Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1910-11-18 · Heft 46 (18.11.1910) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 46 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2651657-2651704--07399-2664562
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I U 1: DI SC II [•: K ü N ns CH AU No, •1(1 Seile SJS Kulturkougrel). Das war der Höhepunkt der Konferenz. Von grollen Gesichtspunkten ausgehend und’ doch einen bis ins Hin/elnc ausgcnrbcilctcn Arbeiisplan entwerfend, kcnnzeichnctc Hinlik die Ziele und die Aufgaben des hebräischen Kongresses, des Zentralpunktos und höchsten Organs der besannen nationalen Kullurbcwegung. Hr trat dafür ein. dall die h e b r ü i s c h c 0 r g a n i s a t i 0 n ihre Wirks a in k e i t auf alle 0 e b i c t e d es 11 a t i o na len Lebens aus dehne. Dieser Ansicht schlolt sich auch die Konferenznach langen mul lebhaften Debatten an. Im Sinne der Programmerweiterung wurde von der Konferenz auch ein Beschluß betreffs der Zusammensetzung des liebriiiselien Kongresses gefaßt. Seihstverstiimllicli sind alle diese Beschlüsse der rnssisclien Landeskonferenz nicht definitiv tnul verbiiidliclt für die Leitung der Gesnmtorgaiii.saiion und sind nur als Vorschläge der russischen Landes- Organisation an dieselbe zu betrachten. Andererseits hat die Konferenz Bedeutung nicht ldoll für Rußland Die l ulle der hier erfolgten geistigen Anregungen und der praktischen Vorschläge wird sicherlich auf die Tätigkeit der (icsamtorganisation befruchtend ein• wirken. Sodann waren die Bemühungen für den neuen hebräischen Verlag ״T’cliin" erfolgreich. Hs wurden hier für diesen Zweck fünf u n d - s e c h z i g t a u s e n d Mark g e z c i c 11 net, in erster Reihe von den Herren I.. Hrodsky. Harun \V. (1 ii n / her«, Mal 1> e r n . ’S a i z e w und I׳. p - stein. Und es ist begründete Aussicht vorhanden, etwa gleiche Betrüge in M 0 s k a 11 und Betersborg zu erlangen, wo bereits entsprechende Schritte cingcleitet werden. So ist die Konferenz in geistiger und positiver Hinsicht von weittragender Bedeutung für die hebräische Renuissaitcebewegung. ,.Die Juden im deutschen Heere“ Von d!1 am letzten Sonntag in Berlin abgeh.1l• ti-nen l’roteMversaiuuihmg. deren Verlauf 1111• seren I.esv.ru aus den recht ausführlichen Berichten vier T.ir,.•s/ülungcn bekannt ist. wird uns von einem '1 ulitclim יי noch das folgende Stimmungsbild ent* würfen: Schon lange vor Beginn der Versammlung füllte sich der grolle Saal der Philharmonie. Unter den Hrscliieneiien Ivmerktc man zahlreiche führende Hers.'.nliclikeiten der grollen jüdischen Organisationen. In der Luft lag etwas von der erwartungsvollen Stintnimig eines ״grollen Tages". Biese Hrwarltmg sollte auch nicht getäuscht werden. Die Kundgebung war in nidirfacher Hinsicht ein Hreignis. Zunächst war es die erste vom ..Verband der deutsehen Juden" und dem ״Zentralverein" gemeinsam einbertifene \׳e1s,1mn1lu11g. Dieses Zusammenwirken der hehlen grollten Organisationen der deutschen Jmleiilieit hat nicht bloll ätillere Bedeutung. Sodann bedeutet d!c Kundgebung in der Philharmonie eine P.rweitcrtuig des bisherigen mehr intimen Wirkungskreises des ..Verbandes der deutschen Juden". Man scheint dort nunmehr von der Notwendigkeit überzeugt zu sein, die wirkliche Hrfiillung der den deutschen Juden verfassimgsniällig /״stehenden Rechte immer und immer wieder laut und vor aller Welt zu fordern. Die Ver- Sammlung vom jüngsten Sonntag war der Anfang einer planmäßigen, systematischen Propaganda in dieser Richtung. Vor allem aber war der Ton der ganzen Kundgebung bemerkenswert. Durch