Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1UED1SCHE RUNDSCHAU Seile 530 Chol-Hnmoöd Sukkoth durch ein öffentlichem Fest gefeiert, an dem diu gesamte Bevölkerung der Kolonie leilnalim. Am Simohath-Tliora wurden feierliche Umzlige in den Slrallen der Kolonie veranstaltet. Am darauffolgenden Abend defilierte die Bevölkerung der Kolonie in» geschlossenen Zuge mit dem Orchester an der Spitze, welches fröhliche Weisen spielte, vor dem Hause des Rosch-Hawaad (Kolonievorstehers) Chaiin Cohen, sowie vor den Hliusern des Oberauf־ sehers Abraham Seliapira und der h'iihrer der Jugend. RUNDSCHAU OCR PR65Se ״ Jüdische Turnzeitung“ Berlin Pas Oktoberlieft weilt von einigen Anzeichen erfreulichen Portsehreilens des jüdischen Turngodnnkcns zu berichten: Der in Breslau bestehende Jüdische Turn• verein hat seine Aufnahme in die Jüdische Turnei* schaft beantragt, dem Anträge ist auch stattucucben worden. Unsere Freunde in K d 11 i g s b e r g , die seit Jahr und Tau sich um die Gründung eines jüdischen Turnvereins bemühen, melden, dali es ihnen gelungen sei, einen Verein zustande zu brüllten, dali jedoch dieser Verein weder in seinem Namen, noch in seinen Statuten das Wort .,jüdisch" auf״׳ eisen dürfe, da anderenfalls die Regierung ihm die er• beteiie Benutzung einer staatlichen Turnhalle ver weigert hatte. ... In verschiedenen anderen Orten, in T'rankfiirt, Wiesbaden, Kssen. ist man auf dem Weite, jüdische Turnvereine zu errichten; teilweise ist dies auch schon ueschehen. Die Redaktion warnt in ihren weiteren Aus• fiilirmigeti vor der vielfach eingesehlagenen Taktik, aus Opportumtatsitründen ״mit Rücksicht auf die be• sonderen lokalen Verhältnisse" mit dem nationalen Programm zuruckziihaltcn. Min offenes Bekenntnis zum Nationaljudentmn habe sich bisher immer noch als das erfolgreichste!,ronramm erwiesen, zumal ein recht/eitiiter Ansclilu» an die ...Jüdische 'Turner• schaft", die dieses Hekcniitnis sutziiiigsgetnüli fordere, gerade den jungen Vereinen den Rücken starke. -- Hin weiterer Artikel beitllickwünseht dm Lehrlingsabteiluni: des Berliner Bar Kochlut. die in diesen Tauen ihr zehiijühriites Stiftungsfest beitehen kann. ״P/uftis״ Berlin Die von tienree Bernhard herausiteitebene bekannte Piuan/wochensehrift ״Plimis" brinitt unter der Ueberschrift ״Zionistische Banken" in Heft •IJ Vom 22. Oktober 19111 einen Artikel ״Z i o nis tische Banken" aus der Feder unseres Oe• siniunusiteuosseii Br. Hans (lideon Heymaun, dem wir nachstehende Ausführimiten über die I ii d i s c h e K o I o n i a l b a 11 k entnehmen, die anitesichts der Kongrclidebatten über die Bank besonderes Interesse erreiten dürften: ״Bas grollte und wichtigste Institut ist die Jüdi• sehe Koloi.i.ilbank (The Jewish Kolonial 'Trust Ltd.) London P. C. Brook House, Walbrook, die am 20. März!;•99 als Aktieintesellschaft cnitlischen Rechts itettrüiidet wurde. Ihr statutarischer Zweck ist kurz fol• gender: 1. Iiulustricumernelnmimten und Kolonisationspro• jelac in l'alustin.!, Serien und anderen Teilen der asiatischen 'Türkei zu betreiben 2. Auswanderungen und Einwanderungen zu fordein, im besonderen die Dinwandcrung von An• gehörigen des jüdischen Volkes nach Syrien. I’alä• stina mul anderen Teilen der asiatischen 'Türkei. 