Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1910)
- Date
- 1910-11-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 44. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 501. en an, clanjC( 'du als war in in ücr :erbau, cim Cr nd U(;r teiclii. im un. 'V(.־f(|C) Bdiircli n eine IImiiks. rcljs;e. alt djv rischen i.ti 1111* sv.sie* der in Hielten ft er• tu an• «K wie I An. mi es!mittel •nsiciit eines tfanw ver• einer vic ja abora• { im uterte*;'11. so ir Ko c!!e:1?!01! ui•'׳ חוח"«• än.llfr Igoren aueru) Me«. meine n. von rblnlil. prödc« t Norn und Vinter• rachen scluiftlichcr Erziehung und landwirtschaftlichem ln• tercssc in den jetzigen jüdischen Kolonien höchst unangenehm auffällt. Manches Kolonisten Existenz ist dadurch unmöglich geworden, daß die Frau keinerlei Verständnis und Interesse für die ihr in einem geordneten landwirtschaftlichen Betrieb zu* fallenden Aufgaben hatte, und wichtige Zweige der Landwirtschaft, z. B. die Milchwirtschaft und die wirtschaftliche Oroilbetricbc teils als Selbstzweck, teils als Zwischcnbctricbc ihr die Zwecke der Bar* zellicrung und Amctioricrung einrichten und auf Schon dieser äußere Erfolg des B. J. C. beweist, wie sehr sein Programm dem Bedürfnis der deutschen Jmlcnsciuift entspricht. Mit richtigem historischen Blick erkannten die Qriinder des ersten V. J. St., dal! das Charakteristische an dem heutigen Jüdischen Leben in Deutschland seine Vielgestaltigkeit ist. Ortho* doxe, Liberale, national-jüdische Tendenzen kümplen miteinander, ohne daß es bisher einer von Urnen gehingen wäre, den Sieg davon zu tragen. Dieser Zustand ist noch heute, 15 Jahre nach der Gründung des ersten V. J. St. (Berlin) derselbe. Deshalb hat sieh auch in diesem immerhin beachtlichen Zeitraum das ihnen jüdischen Arbeitern Gelegenheit zur Ausbildung! Programm des U. J. C. in seiner Weitherzigkeit auf und Arbeit geben will, sic will auch durch eine Gedas Beste bewährt, winnbctciligung der Arbeiter, die das Acquivaicnt I einer erhöhten Inanspruchnahme der Arbeitskraft der ' Arbeiter sein soll, den Arbeitern die Möglichkeit i geben, Ersparnisse zu machen, aus denen sie sich ein | Häuschen erbauen und etwas Gemüsebau, Geflügel-! zncht oder Milchwirtschaft treiben können. Die Arbeiter werden auch nachdem für eine Reihe von Jahren ihren Hauptverdienst noch aus der Lohnarbeit ׳ieiien müssen, aber sic haben doch durch das eigene Huschen und die eigene kleine Wirtschaft die Mgüchkcit, zu heiraten und sich mit der Frau in die!׳(lege der eigenen Wirtschaft zu teilen. Die bcsclicidene, aber sichere Existenz, die sic hierdurch haben, würde aus ihnen bodenständige, zufriedene Menschen machen und gewiß für viele kräftige junge Leute in Osteuropa verlockend genug sein, um sic nach Palästina zu ziehen. Wenn cs der P. L. D. C. gelingen würde, den Pilanzungsbnu für Rechnung osteuropäischer Aufiraggcbcr und den Betrieb von Gastwirtschaften in großem Umfange aufzunchmen, würde es Verhältnismäßig leicht sein, noch ein anderes jüdisches Bevölkeruiigscicmeiu für die Landwirtschaft zu gewinnen. nämlich die orientalischen Juden, d. 11. die .Inden aus Jemen, Urfa, Aleppo und Marokko. Sic könnten neben dem osteuropäischen Arbeiter in den landwirtschaftlichen Betrieben der P. L, D. C. Bcseliüftigung finden und würden in vielen Fällen die Beschäftigung jüdischer Arbeiter überhaupt erst müglieh machen, weil nur sic mit ihren geringen Bediirfnissen die Konkurrenz mit dem nichtjüdischen Arbeiter aushaltcn. Der osteuropäische Arbeiter ist dieser Konkurrenz nicht gewachsen, soweit rein manuelle Arbeit in Betracht kommt, und kann sich nur da behaupten, wo die Arbeit