weite Kreise der deutschen Judcnhcit gellt jetzt ein frischer Zug. eine Hrstnrkung des jüdischen Selbstbewußt* scins. Das zeigte sieh auch deutlich in der Phil* Iiariiionie-Versammlung, in den Ausführungen von Professor PUiUppsw\ sowohl, wie m der Rede de' l.andtagsubgeordneteu Cassel. P.rsterer behandeln den t iegensland der Tagesordnung, die Zmückselz.mu der Juden namentlich in der preußischen Armee, mein in grollen Zügen, mit uneingeschränkter Offenheit während letzterer, der geübte Parlamentarier, au charakteristische Hinzelfüllc einging und, gestützt au dokumentarisches Tatsachenmaterial, die tieferen Zu saiiimcuhänge des Ucgenstands beleuchtete. 11 beider Worten aber kam die Hmpörung über das da Juden als Juden zugefilgte Unrecht unvcrhnhlct zum Ausdruck. P.s waren stolze, mutige, von jiidi schein und menschlichen Higcnerkenneu getragen( Worte, die in der zahlreichen Versammlung lebhafte! Widerhall weckte״, und die sicherlich noch it weiteren Kreisen lautes Hclto finden׳ werden. Ins besondere lohte die Kntriistung der Redner auf he der Hervorhebung der Tatsache, daß ge tauf tot Juden die Offizicrslaufbahn frcistcht. Die Taufe ver leiht also die ״nötige Autorität"! Hin Jude, der den Judentum treu bleibt, seinen Qlaubcn und den iüdl sehen Namen hochhült, besitzt also nicht die ״hin reichende Qualifikation", die ein Jude, der au: schnödem Ligennutz Vorrat an seinem Clluuben bc geht, wie durch Zauberwirkung plötzlich erhält! Wir wollen aber aller Verunglimpfung des Judentums zunt Trotze au ihm unverbrüchlich festhaltcn und gegen die schmachvolle Verhöhnung des Judentnms und des Gesetzes den schärfsten Protest erheben! In diesem Rufe klang die wirkungsvolle Kundgelmng unter einmütiger Zustimmung aller Au- «esenden aus. Gesellschaft für Palästinaforschung Am Sonntag, dem 2.1. Oktober fand in den Räumen der ״Ressource von I7V-1" zu Berlin die Begründung einer 0״cse 11schaft für Pa i U s t i na f o r sc 111111 g" statt. Hine große Anzahl von jüdischen (klchrteit und Angehörigen der besten jüdischen Gesellschaftskreise wohnte der Ver- .Sammlung hei und bekundete lebhaftes Interesse an den Zielen des Unternehmens, das bestimmt ist, eine alte H 11 r e 11 s e 11 111 d der jüdischen de• in e i 11 s e h a f t cinziilüsen. Ist doch bisher auffalleuderweise gerade von jüdischer Seite nur wenig für die wissenschaftliche Hrforsclmng des Landes der Bibel geschehen. Unter den Hrschicnencn bemerkte man die Professoren War litt rg, S o b e r u 11 e i in , Le wiu, Mittwoch, Ocheimrat Aron. Stadtrat Sim kie wie/., Generalkonsul Landau, Direktor M i 11 d e n 11. v. a. Nach einem Bericht filier die bisher geleisteten Vorarbeiten erstattete Herr Professor l)r. W a rhu rg ein Referat, in dem er hervorhob, welch große A\ufgaben insbesondere in n a 11t r \v i s s e 11s c It a f t - Melier Beziehung der Lösung harren. Pur Studien auf dem Üclüctc der Anthropologie, Htltiiologic. Zoologie, Metereologie, Geologie und Höhlenkunde bietet sich ein weites Arbeitsfeld. Aber auch in Bezug auf wirtschaftliche I' tagen 1 n 11 li das Land erforscht werden, das heute aus liNXijührigan Schlafe zu erwachen beginnt. Hndlieh birgt der Boden, über den die Stürme der Römerkriege, der sarazenischen und türkischen Hroberung. der Kieiiz/ügc d.iliiitgeliraiisl sind, zahllose Reste alter Kulturen, deren Hebung in historischer und archäologischer Beziehung gleich wichtig erscheint. Allen diesen Zweigen der Horsclutng will sielt die neue Gesellschaft widmen, sobald ihr die nötigen Mittel zur Verfügung stehen. Hs wurde demzufolge ein wissenschaftlicher Beirat erwählt, der