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Jüdische Rundschau · 1910-12-02 · Heft 48 (2.12.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 1P.PJJLPH n HUNDSCMAU Seile 551 KlicdcruiiR der letzteren an den J. N.-P. festlcKt. Der Boden ist, wie oben erwähnt, schon Befunden, und ein geeigneter Leiter wird wahrscheinlich noch vor den bevorstehenden Sitzungen engagiert werden. Die Sammlungen, die wahrend mehrerer Monate nur langsam vorwärtskamen, zeigen nunmehr die Ten• denz, in einem rascheren Tempo zu steigen. Slt/.1m<|sbcrkht Dienstag, den 22. November 1910. Vormittagssitzung. An der Sitzung des Großen Aktions-Komitecs nahmen folgende Mitglieder teil: Vom E. A.-K.: Präsident David Wolffsohn, Professor Dr. Otto Warburg, l. H. Kann. Vom Orofien A.-K. die Herren: Dr. M. J. Boden heim er, Cöltt, Jean Fischer. Antwerpen. Dr. Louis P r ä 11 k c 1, Kopenhagen, Dr. Adolf F r i c d c m a 11 n. Berlin. Boris Cloldbcrg, Wilna. P. L. Gold borg. Wilna. S. Grone וזו a u n, Berlin. Dr. Arthur Hantke. Berlin, Leopold Kessler, London. Dr. Felix Pink us. Zürich. A. Podlischcwski. Warschau, S. Ros off, Petersburg, M. Heinrich Schein. Galat?.. Nahuin Sokolow, Warschau. Dr. Heinrich Spitzer. Essegg. Davis Tri et sch, Berlin, Dr. E. W. T s e 111 e n 0 w . Moskau. Ferner waren anwesend die Herren S. HoofM'n und Dr. M. Rosenbliith als Sekretäre. Präsident David Wolffsohn eröffnet die Sitzung um 10'•.׳ Uhr. Er begrünt die erschienenen Teilnelimer und macht zunächst einige geschäftliche Mit• teilungen. Das E. A.-K. tiabc beschlossen, folgende Herren als Gäste zu der Sitzung des Grölten A.-K. /iizulassen: llerin Dr. N. Katzenclsolm. den Präsidenten des Direktoriums des J. C. T., Herrn Hermann Struck, den Vertreter der Föderation Misrachi. in Stellvertretung des Vorsitzenden Herrn Dr. Peuchtwangcr. Ferner die Herren Dr. Munk und Dr. Margulics als Referenten für den Punkt Organisation. Der Präsident begrüßt ferner Herrn Dr. Victor Jacobson, der zu dieser Sitzung eigens geladen worden ist. und teilte mit. dali das E. A.-K. cs abgelehnt hat. einen Vertreter der ,.Jüdischen Rundschau" znzulnssen. Präsident fortfahrend, während die Anwesenden sich von ihren Sitzen erheben: ..Bevor wir in die Tagesordnung eiiitrctcn. müssen wir schmerzlich des Verlustes gedenken, den wir durch das plötzliche Ableben unseres Mitgliedes, des Herrn Reichsrats• abgeordneten Dr. Heinrich Gabel, criiitcn haben. Dr. Gabel war das jüngste Mitglied des Jiidisehen Klubs im österreichischen Parlamente, und auch in unserem Aktions-Komitee war er eins der jüngsten Mitglieder. Und doch wissen Sic. wieviel er uns war. Er war erst kurze Zeit verheiratet, und mm ist er uns und seiner Gattin, die zwei Monate nach seinem Tode einem Kinde, einem Sohne, das Leben schenkte, der seinen Namen in Ehren tragen möge, entrissen worden. Wir werden ihm für alle Zeiten ein ehrendes Andenken bewahren. Noch eines weiteren schweren Verlustes lassen Sie mich gedenken. Der grolle jüdische Schriftsteller Lewinsky ist dem jüdischen Volke und uns durch den Tod entrissen worden. Lewinskv war nicht nur ein grober Schriftsteller und Zionist, sondern auch ein Mitarbeiter des Odessaer Palästina- Komitees. Auf das Kondolenzschreiben, welches das E. A.