Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1910-11-25 · Heft 47 (25.11.1910) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 47 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2651273-2651657-2651705--07412-2664576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

No. 1ל Seite 540 Die erlesensten Deisler voll Mul mul Verstand. Um in heißem Miili’n zu beraten: Wie ihr Volk, bedrückt von Judenwclt. Noch eine friedliche lleinisiiitle sch’; Und cs Kunden der Welt durch Taten. Juda (voller Freude): Ihr Ruten tiefster seid mir grade recht erschienen! Blüht wirklich neues Lehen aus Ruinen? — 1. e a; Audi mein Iler/, ist erfreut, und ich wüllt’ gern, Stellt Zion auch unter so günstigem Stern? — Vierter I. u f t geis t: Wir haben zu dieser Gcistcrstund’ Auch eine KollcRin zitiert; Die saut Dir viel besser als unser Mund. Was Dich so innig berührt: Komm’. Holde, erzähl' aus der Heimat Du Und Rieb diesen beiden liier Friede und Ruhl — (auf Lea und Juda weisend). (Wahrend dieser Worte kommt eine Waldfce hcrciitgcschltipfi. in einem Rriiuen Tarlatanklcidcheii, mit Blattern. Oliven und Waldfriichicn garniert. Sic kniet.) W a I d f e e: Ich bin eine Waidfee. ein trauriges Heim In Palästina war lang unser Los. Kahl lagen die Berge, nicht den winzigsten Keim ILug der heiligen l'.rdc Multerseholl. Winzig die Hainichen, mul dürftig die Hecken, Kein l’lät/chen. sich heim Spiel zu verstecken. Doch seit einiger Zeit, da beginnt sich's zu regen. F.in Blühen mul Spricllen auf allen Wegen. Mi( Orim sich des Libanons Abhang deckt, Am Weiustock die Rohe empor sieh streckt. Denn was hier treue Freundschaft und Liehe ersann. Pflanzt dort als (Jeder und Oclbaum man an. ־— Und drunten breitet sich fruchtbares Feld. Das der jüdische Bauer fleillig bestellt! F. r s t e r L 1111 g c i s t (zur Waldfcc): Wo bleibt die Seejungfrau, Dein Häschen, Sie wollte doch auch heut hier erscheinen. Zweiter L u f t g c i s t (anfallend): Sic steckt doch sonst in alles ihr Näselten Und kann was er/ählen. wollt ich meinen. (!'.nie Scviiinglr.iii eilt herbei. WeilScs Gewand mit Scli.lf. Secrosenkranz im offenen Haar.) .1 o r d a n n i x c: Wir plätschern munter in fröhlicher Weise Und wiegen uns wohlig in blauer l־'lut. Doch unsere Onkel, die lieben Mccrgrcise. Die warnen uns, seid mir auf der Hut! Denn es l.cilit. bald kommen die Menschen, die schlauen, An unseren Jordan, ans tote Meer. Um Wasserkraftwerke. Turbinen zu hauen ITir liidiisnic und den Weltverkehr. Sie stauen die Wasser in Sammelbecken. Zu Lude ist es mit unserer Idylle. Der träumende See. die weltfremde Stille. l.e.i (voll Verwunderung): Ich hure ganz neue, seltsame Sachen. (111 der Kul.sse das Trendel erblickend): Und was will das kleine Dingel hier machen? -• (Das Trendel tragt ein kurzes, weilics Hallet• klcidchcu. Um den lief angebrachten Gürtel sind die vier Lhigel aus Silhcrgaze befestigt, auf welchen die jüdischen Buchstaben ש r,. i, aufgcmalt sind. Auf dem Kopf wiederholt sich dasselbe Motiv in klein, ln der H.imi ein Silberstal).) Das C h a n u k n h t r c 11 d c| schlügt eine Pirouette und singt (Mel. Casinolied): Nun, ich hin das Clramikahtrendcl, Wohl liier die wichtigste Figur! Heidi, hin immer los vom Bändel, Ihr folget gerne meiner Spur. Wenn abends im Lainiiicnkreise Die l.ichllcin bremieii hell und klar, Ertönt dazu die alte Weise Vom ״moaiis zur" wie's allzeit wnr: Dann fängt mein Regiment erst an. Dann kreisle ich auf glatter Halm! Fall ich ..