sieh vorläufig aus den Herren Professoren Sobcrnheim, Mittwoch. War bürg. Lew in und Herrn Br. Priedemanit zusammengesetzt. Men Vorstand bilden außer den genannten die Herren Dr. .1. (Husberg (Vorsitzender), Bertlmld Israel. Stadtrat Sim kie wie/., Geh. Regierungsrat Aron, Maler Struck, Justizrat B z i a I 0 c z y ח s k i. Die zahlreichen Mitgliedeninmeldiingen lassen erkennen, sseich reges Interesse für die Gesellschaft harscht, und lassen die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß iltr bald die Lösung großer Aufgaben gelingen wird. Der Beitrag beträgt für ordentliche Mitglieder (denen alle Drucklegungen der Gesellschaft zügelten) .11) Mark, ftir außerordentliche Mitglieder II) Mark jährlich. Zuschriften sind an Herrn Dr. Ginsherg, Karlsbad 7. zu richten. Das Zustandekommen der Gründung ist der Arbeit unserer Gesinnungsgenossen, besonders den Bemühungen des Herrn Dr. A. I'ricdcmann zu danken. Bilder aus der Tachkemoni-Scliule! Nicht den äußeren Aufhau der Tachkemoni-Schule! wollen wir hier beschreiben, nicht ihre Geschichte er- , zählen, sondern ein paar schlichte Bilder zeigen, wie Schule und Schiller arbeiten, was sie leisten und wie sie es leisten. Zur Uebcrsicht nur zuerst kurz einige Zahlen. Die Schule, die mit 70 Schülern begonnen hatte, zählt jetzt, nach VA Jahren. 200 Kinder, darunter mehrere Amerikaner und Huropäer, und konnte die dopnclle Anzahl haben, wenn die Mittel für den Ban eines eigenen Hauses zu erhalten wären. Als Lehrkräfte sind neun Lehrer vorhanden, davon zwei Huropäer, ein weiterer mit europäischer Bildung. Auch diese Kräfte müssen in allernächster Zeit vermehrt werden, da schon jetzt mehrere Herren statt ihrer 20 PfÜelt!stunden 35 >10 Stunden wöchentlich unterrichten. Mine Prüfung findet vierteljährlich unter Vorsitz des Herrn Oberrabbiner Kuk (Jaffa) statt und am linde jedes Schuljahres außerdem noch ein öffentliches Hxamcn in Anwesenheit der Hltern und anderer Gäste. Das Schulgeld beträgt pro Monat 1-12 Hrancs, je nach der Wohlhabenheit der Hltern, volle Hrcischnlc bildet die Ausnahme. Der Lehrplan ist der gleiche wie der einer europäischen Realschule, (nur wird statt englisch arabisch gelehrt), außerdem wird auf eine gediegene Ausbildung in den jüdischen Wissenschaften Wert gelegt, welche die Kinder befähigt, nach Absolvierung der Schule 0|mc Mühe die literarischen Quelle״ altjmliseliei Kultur zu lesen und zu verstehen. Das bietet keine Schwierig, keit, da die Begabung der Kinder besonders sprachlichem < lebiete liegt und die Unterrichts, spräche natürlich von vornherein in allen l׳;ieheM1 die h e b r ä i s e 11 c ist. Soviel über das Programm der Schule. |1,s charakteristische an ihr ist aber nicht das .01! ,1, m Papier stehende Programm, sondern die Art und Weise, wie es in die Wirklichkeit umgeseizi v.!t 1. Wir dürfen uns da keine preußische Schule stellen, deren höchstes Ideal es ist, jedem S huk 1 d.is gleiche Quantum au Wissen hcizuhriiigcu und d!>: Kinder während der Schulzeit in sklavischem (klm!, ,s.m! zu erhalten, sondern hier ist das Ideal, daß d׳! Lehrer dem Schrlcr zum 1־rcumlc werde mul so während und nach der Schulzen aui ihn anwirU, Und dieses Ziel das dürfen wir mit Stolz sagen ist heute erreicht. Hin paar Bilder mögen das zeig(. Bei Hinrichtung der Schule hatte sich heraus■,:• stellt, dal! viele Kinder durch ihre migimstigcn Wo! nuiigsverbaltnisse häutig an I'iebcr und Augenkrai, )leiten litten. Sofort erklärten sich die Lehrer herc auch außerhalb der Lehrstunden ihre Kräfte 1 ״ Schule zu widmen und gestatteten den Kindern, a־,. ihre freie Zeit im Sclr.ilerhause zu verbringen. Wi . in,• heute zu einer solchen Zeit die Schule beti ׳. so ,ludet man sie voll fröhlicher Kinder, 'hohen e einen kindliches Sind, so sitzen die alteicn uber « a Büchern der Schulbibliothek, vergnügen sich die cu n unter einander, so sitzen dort andere mit den L< 1• rem im Gespräch mul lassen sielt er/ahlen von 1 giol'.en Vcigangcnlieit der Almen, oder von ilnen B dem in ferneren Ländern. Zeigt es sieh, daß a Kind zu Hause nicht genügend ernährt werden k.!. so bekommt es auch liier Speis!