iiieinden nach ihrer besonderen Art tüchtige Kantoren her.m/nbilden. welche sich der hohen Aufgabe ihres i Amtes, die Merzen mul Gefühle der GeiueuideglieJcr I zu erhet»e11 und zu ergbt/cn. lebhaft bewtilit sind, | welche verstehen mul begreifen, dall sie als Stellverj lictcr des Hohenpriesters mul der diensttuenden Le* 1 viten im Heiligtum zu betrachten sind. j Der r.iuilutt dieser muü so stark sein, dall aas ן dem Kopie und lli r/.cn der .luden der bisherige He* j griff des Wortes Cliasau in der Hedeutung eines Kill* j tusdieners!״sdiaiiiasch") gänzlich verschwindet and j ei eine ganz neue Gestalt annimmt, welche dem He* j jrriiiv ,.Prophet" Italic kommt.! In 1!cr Al'teiluiig der Vorsänger werden daun auch die Gesetze der hebräischen Sprache mul he- Inaische Inktum gelernt werden, ferner das liebr.iisehe Lied 1111.1 seine verschiedenen Können, Geschichte der poetischen Dichtung des l'iui und der Gebete. Daneben uiolgt l'nterricbt in der Mnsiklehie int all* gemeinen 111:d m der orientalischen und indischen im hesoiidern. aulJcrdem Anweisung für den Dienst des Vorholers mul den Gebrauch der Gebete. X Laue weitere Aufgabe des Instituts bestellt in der Arrangierung von Schauspielen und Vorstelhm* gen aus der jüdischen Geschichte mit Mnsikbcgleitung. Diese VorStellungen werden von den Sühnen des Volkes dessen Vergangenheit und die Gestalten seiner )leiden neu erwecken und es mit Stolz erfüllen und zur Naclicifrnng reizen, wenn es in dramatiseh*be• wegter Handlung siebt, wie sie im Lande der Väter lebten und handelten. Dramatisch musikalische Darbietungen solcher Art werden die Liiibildungskraft des Volkes fesseln, dasselbe aut den Klügeln der Phantasie zurück tragen in seine grölte an Wundern reiche Vergangenheit und in seinem Merzen Dankbarkeit auslüscn fiir den Verstich, ihn» das Leben seiner Väter so vor Augen zu fuhren, wie es sich tatsächlich abspiellc, als dieselben noch frei und wohlgemut liier im eigenen Laude wohnten. Um nun die in den vorgenannten Paragraphen angegebenen Zwecke mit den bcstgeeigneleu Mit• teln am ersten zu erreichen, sind von uns in dem Institutc bereits folgende Sammlungen in Angriü genominell worden. 1. Sammlung von Volksgedichten und Volks* melodicn, worin alle im Munde des Volkes noch lebcndigeii Lieder und Melodien aus allen Ländern, wo Juden wolmen, vereinigt werden sollen. Dis jetzt wurden In diese Sammlung bereits HO() Lieder und Melodien aufgcitommcn. 2. Sammlung von Musikinstrumenten, in welcher alle alt- und jetzt gebräuchlichen orientalischen Musikinstrumente zusammen gebracht werden sollen. 3. Sammlung von Text- und NotcnbUchern, in welcher alle Lieder- und Notenbücher und Handschriitcn Aufnahme linden sollen, welche über orientalisebcn Gesang und Musik im allgemeinen und über jüdischen im besondern handeln, J ü I) I SC H I: KUNDSCHAU 4. Sammlung von Kleidern und Kostümen, in weleher alle Ouellennaelirichieii über israelitische Kostümkunde gesnimni'l! werden sollen, um nach diesen Aufgaben die Gewänder anzufertigen, welche die Sänger in dem Institute bei öffentlichen Vortsclhingen tragen sollen. Auch haben wir bereits für jede Abteilung der gemischten Jerusalemer jüdischen Gemeinde einen speziellen Chor mit einem Dirigenten gebildet, weleher die Teilnehmer desselben die überlieferten Gesänge und Melodien zu lebten hat. Dis jetzt bestellt bereits ein asehkcnasiselier Chor mit 40, ein jemenilischer mit 20, ein Aleppoer mit 25 Sängern, denen wir bald auch weitere Chöre für Scplmrdim und Perser mizusclillcllcit gedenken. So wenden wir uns denn jetzt an alle, welchen das Ideal der Wiedererweckung und Wiederbelebung des jüdischen und hebräischen Liedes teuer ist und am Merzen liegt, mit der herzlichen Ditte, uns als Mitglieder unseres Institutes sowohl nach der spiri- Indien als nach der materiellen Seite hm die ll.mde zu Hilfe zu reichen. Nach der spirituellen Seite, dall sie uns helfen, durch Ucbcrwcisung von Liedern. Me- Indien, Musikinstrumenten, von Büchern, Hroseläuen uml Handschriften, welche hierauf Dczug haben, nnscre begonnene Sammlung immer mehr