Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1910)
- Date
- 1910-11-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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*"' י-"■■•■-- Riickgreifcnd wiederhole icli einen Satz: Der allein schöpferische Nationalitütsucüankc. die allein produktive Idee von der uatkmalkuluirellen Fmheiu elas. was jene da drüben fast als Grundlage besitzen - wir müssen es uns in!tarier Arbeit er- Kämpfen. Der Verfasser Klaubt nicht, dal! wir es auf ,iialcrein Wckc als auf dem darKcleKten erkämpfen k.mucti. Der Verfasser glaubt nicht und lallt seine I iialiruiiKen hierfür sprechen und den Umstand, dal! vi selber einer von den .hiiiKeu ist, dal! wir die .I1;4st1d auf einem anderen Wckc als auf dem allju.i.selten. vurwfcgcnd kiilttnellen Kewinttett können. A V opportuuistisclieu Momente, alle Waffen aus dem \ 'Vital der Moral, der Volkswirtschaft, der Mett- : cnliobc können nicht das erreichen, was wir 1>: :sichen: eine Generation, die das Judentum liebt •יי’ ' hefinnerstem Grunde! Liebe zum Judentum — s ist unser Ziel; denn die Liebe zum Judentum .! nn macht es produktiv und bcfUhiKt uns, jüdische rte zu schaffen, jüdische Kulturarbeit zu leisten. JÜDISCH!: RUNDSCHAU Seite m. \\ Sonderbare Juden ״Wds c::1. Al ־.a!:.,-׳'chü e:n \v'rJ״ Die Oktober-Nummer von ״Ost und West”, die nichtoffizicllcu Teil maiielien Interessanten und •: iiidisclien Artikel enthält, veröffentlicht unter den ..'י!Heilungen aus dem Deutschen I! .rcau der A. I. U." den Brief eines früheren ' .meescltullelircrs aus Iquitos (Peru) über dort : .lergclasscnc ehemaliKe marokkaniselte Alliuueev uler, in dem es ItetÜt: ״In Iquitos leben mit bewundernswerter Ziihig- . t über 2(Hl11 nscrcr e 11 c m a I i k c n Z ö k I i 1t K e , js Marokko. Hei der Ankunft Klaubt man m k er jüdischen Stadt zu sein. Auf den i.adcnseliildern der Krollen Stralie Prospero liest inan die Namen: v ■׳heil, Toledano. BenmcrKui. Dclmar. Seriatv. •viiasayaKi Elaluf. Dinto usw. Ganz wie in Marokko, in Iquitos gibt es über .?(Hl Israeliten, eiiiKereelmet . •x ans dem F.lsall stammenden Asehkenasim. die hier bedeutende Handelshäuser haben. Doch ich will nur ווי den marokkanischen Israeliten sprechen. Aus langer sind etwa hundert, vielleicht (uuf/.ig aus l euum, die übrigen von der Koste, aus Rabat und C.isablanka. In TaiiKcr spricht man von luuitos wie von einer Fabelstadt. in deren Stratlen das Gold rollt. Das Beispiel einiger Bewohner von TaiiKcr, die in iquitos Vermögen gewonnen Italien, erfüllt die jungen Leute mit TraumvorstellmiKen. Doch man weil!, dal! der Wck weit, das Klima rauh ist, und mau zögert. Die Mutigsten, die auf Verwandte oder Bekannte reelmen. schiften sieb in Lissabon ein. Gleich nach der Ankunft suchen sie eine Stelle im Maus eines (iluuheitsRenossen. Die ersten Jahre sind für den Einwanderer schrecklich: mau muH sich an Klima. Sitten und Handel des Landes gewöhnen. Doch sie haben Ehrgeiz und Mut, und das mach( sie stark. Sie sind also Seeleute. Kaufleute, Exporteure und Importeure, alles in einer Person. Wer nicht vom i'ilück begünstigt ist. macht zehn Meilen von Iquitos. fast an den Ama/.onenquellcn. mit Hilfe des von einem Glaubensgenossen Kcwährten Kredits einen Laden auf und kommt auf diese