(!immer ist's l'.ueli recht. Bei ..Hei" da ist es auch nicht schlecht. Hei ..Nim" kommt kein Gewinn heraus. Bei ,.Sellien" legt Ihr noch zu, o Graust Die Nässe türmen sich zu Hanf, Hört endlich mit dem Spiel man auf; So bring ich Buch das Best' Vom liehen, sclumcn Clianiikahfcst! (Kreiseltanz nach dieser Melodie). Lea (erhebt sieh und geht auf die Feen zu): Habt vielen Dank, Ihr lieben kleinen Boten. Dali Dir uns durch Gesang und Tanz erfreut. Als böse Zweifel uns zu üheriuannen drohten. Habt Ihr den Holinimgssamcn uns ins Herz gestreut, J u d a: Uns Geistern ist die Zeit nur knapp bemessen. (Ins Publikum): Lebt wohl, wir müssen heim in unsere Ruh Und rufen Euch — Ihr sollt cs nicht vergessen — ״Lcschonoh habo bejcruscholäjim“ zu! — (Lebhafter Beilall unter den Qclstcrn. — Der Vorhang fällt.) — Ende. — ןU EDISCHE RUN DSCH AU « AUS ALLCR W6LT « Russland Unser Petersburger Korrespondent schreibt uns: Die Diiin.ulehatlen über den Gesetzentwurf wegen der Fleiiieiilnrselnileii sind mm beendet. Wie voraus- Zusehen war, hat die Duma sämtliche .Paragraphen der Vorlage angenommen. Rullland betritt damit eine neue Halm in der allgemeinen Volksbildung den Weg der obligatorischen Schulbildung. Auch wir Juden sollten uns über diese neue Richtung freuen. Fs ist eine betrübende lalsaclic, Uall die allgemeine Bildung unter der rtissisehjiuli• scheu Jugend in den letzten Jahren merklich zumck• gegangen ist. Die Zahl der jüdischen Volksschulen hat namentlich in Litauen bedeutend abgenoumien, ebenso ist die Zahl der Schiller der noch bestehenden jüdischen Volksschulen in manchen Gouvernements auf die Hälfte /. uriiekgega ngen. Die Ur- Sachen dieser traurigen Erscheinung sind hauptsüehlieh ökonomischer Natur: die jüdischen Eltern sind noch zum grollen Teile nicht in der Lage, das Schulgeld für ihre Kinder zu bezahlen. Hie jetzt zu begründenden neuen l'.lenieiitarseliiilen, deren Bestich unentgeltlich sein soll, mülltcn soweit auch von den Juden freudig begrübt werden - wenn ihre Rechte in dem soeben angenommenen Gesetzentwurf nicht in empfindlichster Weise geschmälert worden wären. Im Gegensatz zu den Sprachen aller anderen nicht• russischen Nationalitäten ist die jüdische Sprache von den Gesct/gcbern nicht anerkannt worden! Dadurch verliert der neue Fortschritt fiir die Juden den we• Sentliclisteii Inhalt seiner Bedeutung. Dazu kommt noch, dal; die Juden, die von den Stadt- und Saustwovcrwaltiingeji ausgeschlossen sind, keinerlei Einiliiil auf die Organisation und die Leitung der Schulen besitzen werden. Dieses für die Juden folgenschwere Unrecht hat der jüdische Deputierte Fried mann während der letzten Dimiadebattcn in treffender Weise beleuchtet, indem er auf die grolle nationale und wirkhclie Bedeutung der hebräischen Sprache mul auf die weile Verbreitung der yiddischen Sprache hinwies. Seine Ausführungen blieben jedoch erfolglos, mul die Diiuiamehrheit gab ihre Zustimmung zu der von der Negierung vorgeschlagenen Beschrän* Kling der jüdischen Rechte bei dem allgemeinen Itilduiigswerk. So zeigt sich auch hei dieser bedeut- Samen Gelegenheit, dali die Juden von den Fortschritten des (icsamlreiehcs wenig profilieren, Ru mit •ihn Ans J a s s y wird uns geschrieben: Die