zu vergro- Ilern und reichhaltiger zu gestalten. Insonderheit latteu wir alle Indischen Säuger und speziell die Herren Kantoren, unser Unternehmen zu unterstützen, indem sie die Existenz. desselben überall bekannt machen und uns selbst von den Schutzen ihres eignen Geistes und was sie vielleicht sonst von Nationalliedciii gesammelt ־ haben, «ütigst mittcilen und aberhsseii. Nach der materiellen Seite hin aber bitten, wiin* sehen uml hoffen wir, 11.dt sieh jetzt 1 echt viele Gönner imserer Anstalt finden mögen, welche unserm Verein als Mitglieder bei treten mul mit ihren regelmüliigen Hcitr.igcn mul Gaben den l'ortbcstand und die weitere K.iitwieklung uml Ausdehnung unseres Instituts sichern werden. Der Mitglicdshciti.ig ist auf 10 Kranes pro Jahr festgesetzt. (Heber ׳he Rechte eines Mitgliedes gibt $ 7 der Statuten der Anstalt näheren Aufsohluü.) Wenn m solcher Weise alle Liebhaber des Zionsliedes dem hiermit an sie gerichteten Appell ein auf* merksames und williges Gehör schenken und mit Aufbietung ihrer geistigen und nationalen Kräfte dem Institut für jüdischen Gesang und Musik die erbetene Hilfe gewähren werden, so wird es vielleicht auch mellt lange tiaiicrn. Ins /um Loli und Preis des judisehen Liedes demselben auf einem der Herge Zions ein ihm geweihtes eignes Heim erstehen wird. Im Namen der verschiedenen Chore der jüdischen Gemeinden in Jerusalem. Der (irimder und Leiter des Instituts: Abraham Zewl Idclsolin. :: AUS ALLCR W6LT Deutschland Ine Verwilderung politischer Slueii scheint im jüdischen Leben immer groteskere Können anzu• nehmen. Seit Ludwig Geiger durch seinen famosen Artikel in der ״Stimme der Wahrheit" frank und irci der deutselien Siautsregicrung zugemutet hat, den Zionisten ihie Siaaisbürgerrcehte zu nehmen, kommt es unseren jüdischen Scharfmachern auf eine Denmiziatiottchen mehr oder weniger nicht mehr an. Wir halten ihr Treiben fur ungefährlich. Denn anlterhalb des Judentums mag es wohl kaum jemanden gehen, auf den sieh die sehlotterudeAugst unserer ״Mauschels" übertragen liehe; mul llerzls vornehm- Mer politischer Grundsatz, die indische Krage vor dem Kortin! der öüenthehkeit zu erörtern, luu sieh noch immer nach nullen mul innen bewährt. Lin j Herr Moritz Kriedliindcr bat in Wien eine Teuden/.-UvuscUüre muev vlvm imemhar sachlichen Titel erscheinen lassen: ״Politiselie Strömungen im modernen Judentum‘'. Die geringe Verbreitung, die diese Schrift gefunden hat, Holt es dem ״Genera Ia 11 z e i g e r für die g c s a m teil Interessen des Judentum s" geraten erscheinen, ihren lnhalt durch Abdruck in .seinem Keuilleton weiteren Kreisen ztigänglieli zu machen. Hei allem liebevollen Interesse für das Schriftehen scheint die Rcdaktion sielt zu einer gründlich#! Durchsicht nicht anfgesehwimgen zu haben, sonst wäre ihr ein Satz, wie dieser, nicht entgangen: ״Der Zionismus war, da er den Aufenthalt der Juden in den verschiedene״ Staaten bloll als ein Provisorium, ab einen unltaltbaren und deshalb bald zu beseitigenden Zustand betrachtete, eine emgcstandcncrmallen unpatriotischc Bewegung". Wir dürfen behaupten, dall die Kodaktmn diesen Satz nicht gelesen hat, da in demselben Blatte zwei Wochen zuvor dieselben albernen Deschuldigungcn, als sie seitens der Berliner liberalen Juden erhoben wurden — wie cs sich für ein 1 jüdisches Blatt wohl von selbst versteht — mit Enf- I rlistung ztirlickgewlcscn wurden. Dieses unliebsame Nr. 52 Kuekiiksci diirlte immerhin die Redaktion des (krliner Blattes für die Zukunft zu gröberer Vorsicht imdmcn. Türkei Die Studierenden an der K.onsiantmopelcr Umversität er!i0Heu einen Appell an die akademische Jugend, sieh zur Ncubelebiing der Türkei zu einem grollen Verbände zusaintneuznsebltclSen. Der Aufm: wendet sieh au die ״mohammedanisehen und ehristliehen Kollegen." Einige Juden erhöhen Beschwerde dagegen, dall die Juden in dem Appell ubergangei. wurden. Daraufhin wurden sämtliche Exemplare de* Zirkulars vernichtet und ein neuer Aufruf publ/z er:, in dem auch die Juden zum Anschluü an die ge plante Organisation aufgefordert werden. Nach einer Mitteilung des ״Sabach" hätte die 1111l.ische Regierung den Behörde«: tu Palästina nnhv johlen, eine strenge Kontrolle aber die Uodenver Läufe zu fuhren und dafür Sorge /u tragen, dall da eins*ändernden luden keinen Buden m Palästina a werben. Wie aber ein Vertreter des ״Jemie Ture' im Groltwesirat erfahrt, entbehrt diese Mitteilung jeder Begründung■ Das Bodenvcrkanisgcsct/. hetni•'! nicht die luden allem, sondern alle ausländischen Staatsangehörigen. Die Regierung hätte deshalb gar keinen t)1 mal. ge: ide bezuglieh ler Juden besondere InMriil.mmen zu erlassen. Ls scheint jedoch, dall eine arabische I1!'