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Jüdische Rundschau · 1910-12-23 · Heft 51 (23.12.1910) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 581 JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 51 Krim d sä t / I i c 11 andere SlelluiiK eiimimmi als der Verfasser des folKeiulcn Artikels, ist unseren Lesern bekannt, ebenso aueli. dalt die Ansieliten über diese!Tage in Merlin ebenso geteilt sind wie anderwärts. ♦ Berlin. Von 11. Y 0 r l< -S t e 111 e r. Las Mal» der allKomciiien Beliebtheit eines Mensclieu stelH im verkehrten Verhältnis zur Postigkeil seines Charakters. Dieser Hrfuhrungssatz hat sieh mir derart ciugeprüg», »lall ich vor allgemein beliebten Mensehen vorerst heinilieh forseheml stehen bleibe, um zn entdecken, wo der Kill in ihrem Charakterbilde sieh offenbaren werde, den zu entdecken ich sicher hin: ich bemühe mich aber auch bei imbeliehten Individuen jenen starken Charakterziik zu linden, »ler es ihnen unmöglich macht, die all- Kcmcinc Dunst zn erringen. Und was von einzelnen Menschen Kilt, wird wohl auch hei deren Gemeinschallen anwemlhai sein; bei Völkern. Stummen, Landsmannschaften lind Städten. Wenn diese meine Schlußfolgerung stimmt, daun müssen wir Berlin zu den charaktervollsten Stüdton Deutschlands zahlen. Was mau es mm sein, das dieser so imposanten und immer noch mächtig aufstrebenden Stadt die all- Komeine Svmpaihie vorenthalt? Dalt mau sie mehr respektiert als lieht? Da moKeii hereJitiKte und iinhereehliKte HmpimdiitiKen, Mew׳nlltes und •halb unter dem Bewußtsein Seliimniiiei ndes zusammen wirken. Herfiii wurde plötzlich der Mittelpunkt eines mächtigen Keiches. das ganz. Deiitseliland mit seinem Mime Kckutet hatte, es genoß die l'’riichte iahrzehntelaiiKer Arbeit, »lie in Siivldeutschland viel intensiver gcpilegi wurden war. als in der Nahe der neuen Keiehshauptstadt. ledenfalls halte »ler (iedanke der deutsehen Einheit im Süden viele Opfer gekostet. wo mau meinte, von »len materiellen Lrfolgcn weniK zu vei sparen. Dieses Ge,'11111 wurde von!len llerliuern ikidiireh KeMeiKcrl, dalt sic die e.lnckliehe Konstellation der Politik übersahen, die Opfer der anderen vergaßen und den beispiellosen Aufschwung ihres Oememwcsens sieh als eigen»•* Verdienst anieeli- ן nuten Das wirtschaftliche Ücdeilieu wurde zu sehr j zur Schau KctraKeu, so sehr, dall es den Neid er-; reuen mullie, mul es entwiekelte sieh in Merlin eine ן bis dahin in nculschlainl imbekaimte Gemißsiichl, die j inaiiclic gute Pigi’iiscliafl, aul die »ler Deutsche st"lz, I Kcwcsen war. halb verschüttete. Merlin eiufrenulete sieh seiner Wurzel, cs ameri* I kanisieite sieh und es war so stark geworden, dall j es nach und nach seine Art dem übrigen Deutsch-• j Iniul aiiizu/wimten hcKantt. I!s wurde als Reichs- 1 mittclpiinkt das Zentrum des neuen Wirtschafts- | Keistes, des nationalen (leid- und Arheitsmarktes und \ wiiiilc so auch l'idner in »ler neuen Art »ler Bewerj hing des l.ebens. das sieh immer mehr materiali• j sicrtc. ׳! Die- .luden sind in Merlin immer au der 1*10111 j inarscliiert. sie bähen am Aufschwung der Stadt mit- 1 gearbeitet und sie haben sieh am ürfolge berauscht! wie diu andern. Vielleicht noch stärker. Lin bis j »lahm unliek.iiuiies Wohlleben, eine Sucht nach nia- ׳ tericllen (lenilssen. hatte wie In einem Taumel »ler Tollheit alle jiitliseheu Kreise ergriffen. Diner wollte es dem andern zuvortun. und alle übernahmen