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Jüdische Rundschau · 1910-11-04 · Heft 44 (4.11.1910) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 44 (4.11.1910)
Date
1910-11-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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fUEDISCHE RUNDSCHAL Seite 504 No. 44. ismcrteig nicht existieren Könnte: das ist oft ircfnlili und zuweilen gesagt worden. Vor dreißig Jalircit noch lebten Millionen, die in vorkapitalistischen Ue• fitlileu wurzelten, die sich unter vormürzlichen Kulturfointen nuflebtcn. die ein nach Scholle duftendes Leben ohne Risiko, mit fester^ ״Nahrung", als Ideal verehrten. Her guieke, aus Temperament und Uediirfttis freizügige. nach Goldwerten sich orientierende Jude war ihnen ein Greuel; ein nationales und wirtsehaftliches Menetekel. In dieser Hinsicht, und nicht nur in dieser, hat sielt Westeuropa, ohne Schminke zu reden, ״verjudet". Pas heißt: der Jude war der Vorläufer des zukünftigen l'.nropäers. war jedenfalls Nietzsche hatte hier eine wundervoll richtige Ahnung — von vornherein auf ihn angelegt, während der typische Deutsche nur unter Martern die Naheischnür zu seiner früheren gemütlichen. Kleinbürger• liehen Privatcxisienz, durelischnitt. Aber dieser Schnitt ist getan und bis tief unter die konservativen Elemente des Landes - des Hinterlandes — hat sieh die kapitalistische Stimmung und Wertungsart eiligefressen: auch dort hat man sich daran gewöhnt, ohne Hlinzelu dem Kapitalismus ins goldgcscliminktc Aut* htz zu schauen. Und da auf dem modernen, marktlüsternen, von den Orollbankcn gesteuerten Kanitalisums die Finanzkraft des Staates und der so Iteill ersehnten Weltmacht beruht• darf man. ohne sinnlos zu faseln, nicht sagen: der Jude, der Kapitalist nar excellcnce. sei ein staatsfeindliches Element. Im Gegenteil: er ist weit mehr staatserlialtcud als staatsfeindlich, vulgär: sozialdemokratisch. Fs besteht die groteske Paradoxie, daß der seiner Vorhcrbcstimmiiiig nach inicriiatioualc Kapitalismus die nationale Macht- Organisation als Objekt der Ausbeutung, des Profitmachcns im allergrößten Stil (Anleihen z.tt Wehr- und Knlturz.wccken; Schiffe: Waffen) braucht, und umgekehrt der die Nationalität als Heiligtum hütende Staat ohne den illegitimen kapitalistischen Bettgenossen keinen Augenblick mehr leben Kanu. Darum ist der Jude als üroßhänker. Großhändler, Großreeder, als Finanz.mr aller Kollcktivbedürfuissc zwar nicht der offizielle Politikus, wenigstens nicht in dem noch vom Heamtcntyp geleiteten Staate: aber hinter den Kulissen ist er ohne Untertan tätig und unentbehrlich: er ist der eigentliche Drahtzieher und Akteur, klug genug, die dekorative Geste anderen zu überlassen. Und darum, weil der Jude so tief im kapitalistisch gerichteten nationalen Leben nistet, schwirrt es au Ituchstcn mul allerhöchsten Orlen von Ballms, Rathenaus, Furstcnbergs, Darum macht Sir Lrncst Cassel Weltgeschichte. Darum waren Soimino. i.uz/ati in Italien Fin.mz.uiinisier und Ministcrnrasideuten. Darum wimmelt es auf Kolonialknngressen und in Kolonialgesellschaften von Juden, die hei der Aufgabe, die noch dunklen Punkte der P.rde durchzukapitalisimm, nicht fehlen dürfen, Darum müssen in der nationalhberalen Partei, welche die grollen Verbände der Unternehmer und Industrieexporteure hauptsächlich mit vertritt, von Rechts wegen Juden umgehet! und vom politischen l'.hrgciz. gestachelte H.mkdircktoren a. D. Unterschlupf suchen. Parum balancieren auch so zahlreiche jüdische Seiltänzer auf dem von ffansahiindeu gespannten Seil, in der Maske der Ilarmouicapostel. Schon gibt es jüdische Latit'mulicnbesitz.er, die Rechtsnachfolger von!