3. Alle Zweige des Bankitcschüfts zu betreiben, Konzessionen zu erw׳erl>cn, alle anderen Handlungen vor/unchmen, die zur Prreiehung der obengenannten Zwecke dienlich erscheinen. Ber zionistischen Organisation ist dadurch die Kontrolle über die Bank gesichert, dali 100 Gründer• aktien ä l £, die nicht dividendcnbercchtigl sind und bei eventueller l.Utmdution hinter den Stammaktien rangieren, aber atilicr in Prägen der Gewinnvertei• lung so viel Stimmrecht haben wie alle Stammaktien zusammen, im Besitze des Aujsielitsrats der Bank sind und diesem Aufsielitsrat nur Mitglieder des groben zionistischen Aktionskomitees angehüren. Die Bank war von Herzl gegründet zwecks Pi• nanziermig des angestrebten Charters und sollte ein Kapital von 2 Millionen i erhalten. Infolge dei Anneigung der jüdischen Pinunzkreisc gegen den Zio• nisimis wurde jedoch mir der achte Teil des autori- Merten Kapitals eingezahlt, nümlich etwas über 250 000 ♦. von 120 000—131) 0(1» Aktionären. Bie blul• armen Proletarier des Ostens haben sieh zu Zehnlausenden kopckcnwcisu die zehn Rubel zusammen• gehungert, um Iviihnbcr ״ihrer" Bank werden zu können. Die Bank dürfte zweifellos die grollte An• zahl Aktionäre unter allen Gesellschaften der Well haben. Ball unter solchen Umständen schon die Grün• diing Riesenschwierigkeiten machte, liegt auf der Hand. B!e ratenweise eingeforderten Bhtzalilimgen gingen zum I eil nur langsam ein, ־zahlreiche nicht vollgczablte Shares nmlltcn kassiert werden, -־ das Verzeichnis der Aktionäre allein war eine sehr grolle- Arbcu: so dauerte cs bis 1902, ehe die Bank wirklich m Betrieb kam. Da sie infolge der geänderten poli• tischen Lage des Zionismus ihrem ursprünglichen Zwecke nicht dienen konnte, so mulltc sie in London das gewöhnliche Bankgeschäft betreiben, belastet mit allen Schwierigkeiten, welche das Innehaltcn des Sonnabends als jüdischen Ruhetags neben dem gesetz* liehen Sonntag sowie aller jüdischer 1 clertage bietet. I welche fe.rnor aus einer teilweise politischen und 1 nicht fachmännischen Verwaltung herrübren, aus! einem in ‘ vielen Ländern zerstreuten Dirckioriuiu. einer englisch, deutsch, französisch, russisch, polnisch, hebräisch, jüdisch und wohl in noch einigen Sprachen geführten Korrespondenz, endlich einen Namen, der das Publikum geradezu abstofien mulltc. mit der Bank zu arbeiten: denn Jewish mulltc cs an ein konfessionelles Woliltätigkeitsinstitut. colonial an ein riskantes Ki'lonialimternelimen mul Trust entweder an die amerikanischen Industrickonzernc oder an Londoner, zmn Teil sehr zweifelhaften Pinanzgriindungen gciimlmcn.; Unter diesen Umständen ist cs aller Anerkennung , wert, da» die Bank 1902 5 Pence ncr Pfundaktio.! 1901 (I Pence. I011״ s Pence mul seit 1907 regelmällig; (I Pence 2 :־'e Prozent bezahlt hat. Bas Urumlübel. ' an dem di•• Bank krankt, ist. da» sic» mit 250(100 t : Kapital 111 London kein reguläres Bankgeschäft hetroi• ׳ hen lällt. Da ihr :uts den obengenannten Gründen fast keine fremden Gelder in Porm von Depositen zudielten, so ist sie auf den Umschlag ihres eigenen Kapitals im wesentlichen beschränkt, welches allein die sehr grollen Geschäftsunkosten zu tragen hat. Wenn Ricardos Satz: .-Bas Bankgeschäft beginnt bei dei Verwertung fremder Kapitalien" richtig ist. so ist der Jewish Colonial Trust überhaupt keine Bank, sondern ei!!״ Vermögensverwaltung. P.ntspreelieiul ihrer Bntstelmiigsgcsehiehii• hatte die Bank msnrjingllcli ihre Maiiptlätigkeil in Rulthiid. wo ihre Direktoren als Agent.•׳! für sie tätig waren und ihr ui׳• l'inan/iernng russischer Getreide-, Holz• usw. I!