Weise laHRsum zu einer vrträRliehun Laxe. Man bat mir versichert, dal! nt Rcmatc de Males, in N izaret, in Caballo-Coclut. in VurimaRuas. Nania, Coittnmana, Chaelutpovas und Rioja, überall Glaubensgenossen in Krollet־ Zahl wohnen. Von 2 zu 3 Jahren Kelten sie nach Europa. dann zurück, die einziKeit direkten Importeure von Iquitos. Die Peruaner und die hier sehr zahlreichen Chinesen machen bei ihnen ihre Einkäufe. Mit weiiiKcn europäischen Firmen sind sie auch die duzten Kuutselmkcxporteurc. Sic dienen als Vermittler /.wischen l'.urona und diesem; Land und bilden einen Faktor des Fortschritts und der Zivilisation, den die zu würdiKC» wissen, die I die durch ihre Tätigkeit entstandene FntwIckluiiK; dieses Käuzen Gebiets kennen.! Sie führen ein arbeits- und entsaKimKsvoIles Leben, das keine FrliolnuK und keine Ruhe kennt. V 011 unseren Festen kennen sie 1111 r | den .1 0111 kippur. Au diesem Tuk sind die Häfen I voller Kähne, ist der Flull verlassen. Die meisten! K c s e 11 e n sieh zu eingeborenen Frauen {und 11 a b c 11 p r a e 111 i K e Kinder, die sic 1 I tu jüdischen Ula u b en erziehen. (?? Red. j d. ״J. R") Das ciuziKC Hand, das sic umschlinKt. I ist eine von ilmett Kcschaffette WobltätiKkeitsKcsell-! schuft zur Unterstützung der neu AiiKckommcncn in |!•allen von Krankheit, die Erinnerung an die ferne Ile turnt und ihre Toten. Iquitos hat einen grollen jüdischen Friedhof, auf dem sich bereits an 30 Gräber befinden — alles junge Leute, die das Fieber getütet bat. Diese Toten, man kann cs ohne UcbcrtrcibutiK sagen, sind in ihrer Art Märtyrer der Zivilisation. Unsere OiaubcusKcnosscn sind bei den Indianern sehr beliebt, von den Peruanern werden sic natürlich mit Hifcrsucht betrachtet. ״Ich ziehe den Juden dem F.uropäcr und dem Chinesen vor." s;1Kt der Indianer. Hahen unsere GlaubeusKenossen ein kleines VcruiöKett erworben, so kehren sie in ihr Geburtsland /.muck, Nur wenige haben sieh dauernd im Land uiederKelassen. In Marokko verheiraten sie s i e 11. k r it 11 d e n eine neue Familie, ohne die in Iquitos zu ve rkesscn und fuhren das friedliche Leben kleiner Kaullcute oder Rentner. FiuiKC lassen sich in den Krollen Slüdlen Itre Einkäufe zu machen, und kommen . nserc (ilauliensKenosseu sind fast Spaniens, Frankreichs oder HttKlaiids nieder. In Lissabon Kihi cs eine stattliche Gemeinde ehemaliger F.iniKrantett von Peru und Brasilien. Ich mul! noch einmal hcUmctt. dal! alle G1 a u b e u s kc n os s e tt. denen ich in 1 u u i - tos b c k e K n et bin. e 11 e 111 a 1 i k e Alliances c It tt I c r sind. Sie schreiben ihren F. r f o I k xl ני r F. r z i e It n n k '׳'■ u. die sie i tt den A11 i a n c e s c 11111 e 11 erhalte u 11 a b e n. ״Wir besitzen," saute mir einer von ihnen, ״gerade das Mal! von Kenuliii.sse״, das wir zum Fortkommen in diesem Land nötig Italien. Zu viel Wissen hätte uns das Leben liier ininiöglieh gemacht. Wir wissen, dal! wir arbeiten müssen, so lauge wir jung sind. Wir kennen Europa, wir verstehen die Bedürfnisse dieses Landes zu hctirteilen. Das macht unseren F.rfolg aus. und den schulden wir der Alliance.