.eresse11lengruppe. die von der Re* gicruug Konzessionen für sämtliche Ländereien ans ihn Besitze des Exsultans Abdul liamid zu erlangen sucht die Juden bei der Regierung demmziei! hat. diese bat aber in dieser Richtung bisher keinerlei Schritte 1:11te1110rm1en. Ls verdient übrigens liervmgehoben zu werden, dall der ״Sabach" der erfahrnen Gruppe iiahi'stehi und deren BcMiehtmgen imtei• stützt. Oesterreich AnlulHich des iniälirigcit (iriindiinesfeMes des .,.Jescliiiriiii" in Troppau gelangte eine K e s ־. * sclirif! zur Herausgabe, die folgende Beitrage enthalt: Dav. \S o I f f s o I, n - Köln : Au den zumist. Verein ״Jesehurim" m Troppau; Dr. Kritz Kkstein: D) Jahre ״Jesclmniu": Irr. Theodor Son- 1: e 11 se ii e 1 11 Tioppati: Beitrag zur Geschichte der .luden m Iroimau; Ernst >0111111 er: Theodor llerzl; Dr. Siegmmul Werner; lletzl der Heros; 2 Radie! :iiigen vo״ lleri'i.tim Struck in Berlin; Dr. O. '1 11 o ,1 - Krakau: Woher und w ohin?: Otto .V b e I e s Wien: Chantik.dibesclienmg; Dr. Kranz 1! n p e n h e 1 nt e r Berlin : Aus ״ila-cin dei 1 einen und politischen Ökonomie"; Marek Sc her tag- Wien: Die Jugend: Dr. Alexander Hausmann- Lemberg. Bezalel; Dr. Egon Zweig: Nation,diond- Miszellen: Ad. Bohin-W'icn: Die Bedeutung der Palästmanrbeit. Die inhaltlich und aiiberhch pr.ichinte l'estsehrift ist durch hg. Gustav 1'1 n z i - lioopau inr 2 K. zu beziehen. PAL A65TIN A־R U li DSC H AU Die bekannten gehässigen mal \erleumde1 iseh..1 Angrllle des Herrn l'reseo, des Redaktems des ..11 I iempo", gegen den Zionismus וגוו allgemeinen und gegen den Konstantmopeler Turnverein im hesonderen, haben auch in Jaffa einen Wi.lerhali gefunden. Um ii.iinlieli cm Ruiulsclireiben. dall der Codes des Intimes“ m Saloniki in spaiiolischer Sprache an sämtliche jüdische Gemeinden gerichtet hat und das sielt mit der angeblich bedrohten Stellung Cliami N'ahuuis befallt, zu beantworten, hat der hiesige Wa.al ll.nr eine Versammlung von Asclikeimsmi und Seoliurdim einberufen. in der folgende Resolutionen gefallt wurden: 1. Die Versammlung protestiert gegen die Verleuimhmgcn des Herrn Kreskn und erklärt ihn als Kciml des jüdischen Volkes (Zorer huihitdiniL 2. Die Versammlung erwartet vom Chacliam* basclii m Kniistantiiiopel, dal־, er nicht den Verdacht wird •aufkommen lassen, als billige er das niederträchtige Vorgehen Kreshos und dall er vielmehr der Regierung klar machen w ird, d u 11 es i 11 der o 11 o - m a n i s c 11 c 11 u 11 d 11 i c 111 o 11 o m a n 1 s e h e n .1 u d c 11 11 c i t k e i n e .luden gibt, die 1 r g e 11 dwelche separatistische Gelüste i ח d e r T ii r k e 1 verfolge 11. 3. Die Versammlung erklärt, dall die durch die hebräische Sprache und die anderen nationalhistorischen Güter vereinigten Juden der Türkei sich als eine besondere Nation mnerhalb der Kamille der ottotn,mischen Nationen fühlen, die miteinander in Kricdcn und Eintracht leben und für das Wohl des gemeinsamen Vaterlandes arbeiten wollen. I’alüstina-Gcscllschaflsrciscn Es wird hierdurch niitgctcilt, dall wir mit der Zusammenstellung einer P a I ä s t i 11 a - G e s c 11 - sc bal t s r c i s c, die im Krilbjahre löll stattfinden «vird, beschäftigt sind. Sollten sich eine gröbere Anzahl von Interessenten melden, so werden die Krmüfligungen für die Schiffskarten fur alle Klassen b e - deutend sein. Es liegt daher im Interesse der Itfilnchnicr, sich unter Angabe der Schifisklasse, die

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