sich in jeder Weise. Die Arbeit wurde zum Selbstzweck und »ler (iemili zur Arbeit. Der Sinn des Lehens .schien auf den Kopf gestellt, last schien cs, als treibe die assimilatorische Haltlosigkeit die Leute der OeniiliMieht in die Arme: jedenfalls ging die Mut- Wertung »les .luilciiinnis parallel mit der Neigung zn Privolitäl und Vbllcrci. Manchem Me.sucher Merlins war auch die so he/cieluicte Ordnung und die Mevormumlimg der Ordner auf die Nerven gefallen, denn es war. als fühle jeder Unijormlräger sieh ein Stück Bismarck. Und die Uniform hatte auch auf das Zivil ahg»!färht. Sicherlich halte die groll-zügige und dabei oft derb zuiahrciuie Persönlichkeit des ersten »leutsehen Kanzlers aut die Bevölkerung Berlins Hinfhill geübt. Aber Deutschland ist nicht durch liismarek allein geschaffen .vorden. Ja selbst Moltke wäre ohne einen Kot'11, der »las Heer organisiert hatte, unmöglich gewesen. Die deutschen Siege waren ein Produkt si'uldentsehvr I tegeistertmg und norddeutscher Organisatiou. gepart mit greller Kraft. Und etwas von dieser mililärisehen und hiirokratischen Organisationsfalm'.kcit ist in die Bevölkerung Berlins über• gegangen, ja diese ist cs. die ihr ein sicheres Uebergewicht verlieh und es ist zugleich eine Uigenscliaft und!׳;ihic.h'.-il. »lie neidlos von aller Welt anerkannt »viril. Von Merlin aus wurde auch viel Jüdisches orgnnisiert, leb erinnere nur an die Vereine fiir jüdische Liteie.im mul Uesehioiitc. au die Logen usw. Die Idee »ler l.iteratiirvereme hatte ein Oesterreieher, titisiav Karpeles propagiert, die B. B. Logen kamen ans Noütamcriku. die Idee »ler israelitischen Alliance aus l•!ankreich, mul der llilisverein ist ia eine Va- 1 iet.it »ler Alliance”• Berlin war glueklieh 11111I erlolgreieli in der l'ropagamla »ler Ideni. die von auswiirts k.mieii. Nun soll Berlin auch die 'Leitung der zionislischeu Oig piisahon übernehmen und zu erfolgreichem Wirken iiihren. was amlerwarts hegomieii wurde mul möge es so sein die Lrfolge gciiiclicn, für die an alliieren Ortai so viele Opfer gebracht wurden. Denn »las soll gesagt sein: So verworren unsere inncic Lage ist mul so heftig wir oft bekämpft werden. die Idee hat sielt »lurehgesetz.t. Die Idee «es Zionismus. Mar, viril nicht mehr intellektuell und kulturell geringer geschätzt, weil man sich zum Zi»»- nismiis!»■•knimt. Organisieren hcint, »he Athenen und Uesclich ipssc derart ordnen, dal’, sie mit der Sicherheit eines lebenden Organismus' funktionieren und ohne k'cibtmgs'vulcrMünde sieh vollziehen. Menschen in freier Vereinigung derart ztisammenz.iifassen. dalt sie uneiii (Tgaue gleichen, das mechanisch funktioniert, das ist nur dann möglich, wenn alle Beteiligten ihren I‘. i 11 z e I vv i 11 e n einem bestimmten 7. \» e c k e »1 p 1 e r 11. Ist mm die .ludenlrit »׳«׳neigt, sich unserer Organisatiou »•ir./magen'׳־ Nicht einmal alle zionistisch 1'ihlcudcn Juden wollen sieh organisieren lassen: ja nicltl einmal die organisierten werden es zugehen, »lat! man sie ihren freiem, Vereinigungen entzieht. Wir können mit Zwang 11i׳:l1t operieren, wir simt Keine soziale (iemelnselmft. 111 »ler einer auf den an- »lern angewiesen ist, hei uns ist es mit den hewälutun preiillisclien Ke/.cplcn mein getan. Aber auG!! diese nach Blut und lÜsen gravitierenden Mittel hätten kein deutsches Reich geschmiedet, wenn t|lc Volksstimmung nicht vorgearbeitet hätte. Nicht em. mal ein von allen berechtigten l'aktoren geschaffenes Staatsgesetz kann sieh dauernd behaupten, wenn es »ler allgemeinen Mmpfindung widerspricht. Üewill, Berlin ist ein guter Platz inr die Le!