Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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46 .סא JÜDISCHE RUNDSCHAU I ( S I I i I;enoch neu :nt;!sse;teil nur ns״!cm den Dk-!11t- E0- (in• Plic 11er {CIl ra* er* ngt ag, ict, die ica nis >sishr tes örder lat. cu. en. oriSO eilt tist ein iti- ICH je u aui Vn• jer iti,: en. in 5 sc en. tcr!fte 1011 iti« on- •eritik der len ien :uc tge in! hst tut »ist Je! .011 äß* ein ren ins ine der ׳ermit das idt J11• me em irrum «Hl Seite 527 Verbindungen int K.-C. im abgeiaufenen Semester berichtet. Aktive Inaktive KartcHbrUdcr Tbtiringia (Breslau) 18 14 11 Bavaria (Heidelberg) 25 2 5 Sprcvia (Berlin) 17 10 20 l.icuria (München) 50 5 7 Oliibdinia (Freiburg .13 7 7 k’heno-Silesia (Bonn) 13 6 2 Viadrina (Darmstadt) 6 2 \ Sa. 160 46 48 Der Zwist in der A. I. (1. Wir haben in der vorigen Nummer unsere Leser;111 dieser Stelle von dem Konflikt unterrichtet, der /.wischen der Deutschen Konfcrenzgemcinschaft und dem Pariser Zentralkomitee der Alliance Israelin: Universelle anszubreehen drohte infolge von lk- Schlüssen, die von der sogenannten Siebenerkommission der D. K.-G. gefaßt worden waren, und die praktisch eine Absplitterung des deutschen Zweiges der Alliance von der Ocsamtorganisation zur Folge gehabt hatte» und nach dem Willen einiger /. Zl. leitenden Personen der D. K.-G. auch zur Folge lmt.cn sollten. Wir haben —• ausschließlich geleitet von dem Bestreben, eine solche unseres Krach• tens verderbliehe Sprengung der ältesten jüdischen Organisation zu verhindern — die etwas eigenartige Inszenierung eines Kampfes gegen die Idee der Alliaticc aufgedeckt und den derzeitigen ehrenamtlichen Geschäftsführer der D. K.-G., Herrn Pr. Apfel, mit klaren Worten aufgefordert, sieh von dem schwerwiegenden Verdachte zu reinigen, ״als Beamter der Alliance einem Kampf gegen die Alliance geführt zu halten." Wir hätten unseren Verdacht durch eine Reihe von Tatsachen stützen können und haben das nur unterlassen, weil wir amichmcn mußten, daß Herr Dr. Apfel trotz aller gravierenden Momente, die gegen ihn sprachen, durch eine offene P.rkliining j imstande sein werde, sielt zu rechtfertigen und unsere deutlich genug ausgesprochene Vermutung zu deinenticren. Herr Dr. Apfel hat das nicht getan, sondern hat g e s e 11 w i e g e 11• Wir haben es nicht nötig, aus diesem Schweigen irgendwelche Schlüsse zu ziehen, können vielmehr heute einfach fcststcllcn, daß Herr D r. A p f e I n i e 11 t d e mciiticrc 11 k o 11111 c , weil es wahr ist, was wir in der Form einer Vermutung aussprachcn. Herr Dr. Apfel hat — als eben neu ernannter ehrenamtlicher Geschäftsführer der Dciitscfiun Konfercuz-Geineliischaft der A. I. U.! — das tmredlglerfo Orlglnalprotokoll jener streng vertraulichen Sitzung der Siehciicrkominissloii dem Berliner Vertreter des Hamburger Israelitischen Famlllcnblattcs übergeben, der es selbstverständlich nicht als Privatlektürc an sich nahm, sondern cs als Unterlage zu seinem (in voriger Nr. von uns wiedcrgcgcbcnen) Artikel benutzte. Wenn Herr Dr. Apfel nicht gewußt haben sollte, was er damit tat, so wäre er wegen allzugroßer Naivitüt für den Posten des Geschäftsführers einer Organisation, wie der A. I. U., mindestens ebenso ungeeignet, wie er es durch seine unserer wohlbegründeten Meinung nach in voller Erkenntnis der Tragweite u n d i n ganz bestimmter Absicht begangene grobe Indisk r e t i 0 n tatsächlich ist. Er kann das Vertrauen, das eine Organisation von 14 000 Mitgliedern zu ihrem Geschäftsführer haben muß, fortan nicht mehr in Auspruclt nehmen, nachdem er cs fertig gebracht bat, eben ins Amt getreten, ein vertrauliches Protokoll wichtigen Inhalts veröffentlichen zu lassen und so einen Kampf zu entfesseln, der der von ihm vertretenen Organisation unter Umständen hätte geradezu verderblich werden können! Mit dieser ״Tat", deren moralische Qualit'izicrung nicht unseres Amtes ist. die aber Herr Dr. Apfel jedenfalls für besonders diplomatisch gehalten hat. dürfte er ja, kaum aufgetaucht, auch bereits wieder erledigt sein. -• Wie ist es aber möglich, daß in einer Organisation wie der Alli.uu:: solche Verhältnisse einreißen können!