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Jüdische Rundschau · 1910-12-02 · Heft 48 (2.12.1910) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 552 c״ ipso Mitglied dieser höchsten Körperschaft sein sollte. Das ist eine Hinrichtung, für die sich keine Analogie in der Uischiehle parlanietitariselier Körperschallen findet, dati nämlich ein Mitglied des höchsten leitenden Organs nicht von der Organisation, die das betreffende Organ cinsetzt. gewühlt werden sollte. Das A.*K. wird darüber zn beraten haben, ob es unseren Vorschlag akzeptiert• Ihn anderes (iebiet, auf welchem grundlegende A e n d e 1׳ u n g e n gegenüber dein früheren Vorschläge erfolgt sind, ist das Verhältnis zu den loderalloiicii: indem jedes Mitglied der ״Soiidcrverhande" zugleich Mitglied des Landesverbandes sein innlt, Das wird zur l'olge haben, dal! die Mitglieder der Misrachi und der Doaleziou der l.andesorganisalion angeboren werden. Der liest.utd interterritorialer Orgaiti- Nationen in der bisherigen l”'«»rm war geeignet, das Gefüge unserer tiesaintorganisation zu sprengen, 41a die l.amlesoigaiiisatinii mich mul nach von den l’,oderatiotte11 sozusagen ansgehohli werden könnte. Die Aemlenmg war aber auch diktiert von der l.age imsercr!•'inanzen. Auf Urnnd unserer frühe־ len Oigaiiisatiousform war eine Oestiudiuig ausge- , schlossen, weil die liinzielniug des Schekels in der : Hand der l.ainlesorganisatüm lag, und weil diese keine Möglichkeit hatte, ihr ihre l.undesbeitrage zu sorgen. Ich möchte noch darauf hinweisen. 41.11t die . I.aiidesvetbüude den Sondervcthäiulcii etitgegeukom• : men können, indem sie fiir dem! Mitglieder die Höhe , der Beiträge analog w ie in Deutschland festsetzeu. , Diese midi aber besonderen Vereinbarungen; zwischen den Landesverbänden mul den Lodcralio• 1 neu überlassen bleiben.! Man hat den Vorwurf erhöhen, dali das Or*! gaiiisauonsstatnt einseitig nach de nt selten Ge-! s i c hl s p u u k t e u bearheilet worden sei. Dies ist nicht richtig. Vielmehr habeiiwir uns bemüht, j den gesetzlichen und sozialen Zuständen in den j anderen Ländern möglichst Rechnung zu tragen. tl'oi tsctzung folgt.)! Ein Dementi Das 1״• r .111 k f tt r t e 1 Israelitische 1־ a m i 1 i e 11 h I a 11" veröffentlicht in seiner letzten . Ausgabe ein Interview seines Merliner Koiicm'oi,־ ten mit David \V o I f f so h n , dein Präsidenten unserer Bewegung. Dem eingeweihten Leser werden : einige Angaben des Berichterstatters im Vorhinein als unwahr.scheiiilich erschienen sein. Nunmehr hat; Herr Wolftsolin dem genannten gesiiinnngsgo- ן nössischcn Hlutt ein Schreiben ziigelien lassen, das 1 uns gleichzeitig zur Veröffentlichung übergeben wurde, und folgenden Wortlaut hat: j An die Redaktion des Eraiikfiirter Israelitischen l';1111il1enbl.1Us!' 1.1 11 k i 11 1׳ l. Vilhelerstralie •1 hi. Sehr geehrte! Herr Redakteur, * in Nr. •15 Ihres gesell. Plattes veröiieutlicheu Sic ein Interview Ihres Berliner Berichterstatters mit mir über die gegenwärtige Lage im Zionismus. Da es 111. L. im Interesse der Hewegiing gelegen ist. dali die l’.uügkeit tu unseren Reihen nicht durch unrichtige Meldungen gestört wird, sehe ich mich genötigt, zu dem veiöffeittlichtcii Interview einige Bemerkim• gen zu machen. _ Der erste Teil mag im wesentlichen meine Auillerungett riclili'g wieder geben. Hetreiis meiner lirwiderimg auf die Präge der Verlegung des Zionistisehen Zentr.ilbureans nach lierlin snul dem Bericht־ eistatter .illeulmgs einige Ir 1 Dinier iiiiterlaiiiea. So J 0 I) I SC IT I: KUNHSCMAU habe ich nicht gesagt, dali dieselben, welche D•'*)'* die Verlegung nach Berlin verlangt haben, nimmelir gegen Berlin sind, sondern dali jetzt, nachdem 1eU fiir die Verlegung nach lierlin eitttretc. sich manche Stimmen dagegen erlichen. . Unrichtig ist, dali ich gesagt hatte, dali Kerail. die llerrcii. die um die Verlegung der letzten A.