• tung einer weltumspannenden Organisati<m aber sic darf nicht von vorn herein die Sympathien gegen sich haben. Berlin kommt in eine Zeit hinein, wo die Kau ׳!. fesimidigkeit aller Teile eine ruhige innere l'.utwu,.. hing verbürgt. Merlin will aber noch mehr, es u,n »las f'.rhe der friilieien Leitungen nur antreten. w»..., alle alten Schuldtitcl getilgt sind, auch »he :in, •>. zicllen. Damit kann mau sieh sehr wohl emversi, . den erklären. Man möehte fiir unsere l'reumle!1 Merlin aber auch jene Wünsche erfüllt sehen. Köln bisher nicht erreichen konnte, so /. M. die . Steuerung uiiserei Institutionen z»׳r Prhaltnng ׳.! j Parteileitung. Auf mich macht dieses Verlangen! 1״ I die Notwendigkeit, die es diktiert, einen so ne , . I »chmcllernden L'iulnick, dal! ich mir ihn v<•;. a [ Seele schreiben 11111IS.! Nelunen wir an, dalt Köln ohne »lies»• > .r . nicht auskomnieii konnte, varem sollte meir . ,!! Merlin ans versucht werden, wenn »he alten Set 1.7•.!. ן gezahlt sind, ohne diese odiose Kricgsl.untr 1.׳ס,!•,.! j zu arbeiten? Belicht werden wir uns mit .i »er j Maltrcgcl nicht machen, denn sie bedeutet cm יי j weichen von allem, was uns bisher gepredigt »׳.׳•■ . I Bislang galt es als Stolz unserei Parteileitung. | unsere finanziellen Institute rein und streng gesd.. | lieh geführt werden. Im Augenblick, wo sic .■•! ] ihrem Gewinn au die Partei In l'ro/.ciil abgd.r. müssen, nefleulet »las eine K״m'1sk.»t1011 des /dm Teiles jener (leider, die wir im Vertrauen auf uiiw ׳. gcsehäftlelie Korrektheit anvertnut erhielten. Dar ,׳. ändert ni;l1ts. dal! ein grolter Teil der Aktien .״־» , i'hilantropisehen (inmilen ge׳eiclmet wurde. Im J grollte Teil unserer Kapitalien nihntei in P.ihtstni... I dessen M1llstim1nun׳g gegen die A.P.C. ich in meinen. ׳ Artikel Zionismus in Zion geschildert!iahe. De!! Zins ist hoch, fast unerträglich, »!eil .,u s lu l'i• >־ mul das ist der Zinsf'Pi der A.P.C. hamii mein pi״• dnktiv. Hat sich Disiicr die Volksstimmung gegen die Herren Beamten gewendet, so wird kmiitig die Par• tei angegriffen werden und Berlin von vornherein m schiefer Stellung *.111* Arbeit in l'nlasuna beginnen. Du Besteuerung des Nntmiuilioiuls kann zu einer vollständigen Desorganisation dieser vorläufig blühenden Hinrichtung führen. lind »lies aus zwei (irimden: Bisher hua! »s j ״Der Natioualfonds dient zum Ankauf von imlisclicn! Moden m Palästina”. Da widerstand kein jüdisches | Herz fromme Zionisteiigegner und skeptisch» ן \ssimil.Huren, sie alle griffen in die Tasche, in de.; heim luden das Kleingeld lose sitzt. Im Augcnblu׳•». i wo es bekannt winl. dal! der Nationalionds auch I dazu diene, unsere Parteileitung zu erhalten, wird; jeder Beitrag zu einer politischen Manifestation, und! die Möglichkeit eines Boykottes dieser iur uns »״ wichtigen Institution ist gegeben. Aber auch in der I ll.iinl im»» illiger Chefs •ler I.a1nle»«1׳g.1nisat1011 wo I 1 »ler bisher uenltale Natinitalfomls zu einer W .11׳ Mittelalters, sondern »las ganze Judentum aussterbeu, ja, »lanii wurden wir 1 וווו Arthur Kahn au einer ״Keuaissauee »les jrdischcn Bewußtseins" und somit der jüdischen Kunst verz.w cifeln. Wir aber glauben, »lall mit dein Dorijmlenhun und ähnlichen Ueberlileihselu des Mittelalters in Deiitseliland nur die