•'iir.sten •und Baronen: nur dali ein paar Snobs in Fcudalitai machen, die meisten zerschlagen die Latifundien und gebrauchen sie. die Industrie aufs Land z.u zielten, zu dezentralisieren. Hin Gift, das die Juden trifft, trifft also den nationalen Organismus: kleine Nadelstiche aber steigern ihre Kräfte. Ich glaube fest: nichts bat den Juden so ..genützt", als dali man sic künstlich gehindert hat, Beamte zu werden und ihre Aggressiv• kräftc zu verbocken und in Übelkeiten verkümmern zu lassen. Freilich: liebenswürdiger, s a c 11 lieber, bescheidener ist i h r Durchschnitt nicht geworden: beileibe nicht. Alter das gehört unter einen anderen Gesichtspunkt. Ls wäre schon klug und nützlich, wenn die konserv.ttive Partei den dummen Paragraphen vcrschwinden ließe, weil sie wissen muH. dali er unter den heutigen Verhältnissen für keinen Pfennig Werhekraft mehr hat. * * VOM ZIONISMUS N .• י Die Zentralstelle für zionistische P r a 11 c n a r b e i t in Köln ersucht uns um Aufnahme Lügender Mitteilungen: In der letzten Nummer Ihres Blattes finden wir in dem Bericht der Ortsgruppe Kattowitz einige Sätze über die l'.xistcnzberccbtigting zionistischer Praucngrtippcn. die uns geeignet erscheinen, durch eine ganz unbegründete Verallgemeinerung viel Vorwirnmg nnzurlchten. Selbstverständlich kann die Ortsgruppe Kattowitz. darüber entscheiden, ob dort die Gründung einer solchen Gruppe notwendig ist oder nicht - aber wir müssen uns entschieden dagegen wenden, wenn sic dies mit der allgemeinen Begründung tut, dali ,.eine derartige Abzweigung vorläufig nur eine Zersplitterung der Arbeitskräfte und keineswegs die Möglichkeit der Entwicklung latenter Fähigkeiten bedeute." Von einer ..Zersplitterung" kann wenigstens vorläufig keine Rede sein, da die zionistischen Frauen bisher leider nur recht wenig z.u der Summe von Arbeit beigetragen haben, die vom Zionismus geleistet worden ist. Dieser bedauerliche Mangel scheint eben daher zu rühren, daß doch innerhalb der Ortsgruppen nicht die genügende Möglichkeit zu* Entwicklung der weiblichen Arbeitskräfte vor• handelt war. Wir wollen mit unseren Vorschlägen und Anregungen neue Wege und Möglichkeiten weisen, und die bisherigen Erfolge der wenigen uatlonuljüdisehen Frauenvereinc sind die besten Beweise für die Richtigkeit unserer Ansicht. Noch nie- 111:11s ist von einer Ortsgruppe die Klage gehört xvorden. daß die im gleichen Ort existierende Frauen- Vereinigung ihre Arbeit gestört hätte: vielmehr sind alle der Meinung, daß die Frauen, die nun einmal erfalmiiigsgeinüil überall da, wo Männer in der Majoritat anwesend sind, ihre eigenen Gedanken und Kräfte nicht voll ins Feld führen, durch Zusammenfassiing in besondere!! Vereinen der Ortsgruppe eine höchst wertvolle Unterstützung mul willkommene Ergänzung darstcllcn. Noch weniger stichhaltig ist der zweite Teil dieser Begründung, ״da die Frauen Sonderin tcrcs scn im Zionismus nicht z.u vertreten hätten, sei die Urgcnz. dieser Frage nicht cinzuselten." Wir möchten dagegen fragen: haben junge Kaufletile Snmlcrintcrcsscn im Zimtismus? Wozu also Vereine zionistischer Kauflcutc? Oder sind die Bestrebungen unserer Studenten nicht gleich mit den allgemein zionistischen? Wozu also zionistische Stmleutcuverciuc? F.s erscheint recht überflüssig, hierauf weiter einz.iigchcn. Weil die wenigen zionistischcn