-K. an unsere Freunde ln Odessa gerichtet hat, hat der Vorsitzende des Komitees. Herr Ussischkin, dankend geantwortet und gleichzeitig gebeten, daß auch wir das Andenken Lewinskys In gleicher Weise ehren mögen wie das Odessaer Komitee, das beschlossen hat, eine Stiftung in Palästina auf den Namen Lewinskys zu errichten, aus welcher ein \ Seminar zur Ausbildung von Lehrerinnen für Kinderj gärten und Elementarschulen begründet werden soll.! Herr Ussischkln richtet an uns die Bitte, daß auch i wir dazu beitragen sollen, diese Stiftung Ins Leben zu rufen und jeder in seinem Kreise für sie eintreten möge. Wenn wir unserer Freunde gedenken, die uns der Tod entrissen hat. so müssen wir auch eines Mannes Erwähnung tun, der zwar nicht unserem Volke angchörtc, aber doch ein warmes Herz filr die Armen und Bedrückten unseres Volkes hatte. Ich meine den großen Dichter und Menschen Leo Tolstoj. der erst vorgestern vom Tode ereilt wurde. Sic haben, meine Herren, das Andenken der Verstorbenen dadurch geehrt, daß Sic sich von Ihren Plätzen erhoben haben, was ich zu protokollieren bitte." Präsident Wolffsolm gibt nunmehr einen kurzen Bericht: Dem von uns erstatteten übersichtlichen Bericht hübe ich nur wenig hinzuzufügen. Es ist Ihnen bekannt, daß wir eine Korrespondenz mit den Herren, die von der Jahreskonferenz für den ״Bei• rat" in Aussicht genommen waren, gepflogen haben. Es waren dies die Herren Dr. Nordau. Sir Francis Montefiore und Dr. Tscltlcnow. Wir haben uns an diese drei Herren gewandt: Dr. Nordau und Sir Francis Montefiore leimten ab, nur Dr. Tscltlcnow nahm an. Es kann also die Kommission n i c 111 als zustande gekommen betrachtet wer Jen. Wir haben aber trotzdem über die wichtigsten Fragen mit den drei Herren korrespondiert und Ihnen ן diese Korrespondenz; litgctcilt. Nur ein Punkt, über j den wir mir mit Dr. Nordau Briefe gewechselt haben, dürfte Urnen unbekannt sein: sic betreffen den in I London abzuhaltetulcit U'asseukougrel!. Wir fragtut Dr. Nordau an. ob er bereit wäre, auf diesem Kongressc ein Referat zu halten. Er lehnte entschieden ab und riet uns ilberhatint ab, uns am Kongresse zu beteiligen. Ferner Italic ich Ihnen inUzutcilcn. daß unser ״berühmter" Scheck für die Hcdscliasbaltn von angeblich 5000 Pfd.. der in Wirklichkeit bekanntlieh nur 500 Pfd. betragen hat. sich zwischen den Papieren des Ex-Suitans vorgefunden hat. und daß der ottomanische Botschafter zu Berlin hierauf betreffs dessen Einlösung ungefragt hat. ln unserer Antwort wiederholten wir die Darlegung der Motive, die uns zu der Spende veranlaßt haben, wie dieselben sich In unserem ersten Schreiben an den Sultan fanden. Darauf erhielten wir die Antwort, daß die Regierung sehr gern die 500 Pfd. cntgegcnnclimcn werde, und es wurde uns auch angegeben, wie der Betrag zu übersenden sei. Ueber die Lage in Rußland, die leider nach wie vor eine traurige ist. werden Ihnen unsere Kollegen aus Rußland berichten, ln England, wo unsere Gesinnungsgenossen sielt doch der größten Freiheit erfreuen und der Zionismus große Svm- Pathien genießt, ist die Lage nichtsdestoweniger fast noch schlimmer als in Rußland, Wir werden über diesen Punkt noch ausführlich hier beraten müssen. Die Tagesordnung ist Ihnen bekannt. Wir haben als erste Punkte das Organisationsstatut und das 1 Ehrengericht angesetzt. Mit dem! Orgaiilsatlonsstutut 1 quälen wir uns mm schon seit Jahren: die Jahreskonferenz hat uns eine bestimmte Aufgabe zugewiesen, mit der wir endlich zu einem Ende kommen müssen. Das können wir nur, wenn wir diese wichtige Frage, für die sonst keine Zeit übrig bliebe, zunächst in Behandlung ziehen. Diese Frage hängt auch bekanntlich