Frage des hebräischen Unterrichtes stellt wieder auf der Tagesordnung. Auch, nachdem Dr. lkck-Hiikarest. Dr. Nicmirower-Jassy und Dr. Olivenbäum Botosch.mi namens der jüdischen Schulen dem Kultusminister ein Memorandum überreicht hnitcii, horten die Schtilrcvisoren nicht auf, die jüdischen Lehrer zu verfolgen. Nun hat der Minister eine l’rö* fiingskommission bestellend aus den Herren Dr. Bec k und Lehrer Ba 11y• Bukarest, Dr. Nicmirowcr- Jassy, Dr. N a c h t Foscani und Rabbiner Landau - Motosehuni nach Bukarest berufen, die unter dem Präsidium des Inspektors Costescn das Lehrerexnmen voigeiiommeu. Diese neue Einrichtung, die Ordnung seliafft. wird von manchen anerkannt, von anderen aber getadelt, weil sic in mancher Beziehung fur die I.obrer erschwerend wirkt. Die Kommission schlug vor. dali alle ]!idischcn Lehrer, die nicht zur Prüfung erschienen, provisorisch für ein Jahr autorisiert wicdcn, Die I י r. Lippe-Feier, aulälllieh seines Gebiirlstages. wurde in der Bnci-Brith-Logc unter, dem Präsidium des Obcrrahhincrs Dr. Nicmirowcr grollartig gefeiert. Ungarn Vom 11. bis lt). November tagte m Budapest der Kmigrell der verschiedenen katholischen Org.mlsationen Ungarns. Im Laufe der Beratungen wurden gegen die .luden heltlgo Brandreden gehalten. ..Wir dürfen nicht gestatten", sagte 11. a. einer der Redner, Relchsraisaligeordneter Johann Frey, ״daft man in der staatlichen Verwaltung den Jducn den Vorzug gebe." (!) Der Redner tischte ferner seinen Zuhörern folgenden Wahnwitz als ״hisforiselie Tatsache" auf: ..Vor 30 Jahren traten die Juden in Krakau ... um darüber schlüssig zu werden, in welcher Weise die jüdische Herrschaft in Europa gesichert werden könnte. Damals wurde beschlossen. i!1 ganz Europa die Presse zu verluden. Wer verfügt heute über die Macht? (Rufe: Die Juden!) Wem gehurt die Presse? (Rufe: Den Juden!)" Hierzu, muß bemerkt werden, da» dem Kongresse die vornehmsten politischen Kreise des!.!indes beiwohnten, u. a. auch der Kultusminister Graf Zicliy und der bekannte antisemitische Ministerialrat Baron Barkoczy. Und derselbe Koiigicli l'.tt CHIC Resolut!11״ .mguiomnieu. 1:1 ,, r gegen die ..Fälschungen“ der von imchnstüGien A,־|f»re n serfalil'.'ii Geschichtsbücher l'.invprn. 1, , hoben wird* 1 PALACSTINA-'RUMDSCHfiU Die Lafjc der >c11vv4ibiscl1cn Kolonien in Der deutsche Hotschaitsrat v. Mmucl In! ,.u KonM. mtiiiopel ans eine Inspektionsreise nach 11 * : i a unternommen, um persönlich die dortige Lage S; : :ף׳ zu lernen, wie sic sich seit der Ermonlmu׳/•! ׳ Ungers gestaltet hat. Die Auffassung, die bei t! sprecliungai des Botschafters mit der den!- י Kolonie Ausdruck gefunden hat. wird in folg,• , Brief aus Haifa an die ״Dtseli asm! afrik. K!liedergelegt, der denn doch eine optimistischere iussiiiig widerspiegelt, als die jungst von uns lies ebenen Auslassungen des Herrn Kurt von st r: ״Die deutschen Kolonisten!iahen den Selm!/. , .f Interessen dem Vi/.ckonsulat in llailä sowie der 1• schalt in Konstaniinopcl überlassen. Alle Kol!.::, ,! .1.1 jct/l diesen beiden Ämtern ׳.lankbai inr i!r ruhiges, besonnenes Vorgehen. Lhuiso zollen ,!!