an den Verstand und die Zuverlässigkeit des Arbeiters höhere An- Sprüche stellt. Die P. L. D. C. ist durch ihre eben skizzierten Ziele ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Olied in der Aufgabe, die Juden in der Landwirtschaft hcimjsch zu machen. Hoffentlich findet sic mit dem wachsenden Verständnis für ihre Ziele auch die großen Mittel, die für ihre Arbeit erforderlich sind. gäbe eingedenk, seine studentische Organisationsform auch nie als Selbstzweck betrachtet hat. so hat er doch stets den größten Wert darauf gelegt, seinen Mitgliedern eine gründliche korporative Erziehung mitzugtben. Namentlich hält er cs für seine (,flieht, die V. J. St. zu einer ihrer würdigen Stellungnahme in Ehren-Augelegcnhcitcn zu veranlassen. Gemütliche Kneipen. Ausflüge. Sommcrfcste und zahlreiche andere gesellige Veranstaltungen förderten gerade auch im verflossenen Semester den freundseltafUiehcn Zusammenschluß der V. J. St. Der kürpcrlichcn Ausbildung der V. J. St. diente das regclmäßige Fechten, sowie in Berlin die Ruderabteilung, die teilweise mit der des jüdischen Jugendbundes zu- Semesterbericht des Bundes Jüdischer Corporationen Der Bund Jüdischer Corporationen (B. J. C.) blickt auf sein 19. Semester zurück. Ihm gehören zur Zeit zehn ..Vereine Jüdischer Studenten“ (V.J.St >: Berlin und Maccabuca, Charlottcnburg, Breslau, Stra(Iburg. Freiburg, Königsborg, München, Marburg und Bonn an; seine Mitglicdcrzahl hat das halbe Tausend iibcrschritten. VUVIV #'M UVIII י ״״•»—. Judentums mit zu arbeiten. Dieses ..lebendige Judentum" erschöpft sich für uns bei weitem nicht in der Bekämpfung des Antisemitismus, so wichtig diese gewiß ■auch ist, vielmehr haben es die V. J. St. von jeher als ihre wichtigste Aufgabe angesehen, soweit cs in ihren Kräften liegt, jener Zerrissenheit des deutschen Judentums ein Ende zu machen und die Entstehung eines ganzen und umfassenden Judentums zu fördern. Damit stellten sie sielt in den Dienst der in den letz* ten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erwachten Jungjüdischen Bewegung, die auf der Einheitlichkeit und Solidarität der Juden In aller Weft fußend, den lebcnskräftigen Inhalt des Judentums erhalten und entwickeln will. Die Gegnerschaft des B. .1. C. galt damit von vornherein jedem Versuche, unter dem Scheine ״zeit• gemäßer Fortbildung“ tatsächlich wertvolle Bestand• teile des Judentums zu zerstören; seine Sympathie jeder ernsthaften Arbeit für unser Volk. Die innere Entwicklung der V. J. St. und der V. J. Sl'cr hat uns Recht gegeben. Pie großen positiv jüdisch ge־ richteten Organisationen Deutschlands haben mehr und mehr cingeschcn, weiche schätzenswerte Hiifstruppe sie an der straff disziplinierten Schar der im Ü. J. C. vereinigten Akademiker haben, und wir glauben. schon heute von uns sagen zu dürfen, daß mandies jüdische Werk in Deutschland ohne unsere Mitarbeit nicht zu Stande gekommen wäre. Es soll hier nur beispielsweise auf die Jugendbundorganisationen und das Arbeitsamt für jüdische Akademiker hingewiesen werden. So sind auch zahlreiche alte Herren der V. J. St. bereits in führende Steilungen in den jüdischen Verbunden cineerückt; V. J. St.'cr sind fast überall die leitenden Männer gewesen, wenn es galt, im Gemeindcwahlkampf eine Repräsentanz zu schaffen. die sich ihrer jüdischen Aufgaben und Pßiehten bewußt ist, und insbesondere haben jüdische Pahistina-Bestrebungen jeder Art in den Kreisen der V. J. St. immer freudigste und tatkräftigste Unters'tützunß gefunden. — Im V. J. St. erhalten die jüdischen Akademiker systematisch diejenige Vorbildung, die sic zu einer derartigen tätigen Teilnahme ain jüdischen