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Jüdische Rundschau · 1910-12-23 · Heft 51 (23.12.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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äk .iTTXaBM—B: %nd- Welt Icser Hielt. h in bens [die >W11, lität, reitteile taue, die in er und . ... ן!ehe hier!ehe von shrdie!um :ten nu;. Will Ui.- eni n.'e hea »erdie he!• erich esc /Ol, er. mist. ige en. :11c - :er II" cn :lu ler de st. ׳"ח tet nn :uis-!nsc :uer 1C-!rin! *lfMW.I 4 i No. 51 lUEDlSCHE RUNDSCHAL Seite 553 sollte dies Bewußtsein niefit germanischem oder keltischem Staimiiesgefühl an ethischem Wert gleichkommen? Herr Geh. Hat Köhler rechnet zwar das Jüdische Volk zu den Nationen, die vom Schicksal dazu bestimmt sind, aufgericben zu werden. Wer aber verbürgt die apodiktische Richtigkeit dieses Satzes? Es ist doch schlieltlich Sache der Dialektik, ob man sich für diese llehauptung entscheidet oder umgekehrt aus der tausendjährigen nationalen Existenz und Zusammengehörigkeit trotz der Diaspora auf eine grolle Zukunft für das jüdische Volk schließt. wie cs der Zionismus tut. Das aber zu erörtern, würde nicht mehr in den k’alimeii des Themas luncinpassen. Für den deutsehen Juden, welcher religiösen Richtung er auch .,:!gehören mag. kann es in der Präge der Assiition mir eine Stellungnahme geben; mitzu- ., eiten an den Kulturgütern des deutschen Volkes. .iIhi in dem vollen Bewußtsein seiner Eigenart. I'.s kann Kein Mensch aus dem Komplex seiner Eigenschäften heraus und es liegt eine tiefe Tragik in dem modernen Juden, der auch heule noch die Grenzen seiner Natur zu überschreiten sucht. Her seiner nationalen Eigenart sich bewalde und doch am Kulturleben seines VatcrlanJes produktiv teil* nehmende Jude war im vorigen Jahrhundert eine sporadische Erscheinung (l)israeli, Lussallc). den Typ schuf erst Theodor Herzl. der einer der iemsinnigsten deutschen Eeuilletonisteit war und der!*!ihrer des jüdischen Volkes wurde. 5ctzt seine Geistesart sich in der kommenden jüdischen Generation durch, so resultiert daraus eine Eortcntwickhing des jüdischen Menschen, die sicherlich sogar die Assimilation des Individuums unmöglich machte, aber auch nach unserer Ueberzeugung 7.11 r Bereiche• nmg menschlicher Kultur beitragen wird. Eduard Cohen. Nicht lautes, pathetisches Klagen erhebt sich am (Irabe dieses Todteti, denn kein Kämpfer, kein Eauter ist heimgegangen. Still wie des Verstorbenen Leben, verschwiegen wie sein Wirken, weint die Seele ihm nach. Ein guter Jude, also mich ein guter Mensch ist von uns gegangen, und der Vermögenden sind wenige, die so selbstloses, reines Menschentum verbreiten, wie er cs getan. Reich au materiellen (Litern, noch reicher an persönlichen Qualitäten, war Wohltun in des Wortes bester Bedeutung sein Beruf. Die seltene Art seines Gebens, die Selbstverständlichkeit. mit der er den Gehemmten gleich den am Boden Liegenden beisprang, wird allen denen unvcrgeillieh bleiben, die. von der Not gezwungen, ihn an riefen. — Im Oktober von einer langen Reise zurückgekclirt. ward ihm nur kurze Frist gelassen, die letzte grollte Reise anzutreten. Sein Gedenken wird nicht erloschen. S. P. Rabinowitz. Ein Nachruf. Von Josef Lin-Berlin. Ecm von dem Kreise, für den er gewirkt und gelitten, bauchte er seine feurige Seele aus. Auf fremdem Boden, von wenigen nur gekannt, schloss er für immer seine Augen, die er in unzähligen Ar- ן cliiven und Bibliotheken übermüdet halte. Draulleii j aber, in den weiten Kreisen derer, denen sein