Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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IUED1SCHE RUNDSCHAU Seile 514. 1‘aiiscr Xcmralc sie zu der BeUeutunKslosiKkeit uuusi eines lnkiissobtiremis licrabdriicken, dem» z u tu Za 111 eu sind die Deutschen in Immer K »t. Die KCiiule/.u u tu: lau bl i c 11 c 11 Verhüllnisse in der Alliance lassen das Bild des deutschen Michels, das schon ganz verblaltt war. in seiner Käuzen Ulorie unterstehen. Die Alliance hat in l'rank reich selbst keine lausend MilKlieder. in Deutschland aber das hindert jedoch nicht daran, dall im Pariser Zentralkomitee 2א französische und nur 23 deutsche MilKlieder sit/eit. Der tranzösisclie Hcamto Salomon Rein,ich. ist der wirkliche, unumschränkte Leiter der ״Alliance'' und wenn Herr Salomon Roinuch, der alles andere eher ist als .Itule siehe seinen ״Orpheus" mit Macht an seinem Amte klebt, wir sagen: klebt, denn er hat sein Amt, das statutenmältiK längst uhcel,tttfeii ist, ttnKCsctzinilhi« innc , so kann nur die VertrelmtK der französischen Interessen der Urmul dafür sein. ... Aut K». November findet eine Zentralkont'lec* sitznitK der Alliance in Daris statt, die die Rechte der deutschen Konfcren/.Kcmeinschaft feststcllen soll. Hoffentlich iehit keiner der deutschen Herren und zeiKcn die deutschen Herren!!ncrgic in der Vcrtrennt« ihrer hereehtiKtcn Interessen, denn das SeltwerKew icht der Alliance licKt läiiKst ht Deutschlattd und ihr Sitz miittte danach Berlin sein. Doch wenn das auch in Berücksichtigung der Entwieklttngs* Kcschichtc der Alliance nicht vcrlatiKt wird, so muH dennoch vcrlattKt werden, dall mit der anto• kra tisch en Herrschaft und der Ver- 1 e t z tt n k berechtigter deutscher Int e r e s s c 11 c n d I i c )1 c i n m a I a u f g c r ä 11 m t w ir d!" * * Wir wollen weder mit unseren Lesern »och mit denen, die es zunächst angcht, lange Vorstecken spielen. Dazu ist auch die Sache zu ernst. Was mit diesen Veröffentlichungen bezweckt wird, das ist 11 i c h t n « r der Kampf gegen die französischen Tendenzen der Pariser Alliance-Leitung — in diesem Kampfe waren wir allemal auf der deutschen Seite, weil sie zu• gleich auch die jüdische war! — nein, das ist jetzt eine Kampagne gegen die Grundidee der Alliance Israelittc U n iv e r s e 11 e ־*־ und diesen Feldzug werden wir niemals mitmaclten! Denn die Alliance hat — in jedem Falle — noch ganz an* eiere Aufgaben zu erfüllen, als die jetzigen Kan* tönlipoliiikcr der Deutschen Konfereuzgemun* Schaft sich träumen lassen. Ob und wie sie sie erfüllen wird, wissen wir so wenig wie andere aber dall sie selbst ihre kleinen Aufgaben nicht wird ei fidlen k ü 11 n e n, wenn sie in einige kleine territorial geschiedene Soiulergruppcn zerfallen sein wird, das vorausz.usagen braucht man kein Prophet z.n sein. Zu Klausners Zeiten wäre natürlich eine solche Ausartung der Bestrebungen gegen das französische Ucbergewicht in der Alliance nicht möglich gewesen, denn dieser wirklich geniale Mann hat stets, anders wie seine jetzigen heuchkrischen Lobredner, das vollste Verständnis für die wahren Aufgaben der Alliance gehabt. Wer j ist es also, der jetzt diesen tust ־/.. T. wenig cm- ( wandfreiett Mitteln geführten Kampf gegen die; Alliance inszeniert? Daß eines der Mit• , g 1 i e d e r der S i e b c tt e r k o m m i s s 1 o n j dem Hamburger Familienblatt das Protokoll jener Sitzung zugeschanzt haben sollte, muh nach unserer Kenntnis der Dinge als ausgc* schlossen gellen. Außer ihnen nahm aber nur ׳ noch der in derselben Sitzung eben erst zutu . e 11 r e n a m 11 i e 11 e n Geschäftsführer . der D. C.