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Jüdische Rundschau · 1910-11-11 · Heft 45 (11.11.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 45 (11.11.1910)
Date
1910-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnomonta tat die wöchentlich am Prel• tat erichclnende ..Jodlicho Kundichau" koitea bei der CiDedltlon und bei allen Poit• Imicrn vierirlilhrllch 1,25 M. auiserbilb DeuUchlandi and Oeaterrelch-Uniirnt 2,— M; lar MHtlledcr tödlicher Veralt• Im Sammelbeaut durch den Verein I,— M. Varlai Jldlecka Rundichaa C. O. m. b. M. Berlin SW. U. Zlaiaantr. TT. Qeacblltuiundea: ) blt 7 Uhr •ataer Sonaabead •ad Sonata(. ■■■•*• *׳W'l■■ •‘•יי*■ וי wQDHU I I I I I I I « I I I I ־1יזזי׳/לו ח <׳ v!, ׳•, ־ r I I I I I I I I I I I I —\ Anzolpon honen (Br die tOalieepallena Petitfelle oder deren Kauin 25 PI*.! Stellen-Amebote and Oeiucbe towle VerelnimU* tellunten 0. ״Kleine Anteilen nur 15 PI«. 0 0 0 0 0 0 0 ■ Manuikrlne werde», wenn Porto bellleit. »teti torOck* netandt. - Kedakiioniicbluin Mittwoch vormman. Radahtlon Jddlache Rundtckaa Oerlln-Charloitenbur*. Dlelbtreuitr. 4f. Tel. Ch. 1881. Sarechitunden Dlenita* und Doaacrtti* 5—6 nacbmitta«». BlhHIUtll•«•. AlULSd^SOKId §)(U)(I0OS<SC=3<3 SdOTtUKIö .tMBiggBBBppeBBWT Nummer 45 Berlin, den 11. November 1910 9. Cheschwan 5071 XV. Jahrgang Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Baseler Programm. j Alliance Isradiite Universelle 1 Als im Jahre 1S60 die Alliance Israclitc Uni* verseile begründet wurde, gab es, von einigen berufsmäßigen Flaumachern abgesehen, kaum Juden auf der Welt, die diese neue Organisation nicht freudig und mit großen Hoffnungen he* grüßt halten. Denn so unscheinbar ihr Programm auch klang, so bedeutungsvoll konnte seine Ausführung unter ci.vr sieh ihrer Ver,int* u ortung und der Größe ihrer Aufgabe voll bewußten Leitung werden. War doch ihr Ziel: 1. tJebcrall die Emanzipation und den moralischen Fortschritt der Israeliten anzustreben. 2. Denen eingehend Hilfe zu leisten, die i n ihrer F. i g c n $ c h a f t a 1 s Israeliten zu leiden haben. 3. Alle Publikationen zu unterstützen, die /u diesem Ergebnis führen können. Man hätte es der Leitung der Alliance, die den stolzen Wahrspruch in ihrem Wappen führt ״Ganz Israel bürgt für einander!“, nicht allzu* sehr verübelt, wenn ihr die Ausführung ihres groß gedachten Zieles nicht immer ganz gclun* gen wäre ־־־ wofern sic es nur immer ganz und groß gewollt hätte. Hier wäre es in der Tat bisweilen bereits ein Erfolg gewesen, das Große gewollt zu haben. Leider blieb sie im Beginn bereits stecken und nahm das, was ein verheißungsvoller An* fang sein konnte, das Schulwerk, allgemach zum fast einzigen Arbeitsgebiet. Und auch hier war und ist die Tätigkeit der Alliance, wie be׳ kannt, nichts weniger als einwandfrei. Die AHiance, die eine jüdische und eine universeile Allianz sein sollte, geriet mehr und mehr ins Schlepplau der Politik des Auswärtigen Am* tes am Quai d’Orfay und wurde eine f r a n z ö * s i s c 11 c. Daß dagegen besonders die deutsche•! Mitglieder der A. I.U. zu protestieren begannen, ist nur natürlich, und das konnte und sollte eine gesunde Reaktion hervorrufen gegen die immer mehr französisch werdenden Aspirationen der Pariser Leitung der Alliance. Wir Zionisten, die wir den allgemeinjüdischen Teil unserer Arbeit durchaus mit Recht für die gerade Fortführung des leitenden Gedankens der Alliance-Gründer ausehea dürlen, waren und sind gerade deshalb sehr oft genötigt, gegen die leitende Körperschaft der Alliance aufzutreten. Wir sahen deshalb auch in der vor einigen Jahren erfolgten Begründung der Deutschen K o n f e r e n z g c!11 e i 11 - schaft der A. I. U. einen zu begrüßenden Fortschritt, weil diese geeignet erschien, den exklusiv französischen Charakter der Tätigkeit der Pariser Zentrale zu paralysieren und sie wieder rein jüdischen Zielen zuzuführen. Daß