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Jüdische Rundschau · 1910-12-23 · Heft 51 (23.12.1910) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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_Seite 52א Hin 1' v s t k o 11 v e 11 t um Soiintn^, dein 25. De* zeiulier, ntitiags 12 Uhr, im Kliiulwurili-Scliarweiika* Saal (Lützowstr, 7b) soll dareli eine akademische Lr* örtentng der Themen: ״Die liistorischcit Urtimllngeii des B. J. C. und seine Gründung", ״Was liedeiitet uns die Korporation?", ..Hie Aufgaben des B. J. C". den Intellektuellen Berlins, soweit sie jüdisch interesssiert sind, ein Bild vom Werdegang und Wesen des B. J. C. Kelten. Her am 27. Dezember, abends א Uhr, im Theatersaal des Kroll'solten iitablissements stattfindende Krolle Kommers, dem auch Damen als Zuschauerinnen auf den Rängen beiwohnen werden, wird die aktiven Mitglieder und Alten Herren des B. J. C.« die aus Kauz Deutschland ihr l'.rselieiiieu in Aussicht Kcstellt haben, mit den zahlreichen Der* liuer Lreiinden jüdisch-akademischer Bestrebungen vereiuiKeu. Und den Absehluil der Hestlichkeitmi bildet ein Ball, den am 2.S. Dezember im Hause des Brüdervereins. Kuiiiiistenstr. 110, die Berliner Vereine Jüdischer Studenten den ihnen Kcscllscluiftl.cli nahestehenden Kreisen Kcbeu. Die Fortentwicklung des Judentums. JÜDISCHI:: KUNDSCHAU No. 51 Oll I >r. (111 s I a v W j t k n w s k y.') Wenn Herr (ich. Rat Kollier in seinem Aufsatz. ״Die Juden" die bedingungslose Assimilation, d. 11. Auflösung des jüdischen Bevölkertnigsleiles als einen dem deutschen Volke forderlichen Vorgang cmphchlt. so wird man a priori - auch als Jude gegen eine solche Auffassung kaum etwas einwenden können. Denn cs mag riebtig sein, datt aus einer innigen VeriniscbtiuK deutschen IHutes mit jüdischem eine Be* leichcruiiK deutschen Wesens resultierte, und es ist Kcwilt klar, datt in dem national zerklüfteten Deutsch* land völkische Homogenität ein erwünschter Zustand wäre, 50 mancher Konfliktstoff wäre beseitigt, wenn cs keine Polen- oder PäncnfrnKc Kähc. imd das kom* plizierte politische!.eben Deutschlands ani einfache Gegensätze ziirückgefiiltrt. Auf die AiierkeiininiK dieser Selbstverständlich* ) A n 111. d, Red. Der Artikel, den Geheimer .I11stiz1.it Dr. K o 111 e r in der Deutschen M o 11 t a k s z e i 11111 k veroffeutliclitc und den wir in der voriKcn Woclie an leitender Stelle gewürdigt Italien. Kilu dem Blatt Vcianlussum׳, eine Diskussion iihcr die .liideiiirage zu eröffnen, in der die Vertretei׳ der verschiedensten Anschnunm!en zu Worte kommen sollen. Als erster nimmt unser ITeiind W i t k o w s k v zu Kolliers Ausführungen Stellung. Pa seine klaren AusinlmniKcn einige Seilen der Lrage behandeln, die von uns noch nicht henilirt worden sind, so modelt sie hier eine Stelle iinden. Wie wir hören, ist weiter* Itin u. a. einer unserer hervorraKemlstcn Gesinnung.--- Kcttossett auigeiordert worden, an der Diskussion teilzimehnieii. Linen ktir/eu Beitrag liefen in dieser Nummer noch t ich.!Med.