-G. ernannte Dr. Apfel au den Hera* hingen teil. Herr Dr. Apfel, der sicher d m 1 j nicht deshalb, weil er Beamter im Lltreu* j amte ist, meinen kann, weniger Beamter zu sein als ein besoldeter Geschäftsführer, wird sieh also von dem Verdacht reinigen müssen, auf etwas merkwürdige Art als B e a m t e r der Alliance einen Kampf gegen die A 11 i a 11 c e geführt zu haben. Die Kurzsichtigkeit einer solchen Kirchiunnspolilik, den deutschen Zweig der Alliance von ihr los/.ttreißen statt durch ihn Einfluß aut die Alliance zu nehmen, braucht Leuten, die in jüdisch-politischen Dingen weniger unerfahren sind, gar nicht erst auseinaudergesetzt zu wer• den.- rüstiiüK Spruch cs von der Selminch des vorig״! Jahr. hmUerts u"‘l nahm inshov.Mcre die heulen aiitisg. ״Mischen .luKemlbildiier «chöri« aufs Ko!״, Um das Ucbcl Kleid» mit der Wurzel aus/,ur<üte״, besahen .eich die beiden einzigen Mischen der ji.usditiuliehen l'artci :mKchörcndcn Sr.nUvemröiicton zu״, OhcrbiirKernicister. Oh der Versuch. d.,s 1,'uust KeKcn die beiden ״niiscimtisclicu l*in!.,l׳.Wn scharf 11׳ machen. Kelimgcn ist. verum« kt! ״״\ nc. stimnithe'it nicht anz«Kcbe». Ls berrsei,.!. ־!..!über zwei entgegengesetzte Versionen. >*«AV, jeden, falls bekannt ««worden, da!» der eine -״י! sieh iit seine auUeiamtlicUen privaten ׳! Auge. k־ue nJiciUii nicht Inncütrede» lassen will. Dies isi der Sachverhalt, der zu einer kleinen (lolmsJien Aus eimiulcrsetzung zwischen den hiesigen Vvi-mcu du fmtschrittliehc» Volkspatte» mul der du״, a!.< ״sehet VereiniKum; Veranlassung goteben hat. Die demokratische Vereidigung luhuiiptvi. Ine su ein Verbreche״ bcKattKcn gegen den li.ittgeu (ko des Liberalismus und der Demokratie. Nicman dürfe wckcii seiner politischen (i.-sinnting ״;!d der 1; Rahmen des (iesetz.es erfolKendet» Betätigung diese UesiimmiK gcmallregelt werden. Hiergegen sei v. den freisinnigen Stadtverordnete״ gefeit.t ssorde was um so schwerer wicKe. als die iortsehritthei Volksparki gegen MaltreKehmnen freiMdmger Lelu energisch b'roiil mache und den (innulsat/.: tileieli י Recht für alle' für sich in Anspruch nehme. Atu kommenden Mittwoch findet in Paris die Sitzung des Zentralkomitees der Alliance I statt. Was da im Einzelnen verhandelt wird, 1 sind interne Angelegenheiten der Alliance - was! aber keine interne Frage ist, das ist die Lxistenz-; frage der Alliance selber, die aufgerollt worden ist durch eine zuerst im geheimen und mm auch öffentlich geführte Aktion gegen die Einheitlich• Leit der ältesten jüdischen Organisation, die sich selber aufgibt, wenn sie nicht mehr ist, was sie war und sein sollte, eine Alliance 1 s r a e l i t e Universelle! Den französischen