\p<.t|1• ziiführton: so hatte sie über die Hälfte ihres Kapitals in russischen Wechseln angelegt, als im llerht 1905 eine Kredit• mul Währiings-Krisi > die russische Volkswirtschaft bedrohte: gerade die iiidiselie Mienlel der Bank erlitt durch die Oktober• nocrome diese׳, mit blutigen Lettern in die indische I lidensgi^clnclite gebrannten Jahres schwere Ver- •nögensveiInste. Ps ist ein Bhrenzemruis ihr die Londoner It.uikUifiing ihre russi.ehen Birektorcn und ihre imlisclie Kundschaft in Ruillatul. dali sie aus diesem IJmdüeksjuhr. als ihre besten Freunde schon an ihrer Zukunft verzweifelten, mit einer Abschrei• Imi'g von 2000 £ auf Dubiose lierausgekomemn ist." Voran geht dieser Darlegung eine in ihrer Knnnp• heil ganz ausgezeichnete Skizze über die P.ntsteliimg der jüdischen Kolonien in Palästina mul des Zionis• ums. Und nach einer ebenso gelungenen interessau• teil Charakterisierung unserer anderen Pinauzinstitutc. eiiistfhlielllich des Natümalfoiuls. schliellt der Artikel wie folgt: ..Hs galt jahrzehntelang als Grundsatz der Volksmul Privatwirtschaft, du» P.rwcrbsiustitutc. die in erster Reihe Zwecken dienen, die jenseits des lirwerbes stellen. dem Untergänge geweiht sind: der Bontonxkrach gab diesem Satz noch die besondere Weihe. Iiizwischcn sind in vielen Ländern solche Institute entstanden, es sei vor allem au die polnischen Aiisiedlimgsbanken in Po.icn, die tschcchiselten Sparkassen mul Kreditbanken in Oesterreich erinnert, die gut gedeihen. Gleichzeitig dienen auch die Industrie, mul vor allem die Bankunteriieliimingen der Grolistaaten im Ausland in immer gröberem Uni• lang politischen Zwecken und werden ihrerseits von ihren lleiinatstaatcn unterstützt. Ber jedenfalls teil• weise Prfolg der zionistischen PinanzinstitiHe erbringt einen neuen Beweis für die Unrichtigkeit jenes vcral• toten Grundsatzes. Man kann versichert sein, da» die Liebe des indischen Volkes, das mit aller Kruft seine Befreiung ans zweitauseiuljäliriger Verbannung erstrebt, ״seinen" Instituten auch in Zukunft eine wei* tere segensreiche P.ntwicklung gewährleistet." ZIONISTISCHC BeWCGUNG V. Obcrschles'ischer Zionislenlag Sonntag, den 20. November tu Glolwltz, Botel Deutsches Haus (Ring), Nachmittag pünktlich .1 *j Uhr: Interne Sitzung. T u g e s 0 r d 1111 n g: 1. Prüffmings* und Bcgräilungsansprachcn. 2. Bericht der Gruppeiiverbaiidsleitung. 3. Vortrag von R.-A. Br. W e i »in a n n - K ״ tt o - witz: ״Unsere Stellung In den 001112111(101," d. Diskussion über die!,unkte 2 und 3. 5. Vortrug von Parteisekretär Blumenf c I d: ״Die allgemeine I.ago der zionlstliclien Re• woguug". Abends 8!i Uhr: Oellcntllchcr Pu»tko111ntor8, Ansprachen der Herren Arnold Wiener• K a 110 w i t z, Parteisekretär BI u m c n I c 1 d. Zahnarzt »lock-Ratibor. (Roisebildcr aus Palästina.) 1m Anschluß: Geselliger Teil. Silzuiifj des Aklionskomilees Die für den 22. November d. J. und die folgend••״ Tage nach Berlin clnbcrufcuc Sitzung des Aktion*, komitecs sowie die verschiedenen Banksitzungen ״nj die Sitzung des Direktoriums der Jüdischen National, fonds werden im KI i t e - H 0 t c I (Ncustädtischc Kirchstralle 9, am Bahnlmf Prie l!!cli. straile) stattfinden. Sitzungstafcl: Sonntag, den 20. November, nachmittags ,1 l :!! Direktorien der Banken. Montag, den 21. November, vprinittags in ,;: P.ngercs Aktionskomitee. Mittwoch, den 23. November, nachmittags •t l'ir: Aufsichtsrat des Jewish Colonial Trust. D o 1111 e r s t a g, den 2-1. November, v״rm1ttas׳, 9 Uhr: Direktorium des Jüdischen Nationalfomk Ber rühmlich bekannte Arzt Dr. K. Lippe, der Altersnräsidcr.t des ersten Zionisteiikongress•.' P.hrcnpräsidcnt der Bnei-Britli-l.oge mul lihrei direklor der ..lunimco"־Schule zu Jassv, ieiu am lö. November r. St. seinen Ml. Geburtstag Der Jubilar wird bei seinen Kindern in Przeim• Galizien weilen. Vor seiner Abreise wird in Jas-, ein grobes Pest veranstaltet, bei welchem der Loge: Präsident, Oberrabbiner Dr. Nie mir« wer. c Premierarzt