• und Trank, *.י ״ •>'. bis auf den Schlaf im elterin hen Ik.iise »he Km r freiwillig liier ihren ganzen lag Zubringern •> auch am Sabbatlt. Da ist zuerst eine kleine Su .• guge, bei der eins von den Hindun das VorstvL r• amt bekleidet, eins ist Vnrhctcr. eins verliest 11 Woehenabschnitt usw. Zu den Lliruiaiiitern sva1:. .׳ die Kinder selbst ihre beliebtesten Kameraden. ׳״• daß sie hier ein Held vollkommener kr lieber Selbst v e r w a I t n n g haben, ein V!'.ihren, das von imsem namhaftesten Pädagogen 1• drtieklich empfohlen wird. Wird ein Kind zur 1 יו• : auigerufen, so macht es seinem liebsten Kauiei. '!! einen Mischcbcraclt und snendet aus seiner >:׳. ,mchse ein paar Pfennige für die Sclmlbibliothek. v:t Sabbatli Vormittag batte mau iirsprunglich ״׳וין! Heise einen freiwilligen Unterricht angesetzt, um rindern in ungezwungener Weise solchen jndo.׳ I ehrstoff. zu dem sonst weniger Zeit ist (IL.11: 1 Woehcnubschmtte ctc.). vor/!(tragen. Heute 1׳ ligeii sieb an diesen freiwilligen Stmidcu I! ein . alle Kinder gewiß ein gutes Zeichen! Ihm noch engere Verbindung zwischen Lei.•׳׳׳! mul Schillern wird dadurch bewirkt, daß einige Km• der auswärtiger Hltern unentgeltlich bei Herrn (>)׳ rlelirer S e 111 e s i n g e r und Heim Mr, l'.ngel In heulen europäischen Lehrern "<׳lmcn. Km; : 1׳ dann einmal schulfreie läge, so unternehmen L׳ hur mul Schiller zusamen Atisilnge. deren großer - t wohl nicht erst auseinandcrgcsct/l zu w, Braucht. So wunderte man am letzten Chanu'u. ׳'; m acht Tagen über Jericho nach dem Toten Meere, an■: Reise, deren Himlriicke heute noch den Kindern ',׳׳ü• liehen Gesprächsstoff bieten. Und wahrlich! Das onJ Ihlder. die auch, den Lehrern im vergeßlich K 's" werden. Die Kinderschar, gelagert aut dem •k' vor Jericho »der vor dem Salzmeere, um sie 1 die brennenden Ch.iimk.ililichte. ein Bild, das 11■ •ווי die Zeit gemahnen konnte, da dies noch unser e1..׳n*׳r Boden war! Wenn die Kinder solche l'iiulrue e m ihr Linglüigvilter liei iibentelmien, dann weiß ','י zu dem werden, was wir aus ilinci! machen w sn: >11 j ii d i s e 11 e 11 Juden! Zu diesem Ziele ist aber noch eins notig: d• saiimienluutg mit den älteren, besonders de ה kr Schule entwachsenen Kuulem. Aber auch daim jetzt Sorge getragen. Soeben ist das Scliulk-!!'S bei der Gründung eines Klubs, in dem die •!!•• " Kinder angemessene Lektüre und!•׳Unbildung'•!״ r rieht erhalten. Ist erst dieser Schlußstein geko יך haben wir ein Gebäude vor uns, das vielleicht : •1 klein, aber schon in sieh gefestigt ist, und das denen, die cs bewohnen, ein Beim bietet, in dem sR da״,1 *־t auf den Lebensweg bekommen, was sie für Gei'i li״J Her/ gebrauchen. Das erste Ziel ist nun erreicht. Doch schon cs, die Ziele weiter stecken, den Kindern eigen»• Räume bieten und dann die immer dringender wer• denden Wünsche der Gleichgesinnten in Jerusalem befriedigen! Möge die Schule bald auch die hier/» nötigen Mittel erhalten, dann werden wir wieder emc Strecke zurückgelegt haben auf dem Heimweg ■״* Land unserer Väter! — H• *5׳

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.