-Rat Prof. Dr. A 1' 111 e n - 11111'K. dessen AusfiiliruuKen in den Sätzen Kipfeln: ״Auf die reimlose Seite der 1'raKC einz.iigelien, liegt iur mich keine VcraulassmiK vor: oli die Juden sich, jetzt und spater, in der Zugehörigkeit zur Synagoge oder zu einer der christlichen KircheitKemci'.t* schaiten wohl fühlen, durften wir am besten ihrer erneuen Lutsclicidiing, in Gegenwart itml Zukunft, vertrauensvoll überlassen. Jede auch noch so ver- Iniillc P r o s e 1 y t c 11 m a ch e r c i erscheint in unserer Zeit doch eigentlich als ״״ Anachro* n i s in 11 s!" keil auch von jüdischer Seite kommt es liier aller* dinus nicht an, .sondern es könnte von Interesse nur sein, wie ans der Perspektive des Juden, die von ihm Kcfordcrte PreisKuhe seines Judentums erscheinen inaK. Darüber seien mir als Juden einige Worte Kt* stattet. Durchans zutreffend hat (leb. Rat Kollier die KeistiKe Ligenart des Jtuleti, im Gegensätze zu der des Hermauen, Kescltildert, den fast vollkommenen Manuel an Keuialen Naturen und den aullcrordcnt* liehen Reichtum an Talenten, die Stärke des ab* strakteit Denkens und das Verständnis für das ..aktuell t.ebcnsfähiKC". Lbenso fein ist Köhlers Ver* ständnis für das Wesen der jüdischen ReliKion. die allen Reformen zum Trotz, in ihrem Kern national Keblieben ist mul ihrer nationalen Wurzeln auch durch das Lindriugeii neuzeitlicher Ideen nicht beraubt werden konnte (Lrutefesi, Passalt ttsw.). Mit Recht sieht ei in der SynaK״Ke das stärkste Hindernis ftir eine vollkommene Assimilation des Judentums, und da der nach Köhler bestellende Gegensatz im Inter* esse des Volkstänzen überbriiekt werden muH. so empfiehlt er die Taufe und die Mischehe. Diesen IJchcrKuiiK denkt sich Geh. Köhler nicht als Linzelcr.seheiiiiuiK als solche existiert sic ja schon, ohne den erwünschten Zweck zu erfüllen . sondern als MassenerseliciiiiiiiK. Lr will nicht dem überzeiiKtutKS* lösen Lieber tritt das Wort reden, sondern Klaubt, dall Tausende und Abertausende sich bereits dem protestantiselieti Christentum innerlich Kenühert haben. In dieser Annahme heut der erste fundamentale Irrtum. Denn ״die Reihe tiefer, mystischer, pantheistiseher VorstelhuiKcn. die l.elirc vom Lrloscr" liefen dem metaphysischen Bedürfnis des ״{reidenkemleii" Juden so fein, d.ilt der Jetzt nicht mehr ungewöhnliche Uebertrnt zu den Krollten Seltenheiten Keliörlc. wenn er nur aus solchen Motiven erfolgte. Ist ja ein Luttd.imeiitals.uz des modernen jüdischen Liberalismus, einei späten Frucht des R 1t10nalis״ms verKnitKcner Zeiten, dall die jüdische ReliKion nicht der Vernunft widerspreche, die ״vernimftiKe Religion" trotz. Kant sein grolltet׳ Stolz. Aber seihst wenn fiir die Taufe aus Ueberz.etigiuig das jüdische Menschc11materi.il in solcher Masse, wie Prof. Kollier annimmt, vorhanden wäre, auch dann noch bliebe notwendiKcrweise der Kewmischte Liiekt des vollkommenen Ansehens der Juden im deutschen Volke aus. Demi es ist wiederum ein fiindamentaler Irrtum, eine partielle, deutsche Jiidenfr.iKe anzimehmcit. Was Ware erreicht, wenn heute mit einem Schlage die (11:111MN1 Juden Deutschlands zum Christentum überträten, selbst aiiKciioimucn, dall ihnen