־' Denn cs darf doch nicht übersehen werden, daß das Präsidium der D. K.-G. über jenem Artikel mm drei Wochen hat verstreichen lassen, ohne nach dem Urheber dieser unerhörten, nur durch einen gröblichen Vertrauensbruch möglichen Veröffentlichung, zu forschen, ohne der nun einmal interessierten ()Öffentlichkeit die mindeste Aufkl.irung zu geben. Wie konnte man diese Intrigue tles Herrn Dr. Apfel, die zu ermitteln den Herren doch nicht schwer fallen konnte, ruhig weiter wirken lassen, wenn mau sic nicht billigte? Auf diese Frage» und auf eine Reihe anderer, die hier nahe liegen, wird man eine eingehende Aufklärung erwarten müssen, •zu der hoffentlich diesmal weniger als drei Wochen erforderlich sein werden!•'ragt nun der unbefangene Leser, wodurch solch•.• merkwürdigen Zustände entstehen können, daß die 0. K.-G. der Alliance ihre eine Zeit lang so lebhaft | betriebene Propaganda plötzlich fast ganz entstellt, | dall sie nach dein Tode eines Klausner zur Ueberj rasehung aller Welt einen gänzlich unerfahrenen ehrenamtlichen Gcschäftsfillircr anstelh, der selbst j mit besserem Willen mul besseren Qualitäten den zu l stellenden Anforderungen garniebt genügen konnte. I daß sie ruhig znsieht, wie in jüdischen und nicht- ( jüdischen Hliittern ein gehässiger Kampf gegen die I Alliance aus ihrer Mitte heraus entfesselt j wird, — so wird man antworten müssen, daß daran j nicht nur die derzeitigen Leiter der Deutschen Kon- fcrcnzgcmeinseli.ift allein die Schuld tragen, sondern letzten Endes auch das Zentralkomitee der 1 A. I II. selber. 1 Wir Zionisten, die wir ja auch sonst Grund genug hatten, mit diesem Zentralkomitee recht un/,11- ,frieden zu sein, haben seil Jahren auf die ״unglaubliehen Verhältnisse in der Alliance" hingewiesen und eine Aenderung verlangt. Aber wir taten cs nicht in der Tagespresse, sondern in Aliianccvcrsammlungen, in unseren eigenen Zusammenkünften und in unseren Zeitungen. Und wir taten es nicht, um die Alliance zu zerstören, sondern um sie aus steh heraus zu reformieren! Jetzt bekommen die Pariser Herren des Zentral- ' komitccs einmal zu spüren, wohin es führt, wenn man eine so große Organisation so verkommen und erstarren läßt, daß man in zwanzig Jahren vielleicht einmal Neuwahlen ausschreibt! So geht cs nicht weiter! Das werden jetzt, nacli-j ׳ dem unsere langjährigen Gegner auf einmal auch die ״unglaubliche Wirtschaft" entdeckt haben, wohl alle beteiligten Faktoren einschen und eine Aenderung herbeiführen helfen, die solche selbstmörderischen Kämpfe unmöglich macht, weil die sielt ständig selbst erneuernde Organisation stets auch den nötigen Ausgleich der Kräfte und der Meinungen herbeiführt. | Nachdem die für letzten Mittwoch anberaumt 1 gewesene Sitzung des Zentralkomitees der A. I. U. 1 verschollen worden ist. wird man sich bis zu der Junuarzusammeukunft hoiicntlich auch über Mittel und Wege einigen, die Alliance der Idee ihrer ' Gründer wieder näher zu bringen. Denn nur dann hat sic eine Existenzberechtigung. Und nur dann; wird sie dauernd den Experimentierkimsten Unbe- I rufencr unzugänglich sein, wenn sie ihren Statuten und ihrer Tätigkeit nach eine wahre Alliance ls•! raelite Universelle• ist. Russische Landeskonferenz der Organisation rar hebräische Sprache und Kultur (Von unserem Spczialbericliterstaticr). Nun ist diese Konferenz, die in der Entwicklung der neuen hebräischen Bewegung eine wichtige Etappe bedeutet, zu Ende. Fast eine volle Woei•: lebten wir hier in einer hebräischen Sphäre, die nichts Künstliches an sieli hatte, die von tiefer H׳> geisterung für die großen N'ationalgiiter unseres Volkes getragen war. Hier, in einem sitdriissisclieu Zentrum, wo unsere Brüder unsäglichen Drangsalierungcn ausgesetzt sind, war unvermutet ein cigenjiidisches Milieu wie liervorgczaubert, wurde .111 unserem zukunftsreichen Kulturwerk mit Hingebung und hoffnungsvoller Begeisterung gearbeitet. Einige Momente aus dieser Zeit werden allen denen iinvergcßlich bleiben, die sie mitcrlebt haben. So die j große hebräische Versammlung, in der Bialik mul Sokolow vor einem tausendküpiigen