Chauvinismus aus ihr zu verbannen, ist eine gute und ernste Aufgabe — den deutschen an seine Stelle zu setzen: ein frevles Spiel mit großen Interessen der Juden• heit, für das diejenigen, die es unternehmen, die Verantwortung zu tragen ganz gewiß viel zu : klein und schwach sind! Jüdischnational In der westfälischen Metropole hat sieh etwas sYhrcckliehvs;׳.tiae■iraKen. l'.me;mtiscinilische Ortsj Kruppe ist gegründet worden. Und es herrschte da roh ן krolle Bestürzung i« der jüdischen HiirKcrschaft. die I in dem schöne״ Wulm befangen war, die Judenfeind* I!!ehe Bewegung Inhe in dieser Stadt seit la״Kem eud* I gültig mtsKespielt. Zn der Bestürzung Kesellte sieh! der Unmut darüber, dall zwei .lugcmlcr/ichcr, ()herlehre r au den städtischen (iynmasitn. die LeituiiK der jiideiüeimlliehctt (huppe übernommen hatten. Das ire1.\im1i«e Darteil'latt nahm sieh der Sache an, als oh es sieh um seine eiKcnc handelte. Voller l'.nt- Die fortschrittliche Voll• spanei sali sich m en; schwierigen Lage. Innerhalb der Partei sind eiin Stimmen laut kcworden; m..u halle besser abwan .! sollen, ob jene Lehrer auch im Schulunterricht ü e antisemitische Ader entdecken wurden. Man k 4 aber sehliedlieh dahin überein: Mn der jortsehn :• liehen Volkspartei habe die Sache Kar inchts zu 114. die beiden fortschrittlichen Stadtverordneten luit'.n IcdiKlieh in ihrer l!iK.*n.sehafl als jüdische Burger r Stadt s״r dem erstell Beamten ihr bekümmertes IK./;׳.nsKcschiMtet. dalt er tten (icKt der Schule von d a (iiflliaueh des durch jene Oberlehrer vertretenen ' tisemitismiis bewahre: Kegen dieses Vorgehen! ׳.• sorgte!' Burger sei auch vom Standpunkte der t׳;• schrilt!1el1.:n Volkspartei nichts eiu/.nwciiden. Damit beginnt die Sache inr uns ■hulcii 111; :• cssant zu werden. D.s mag vorweg bemvtkt weid!. dal; das Ymgeben der beiden Stadtverordneten \ו;יי Standpunkte der jüdischen Interessen aus. so gut meint es auch war, als durchaus unzv eckmalhg ».;ul ur.klttg bezeichnet werden 111111'! mul nur erklärt w den kann ans einer übertriebenen Acngsthclikcit. . . wiederum auf Unkenntnis der gesamtjndiselien V l.ältnisse ziiriickziiiulireii ist. Wie sich bereits ge/v e: hat. wird durch solches Handeln das liegciiteil de*.’׳־:! et reicht. Was beabsichtig! wai. I's duiile .d!e! a!ut: weiterhin keinem Zweifel unterliegen, dai! Jas V ,׳• Killen der beiden Stadtverordneten dem tieistv i.iheralisiims widerspricht. S<. 1s! es denn m dies;4 •.’alle datuiigekommeu. dal; der Verein der n>", sehriithchcn Vollsparlei. die u.durtich 1111 Rah!!.'.:! ihrer Kompetenz einen Verstoü gegen diesen ‘״ 't uieht duldet, für ihre jüdischen Anhänger, soweit »י־ sieli eben um besondere rein indische Interessen 1;" delt. ein Austiahmereeht konstituiert, und dall lei ׳.״r foriscliritlliehe Sladtserordnete in bestimmten Du:. ■ lediglich als indische Burger angesehen wc: Ein Lotteriegewinn ohne Lotterielos Humoreske von M. P ulvcrman n. (Fortsetzung.) Verlegen lächelnd drehte Reb Schimtne das Pfeifenrohr in seinen Handelt und sprach kleinlaut: ״Lieber, guter Herr AVj« Kosvi, nehmen Sie es mir nur nicht übel. Aber besser ist besser, I und was man schwarz auf weiß hat, kamt man | getrost nach Hause tragen. Bis morgen früh könnte ich cs am F.nde doch noch vergessen.