Studenten und Kauflcutc eingcschcn Italien, daß sic unserer Sache besser dienen können, wenn sie sich in kleinem internen Kreise in allen Fragen vertiefen tmd als geschlossener Verein gleich gesinnier mul ungefähr gleichartig vorgcbilüctcr Mitglieder propagandistisch mehr leisten können, darum haben sie sielt z.iisammengeschlossen. und weil wir in fast fünfzehn Jahren gesehen haben, daß die z.ionistischcn Frauen hei weitem nicht das für unsere Bewegung getan haben, was ihre Anzahl, ihre Intelligenz und ihr Interesse uns erwarten ließ, darum wollen wir versuchen, auf diesem Wege die ungenützten Kräftc endlich mehr als bisher für uns zu verwerten. Uns macht auch die Tatsache stutzig, daß trotz des letzten Beschlusses des ohcrsclilesischen Gruppenverbamles. der die Diskussion über diese Fragen ebenfalls vorläufig beiseite stellt, die Ortsgruppe Kattowitz. nochmals darüber lebhaft verhandelt. Fs scheint demnach doch ein größeres Interesse dort vorhanden zu sein, als die ablehnende Haltung des Vorstandes auf den ersten Blick vermuten läßt. Der Anfang, den wir mit unserer Arbeit gemacht linhcn. war durchaus ermutigend und wir hoffen nach wie vor auf die Unterstützung aller der deutschen Z i o n i s t i n n c n, die die Unz.ulängliclikcit des bisher von ihnen Geleisteten mit tiefem Bedauern erkennen. Und ihre Zahl ist viel großer, als wohl die Ortsgruppe Kattowitz ahnt. Wir glauben alter, daß nach der Gründung einiger Frauengriippen in Oberschlesien auch unsere rührigen Kuüowit/.er Freunde ihren heutigen Beschluß bcdauern und ändern werden! ZIONISTISCHC BeWCGUMG ftkliomlre der'Jödischcn Kolonialbank Reicht Eure Aktien zum (!mimisch ein, sonst vcrl'crl Ihr für die Zukunft die Möfilichkcil, Eure Dividenden cinzu/Jchen! Wir veröffentlichen fetzt seit Wochen nachstehende Bekanntmachung: ״Die Jüdische Kolonialbank hat für das Jahr 1909 eine Dividende von 0 pciiee 5(1 Pf. tur jede Pfimdaktic erklärt. Damit ist der Kupon Nr. <• fällig geworden. Kupon 11 ist der letzte Kupon, der sich an den ausgegeheuen Aktien hefindet. Fs müssen daher jetzt neue Kuponbogen ausgegeben werden. Dies! ist aber nur möglich, wenn jeder Aktionär seine Aktien mit den Cup״ubugew und Talons zwecks Umtausch einreicht. Zur Bc(|1tcmlichkcit unserer Freunde Italien wir es übernommen, ohne hierzu seitens der Jüdischen Kolonialbatik beauftragt zu sein, die Füllösung aller bisher fällig gewordenen Kupons I bis fi. sowie die Einreichung der Talons bei tler Jüdischen Kotonialbnnk und die Zusendung der neuen Kttponbogcn und Talons an die Aktionäre zu besorgen. Wir ersuchen daher unsere Freunde, uns die Zertifikate mit anhüngenden Talons und Kupons liehst genauem Verzeichnis baldigst an unsere Adresse ״Zionistische Vereinigung für Deutschfand, Charlottcnburg 2, Blcibtreustraßc 49" einzusenden. Da der Jüdischen Kolonialbank für den Uintausch der Talons in neue Kuponbogen 20 Pf. pro Zertifikat, mindestens aber 40 Pf. pro Sendung z.u vergüten sind, so werden wir unsere Spesen vom Krlüsc der Kupons in Abzug bringen. Werden uns Zertifikate ohne Kupons übersandt, so sind pro Zertifikat 20 Pf., mindestens aber 40 PL pro Sendung In Briefmarken beizufügen." Trotzdem sind von dem umfangreicher! Deutschland befindlichen Besitz an jüdischen K<d<»n1al. bankaktien nur ein kleiner Teil bei uns cingercicht worden. Wir machen darauf aufmerksam, d;!!! <]ic Aktionäre, welche ihre Aktien nicht zum Umtausch cinrcichcn, sich der Möglichkeit begehen, in Zukunft Dividende cinztizichcn. Also nochmals: Reicht Fure Aktien ein! Zionistische Vcrcinifiuiifj für Deutschland Zcntralburcau. dem Frsticlicn übersandt, sie nicht als solche, s• הז1!)