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Jüdische Rundschau · 1910-11-25 · Heft 47 (25.11.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 47 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 47 IUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 530 Sitzung des Grossen FL-C. in Berlin Am 2223 ״. und 24. November haben in Berlin Sitzungen des Grollen A.C. stattgefunden. Da die Tagung wie gewöhnlich vertraulichen Charakter trug. und da das Engere A. C. — entgegen früherer Gepflogenheit — es ausdrücklich abgclehnt hatte, einen Vertrete) der ״Jüdischen Rundschau" zuzulassen, so werden wir über die Sitzung und die gefällten Beschlüsse in der nächsten Nummer nach Mitteilungen des offiziellen Bulletins berichten. « Wie wir hören. Ist in der A.C.-Sltzung be• schlossen worden, den X. Zionistenkongreß Im August l**l 1 in Basel abzuhaltcn. lVcIsausschrciben Die Zionistische Vereinigung für Deutschland beabsichtigt, das Interesse der reiferen Jugend für Palästina durch die Verbreitung geeigneter J u g c 11 d s c 11 r i f t c n, au denen es Bisher völlig fehlt, zu heben. Sic beabsichtigt daher die Herausgabe von küigercn Erzählungen, die nach l'orin und Inhalt gleich geeignet sind, die Stammes• lieimat, insebsonderc die Natur des Landes, das Lebet» seiner Bewohner und vor allem das der jüdischen Kolonisten dem Herzen der l.escr nalie zu bringen. Zn diesem Zweck ist ein Preisausschreiben für die besten Arbeiten dieser Art beschlossen worden. i Die Wahl des Stoffes steht dein Autor durchaus rei Zur Anregung, die aber keine Vorschrift sein .'11״, erwähnen wir. da» im Mittelpunkt der Erzählung etwa ein junger Jude stehen könnte, der seine Heimat \er| issen muH und sich nach mancherlei Fältrliehkeiten tmd Beschwerden in Palästina eine Existenz als Kolonist oder!*'armer schaff!. Religiös anstellige Stellen sind selbstverständlich zu vermeiden. Der Umfang der Schrift darf nicht unter in Druckbogen betragen. Die Einreichung der Arbeiten muH bis zum 31. März 1911 ver• schlossen mit der Aufschrift ״Preisausschreiben" tmd eingeschrieben an die ,.Zionistische Vereinigung für Deutschland", Charlottcnburg, UlcibtrcustraHc 49, erfolgen, Aullcrdcm muH der Umschlag ein Motto aufweisen, das auch auf ein verschlossenes Couvert zu setzen ist, in dem sich Namen und Adresse des Vcr- Jassirs befinden, b'ür die besten cingcrcichtcn Arbeiten, die den obigen Bedingungen entsprechen, setzen wir hierdurch zwei Preise von 600 Mark und 300 Mark In bar aus. Die preisgekrönten Arbeiten geben mit allen Re cli teil ins Eigentum der Zionistischen Verein!• einig für Deutschland iilicr, die sich vorbehält, auch andere geeignete Einsendungen zu angemessenen ll'morarsätz.en zu erwerben. Dem Preisricliter• Kollegium gehören an Dr. Martin Buber, Qcorg Hermann, l)r. Richard H u 1 d s c 11 i 11 c r, sowie folgende Herren vom Zentralkomitee: Rechtsanwalt (i r«11c m a n n, Dr. Jimgiiiann und Hermann Struck. Zionistische Vereinigung für Deutschland Chanukahfestspiel Von S c 1 m a W a c I» s n e r. Personen: I-ea, die Mutter der Makkabäer. Juda, ihr Salm. Luftgelster, vier bis acht Kinder. Eine Watdfee vom Libanon. Kino Wassernixe aus dem Jordan. 1 Ein Cbaimkahtrendel, Personifizierung eines an diesem Feste üblichen Krciselspicles. Zelt: Gegenwart, um Mitternacht am ersten Tage des Chanukahfcstes. Die Bühne ist in Halbdunkel gehüllt, nur mit Blatt• pflanzen dekoriert. In der Mitte zwei Armsessel. Lea. durch die Mitteltür aus dem Hintergründe kommend, geht langsam unter magischer Beleuchtung bis vorn an die Rampe. Sic trägt eine orientalische Gewandung und spricht langsam und pathetisch. Lea: Wenn hier bei Euch die Flocken leise gleiten, In Eis und Finsternis die Welt gebannt. Dann gellt trotz Wintergraus und schwerer Zeiten . Ein warmer, heller Strahl durchs weite Land. Er geht von Liclitlein aus. die sich verbreiten Am Leuchter achtarmig auf hohem Stand. Gesang ertönt dazu in weihevoller Stunde, . Und unser Name ist in aller Munde. — ' Ich scli in Euren Mienen leises Fragen: 1 ״Wer ist die Frau, die solche Worte spricht? — Kamt unser Lichtfest ihren Namen tragen? — Sic mutet fremd uns an. ein kühn Gesicht!" Wohlan, die Lea bin ich. bin die stolze Mutter Der Makkabäer, deren Ihr gedenkt. Hab sieben Söhne als Kanonenfutter. Den Helden Juda dieser Welt geschenkt. 