“ ״Das lasse nur meine Sorge sein. Ich weiß ein guks Mittel gegen Vergeßlichkeit. Paß auf, was ich dir letzt sagen werde. Schließe deine Augen ganz fest zu, und bei deinem Leben rate ich dir, sie nicht früher z.u öffnen, bis ich ״jetzt“ gerufen, dann wirst du bald sehen, was passieren wird. —“ Reb Schinune tat, wie* der Prophet geheißen, und kaum war dieses geschehen, da fühlte er einen gewaltigen, mächtige» Nasenstüber, daß * er dreimal laut niesen mußte, wobei er gewaltig mit dem l linterkopf auf den Bettrand aufschlug und dadurch — erwachte. Als er seine fünf Sinne wieder beisammen iimie, gnu er uasug uacn seiner in«isc*, ote aner merkwürdigerweise gar nicht weit tat, um dann; den Kopf zu befühlen, der zwar ein wenig; schmerzte, aber Dank der dicken Schlafmiitz.e! auch noch ganz und heil geblieben war, dann ' rieb er sich die Augen und erkannte, daß er alles; nur geträumt hatte. 1 Aber gerade darum war sein Herz voller Wonne und Jubel. Hatte er doch erst vorhin, nach der Uawdolo gebetet: ״Aschre tni seberooh Ponow ba-C.halaum! Heil dem, der das Antlitz des Propheten iut Traume gesehen!“ Und ihm ist ja das große Heil widerfahren! F.r hat ihn gesehen und mit ihm gesprochen! Bald ist darum seine Not und Armut beendet! Bald ist er wieder der reiche Mann wie ehemals! — Mit einem Satz, sprang er aus dem Bette, zündete hastig ein Streichholz an und schrieb, gegen den ausdrücklichen Befehl des Propheten, die Zahlen - sicbenundvicrzig — neunutuldreißig — acht -־ mit der Kreide auf den 'l isch, die noch von dem ITanzefuß dalag. Vorsichtig stellte er noch ein kleines Reiscköfferchen darauf, damit die Zahlen ja nicht verwischt werden. Mit einem Seufzer der Erleichterung, als ob er, wer weiß welche schwere Arbeit verrichtet, suchte er wieder das warme Bett auf und fing an, sielt che ganze Sache nochmals mit au•׳ Ruhe zu überlegen: AI je Nowi hatte iluu d ■ Nummern direkt vom Himmel gebracht, ׳< י zweifellos, totsicher heramkoinmeit werd׳ Allerdings hatte er nur von fünftausend Cmld gesprochen, die er als Mitgift für Rac! ' brauchte. Was aber dann? Was bleibt da:, für ihn selbst übrig? Wie soll er z.u seinem cl. maligen Reichtum wieder gefangenV Wäre 1 daher nicht klug und weise die Oelogenh• beim Schopf zu nehmen, den Einsatz zu vor/eh; fachen und dadurch mit einem Schlage d.: reiche Reb Schimnte Lotter zu werden, der e: einst gewesen? — Warum sollte er eigentlich zögern? Endlich, endlich, war ja das (ilm׳. wieder zu ihm gekommen, mul er war fest uii• schlossen, es auch fest zu halten. Ja abe: woher den großen Einsatz beschatten? Linci;! anderen das Geheimnis offenbaren und als Teil■ haber nehmen? Das wäre jammerschade! Einem anderen einen solchen l laufen Geld D clen Schoß werfen! Osser! So dumm war Reh Schimtne Lotter nicht. — Wie aber doch d•1' viele Geld für ein Los herbekommen? So lag er eine ganze Stunde da und /v!'־ marterte sein Gehirn, ohne seinen Ausweg <׳׳“ finden, bis er schließlich wieder einschlief u»1l bald ein lautes Schnarchen hören ließ.