ו fnr l’liitragungcn Ins Goldene Hueh *.der m ■:cfe Rubriken auszuweisen. Wir werden der Wünsche in Zukunft nicht mehr l)crucksiwl<:,.;Cn. Abgesehen davon, daß hierdurch die Uc 11 er ׳.־:hi über die Erfolge der Büchsensaiimihmg außer• י nt• lieh erschwert wird, hat dies Verfahren zur ״׳t daß der N.-F. eines Sanimelmittcls beraubt .;׳jt Golden-Bucli-Fimr.igungen insbesondere sollt- 1 nur begonnen werden, wenn die Spender sicher s;-.;. Me auch regelrecht durcltiuhrcn z.u können. I! ׳;/u kommt, daß die Biichseninhabcr oft selbst t; Verwendung ihrer Sammlungen zu bestimm!,- 1 1n. tragmigeri gar nicht einverstanden sind. II. Seit einiger Zeit gehen uns, namentL! a״$ Breslau. Spenden für einen ״Kolonlalfoml•״ zu. Hin solcher Fonds existiert bisher nicht, u; I Ajf sind der Ansicht, daß unsere (ksinnungsge! sen ohne Zustimmung der maßgebenden Instanzen •. Organisation nicht neue Fonds begründen ktn Nach einer Information, die wir beim Haus•: ׳c.1u des J. N.-F. cingeholt haben, sollen die bisherigen Spenden zum Ankauf von Aktien der I*. I.. D. C fir den N.-F. verwendet werden: mit der gic.ditn Zweckbestimmung würden wir etwa noch weiter für den ״Kolonialfonds" eingehende Spenden aussveisen Jüdischer Nnliannffotuls Zentrale Ihr Deutschland. Stalul der Zionisttsshcn VercinUjuncj für Deutschland 1910 Wir bringen hiermit das Statut der '/ ׳ - s c he u Vereinigung für Deuts,.'.. n d. wie es nach den Abäitdcrungsbescliliissen de• 11,n,!.. furter Dclegiertentagcs lautet, zum Abdruck. .־־ nderahz. üge stehen den Ortsgruppen g,,!' sendung von I Pfennig pro Exemplar und I!(' ״ des Portos zur Verfügung. Einzelne l!u:!!re werden zum Preise von 10 Pfennig abgegeben. lk•• Stellungen sind ausschließlich ar, das ZhmisiNche /eulrallmreaii, Berlln-Charlottenbnrg. Blclhlreusir. 19. Postscheckkonto MWI. zu richten. § 1. Die Zionistische Vereinigung far Deutschland umfaßt alle im Gebiete des Deutschen Reiches \w-hn• haften Zionisten. § 2. Die Landesorganisatiofi gliedert sich ui Orts gruppen, üruppenverbände. Zentralkomitee und De- Icgicrtcntng. § 3. Jeder Zionist gehört einer Ortsgruppe an. iede Ortsgrupe untersteht einem Gruppcnvcrband Per Dclcgiertentag setzt sich :ms den Vertreter der Ortsgruppen zusammen. Das Zentralkomitee wrJ vom 11* logiertem.1g gewählt Die l’mrielitinie ■ n׳r Ortsgruppe und eines Oruppcnvcrbandcs wird •חיי dem Zentralkomitee ausgesprochen. 8 •1. Die Landesorganisation wird nach außen ich | den Präsidenten vertreten. j Dclcgiertentag. I 5 5. Der Dclcgiertentag tagt an einem vom Zer.:״»• J komitee z.u bestimmenden, der Regel 11.101. •n 1 Deutschland gclgcncn Orte und tritt mindestens j!cs i zweite Jahr zusammen.! § (>.! Die Aufgaben des Dclcgicrientages sind: j a) Entgegennahme ui d Prüfung des Gesch.-i:'• ן und Rechenschaftsberichtes des Zcr.'r.il-! komitccs, | b) Feststellung des Programms und Etats der! nächsten Vcrwaltungspcriodc. c) Entgegennahme und Beratung von Petitionen! tmd Anträgen, i d) Wahl des Zentralkomitees für die nächste j Vcrwaltungspcriodc. : § 7. j Das Waldrecht zum Dclcgiertentag ist abhäng•* von der Zahlung des Landesbeitrags. Jede Ortsgruppe wählt einen Dcigierten. Orts• gruppen von mehr als 50 Mitgliedern zwei Delegierte. Ortsgruppen von mehr als 100 einen Delegierten für jedes ungefangene weitere Hundert.

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