mit der Finanzfrage zusammen, die von gleicher Wichtigkeit ist. Bezüglich des Punktes 4 Presse wird Ihnen Herr Dr. Jacobson einen Bericht erstatten. Den Punkt 6 CItalukalt haben wir auf Wunsch unserer russischen Freunde auf die Tagesordnung gesetzt. Betreffs des Agrarkreditinstituts haben wir gestern Beschlüsse gefaßt, die wir der Agrarkreditkommission unterbreiten werden. Audi hierüber wird übrigens Herr Dr. Jacobson referieren. Die Herren Dr. Bodenheimer und Dr. Katzcnelsohn werden über den Nationalfonds bzw. über die Bank berichten. Auf Verlangen unserer russischen Gesinnungsgenossen werden wir auch Über dcn״ Relief-I onus beraten. - Wir treten nunmehr in die Tagesordnung ein, und zwar kommen wir zum Punkte ..Orguttisation". , , U. Goldberg: Ich würde cs für zweckmäßig halten, über die Punkte Presse und Finanzläge vor dem Punkte Organisationsstatut zu verhandeln. Präs. Wolifsolm: Ich halte das nicht für richtig. Erst wenn wir 1ms über die Organisation klar sind, können wir zu den anderen Punkten Stellung nehmen. Ich bitte daher, die Tagesordnung bcizubelmltcn. Dr. Boclcnliclmcr: Es liegt Ihnen allen ein Motivcnbcricht (den wir auszugsweise der nächsten Nummer der ״J. R." beigeben werden. — I). Red.) vor, der Ihnen allerdings erst in den allerletzten Tagen zttgelicn konnte. Die frühere Zusendung war mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Materie nicht möglich. Ich halte cs daher für notwendig, zunächst nur einige allgemeine Bemerkungen zu machen, und hoffe, daß Sic nach Durchlcsuitg des Berichts in die Lage kommen werden, sich genau zu äußern. Die leitenden Gesichtspunkte für die Beratungen der Organisationskommissinn waren, daß das Grolle Aktions-Komitee arbeitsfällig zu ni.iclieit sei. daß die Leitung als eine kollegiale Behörde gestaitet werden müsse und daß die Föderationsfrago befriedigend zu lösen sei. Die Aufgabe, das A.-K. arbeitsfähig zu machen, war eine außerordentlich schwierige, weil das A.-K. die J'citdcnz batte, sielt fortwährend zu vergrößern. Ursprünglich sollte cs 21 Mitglieder zählen, ist aber int Laufe der Zeit auf etwa 70 angewacltscn. Wären beim Schluß des letzten Kongresses in der gewohnten Weise Neuwahlen vorgenommen worden, so hätten wir heute wenigstens 85 Mitglieder! Eine solche Körperschaft kann nicht regelmäßig arbeiten. Der einzige Ausweg war, daß man ihr einen reprüsentativen Charakter gebe und nicht den Charakter eines Arbeitsausschusses. Wir lösten die Frage in der Weise, daß wir die Jahreskonferenz zu dieser repräsentativen Körperschaft ausgestaiteten und außerdem einen Arbeitsausschuß schufen, der auf eine Zahl von einundzwanzig festgesetzt wurde. Ferner haben wir ein Präsidium, aus fünf Personen bestehend, festgesetzt. ln der Frage der Schaffung dieser Körper- , schäften gab cs nur zwei Schwierigkeiten. Die eine ן bestand in dem Beschluß der Jahreskonferenz, daß der Präsident nicht vom Kongreß zu wählen sei. während eine dissentierende Partei für die Wahl durch den Kongreß sich erklärt hatte. Die Kornmission hat sich für den letzteren Standpunkt ausgesprochen, verkennt aber nicht, daß für den Be- | Schluß der Jahreskonferenz wichtige Gesichtspunkte sprechen. Wir haben dem A.