1 Wem aus der heiligen Schrift ich nicht bekannt bin. | Hat auf der Bühne mich vicliefcht gcsclin. ) Wo Otto Ludwigs Drama mich gebannt bin 1 Und Riibinstein ließ in Musik erstehn.; Ach, damals zeigte inan noch Sccicngröllc. , Doch heut ist man so lau und Israel zerstreut. , Bück ich nach Osten, sch ich PogromstöHc. 1 Assimilnntcnkhighcit uns der Westen beut. I Nicht schön ist's auf der Welt, nicht lohnend das j Erwachen Aus tauscndjühr'gcm Schlaf: kurz war der Ruhm Der Makkabäer und die Epigonen machen j Zu niclttc opfcrfrcud'gcs Heldentum.! (Während der letzten Zeilen hat sic sich resigniert liingcsctzt und stützt nachdenklich den Kopf auf den Arm. Von links erscheint Juda, sie blickt bei den nahenden Schritten auf und geht ihm erstaunt ent- I gegen.) Lea: Ach Du. mein Sohn? Zuckt cs Dir in den Gliedern Und lädt Dir in Nirwana keine Ruh? (liebst mit den neuen Menschen Dir. den biedern, Gar am Cliamikahfcst ein ״Rendcz-vous"? — I Was suchst Du liier. Du stolzer Fcuergcist. Bei diesem Krämcrvolk, den Mammonsjägern, j Das alle Ideale von sieh weist, , Mit Andersgläubigen sich will verschwägern! 1 Juda:! Sei nicht so herb, 0 Mutter, und genügt cs nicht, , Nachdem Jahrtausende ins Land gegangen. Dali noch lebendig unser Name spricht,! Zu unserem Ruhm acht Tage Lichter prangen?! War's nicht viel schlimmer noch zu unserer Zeit, j Als das betörte Volk nacbäfflc den Helenen? In Trachten, Sprache, Sitte, Lüsternheit! durch den Lehrling ,der aufpassen mußte, ob der Herr Chef kam; ebenso war eine strenge Kontrolle cingeführt — daß kein Fremder stehlen konnte, außer den Angestellten; er unternahm auch große Reisen — dorthin, wo der Wein am feurigsten und die Wettrennen am häufigsten stattfanden; endlich importierte er auch viele ausländische Waren — wenn ihm der einheimische Kaviar nicht mehr schmeckte. j Auf diese Weise fand er für seine Waren j viele Abnehmer und reißenden Absatz; der De- | koratcur in der blauen Uniform fand bald bei j ihm viel Arbeit, um sämtliche Sachen mit blauen | Zetteln zu schmücken; sein Geldschrank füllte V sich mehr und mehr — mit leeren Fächern, bis das Gericht ihm eines Tages die freudige Mit־ teilung machte, daß von nun an andere Leute die Sorgen, Plagen und Lasten des Geschäfts und seines Vermögens ihm abgenommen und daß er sich gefälligst nach einem anderen Schlaf, t quartier baldigst umschcn möchte. Als ihm endlich die Tragweite seiner Lage zum Bewußtsein gekommen war, lief er zu Hinde, die im Hause geblieben war und sing an zu toben und zu zappeln, wie er cs vor zwanzig Jahren getan, wenn er seiuen Willen nicht durchsetzen konnte, und sie. die ihn als Kind auf dem Arm herumgetragen, die ihn in den letzten Jahren mit verliebten Blicken angeschmachtet, sie nahm auch jetzt den großen Menschen auf ihren Schoß und herzte und küßte ihn, bis cs ihr gelang, ihn mit dem Versprechen zu beschwierigen, daß sie sich seiner auch ferner annehmen und auch ferner für ihn sorgen werde. Sie hielt Wort. Sic mietete eine kleine Stube, kochte für ihn gute Süppchen, versah ihn mit Taschengeld und bestritt den ganzen Haushalt aus ihren Ersparnissen. Nachdem sic so einige Wochen gewirt* schäftet, tat Schimmc das einzige Vernünftige seines Lebens, indem er die zwölf Jahre ältere Köchin zur Hausfrau nvanzieren ließ: erstens, weil keiner so gut verstand die Süppchen zu kochen wie sie, und zweitens, weil Hinde einige hundert Gulden in der Sparkasse hatte. (Fortsetzung folgt.) Splitter Religion ist das geistige Geburtsland des Menschen. Ebenso wie es ein allgemeines Völkerrecht gibt, sollte