Lebensj werk galt, hat die erschütternde Kunde tiefe, ullgc- 1 meine Trauer geweckt. Und tausendfältig wider- I hallt es: Schefer ist tot! Wer xvlrd ihn ersetzen? Gewll, S. I'. Rabinowitz hat nicht bloli für einen Teil des Volkes geschaffen. Was er geleistet, hat dauernde Bedeutung für die gesamte Nation, ist eine Bereicherung unseres nationalen Kult11rselu1tz.es. Allein, die innere Vereinigung von Ost und West im Judentum ist einstweilen mehr Abstraktion als konkretc Wirklichkeit. De f icto bestehen noch zwei llemispliürcn im Judentum. •— * Nach einer Seite hin versuchte S. P. Rabino-! witz. eine Annäherung anzubalmcn. Die in Deutsch- , laud am stärksten vertretene Wissenschaft * d e s J u d e n t u in s brachte er dem 11 e b r ü i s e 11 e n 1 Schrifttum und damit der Ostjiulenheit näher. | Voran stand dabei die Ilobrnlsiernng des grollen I Gcschielitswcrkcs von (lrütz. Ilcbraisierung - nicht i bloll Uebersetzung. Dean cs ist viel mehr als das.! Auch abgesehen von den zahlreichen wertvollen An-; mcrkimgcii und Ergänzungen. Das ganze Moimmentalwerk ist in Form und Diktion eine Eigcuscliüpfung. Man sicht hier an einem klassischen Beispiel, dali die jüdische Wissenschaft, namentlich die Ücschichts- Wissenschaft, im hebräischen (lewande ihre natür- 1! liebe Physiognomie erhält. In Rabinowitz’ nach- ן bildender Darstellung bekommen die historischen i Gestalten und Begebenheiten Hcimatsfarbc. Boden- I ständigkeit, Wurzelliaftigkcit. Die Hcroeubgnren I aus dem biblischen Zeitalter sind da von oriciitali- : ן scher Glut uiiifhitot. deren Ausstrahlungen auch in! den späteren Epochen nachlenehteii. Mit der! | malerischen Earbetifrisehc verband Rabinowitz ein : . logisch-scharfes Eindringen in die inneren Ziisam-! j meiihünge der historischen Wirkungskräfte, in die I psychologischen Motive, der geschichtlichen Hand- . j hingen. Dabei stützte er sich stets auf ein genau j j geprüftes Material aus den ersten Quellen. Mit I einer Hingebung, wie sic den altjüdiselicn Weisen i eigen war. widmete er sich seiner Eorscliertätigkcit und forderte manche Schätze zutage, die für die Geschichtskcimtiiis unseres Volkes grundlegende Bc- I deutung haben. Die Archive waren Schefer jedoch j kein Ersatz für das Leben. ILc Vergangenheit entzog ihn nicht der Gegenwart. Das Judentum war ihm eine lebendige Kontinuität, in all seinen inaimigfachen Aetilleningen eine in sich geschlossene Einheit, deren geschichtsbildendc Kraft sieh durch alle Wandlungen bewahrt hat und auch in der Zukunft fortwirkcu muH. Und so wurde er ein Verkünder dieser Zukunft, einer der ersten Pioniere der nationalen Renaissance 1 i unseres Volkes. War ihm die jüdische Geschichte I lebendig geworden, so muitte er i!n jüdischen I Leben g c s c 11 i c h 1! I i c h e n Sinn, h i s t o r i - | sehe Triebkräfte suchen, die über das Alltagsmalt hinausstreben und neue Gestaltungen an- 1 bahnen. 1 An diesen Neubildungen nahm er intensiven! Anteil.• Zuletzt noch auf der Berliner hebräischen j Kultiirkoiiferenz. Wer Ihn dort gescheit hat. dem I wird die Erinnerung daran unvcrgeillieh bleiben. I Physisch halb gebrochen, wie ein Achtziger ans-! sehend - in Wirklichkeit hat er das biblische Alter! nicht erreicht ״ wirkte er gemeinsam mit der 1 stürmischen Jugend an dem neuen Werden. Schefer wollte nicht bloll Geschichte Studieren und schreiben; er wollte Geschichte machen. Bis an sein Lebensende bc'::rr«schtc ihn dieser aktive Seliaffenstrieb. Die Teilnahme an jener Konferenz sollte aber sein letztes Mitwirken sein. Sollen wir uns dem Schmerze darüber liingebcn? Das wäre nicht im Sinne Schefers. Dem echten Historiker ist nichts vergänglich. In seinem Lebenswerk wird Schefer im Herzen des Volkes fortleben. Fragen des X. Kongresses. Zwar trennt uns noch mehr als ein halbes I ..o von dem Beginn des zehnten, unseres ״Jubiläums- Kongresses", und doch gibt es zur Zeit kaum c, ׳e andere aktuelle' Frage, die in zionistischen Kreisen so eifrig erörtert wird als die!