dabei an dem Grundgedanken der Alliance Israclitc Universelle nicht gerüttelt würde, der uns wie allen Juden ein großer und erhabener Gedanke ist, das war so selbstverständlich, daß es nur ganz gelegentlich einmal besonders be* tont wurde. Mit dem letzten Präsidialwechsel in der Deutschen Konferenzgemeinschaft und nament* lieh mit dem Ausscheiden des um die Alliance hochverdienten M. A. Klausner — das ja vor seinem tragischen Tode bereits eine bej schlossern• Sache war, scheint sich nun aber mancherlei geändert zu haben. Das Hamburger ״Israelitische. Familienblatt“ brachte in seiner Nr. 43 einen Artikel mit der Ueberschrift ״Deutsche Konferenzgemein* schaft der Alliance Israelite Universelle“, den wir im Auszug wiederholen müssen, um unseren Lesern verständlich machen zu können, um wel* clien großen, nicht eben geschickt vorbereiteten Sthachzug es sich hier handelt, ln dein Artikel heißt es: ״Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, ist auf den 16. November nach Paris eine Sitzung des gcsamten Zentralkomitees der Alliance cinberufcn. in welcher die Unstimmigkeiten zwischen der ״Deut* sehen Konfcrcnzgcmcinschaft" und der Pariser Zentralc zu definitivem Austrag gelangen sollen. _ In einer kürzlich abgehaltcnen Sitzung der seiner Zeit von der Kofcrcnzgcmcinschaft eingesetzten Siebener* kommission wurde u. a. der Beschluß gefaßt, an die deutschen Mitglieder des Zentralkomitees ver* mittelst Rundschreibens das dringende Ersuchen zu richten, an dieser Pariser Tagung vollzählig teilzunehmen. Bekanntlich gehören zum Zentralkomitee, das Insgesamt 68 Mitglieder zühlt. 23 deutsche Juden, wahrend Frankreich 28 Mitglieder in das Zentralkomitce entsendet. Die Wünsche der ״Deutschen Konfcrcnzgcmeinschaft". die in einem von der Sicbcnerkommission jetzt gutgeheißenen Statutenent\v׳»rf nrilcrgcicgt sind, haben bisher die Billigung des Zentralkomitees nicht erhalten, werden aber die Grundlage der Verhandlungen in der Pariser Sitztmt׳ des Zentralkomitees am 16. November bilden. Wir sind ferner in der Lage, unsere Leser dahin zu informieren, daß sich das Pariser Zentralkomitee in einer Sitzung von F.ndc September, an der zwölf Pariser Herren und Herr Picard-Frankfurt a. M. als (last tcilnalmicn. über die Stellung und das Verhältnls der ״Deutschen Konferenzgemcinschaft" zur Zentralc dahin schlüssig gemacht hat. daß das deutsche Bureau lediglich als Filiale der Alliance zu fungieren habe, die keinerlei Anspruch auf irgend welche finanzielle Selbständigkeit erheben dürfe. Unter keinen Umstünden sei cs der ״Deutschen Konferenzgemeinschaft'‘ gestaltet, auch nur über den geringsten Teil der Beitrüge zu verfügen. Hin für uns deutsche Juden besonders wichtiger Beschluß wurde ferner in dieser Zentralkomitee- Sitzung gefaßt, nämlich über die Beteiligung der Alliance an der ״Deutschen Zentralstelle f 11 r jüdische W a 11 d c r a r in c n f 11 r s o r g c". Bekanntlich hat die Alliance bisher die sogen. Bcrliner Abfertigungsstcllc für jüdische Durch- und Auswunderer mit einem Betrage von etwa 10000 Mark subventioniert. . . . Die Pariser Herren des Zentralkomitccs der Alliance haben nun in der schon erwUlmtcn September-Sitzung jede finanzielle Beteiligung an der W and e rar men ־ f it r s o r g c a b g e I c h 111 und jede Verwendung von (leidem der Alliance für diesen Zweck untersagt. . . . Verständlich wird diese auffallende Ab- Iclimmg des Pariser Zentralkomitees in Sachen der Wandcrarmenfilrsorgc. wenn man erfährt, daß Herr Rclnach, der Vizepräsident der ״Alliance Israölitc Universelle" geäußert haben soll: ״Für die russischen Juden haben wir nicht s." Die ״Deutsche Konfercnzgcmclnschaft" teilt diesen Standpunkt nicht. Wenigstens hat ihre Vertrauenskommission. die ״Sicbcnerkommission". vor allen! die Forderung aufgestcllt. daß ihr von den Geldern, die in und aus Deutschland der ״Alliance" zuflicßcn. die