־K.• Sit/.iim! von Köln nach Berlin gebeten haben, aus» nach Berlin nicht gekommen sind; ich sprach viel־ mehr davon, dali man auch früher schon immer ver* langt hätte, die Sitzungen des A.־K. sollten m Bern׳ stnt!finden und dali viele der Herren, die immer am lebhaftesten darauf bestanden hatten, auch diesmal nicht zur Sitzung gekommen sind. Vollständig aus der Luft gegriffen ist aber usr folgende, von Ihnen veröffentlichte Satz: ״Ich werde jetzt Vorschlägen, die Leitung nach Berlin zu verlegen, obgleich ich die Befmehtmu. hege, dali unsere Sache darunter leiden wurde. Ja ich in Berlin nicht die hinreichenden autoritative.» Persönlichkeiten sehe, die sich der «rollen und verautworltmgsvollen Aufgabe widmen konnten. liier werden mir Ansichten tiiitcrscliohcii. die zu den meinen in direktem Widerspruch stehen. Ich Ina im (legenteil davon überzeugt, dalt in Berlin die geeigneten Männer vorhanden sind. Dieser meiner Meinung habe ich auch auf dem l'raiikltirter Hclegierieittag klar und deutlich Ausdruck gegeben. Indem ich Ihnen für die Veröffentlichung dieser Zeilen im Voraus bestens danke, bin tmt in vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener Da v i d W oll f soll 11. Zionismus und Rassenfrage die Kraft des Zionismus oder der analogen |׳t. wcgungeii eine ungleich gröbere sein als sie derzeit ist Das ist aber, wenn erst eine richtige Beurteihuii der Judcnfragc durcligcgriffen haben wurde, durch, aus m ö g 1 i c h , mögen auch die derzeitigen!'!!ן, wickhiiigstuuionzc» wie immer geartet sein amleier Stelle des Buches ist darauf limgcv «••,■״ und es wurde tu dieser I bese geradezu d.ts 11 eis!^ Wesen des Judaismus erblickt dali Her K»:u,r. 1 mciiseh nicht mehr ein willenloses Produkt der Ver. Iialtnisse zu sein braucht, sondern dali er me Lage und die gesellschaftlichen Vvrhaltmsv.• hewullt nach sein c m V e r s t a 11 d hdd׳;a formen kann und ..soll". Ich bin keineswegs du Ansicht, dali man eine cfwjeseiicrmalicn dem Volks, ganzen, den Interessen der Uin/.eliien und höheren kulturellen Interessen so Verderb:!.i! ן . .. Wicklung bloli ihrem sinnlose!! Automatisinns > d 11 r e 11 ans ungestört weit e! •י!!, v t1 lassen mnsse. Und 41a uh den Z1 :11• A wenn eine gesunde Kritik das Unicife aus;1 cli!. fernt hat i 11 r d 11 r c h a 11 s in ׳! g lieh 1! 1! ‘ w j 111 e 11 materielle n ti 114i ideell•■■ 1K.,; 1 1 e h t s 1! 11 n k 14■ 11 l 11 r e 111 e 1' o r 41 c 1 u , j c s! Verstau «I e s halt e. so ergibt sich ihn,!; Stellung wohl von selbst L’m 111111 k . Vi,K.J 1 vielleiebt iiiigeniigemlen Diktion entspringe: \«1״. ( wrstämlnis zu ver1nei4len, habe ich 4ln .,, i Selduhkapitel durch einige rein stihslivi, \;1 j rmigen und Zusätze die betreffenden Stelle:; ■>tr׳M.•; rr.tcrstricheii.‘* j Somit ist klargestellt, dali Zollschaii d.e K•.-!;,. i sierung des Zionismus fur durchaus niogl.:!; den <:r nach einer streng wisseiiscliaftliclie!. .!p.st j als den einzigen Weg zur Erhaltung und I•'.gc1ivr;c־! rung der indischen 14' isse ansielit. In seinem tiekamiten Buche ״Das Rassenproblem hat Dr. lg. Zollsehan den Nachweis geführt, dali die jüdische Rasse hohen Kulturweit besitzt und der eia/.KC Weg. diesen zu erhallen, in 41er Repatriierung der Juden in Palästina bestünde, also im Zionismus. Aus einigen Stellen seiner streng objektiv und wissenvchaftlicli gehaltenen Ausführungen glaubte.!