-K. für beide Anscltauimgen Vorschläge unterbreitet. Ein wichtiger 1 Punkt war. ob der Vorsitzende des Aufsichtsrats anständigen Wochenlohn erhielt, mit dem sie das Leben der Familie etwas erträglicher gestaltcte. Nach weitern vier Jahren machte sich Rachel selbständig, das Geschäft ging gut und sic verdiente schönes Geld. Hinde hatte ebenfalls den guten Gedanken einige Zimmer an junge Leute zu vermieten, so daß die Verhältnisse sich bedeutend besser gestalteten, und Reb Schimmc wieder anfing einen Schmerbauch anzusetzen. Doch neue Sorgen waren bereits wieder im Anzuge. Unter den jungen Leuten war auch Awrom Kürschner, der Sohn sehr anständiger Eltern aus Tarnow, der an Rachel besonderes Wohlgefallen fand, beständig ihre Nähe aufsuchte, der aus seiner Verehrung für das brave, fleißige Mädchen kein Hehl machte, mit dem er sich endlich verlobte. Aber es blieb bei der Verlobung und es ging nicht weiter. Der Hochzeit stellte sich ein großes Hindernis in Gestalt des alten Josef Kürschner entgegen, der auf die Verlobungsanzeige seines Sohnes prompt und kategorisch erklärte, daß bei seinem Leben sein Sohn nur ein Mädchen als Ehefrau heimführen dürfe, das ihm fünftausend Gulden als Mitgift einbringt Durch diese Botschaft waren die liebenden natürlich aus allen sieben Himmeln gestürzt, und je deutlicher die Unmöglichkeit hervortrat,’ diese enorme Summe zu beschaffen, desto größer auch! wurde ihre Verzweiflung. I Freilich waren beide fleißig, arbeitsam und : sparsam; allein bis fünftausend Gulden zusamj mengespart werden, konnte sie einen grauen Zopf j und er eitlen weißen Bart bekommen haben. Zu; warten, bis der adUundvierzigjährige Kürsch-; ner-Vater seinen weichgepolsterten Stuhl im j Paradiese eingenommen, kam ihnen auch nicht j im Traume ein. : Was aber war zu tun? Beide zerbrachen sie sich die Köpfe, schmiedeten allerlei Pläne, die sie bald wieder verwarfen, und es wollte sich keine Möglichkeit zeigen, die Mitgift zu beschaffen, von der der alte Kürschner auch nicht einen einzigen Kreuzer ablasscn wollte. Josef wollte daher noch den letzten Versuch wagen, nach Tarnow zu reisen, um persönlich auf den Vater einzuwirken und dessen Zustimmung auch ohne Mitgift zu erwirken. Am Abend vor der Abreise saßen die Verlobten Hand in Hand, stumm, traurig, Verzweäflung im Herzen, mit dem einzigen Gedanken be. schäftigt, wie man das viele Qeld beschaffen könnte, bis Rachel endlich das Schweigen brach. 1 ״Weißt du, Awrom, mein Vater spricht doch ' unaufhörlich von einem großen Treffer in der Lotterie, den schon viele Menschen gemacht, daß ich schon selbst manchmal daran gedacht, einen , kleinen Versuch zu machen. Freilich haben wir unsere paar Kreuzer schwer erarbeitet und verdient, und es wäre jammerschade, sie für eine j Seifenblase wegzuwerfen. Aber ich meine, eine | Kleinigkeit könnten wir vielleicht doch wagen, 1 schon um dem Glücke ein Türchen offen zu hal-; ten. Wie denkst du darüber?“; Eigentlich hast du Recht, Rachel. Diese fünf I Gulden können uns auch nicht weiter glücklich machen.-Wenn man nur eine gufe Nuirtmer wüßte, die man besetzen soll.-Vielleicht schlagen wir einen Stadur oder ein Chumesch auf und nehmen die betreffende Seitenzahl als Glücksnummer für unser Lotteriespiel? ״Nein, das wollen wir nicht tun,“ lehnte Rachel ab; ״mir widerstrebt es, mit einem heiligen Buch ein solches verwerfliches Spiel zu treiben. Es beruht doch alles nur auf einer Gottesfügung, und da wollen wir nicht Gott von vornherein erzürnen. Laß mich nur ein wenig nachdenken, und wenn mir etwas einfällt, will ich es dir sagen.“ Aber Rachel kam heute nicht mehr zum Nachdenken. (Fortsetzung folgt)

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