spezifiseli deutseli-iitdisehe Kultur ausstirbt. Dadurch werden wir alter erst fiir das Alliudentum treit mit »lern vollkommenen V'allen aller vnUlvlalterliebeu Mescliränktlieiten und Beschränkungen beginnt der deutsche Zionismus seine Siegesbalm. Wir verlieren mit der eigenen Kultur die eigene Kunst, um uns beide auf Palästinas Ilcimatshoden wieiler/.ugcwinncn. ' l'.s ist unrecht, wie es der Verfasser tut, zu verlangen, mm sollte plötzlich wieder eine gewaltige jüdische Kunst entstellen. Wir haben den jüdischen Boden in imserm deutschen Vaterland aufgegeben und suchen unsere zukünftige Heimat. Wie sollte cs jetzt eine andere jrulisch-deutsclic Kunst gehen, als die, welche dies Seimen uml Sueben ausspricht: die zionistische? Ich fühlte mich hei der Lektüre der Kalm’sclten Novellen stofflich uu Sehaloin Ascit' s Novellen erinnert. Dal! Asch aber wirkliche Kunstwerke schuf, das liegt daran, dall in RuMund das Ghcttojudentum v/ohl dem Wunsch, nicht aber den Tatsachen nach überwunden ist. Sehalom Asch, der, Künstler und Zionist, .weiß, daß dies Judentum für ihn innerlich überwunden ist. Weil es aber üußcr.lfclt noch stark mul kräftig lebt, mul er es selbst lebt, konnte er sein I Dichter werdrn. J Wir machen unsere licsinmiiigsgenossen auf das Inserat »les Verlages M. Hühner, »ler /InuisilHClieu Lieder und Nmen tur Violine und Klavier, aufmerksam, Gedankensplitter j aus Moses Hess* ״Kom und Jerusalem“.! Was wir heute fiir die Wiederherstellung der l jüdischen Nationalität zu tun haben, besteht zunächst 1 darin, die Hoffnung auf unsere politische Wiedcrgcj hurt lebendig zu erhalten und sic da, wo sie sehlutni inert, wieder zu erwecken, Urlauben sodann die Welureignisse, welche sich im Orient vorbereiten, einen praktischen Anfang zur Wiederherstellung des jüdischen Staates, so wird dieser Anfang zunächst wohl in der Gründung jüdischer Kolonien im Lande der Väter bestehen. Die I'.inwtirfc der aufgeklärten Juden gegen die Wiederherstellung des jüdischen Kelchs haben ihren letzten Grund in einer moralischen und intcllcktueilen Borniertheit, welche unfähig ist, sich auf einen hohen humanen Standpunkt zu erheben, von welchem aus erst diu ganze Größe des Unglücks, dem abgc- Rolfen werden soll, sowie die Mittel der definitiven AbhiMfe überschaut werden könnon. '! : 1 ׳...,.• . . Wie wird der Orient erlichen am Tage cm (»ler Juden) Ankunft! Wie schnell wild unter »len! Gesetze der Arbeit die üntnerviing der Kassen d<>:1 scliwinden, wo Wollust und Müßiggang und Rar ■ ihre tausendjährige Herrschaft hatleit! (Idem). 0 Der Gedanke, von imserm Vatcrlando wie»1. Besitz zu ergreifen, konnte erst zu einer Zeit in M. traclit kommen, in welcher die unbeugsame iudiscb ׳ Orthodoxie mul »las starre christliche Dogma, v< lebendigem Strome der Geschichte berulirt. g.׳• brochen sind. —---; Soeben erschienen! 3ü diseües JBiederßucfi S. arhtbl. vrrbimrii Aullajt l'm Selten) In hiersnmem U111»chlng, gediegener Aiisltihruug■ I*n*is pr••!•:xemptar Mk. 0 60 — 1 Kr. Ost. W. liel grü«!»crcm llc/tig hoher Kzbatt. Zu hc/tchcn durch die Geschäftsstelle der Jüdischen Turnerschaft Borlin, Aioxanderstr. 39. gegen Vorclnsoidung oder Nachnahme - Id P g. I״״״־ Hierzu erscheint In wenigen Wochen: Notenanhang zum .-.—...===־־ י■•■-׳•■ Vcreinstieüerbuch *Irka 60 eigene Melodien, pro Exemplar Mk. 2.-, von 1 « '3 Exemplare •t> b Mk, 1,60)

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