‘•cte tiegn'.-i■. nachweiseii zu können, dal( Zollsehan den Zioiii• nnis al'cr fur aussichtslos halte. liegen diese ialsche Ai.ifassung wendet sich Znllscii.m m der Vorrede zu der soeben erschienenen zweiten Auflage ) l'.r sagt darin: ״In einigen von den Rezensionen kam die Meinung ziiiii Ausdrucke, dali ich die K* e p a t r i 1 e r u 11 g s ־ versuche ft!r .,anorganisch" halte. Diese Angabe ist durch 4lc11 Inliali des Buches nicht gerechtfertigt. In einer wissenschaftlichen Behandlung der Juden־ frage. 4lic nur 4lie gegebenen, nicht aber pn»gr.t:n־ mntiselie Materialien zu Schlüssen verarbeiten kann, konnte ich nur 4las Ergebnis. /!! dem 4lic vorlia 11־ 41 e 11 e n Tatsachen mich drängten, nicdersclireiben. Ein solches Bucli hat, wenn es an 41er Pilicht wissen• schaflbelier Objektivität festlialt. notwendig den Charakter 4׳mes Referats und nicht den eines Programins. ich war also verpflichtet, die gegenw ä r t i g e 11 I.11:wieklu״gste1i4lcn/cn klar/ulegen. 111141 deshalb kam ich zu einem pessimistischen SelilnH. Aller ancli in dem Buche selbst licillt es. dali die Versuche zur Repatriierung nicht nur der einzige. sondern auch ein durchaus ges u 1141 c r W e g z. 11 r Reg e 11 e 1 i c r 11 u g 111141 E r ־ lialtting der Rasse seien. Allerdings niuiltc ') Verlag Wilhelm Brau mul ler, Wien nml l.eipz.ig (Preis hrosch, h Mk. 7 Kr. 21) 11.; gebunden 7 Mk. •11) Pf. 8 Kr. 81) 11.). AUS ALLCR W6LT :! Deutschland Oer erbitterte Kampf um 411c Main!,1t4 Betliner (icmcindcrcprascntuu/ hat i.elw v:.'.־ recht imerfreiilichen Kaiimfmiitclu auch recht komische Aiiswnchse gezeitigt: V..r Wahltage sich seinem Wahllokale näherte. rtte ,!ה Wanden. Türen, Eutcrneiipfaiiieii mul s- :w;g.׳■ irgendwie geeignet erscheinenden Stellen in 1 . und Grolle eines Wemfiasclienetmiietts einen prangen selten mit der wanumlcn AuBci::,;:: Beute Repräseiitaiitcuwnhleii! Keinen Stimmzettel \erwenden, uui dem der Name des; Zhuiisteiiliilirers . ״ I) r. Kl e e 1 sich helimlet! Bein ausgedacht! Das MiUeichen i־.a־.K 4 w.'.e. ziehen können vor drei J.ihren. Mau l..t .׳.: liberaler Seite eben wieder einmal gc'chh.a: ״;׳: weil! nicht, 41.11• inan in der »ieincmde begot::..:: •sich in weit gründlicherer Weise mit i:.':;.״ Dingen zu hescliäftigen. als es »len hncr.iki, lLr.־-:r. lieh sein kann. So konnte der Anschlag iicute mehr verfangen, und manch ein W ähler c *:C3 w ohl erst hei eier schimmzelinien 1.e >.t ,;, ,1 ׳.ws Wisches hesoimeii Italien. 41.111 et zu sch.t.le '•ז 41as kindische Spiel, dali die (ieiitcindciakrcr s נ״י ׳ mit ihm erlaubten, und gab auf 4!en 4:• r .4• Heines Taufe Heinrich Heine 11at sieh, wie liekaimt, während seiner Göttinger Snulieiizeit in dein eichs* feldisclien Städtchen II e i 1 i g e n s t a 411 am 28, Juni!825 tauten lassen. Näheres über diese Episode teilt jetzt nach den bisher unheimtz.lcn Berichten des Siipeiiulcmleiilcn Magisters <i. dir. (kimm, 41er Heine getauft hat, \V. Kolbe iw seiner ZciVschriii ,.Heimatland" mit. Heiligenstadt war 4lnmals. wie noch heute, ein beliebtes Ausflugsziel der (iöttingef Studenten, und Grimm hatte selmu davon gehört, ״dali Heine, ein reicher Jude, der aller fiir keinen Juden gelten wollte, öfter zu den IleiligcnsUhlter Bällen gekommen sei". Das war alles, was er W'iillte. als ilm am 21, Mai 1825 Heine anlsiiehte und siel! von ihm taufen lassen wollte, in der Meinung, dalt die Handlung sofort und . ׳zwar in aller Stille vorgenannten werden könnte. Er 'fürchtete näiiilleh ״ein Einschreiten seiner I'.»