nicht das Schicksal der Maramieii Spaniens hiiihle, mul ihrer volliKen AtiflosuiiK nichts int Wege stände? Keines- Wegs wäre damit die Judenfrage in Deutschland Kelöst. Schott in einem Mensehenalter wären in das entstandene Vakuum ein Vorgang, der sich im kleinen heute vor uiiscrn Augen abspielt die judischeu Massen aus den unerschöpflichen Reservoirs Osteuropas cingcströmt, und es konnte das Spiel der indischen l'.iiuinzipalioii mul Assimilation in iiiiiititimi fortgefuhrt werden. Die < irenzsperre aber wäre ein im Zeitalter des Verkehrs ebenso wertloses wie eines Ktilutrstaales unwürdiges Mittel! I'.s gibt eben nur eine Jiuleiifiage, die liier nur ab und zu aufgeworfen wird, dort im Mittelpunkt des öffentlichen Interesse stellt, nirgends aber ״gelöst" ist. Und das ist das Charakteristikum des jüdischen Individuums, dall es in jedem Augenblick, natürlich mibewullt, in irgendeinem Zusammenhang mit den uber die ganze Welt zerstreuten Teilen des jüdischen Volkes steht. Dieser Zusammenhang ist nicht ohne weiteres ersichtlich, nicht immer zu berechnen, er kommt aber doch den tausendfachen Verknüpfungen des Vblkcrlcbens zum Ausdruck. Die Wellen der Lrschiitleriing. d!•• von einem Pogrom oder der Dreyfusafiare ausgeliei. erreichen selilielilieli jeden Juden. Diese Kontmiiit.r, die der deutsche mit ״Liberalismus" gesättigte Durchsclniittsjude natürlich bestreitet, ist eine soziologisch Tatsache, die jede partielle Losung der Judcnfr.i.v unmöglich macht. Lin klassisches Beispiel bieten ü skandinavischen I.ander, in denen schon m ein Generation die völlige Assimilation durch Taufe 111 : Mischehe erfolgt und doch die jüdische Masse eben durch Zuwanderung Problem konstant bleibt. Was liebe sieh also propagierten Assimilation und damit das jndis er mit der von I,rot, Kohl erreichen? Das deutss: Volk bekäme freilich den jüdischen Umschlag, v dem übrigens noch nicht feststeht, dall er der Mel heit erwünscht wäre, erhalten aber bliebe jüdische Minorität und damit der Gegensatz z; Volksganz.cn, der wirklich erst mit dem letz• Juden aus der Welt verschwände. Jeder Jude, der die Lage seines Volkes U; , wird dieses Aufgehen, das Prof. Köhler m ge; wohlwollender Gesinnung verlangt, als ein um. ... liebes ,Mittel anseheii müssen. Ls kommt aber noch ein psychologisches M<1: ,1׳;: hinzu. Die geistige, dem Protestantismus z.uncigi '׳; Disposition ist. wie schon erwähnt, in der jüdiw. . Masse mellt vorhanden. Ls könnte also der t'cl tritt mii erfolgen. Wenn dem deutschen Juden Gegensätzlichkeit zur Umgehung ein imertragiic! Zustand geworden ist. In der lat ist der moderne Jude des Gcgc: satz.es zwischen germanischer und indischer Art s,״ wohl bewiilit. und er ist weit davon entfernt, die volkspsyehologische Tatsache mit Phrasen v Ilim amtät, Lntwickluug usw. verschleiern zu wolle1 Aber seihst wenn er dem Judentum so weit eii־.