Publikum über die Entwicklung der hebräischen Sprache und die tiefen Zusammenhänge zwischen Volksleben und Kultur sprachen. Die Stimmung in der Versammlung war überwältigend, unbezähmbar. Die den lieferenten bereiteten Ovationen sind unbeschreiblich. Von hinreißender Wirkung war auch Bialik s Referat auf der Konferenz über den hebräischen nis sollte cs lebendig am Spieße gebraten werden, während die Mutter, einer gereizten Löwin , gleich, den grausamen Vater mit unzähligen | Vorwürfen überschüttete. ״Mann, wie kannst j du tutr gegen dein eigen Fleisch und Blut so; hartherzig, so tyrannisch sein! Siehst du denn \ nicht, wie schwer das Kind leidet, daß es totj krank ist! Ich danke und lobe Gott, daß es ein ן Bißchen spielt, um die Schmerzen zuv ergessen. Du aber bist ein Rabenvater und gönnst ihm nicht die kleinste Freude.“ . Wie ein begossener Pudel verkroch sich der Mann in die fernste Sofaecke, um die Bissen! schweigend und schnell hinunterzuwürgen, be* gleitet von Hindes Dolchblicken, die durch lautes Klappern mit dem Geschirr auch ihrerseits einen Protest gegen ein solches unväter• lichcs Betragen bekunden wollte. Beklommen und kopfschüttelnd pflegte der Mann wieder ins Geschäft zu gehen, die Erziehung seines einzigtn Solmes auch ferner der Frau und der Köchin zu überlassen. So kam der große Schabbos für Schimme’s Bar-Mitzow heran. Als er zur Tora aufgerufe nwurde und die Broche mit Ach und Krach, unter Stocken und Stottern von der vorgchaltcnen Tafel abgeleiert, da wußte sich die Mutter vor Freude kaum noch zu fassen und ihre Tränen flössen unaufhörlich. Als Belohnung für diese kolossale Leistung erhielt Schimme vom Vater eine silberne Uhr geschenkt und eine zweite goldene von der Mutier zugesteckt, so daß der Vater nicht wieder bruinmen und zanke konnte, als Schimmeleben ihr nach wenigen Tagen das Eingeweide herausgerissen und schließlich für einen photographisehen Apparat vertauscht, der bald von seinen Leiden, durch fortwährendes Hämmern und Stoßen, auf dem Kehrichthaufen ausruhen konnte. (Fortsetzung folgt.) Ein neues Buch über Russland Soeben erschien in Ueni bekannten ״Verlage für Börsen- und Finanzliicratur" ein von Hofrat Dr. Axel von Houstedt und Davis Trietscli herausgegebenes Werk: ״Das Russische Reich in Europa und Asien, ein Handbuch über seine wirtschaftlichen Verhältnisse".•) Das'Buch will Zustände und Möglichkeiten Rußlamls : cltildcm und wird dieser Aufgabe in weit- *) Preis elegant gebunden M. 8,—. Umfang 15 Bogen Kleinquart (doppelspaltlg). gehender Welse gerecht. Den Herausgebern haben die besten amtlichen Quellen und Materialien zur Vcrfilgung gestanden, so daß jeder, der mit Rußland za , *״n hat oder seine Geschäfte dahin ausdelmen möchte,; , an diesem handlichen Nachschlagewerke <jinen zu-! verlässigen Ratgeber finden wird. 1 I Die Behandlung der politischen Verhältnisse I ist auf das allcrnotwendigste beschränkt. Von den , | Juden handelt ein kurzes Kapitel, das unseren j Lesern nichts neues bietet, dagegen iindet sich unter; dem Kapitel .,Versicherungswesen" ein sehr intcressanter Hinweis aut die Bedeutung des jüdischen Bcvölkerungselementes für diesen Zweig der Volks- Wirtschaft. Hin speziell jüdisches Interesse hat das Buch nur insofern, als aus dem wohlgcglicdertcn Inhalt immer und immer hervorgeht, was für ein reiches Land voll ungehobencr Schätze dieses Rußland ist. die unter gesünderen politischen Verhältnissen aus dem viel zu wenig bekannten Riesettrcichc ein Ziel der Einwanderung aus allen Nachbari gebieten marhen würden, während heute durchaus nicht nur die Juden auswandern! — Was dem Lande am meisten fehlt: Bildung, Initiative und Kapital, das sind gerade die Dinge, die die Juden noch jedem Lande geboten haben, das ihnen eine einigermaßen freiheitliche Entwicklung ermöglichte. Ob diese Erkenntnis auch den russischen Machthabern in absehbarer Zeit aufdämmern wird, davon hängt zu einem guten Teile die wirtschaftliche Zukunft Rußlands ab. aber auch für die jüdische Welt, die ja fast zur Hälft״ im russischen Reiche lokalisiert ist, liegt hierin eine Frage von überragender Bedeutung.