•'rage der ,R c o r g a n i sation unserer Bewegung, die der X. Kongrcll .11 die Wege leiten soll. Wenn man bedenkt, wie rasch und wie oft andere politische Parteien, deren Zit־!: und Tendenzen von allem Anfang an weit klarer und einfacher lagen als die unserer aus zweitausendjähriger Not in rascher Begeisterung vor dreizehn Jahren geschaffenen Organisation, ihr Programm und ihre organisatorische Form geändert haben, so dof man wohl die MilSgünstigcn unbeachtet lasser., di*, jetzt aus der Notwendigkeit einer Neuregelung unserer Leitung und unserer Finanzen der, Niedergang der zionistischen Bewegung glauben erdeutei! zu können. Wir wollen uns von all diesem Gerede nicht heirren lassen und ruhig den Weg gehen, den uns die Einsicht in die politischen N o ־, w e 1» d i g k e i t c 1־ unserer Zeit weist. Je gründlicher aber wir die Fragen des X. Kongresses vorher erörtert h.ihcit. desto dauernder wird der Bestand der Neuordnung sein, die der X. Kongrcll schaden soil. Von diesem Gesichtspunkt aus eröffnen w.r bereits heute die Diskussion, die wir mit dem nachstehenden Artikel Heinrieh York-Stcincrs cinleiten. Es bedarf kaum der besonderen Erwähnung, daß für alle Acultermigeii. die wir hier veröffentlichen werden, die Verfasser selbst die Verantwortung tragen, und dali wir uns mit diesen Aus- 1 a s s u n g c n auch dann nicht ident!- i i z i e r e 11 können, w e 11 n wir unser e abweichende Stellungnahme nicht b e - sonders zum Ausdruck bringen. Zu dem nachfolgenden Art.Kd indessen mochten wir bemerken, dali Herr York-Stemer irrt, wenn er unsere Wünsche mit dem Organisationsstatuten Entwurf identifiziert, den Dr. Boden he im er namens der Kommission dem A.-K. unterbreitet hat. In so vielen Punkten wir auch diesen Entwurf durchaus billigen können, so möchten wir das doch bcsonders deshalb ausdrücklich betonen, weil auch in der letzten Sitzung des Aktionskomitees dieser Irrtum vielfach aufgetaueht ist. Dal! die ״J. R." speziell in der Frage der Besteuerung der Institutionen eine n, m 8 e t I Bücher und Zeitschriften ,Iimg-lsriiel. Illustrierte!1 a l b in o n u t s - 11 riftfürdic jüdischcJujccnd. Erscheint ciiiial und kostet l Mk. vierteljährlich. Abonnenten ן ״ ü d i s e 11 c n R11 n d s c 11 a u" erhalten ein rzttgsabonnemetu zum Preise von (10 PL bet ektcr Bestellung beim Verlag. Die textlich und illustrativ besonders reich aus- ,tattete C11 a n u k a h *N u m m c r enthalt folgende iträge: Die Mcnorah. ־־ »er Cbanukahleuchtcr. Zwei Bilder auil der Makkabäergeschiclitc. Mit istration. Chanukalifrcude. Gedicht von S. itz — Chanukahspiclc. — Das Wort. - Hanna I ihre Sohne. Eine alte Legende, ncucrzälilt von ■lene Hanna Cohn. ־־!Mauderecke. Brief- .ten. - Rätselecke. - Kalender. ״Ilalbrl“, Itehräisclio Wochenschrift, Berlin. Durch s Erscheinen der hebräischen Wochenschrift aibri“ wird ein Mangel beseitigt, der schon seit■ gcr Zeit in allen jüdisch-nationalen Kreisen, zuich auf dem Boden des überlieferten Judentums Iteml, schmerzlich empfunden wurde. Wenn wir C|, in anderen Sprachen ähnliche /.citscnnltcn ben die die goldene Mittclstraflc wandeln und der ecc von Judentum und nationaler Wiedergeburt rtreffliclie Dienste leisten, so fehlte uns bisher der ein Organ, das gerade in unserer Sprache, die s allen so lieb und teuer ist, und deren Renaissance r mit Freuden begrüßen, ziclbcwuflt. in vornehmer eise und in echt jüdischem Oclstc unserer buche ■non sollte — eine hebräische Zeitschrift, die unter l treuem Festhalten an der Fahne der Uebcrlicfcrung, die der grollen Masse unseres Volkes heilig ist, mit Fortschritt und Entwicklung von Sprache und Literatur Schritt hält eine Zeitschrift, die von allen, die hebräische Sprache liebenden Juden gern gelesen werden soll — ein Blatt, das auch diejenigen Kreise lierunzielicn soll, die bisher aus gewissen Gründen j der hebräischen Journalistik ferner gestanden haben 1 du solches Blau wird uns jetzt int ״Haibri“ dargeboten. Aus den bereits vorliegenden drei Nummern können wir mit Genugtuung und freudiger Ancr- Kennung konstatieren, dali die Leitung des ״Haibri•־ , ihre Aufgabe in bester Weise erfüllt, und wir wün- ' selten von ganzem Herzen, dail diese vortreffliche, echt jüdische Zeitschrift, die hei ihrem Erscheinen | von einer Reihe der besten Männer unserer Lite- 1 ratur empfohlen wird, in allen jüdischen Häusern die wärmste Aufnahme finden möge, zum Wolilc des ' überlieferten Judentums und der jüdischen Re- I naissancc, in deren Dienst sic sich ganz gestellt. j A. 1x1111:11: Jüdische Dorfgeschichten.! (Geh. 2.- Mk.. geh. 2.50 Mk.) Zum Thema; D e u t sc h J il d i s e I! c Literatur.; Dicac Novellen sind keine Dichtungen. Die! menschlich und kulturgeschichtlich wertvolle Schil-; derung hessischen Dorfjudentmns hat sich in diesen ’ Novellen nicht nun Kunstwerk ausgcrciit. weil die! persönlichen Erlebnisse des Verfassers allenthalben; die künstlerische Form zersprengen. Man schiebe! die Schuld nicht auf den Stoff, der unter den Händen eines v, irklichcn Dichters sieh wohl zu einem Kunstwirk bilden lassen konnte. Das Leben der Dortjudcii. dieses Uel.erMcibscI deutsch •mittelalterlicher Judcngcschichtc. das wirklich noch mdisches!.eben ist. hatte eine spezifisch deutsch-jüdische Belletristik zeitigen können, wenn ihm zur rechten Zeit der Bichtu entstanden wäre. Die rechte Zeit ist at.cr trotz Arthur Ka 1111 vorüber. Wir bejammern nicht wie es Kahn im Vorwort zu seinen Novellen tut. dal־, die schriftstellerisch begabten Juden sjc|1 von der Schilderung dieses unmodernen, konservierten Judentums abwandten, ebensowenig, ׳la'l die Juden in ihrem regen hieranscheu Interesse sieh nicht mit dieser Art iiiüiscl!ci Belletristik befassen, sondern wir verstehen es. Wir verstehen es. dali dieses Judentum keine wahrhaft künstlerische Kraft mehr in Deutschland entzünden Kami und verstehen es. dal! nur ein Nielitkmistier. vie Kahn, diesen Slut'i wählen konnte. Es bezeichnet den Verfasser, dali er den kindlich romantischen Wunsch liegt, dieses Konserveiijuüeiitiim der deutsehen Dorfjiidch möge mich recht lange erhalten bleiben. Für uns Zionisten ist dies Judentum und seine literarische Spiegelung Vergaiigenheitscrinnerung. nicht Zukunftssehnsueht. Auch fiir uns hat die mittelalterliche Judengcschichte den Reiz der inneren Reinheit, um so mehr, weil xvir sic nicht mehr besitzen. Wir ersehnen sie wieder, aber nicht durch Rückwartsschauen, sondern durch \01 wärtsbliekcn. Wurde »ut dem Zerbrechen der Käiiggittcr nicht nur das Judentum des deutschen > r\

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