- fremdet ist, dal! er es von sich zu werfen bereit o . so ist der gewünschte Ausgleich damit noch i.mgi. mehl geschaffen. Ls mini darauf huigewicmii werden, dal! Richard Wagner m seiner Schrift ״Das Judentum in der Musik" seine Aiigrifie gegen die getauften Juden Mendelssohn und Mcverbeer richtete, datt der Kampf gegen ,.jüdischen Lmilur." auch heute der geistigen Struktur des jüdischen Stammes gilt, die durch die Taufe allein gewili mein vei.tiidei! wild. WT1 haben es ja suchen bei det letzten k’eichstagsw all! erlebt, datt der ..dunkle Pimkt" auch nach Generationen imch sichtbar יו; Wer als deutscher Jude ohne inneren Glatibensdruiu zur Taufe schreitet, opfert seinen Inteliekt. vcr/ichu: auf ein Aiislcbeu der eigenen Persönlichkeit wem man von Streberei absieht mt besten Lalle zu gunsten eines 111 Massencrscbeiumtg et folgenden Am gleichs. |m ein solcher Vorgang als Masse.- ersclieinuug überhaupt denkbar? Gew ui im auf diew Weise die Jiulcufrage nicht zu losen! Nun aber und das ist das gewichtigste Au׳• ment kommt hinzu, dab luuider׳(tausende ,kiü'C.. Juden sich gern und freudig zum Judentum 1! kennen. Line mclirtausciuljahnge Gesclucbte u; kniipft sie mit den Almen der biblischen Zen. Wan: Juda Lange schon mit dein erwachenden Tag Kämpfte di.׳ Nacht - -- Geister des Dunkels, erhebt eure Klage, Tiefer schon sinkt ihr auf wägender Wage — Nah' ist das Ende, nah’ eh ihr's gcdachtl Plötzlich aus wolkencrzcugendcm Nebel Leuchtet der Strahl! Bricht sich mit flacht durch das nächtliche Dunkel, Berge erglühen im goldenen Gefunkel, Wehren die Sonne dem finsteren Tal- ן Blitzend im Lichte der sengenden Sonne Wütet die Schlacht! Hedadl Der Leu hat den Sieg sich erstritten, Eilt nun zum Tempel mit mächtigen Schritten j Richtet ihn wieder in einstiger Pracht- — — Aber ermüdet vom tummelnden Toben Schlummert der Leu — — Hel, wie sie lauern auf jeglichen Selten Schaden um Schaden Ihm jäh zu bereifen, Feige und furchisam, schleichend und scheu I Freudige Botschaft erklang von den Höhen ln Dudas Landl ״Israels Söhne, von syr schen Kelten Euch, eure Frauen und Kinder zu reiten, Hab’ Ich erboten die göttliche Handl“- Horch I Wie das Brüllen der brechenden Brandung Braust es daher 1 Trotzend des blutigen Krieges Gefahren, Bricht es herein in entfesselten Scharen, Ouda Maccabls tapferes Heerl Auf, Löwe Duda’s, erwache, erwachel“ — — Ach, schon zu spät! -- Bist schon gefesselt In knechtische Bande, Bist schon cczerrt aus dem heimischen Lande, Bist schon geschlagen, gebeugt und geschmäht!— Eng war der Käfig, In den du gesprungen, Tapferer Lcul Hinter des Ghettos verschlossenen Hauern Musstest du leben und seufzen und trauern, I Musstest vergessen, dass einstmals du frei! Doch wenn der Körper in Fesseln geschlagen, Frei blieb das Herz Konnte im innigen Gebet sich erheben, Konnte am ßotteswort neu sich beleben, Konnte verwinden den irdischen Schmerz — Qnd was man lange gehofft nur in Träume: Ward Wirklichkeit! Krachend zerbrachen die dumpfigen Tore, ״Freiheit“ erscholl's ln jauchzendem Chore, Duda, mein Duda, nun bist du befreit! Da, du bist frei! Darum denke und fühle, Dude, auch frei! Kämpfe und streite! Wenn blutend aus Wunden Er seine Höhle nur wiedergefunden, Schüttelt befriedigt die Mähne der Leu! Ernol HeppncrOabah

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