Leben bcfülilgt. Unterricht in der jüdischen Geschichte, namcntlich des 19. Jahrhunderts, sowie ausgedehnte Unterweisung in den Fragen des modernen jüdischen Lehens (Antisemitismus, Organisation der Juden. Natioiial-Jiidentum und Zionismus), von geeigneten Bundesbriider» als Fnxmajorcn. erteilt, dienen dazu, die jüdischen Interessen der V. J. St'cr zu wecken und ihnen feste Grundlagen zu geben. Es ist sclbstvcrstündlich, daß dieser Unterricht sich vom schuhnüßigen ganz fern hält und seiner Aufgabe, unmittelbar praktischen Zielen zu dienen, nie vergißt. Hieran schließt sich eine Unterweisung in der Geschichte der .studentischen Korporationen und im Comment. Wenn der B. J. C״ seiner jüdischen Aufderen sportlichen Interessen ihrer Mitglieder förderten die V. J. St. nach Möglichkeit, von der Ueber- /eugung ausgehend, daß gerade, was körperliche Ausbildung betrifft, wir Juden im eigenen Interesse noch sehr viel nachzuholen haben. Schon jetzt können wir für das kommende Scmester die günstigste Prognose stellen. Es wird das 20. Semester des B. J. C. sein. Das im Dezember in Berlin stattfindende 10. Stiftungsfest verbunden mit dem 10 Kartclltag des B. J. C. wird eine bedeutende Kundgebung der Stärke und Bedeutung des ß. J. C. sein. Bei dieser Gelegenheit wird sich ein großer Teil der V. J. St. in Berlin zusammenfinden: auf dem Kartclitage werden wichtige Fragen organisatorischer und allgemein-jüdischer Art zur Beschlußfassung vorliegen: durch die festlichen Veranstaltungen werden wir uns an die weitesten jüdischen Kreise Berlins wenden und ihnen Gelegenheit geben, sich über die Tätigkeit und die Leistungen des B. J. C. zu iuforniicrcn. Im Aufträge des Präsidiums, in dessen Händen die Leitung des B. .1. C. liegt, erteilen gern nähere Informationen: Dr. Arnold Hildesheimer, Berlin N. 24, Fricdrichstr. 130 und Referendar Erich Cohn. Berlin W. 57, Yorkstr. 46. Rastlos ziehen die Wolken über mich dahin, und j rastlos wandert meine Phantasie in die Zukunft: j Der ewige Jude ist müde, milde, zu wandern, umher- ’ gewellt zu werden, wie das tote Laub im Sturm. Der! ewige Jude will Wurzel schlagen, will eins werden 1 •nit dem Boden, auf dem cr wandelt, eins mit dem j Henken und Fühlen der Kinder des Landes. Der j Wille des ewigen Juden wird krank und verblaßt, — i Aber da glüht cs in ihm plötzlich wieder empor. Wach’ auf, mein Wille, wach’ auf! — sonst muß der ewige Jude sein Haupt auf diesen Boden betten, den Hauch des Nordens cinsaugcn und — sterben. — llclcno Hanna Cohn. Sauls Lied vor der Schlacht Von Lord Byron 111׳d er richtet sich auf wie der Wanderer im Schnee,! Höre! mich, Führer und Schlachtcntross* den ein Laut aus dent Halbschlummcr geweckt. Noch .. " ~ Hit sic in ihm, die Sehnsucht nach der Geliebten, die Liebe zur sonnigen Heimat, Mit beiden Händen ' 1!t er seinen Willen, und auf dem Flügel der Phan- 1!sie kehrt er zurück In das gelobte Land der Väter, dem er noch immer die Treue wahrt — wie vor Jahr, tausenden. Ein feuchter, schwerer Duft steigt auf zu mir von den alten Bäumen und faulenden Blätter, ein Hilft, den ich kenne und liebe von Kindheit an: der Mtenge Duft des nordischen Herbstes. Komm, Phantasie, komm und erwecke meinen Willen, meine Kraft, daß ich mich ermanne und zutiiekkehre zu ihr, nach der die Sehnsucht noch Immer "> mir lodert! Aber komm bald, baldl bevor mich dieser schwere Herbstduft ganz durchdrungen und in erstickender Umarmung nach meiner Schnsuchtstommc gegriffen hat Trifft mich im Kampfe des Feindes Geschoss, Lasst meinen Königsleib modern Im Tal, Grabt in den Busen des Feindes den Stahl. Schildträger, wenn meine Heeresmässen Einst