׳!. lomslen der neuen türkischen Regierung, die %■*,!, a Botschaft um genügende Sielicrhctlsmallrcgcla J v;,!111tz fiir die Deutschen gebeten worden w.!r. 4• Anerkennung. Die linkische Regierung hat die i• ,׳. störer und Hetzer (wie Keiiaan Bev) sowie ö; fälligen Beamten entfernt mul durch bessere u sic hat die neuen Beamten mit der imtigvii Muck: \. gestattet, su da» die Deutschen mmmchr ruk.g. r Zukunft emgegensclicn. Durch das Vertrau. ., x die Boiscliaft der türkischen Rcgtcrimgs:• ,!y schenkte, sowie durch die erweiterte Macht, d.e י. bekam, ist das Ansehen der türkischen Bcä<׳; , m;faif.1 erstarkt: sie Int der Be\ulhe1»mg. die \ .t fast nichts auf sie gab. Jeuthch gezeigt. <!. .. Regierung die Macht hat. Ordnung; z 11 s t c 11 c 11 1111 d a 11 f r c c 111 z u e r 11 u 11 e u, 1 : y •t.nke Regierung ist das einzige Unterpfand dys 1 dens auch m Zukunit. das hat auch die deutsch,; ׳*• ■•elu.it richtig erkannt und durch ihr V01 gehen 1; ״.,• Deutschen in Palästina viel mehr erreicht, als ,;:.!t das Erscheinen des anfangs von den Koloiit,;,:, er• hetenen Kticgsschihos möglich gewesen wäre.! m Kriegsschiff hatte den Eingeborenen wohl die " t Detilsclilaiids bewiesen, zugleich aber auch de. 1 1• druck hervotgeitncn, da» die linkische Re.: g machtlos sei. Einiges bleibt ja gegenwärtig! > . /u ' :.tischen übrig, so z. B. daß endlich Mitsui*:!,!. , der beledigten an der Ermordung Ungers. \s türkischen Poli/eibeamten gefaßt und cmgcbr.uht , j doch w ird sielt vieles bessern, wenn erst em; . tiees Heer von Beamten hcrangcbiklet im u:..i s Anselten und der Ettiilmi des neuen Regimes feste reu 111» gefaßt hat. Daß dies bald geselle!!., ■ d der innigste Wunsclt aller Freunde der Türket! W.o an uns ist, .soll geschehen, daß Ordtimig und Fm.Je erhalten ttttel dadurch die Entwicklung des La! .יי. das wir bebauen und das uns ernährt, befördert w!" RUNDSCHAU D£R PR65S6 ״Ost und Wes/**, licrlin ln Nr. 10 der Zeitschrift bringt Dr. Alfred S t, 1, Wien, eine Erimieruiig au die 1111 s n c r - A H a . c Unter Berufung auf die jüngst erschienene Sc! J ״Materiale zum Prozeß gegen Leopold llilsner", %!• gelegt der k. k. Geitcralmokuiatttr von Dr. /.! ״ Atirediiieek, rekapituliert Dr. Stern den Dang r Verhandlung der ,.Rituahnordanklage". erwähn: s durch den KtdtusvorsUuvd mit skm U.ihüm.iu . \ Ministerprasidium, dem lustizmiß dem K1. minister amtlich überreichten entschiedenen Pro:,•‘■ s mul schhait die Aiisiuhrtingen. die ein ziisaiium fassendes klares Bild der Angelegenheiten gelien. t folgenden, an die bcticffendeit Dberbehordeii gen* teten Worten: ״Sollen wir der hochernsten. gewichtigen Stumm ■. die sich gegen jenes Urteil erhöhen, noch meiini*;mfiihren? Wir waren hierzu in der Lage. Ls v u nicht recht, daß die Gencralproknrattir die angcMtch:■.־ Wiederaufnahme oh noviter reperta ahlehntc. Viel mehr wäre cs ihre Aufgabe, dahin zu wirken, da» die I Sache neuerlich öffentlich vor einem Schwurgerichte, »las nicht imibranst wird von dem Sturm einet f.mi tisicrteti, auch durch kirchliche Agitationen tua»l״s erregten Volksmenge, verlinndelt. daß da liiueiiigeleuchtet werde mit dem vollen Lichte der Wissen• Schaft und Erkenntnis. Unser Schrei nach Walulud und Recht wird nicht verstummen! Und seihst wenn all unser Muhen vergeblich bleiben, wenn dem l’nglücklichen nicht hcsclticdcn sein sollte die Sonne der Freiheit zu schauen, wird die Geschichte zu Derieht sitzen und ihr Urteil sprechen über diesen Prozell an der Wende des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts!“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.