Dr. Burst in und der Literat 1׳ Steuer m a n n Pestreden Iralten werden. Vorlragsrclsen des Parteisekretärs Halle a. S. In der hiesigen Ortsgruppe spi.u am vergangenen Sonntag Herr Kurt B111 in e n f e . über ״Zeit• und Streitfragen im in ׳ (fernen Judentum". Die rhetorisch und 11111• lieh gleich vorzüglichen Ausführungen des Rcdiu . übten auf die Versammlung einen aiillerordcnt starken Pindruck aus. Pine relativ grolle Z i; froherer Gegner des zionistischen Gedankens <•!.: indiiierent abseits Stehender wurde unserer I• wegung gewonnen. Ps hat sich wieder einmal Prtalirung bestätigt, da» eine zielhewullte \ klärungstätigkeit und dann hat der Redner II.׳,• vorragendes geleistet wohl imstande ist. auch .!1 sogenanntem ״steinigen Boden" gegen Yen .• geiKMiiiiienheit mul 'Trägheit mit gutem Prfolgc an/•• kämpfen. Die Hallenser Zionisten sind Ile 1 Blmneiileld zu besonderem Danke verpflichtet!:■ .! hoffen, ihn bald in ihrer Mute wieder begruben! können. Ii. II. llalhenUadt. Den zweiten Tag seiner Tounuc durch Mitteldeutschland widmete Herr Parteisekrc׳.!! B n m e 11 f e I d einer Versammlung der Schukel/ahlcr in llalherstadt. Jie überaus stark besucht war.!1.׳ Referent ging in längeren wissenschaftlichen Nt!-• fi hruugen vor allem auf das nationale Problem c!;. das :r 011 den verschiedensten Seiten in instruktiv! mul überzeugender Weis.׳ beleuchtete. Der Voip.-e löste grollen Beifall bei den Zuhörern aus und g <’!• Veranlassung zu einer anregenden Diskussion, iu.'i der Herr Blumenfekl noch zu ••mein Bericht ״bei ׳.׳״ gegenwärtige Lage de Bewegung das Wort 11.,Im Auch über diesen Punk: fand noch eine emgelu׳ Aussprache statt, in der Herr Blmnenield Gelegen!■>.1■־ hatte, auf zahlreiche Prägen zu antworten. Die Yc־• Sammlung, die vielen unserer hiesigen Gesinmmc ׳ genos.cn inuc limmlse zur Arbeit gab. wurde v״>: 1 11 I Uhr nachts geschlossen. Llssa. Unsere noch ziemlich grobe Gemen, c hatte zwar im Laufe der Jahre schon wie.len : zionistische Versammlungen, aber noch keine v ״. so tiefgehender Wirkung, wie die am 9. Noveu!! 1 hier stattgehabte. Herr Parteisekretär Blume׳ f e I d sprach über ...I u d e 11 t u 111 1111 d f r e י• Menschentum" und führte den überaus /.. reichen Zahörern -- tust sämtliche indische .V deimker waren erschienen eindringlich zu < n.iite, da» der Zionismus die Befreiung des Vob. s aus unwürdiger Lage, aber auch die Befreiung •■ ־■ Individuums aus allem innere Zwiespalt herbeituli׳ •׳ wolle und müsse. Bas persönliche und natu״.. Preilieitsidcal in dieser Darstellung i.md leblmi: 1 Widerhall. Doch war auch die ulte, eingescliwou . Opposition auf dem Plane ~ u. a. sprach Heu Lau* 1 2 3• tagsahgeordneter Justizrat Wolff und wm״ von dem Referenten wie von Herrn Br. Kölln s c h c r - Posen in glänzenden Ausführungen w״U; legt. Bie Veranstaltung bedeutet hoiteutlich im 1. " den Beginn zionistischen Lebens. Posen. Am Donnerstag, dem Hl. Novcmk•. sprach Herr Parteisekretär Blume nfcld hier ׳• öffentlicher, stark besuchter Versammlung ״ber .Das jüdische W i r l s e 11 a f t s p r o b I e!״"• Von ganz neuen Seiten lehrte er die Jiidenfrugc be• tiachten und erbrachte in glanzenden Ausführung'׳■! den Nachweis, da» auch von dieser Seile her alles /•׳ einer Lösung im Sinne des Zionismus dränge, in. J■״• der Zionismus praktisch bereits überaus erfolgreich an die Lösung herangetreten sei. Das 11e stmubee Referat und der auf eine kurze Diskussion folg1׳׳uL־ Sclilullappcll hinterlicllcn bei den Zuhörern t!e*c-■ Pindruck. Gollub. Am 8. November fand, dank der (>(>»"* י Willigkeit des Herrn Gurt B iuni c 11 f c I d Bo״"•