von dem Feinde die Blicke lassen, Streck* mich Im selbigen Augenblick hin j Hein sei das Schicksal, dem feig* sie entflleh’n. Alle lebt wohl nun. Nur du allein, Sohn mir und Erbe, wirst bei mir 6eln. Unsrer harrt heute Im Schiachtendampf rot Strahlend der Siegeskranz oder der Tod. Dcutach von Hetene Hanna Cohn. Herr Lehmann Die Nummer 42 Ihres werten Blattes bringt in ihrem Leitartikel, betitelt ״Herr Lehmann“, die Kritik zweier Predigten, die dieser am Vorabend des Neujahrstages und am Versöhnungsfeste in der jüdischen Reformgemeinde gehalten hat. Der Artikel wendet sich volj Grimm und Empörung gegen den Geist, den diese Predigten verraten sollen. Oherilüchlichkeit sei die Ursache und uferloser Radikalismus das Ziel solcher Gedanken. Ungchört und unerhört seien solche Worte aus dem Munde eines jüdischen Predigers. Und was war cs denn so Unerhörtes, was Herr Dr. Lehmann in seinen Predigten geäußert hat? Der Herr Verfasser faüt den Eindruck der Predigt in den parodierten Gretchcnwortcn zusammen: ״Ungefähr sagt das der Pfarrer der freireligiösen Getneindc auch, mir mit einem bißchen anderen Worten.“ Mit dieser Behauptung hat er recht, nur mit dem Unterschiede, daß die freireligiöse Gemeinde die Auffassung vertritt, daß unsere positiven Rcligionsgcmcinschaftcn keinen Boden für ihre sittlichreligiöse Weltanschauung bieten, während Herr Dr. Lehmann glaubt, im Judentum einen fruchtbaren Boden für diese Ideen zu finden. Und darum hat er nicht nötig, die Fäden, die ihn mit der angestammten Religion verknüpfen, gewaltsam zu zerreißen, da ia die Lehre des Judentums nicht im Widerspruch mit dem vernünftigen Bewußtsein des Menschen stellt. ״Und weil unsere Ahnen uns dieses Giaubenserbe überliefert haben, sei cs nur angebracht, ihrer in der Seclenfeicr zu gedenken,“ so sagt Herr Dr. Lehmann in seiner Predigt und erhebt das Pictütsgcfiihl zu einem Kulturwert, indem cr cs in eine sittliche Sphäre riiekt. Das PicUitsgefiihl ist nicht mehr abhängig von dem subjektiven Bedürfnis des Einzclmcnschcn. sondern hat die Verbindlichkeit der sittlichen Pflicht, Man mag sich über die Berechtigung seiner Auffassung des jüdischen Glaubens streiten. Um ihn von dem Vorwurf zu befreien, .die Ideen eines Pfarrers der freireligiösen Gemeinde zu vertreten, genügt die Tatsache, daß Herr Lehmann dieser Ueberzeugung ist. ln der nun folgenden Ausführung kann ich dem Herrn Verfasser den Vorwurf nicht ersparen, daß cr die Quintessenz der Predigt nicht erfaßt hat. Seine ganze Erregung und Erbitterung richtet sich gegen die unerhörten Klänge, die von der Kanzel einer jüdischen Gemeinde durch den Mund des Herrn Dr, Lehmann an das Ohr der Hörer gedrungen sind, unerhört, weil cr cs gewagt hat. frei zu bekennen, daß cs keine Unsterblichkeit der Seele gäbe, und daß der Mensch auf Erden Selbstzweck sei. und cs nichts helle, Gebete zu murmeln, an Wunder zu glauben, daß Gott nur in unserem Gewissen und nicht im Weltall zu finden ist. Unerhört, weil cr cs gewagt hat, als Zeuge dieser Gedanken, die Psalmisten anzuführen, unerhört, weil cr das Empfinden derjenigen verletzt hat, die ins Gotteshaus gehen, um Trost im Leid und Seelenruhe für ihre Reue einzuernten. Er hat nicht verstanden, daß die naturwissenschaftliche Vorlesun«, wie cr die Predigt nennt, religiöse Vor- Stellungen innig berührt, daß die allgemeine religiöse Anschauung im Gegensatz zur naturwisscnschaftliehen Erkenntnis steht, daß beide Probleme nur durch ein Entwederoder gelöst werden können. Es gibt keine Brücke zwischen naiver *!eFgiositüt und wissenschaftlicher Erkenntnis. Anderseits ist es unmöglich, beiden Faktoren selbständigen Charakter zu-