Hälfte zur Erfüllung ihrer Spezialaufgahcn in Deutsch* land. ferner zur Bestreitung der Vcrwaltungs* und Propagandakosten zur freien Verfügung gestellt werden solle Diese finanzielle Frage bildet die eine Differenz, das zukünftige Verhältnis der Konferenzgcmcinschaft zur Zentrale in Paris die andere Meinungsverschicdcnhcit, die der friedlichen Lösung noch immer harren. Bemerkenswert erscheint schließlich, daß die Pariser Herren in ihrer letzten Sitzung cs ganz ruhig Zugaben, daß cs sich für sic. dabei uni eine Rcmcdur des Verhältnisses handle, das bisher von ihnen unbeanstandet geduldet wurde. . . ." Dieser Artikel, der mit seinen detaillierten Mitteilungen aus einer streng vertraulichen Sitzung der genannten Sicbcnerkommission nur durch eine grobe Indiskretion in das Hamburger Blatt gelangt sein konnte, mußte stutzig machen. Wir wandten uns daher am 31. Oktober mit folgender Anfrage an das Bcrliner Bureau der Deutschen Konferenzgemeinschaft der A. LU.: Sehr geehrte Herren! Das Israelitische Familicnblatt (Hamburg) bringt in Nr. 49 einen längeren Aufsatz über Differenzen zwischen dem Zentralkomitee der Alliance IsraClitc! Universelle und der Deutschen Konfcrenzgemcin- 1 schaft. Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns mittcilen wollten, nach welcher Richtung hin diese Angaben den Tatsachen entsprechen. Mit vorzüglicher Hochachtung ctc. Darauf erhielten wir folgende vom 3. November datierte Antwort, die leider wenige Stunden zu spät in unseren Besitz gelangte, als daß wir die Angelegenheit noch in voriger Nummer unseren Lesern hätten unterbreiten können: Sehr geehrte Redaktion! Auf Ihre Anfrage vom 31. Oktober erwidern wir ergebenst, daß das Präsidium der D. C. G. der Veröfientlicliung in Nr. 43 des ״Hamburger Familienblatt" fcrnstcht. Die in der Ocffentlichkcit bekannte Tatsache, daß zwischen der Pariser Zentralleitung und der D. C. G. Differenzen bestehen, kann nicht goleugnet werden. Unbegründet erscheint aber der gegen das Präsidium erhobene Vorwurf, daß es über diese Differenzen die Ocffentlichkcit nicht informiere. Das Präsidium der D. C. Ü. wird sicher nicht verfehlen, von der Erledigung der Differenzen nach der einen oder anderen Richtung hin der vollsten Ocffentlichkcit Kenntnis zu geben. Wir wären Iltndn dankbar, wenn Sic diese Mitteilung in Ihr geschätztes Blatt aufnehmen würden. Mit ausgezeichneter Hochachtung Deutsche Konfcrenzgcmctnschaft der ACIancc IsraC-lltc Universelle. Der Vorsitzende. (gez.) T imendorfer. Diese wenig sagende Antwort konnte uns natürlich nicht befriedigen. Abzuwarten, bis die Sache ״nach der einen oder der anderen Riehtung hin“ erledigt sein wird, kann umnöglieh Aufgabe der Ocft'cntlichkcit sein — in einer Angelegenheit von so eminentem jüdischem lntercsse, wie es die einheitliche Weiterexistenz der Alliance ist! Wem nämlich die Augen noch nicht darüber aufgegangen waren, was liier vorgeht, der mußte es schließlich begreifen, wenn er vor einigen Tagen in der Berliner ״Nationalzcitung“ (!) das Folgende las: ..Von einem deutschen Mitglicde der Alliance lsraölitc Universelle wird uns geschrieben: Die Alliance Isradlitc Universelle, die trotz ihrer 14 000 deutschen Mitglieder unter 40000 Gcsamtmitgücdcrn ausschließlich französische Kulturintcrcsscn in ihren fast 40 (XX) Zöglinge umfassenden Schulen im Orient verfolg!, machte, durch die Presse gezwungen, an ihre deutschen Mitglieder seinerzeit die Konzession, ihnen eine besondere Organisation — die deutsche Konferenzgcmcinschaft _ zuzugcstchcn und die Berücksichtigung der deutschen Unterrichtssprache zu versprechen. Seitdem sind eine Anzahl von Jahren vergangen — und das Versprechen ist Versprechen geblieben —, und nicht allein das: jetzt nach dem Tode des genialen Geschäftsführers der deutschen Konferenzgemcinschaft M. A. Klausner möchte die

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