es auch ein moralisches Religionsgesetz geben. Ganz ihnen nachzutun sein heißes Sehnen. Und dennoch scharten sie sich dann um unsere Fahnen Begeistert, todesmutig, löwengleich! Ich führt* nach Zion sic, dem Tempel unserer Ahnen, Errichtete das Makkabäcrrcicli. Könnt’ nicht auch jetzt das Volk zurück sich finden Aus Ghettodcniut, Unterwürfigkeit, Zu innerer Freiheit und der Welt cs künden Durch scibstbewuHte Kraft im Rassenstreit! — Lea : Daß Israel zerstreut, hast Du vernommen; Als kümmerlicher Gast lebt's unter Nationen. Woher sollt* ihm das freie Rückgrat kommen? — Wo einzig in der Welt könnt’ es in Ruhe wohnen? Nicht lang mehr, dann wird's allen Halt verlieren Und sich im fremden Land assimilieren! Juda: Nein Mutter, nicht, so lang der Väter Sprache Noch im Gebet in ihren Tempeln schallt. So lang Clinnukali. Purim noch als!!eilige Sache In allen Judenherzen wiederhallt: So lang* ist Hoffnung noch auf Israels Erhebung! Noch ist das Los nicht traurige Ergebung. (Man hört hinter der Bühne Fiügclrauschcn.) Horch, höre nur, wie’s in den Lüften saust, Ais kam’ ein Wirbelwind dahergebraust. (Die Luftgeister schweben unter Gesang herein. Sic tragen rosa Tariatankleidcr, Flügel aus Silbergaze, einen Stern als Kopfputz. Wahrend des Auftrittsiiedes umkreisen sic Lea und Juda, die auf den Armsesseln Platz genommen haben.) Auftrittslicd der Luftgelster. (Nach der Melodie: ״Kind du kannst tanzen" aus der ..Geschiedenen Frau".) j Luftgeister sind wir. schweben dahin; ן Leichtherzig, fröhlich ist unser Sinn. , Und Rosenwölkchen unser Quartier. 1 Im hohen, weiten Actherrevicr. i Schauen dem Treiben der Menschen zu. Ihr Lieben, Leiden lall! uns nicht Ruh. Jetzt hoch gehoben, jetzt fort geschoben. I Hier dort, an jedem Ort. Kurzes Ballet nach derselben M c 1 0 d i e. Lea (freundlich): Luftgeister seid Ihr? — Nun. ihr kleinen Wichte. Da wißt Ihr sicher überall Bescheid! Was kennt Ihr von der neusten Weltgeschichte, Wie geht’s dem auscrwühlten Volk zur Zeit? j E r s t e r L u f t g c i s t (tritt hervor):! Da laß Dir nur recht viel von nur erzählen, j Ich segle über Deutschlands Himmel hin. j O, Deine Brüder darfst Du nicht mehr schmälen, i Gar sehr verändert ist der Jugend Sinn: 1 Sic schließen zu Vereinen sich zusammen. Im Turnen. Fechten stählen sie den Mut. Aufs neu an licilgcr Schrift sic sich entflammen. Jehovas Sprache ist ihr köstlich Gut. Zweiter L u f t g c i s t: Dieselbe Sprache, hohe Frau, da Du noch liier ge* wandelt j Und mit den Söhnen im Verein so stark und groll ge- I handelt. j Man spricht sic wieder in der Welt, der neuen wie j der alten. j Dritter Luftgeist (lebhaft einfallend): Und wißt ihr nichts von dem Kongreß, in Hamburg abgehaUen? —! Das zerstreute Israel hatte entsandt Keine Eingriffe in fremde Politik, und Schutz den zu Gaste weilenden um ihres geisiigen Vaterlandes willen. Wenn man die Hcldenkiimpfe der Schweizer um die Freiheit ihres Vaterlandes bewundert, um wieviel mehr die täglichen Eiuzelkämpfe der Juden bis auf heute, die ohne Feldherrn, ohne Kriegsplan, ohne Feuer, ohne Schwert ihr geistiges Geburtsland in ganzer Größe erhalten und verteidigt haben. Darum trägt jeder Täufling den Schandfleck des Fahnenflüchtigen, jeder kämpfende Jude den geistigen Nimbus des patriotischen Teil. ,luiig-Israel. Illustrierte Halbmonatsschrift für die iuüisclic Jugend. Das fünfte Heft ist erschienen und enthält: Ein kleiner Held. Von Sara Kassriel. - Die Geschichte von dem Knaben, der seinen Traum suchen wollte• Von Lazarus Bart 11. — Jchuda Halcvy. — Die Juden in Portugal. (Schluß.) * Ifawdololi. Von Bettina G. Moses Montefiore. (Ein Gcdcnkblatt zu seinem Geburtstag am 8. Cheschwan•) Mit 4 Illustrationen. — König Salomo und die Königin von Saba. Erzählt von Edith nantke. — Liebe deinen Nächsten wie dielt selbst. — Das Alter. - Plaudcrcckc. ־ - Briefkasten. *■- Molzclnlcgc-Arbcit. — Rätselecke. — Kalender.

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