־ milie". Seinen Eatnilienuamen wollte er gern heibehalten. Grimm versprach ihm, die Taufe völlig geheim zu halten und nur seiner Behörde, der Erfurtcr Regierung Mitteilung zu machen. Vorher müsse er sielt aber einer Prüfung unteiziehen. Intcressant sind Grimms Angaben in seinem Berichte vom 28. Mai: ״Ein Israelit aus Düsseldorf Namens Hnrry Heine, eines vormals handelstreibemlen, jetzt in Lüneburg privatisierenden Juden Salm, hat sich zur Taufe bei mir gemeldet, Br studiert in Göttingen die Jura und will nicht dort, wo man ihn kenne, j Munlern hier, wo er fremd sei, 111141 zwar in aller Slilie getauft werden, damit seine Abstammung vot!! jüdischen Eltern, die er schon als Knabe in den 1 4,hnsi!iela>11 Schulen, welche er besucht, verheim־ helit liabe, nicht bekannt, 111141 er, 41er iiniuer fiir einen Christen •sich niisgegeben und bisher dafür gegölten ha», nicht erst mich seinem Scheiden aus •.ler indischen Gemeinde ein Jude genannt mul mit dem Namen eines getauften Juden bezeichnet werde. Dring.'inl bat er mich, sein Bekenntnis geheim zu hallen, und fuhrtc als zweiten Grund an. dalt ei 4lic hcsleiitemlc UiilerstiiUmu.׳ eines seiner israelitischen Verwandten verlieren würde, wenn cs zur Kenntnis desselben gelangte, dal! er dem Glauben seiner Väter entsagt habe.‘‘ Die Regierung riet Vorsicht au und verlangte ein gutes Leumundszeugnis und vollständigen Unterricht in der Religion. Das Zeugnis stellte der Göttinger Superintendent Ruperti aus. Er habe mir Güu• stiges über Beine erfahren: ״Seine beiden Hauswirte. Lei denen er nacheinander gewohnt hat, geben ihm das vorteilhafteste Zeugnis und rühmen sei״.. Stille und eiugezogeue Lebensweise. Etwas Nachteiliges höre Ich nirgends von ihm. Man beschreibt ilm als fleilüg und rühmt sein Dichtcrtalent." Am 7. Juni lud dam! Grimm den stud. jur. Heine zu einer Unterredung über die llauptiehrei! der christlichen Kirchen cm; er solle dann in aller Stille die Taufe empfangen. Heine dankte ihm für den ״schönen Eifer , womit er sich seinen Angelegenheiten unter• ־zlchc. Am 28. Juni, morgens 10 Uhr, fand in Grimms Stmher/.immer die l'ntei ledmig Mott. Ec i.t; ׳eigte sicii ..mit den Kehren 4ics Christciua;־^; vertraut". Grimm urteilte spater: ״Die \1 >:t•׳; zeugen von eingehendem Naduleitkeu ithei >öa I •־ j halt und 4l.!s Wesen 41er christlichen Relig:«׳:..! c ]!•'ragen von scharfem Geiste: iiherh.uip! nahm er .!:*.־; vor getragene Lehre nicht einfach gläubig 1.1. 1 wollte uhev/.cwgt sein, nml 4)er Giaiüicnsw ec. d. > i ihm nicht ein blolier Wechsel einer änderen!»::!>• j erschien vielmehr als 4las Resultat einer ans 4141a 1 Innern dringenden Notwendigkeit.“ Bei '141־ j te4hmg war der Superintendent Bonitz aus I.aiuc j salza anwesend. Bei dem gleich folgenden Ti iGGe war dieser Heines Taufpate. Heine empfing ■1l<; Namen Christian Johann Heim ich. Nach der Taufe nahm Heine in Gnimns E.ma׳lC am Mittagessen teil. Nach 4lem Berichte ■in•־* Augenzeugen beteiligte sich Heine .111 41er t!!n 11:. '•• hing nur so viel wie notig, um nicht unhosbea ־u sein: ״seilt Gesicht trug den Stempel tiefer mucr־ . lieber Erregung, tiud in 4len dunklen Augen w.:r ffkenntlich, <1:11! seine Gedanken nicht hei 4lc1 l 41!ח• haitmig waren. . . Nach Tisch empfahl sich Hern« bald. Sein Abschied von 41cm Superintendenten Grimm war besonders herzlich und warm. n41״ •'B er, schon an der Tür, sich nochmals!miw.uidte m:״ ihm wiederholt die Hand reichte, schimmerte cs ihn» feucht im Auge.“ \

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