‘‘ Der nämliche Mann, einer meiner früheren Schüler in Tanger, den ich au der Spitze einer der besten Firmen von Iquitos zu finden das Vergnügen hatte, hat mir versprochen, fitr die Alliance Propaganda zu machen und den Tribut ihrem dankbaren Schützling eiuzuseltickcu." Wir wollen auf die marokkanischen Bigamisten und ihre Mestizzen und Bastarde nicht gleich Steine werfen, können aber in timen bestenfalls eine aus der Kolonisatioitsgescliieltte anderer Völker vielleicht verständliche, sicherlich aber tief betrübliche und — sei cs, wie es sei g a 11 z u tt i ü d i s c 11 e Assimi* lationsersebeimmg erblicken. Das deutsche Bureau 41er A. I. U. dagegen freut sieh ihrer und fügt gern dazu begeistert hinzu: ״Aus diesen flüchtigen Andeutungen darf man wohl eine praktische Scliluilfolgeruug zuuut/en unserer Glaubensgenossen machen. Ganz Südamerika ist von einem Reichtum, von dem man sich keine Vorstellung machen kann, wenn man nicht seine Riexenilüssc. den Uebcrilitl! und die Mannigfaltigkeit seiner Fauna und Flora gesehen hat. Diese Reich* tümer sind noch keineswegs ausgcbcutct. Bis letzt ist im Amazonengebiet der Kautschuk das einzige gesuchte Produkt, aber die Baumwolle wächst hier in tmerlüirtcm Ueberllull. Diese Länder sind entvölkert, Sic sind freie Republiken, die den Fremden wohlwollend aufnehmen. Fines Tages werden die Augen der ganzen Welt sich auf diese weiten und untrekannten Gebiete richten. Sollte cs nicht ein Mittel geben, aus d e r Türkei und Persien einen S t r 0111 jüdischer Aus-, wattderer nach diesen La »Uc n zu lenken. Die Chinesen kommen zu Hunderten da* hin. nicht über den pazifischen Ozean, sondern über Liverpool. Die Cr Ziehung, die unsere jungen Leute erhalten, ist ausgezeichnet. Man braucht nur die Kenntnis des Spanischen hinzuzufügen. Hin Bureau in Para könnte sich mit der Unterbringung der Auswanderer befassen, genau so, wie es weiter südlich die Jcw-ish Colonisation Asso* ciation bezüglich der russischen Kolonisten tut. Das ist augenblicklich nur ein Traum. Aber die Alliance, die ihr jetziges Werk auch erst geträumt hat. bevor sic cs ausfiihrtc, kann sich mit der Verwirklichung beschäftigen." Das also soll jetzt der Ehrgeiz der Alliance werden, Juden aus einem jüdischen Milieu herausztireillett und sic nach Südamerika der sicheren Ent jtiüaisierttng cntgegetizuführcn. In der Tat — das ist eine ״Reform", die gar nicht scharf genug bekämpft werden könnte. Statt die Juden nach Möglichkeit int Orient, und besonders ittt türkischen Orient, zu konzentrieren, wo sie sich und dem Lande zum Segen eine bodenständige Entwicklung durchmachen könnten, soll die Alliance sic weiter zerstreuen und zu internationalen Händlern aus• bilden hellen, die alles Jüdische soweit abstreifen, dal! sie sielt mit Eingeborenen vermischen. Bigamie treiben und — cs klingt wie eine Profanation — dennoch den Jom-Kippur kennen!! Eine geniale Politik! Bekanntlich sucht die Türkei die jüdische Einwanderung in ihr Reich zu lenken und betrachtet die türkischen Juden als eins der wertvollsten Hevolkeruitgsdciiieiite, bekanntlich gibt ferner die A. I. U. an. nicht die Geschäfte der manchmal, wie die letzten Anletlicverhandlungcn zeigen, sehr wenig tiirkcm'rcuiidlielien französischen Regierung zu bc• treiben, sondern die türkischen Reichs i 111 e r e s s c 11 zu fördern, indem sie die zionistisehe Bewegung denunziert (Siehe S. 55 des Jahresberichts der A. I. U. für 1909). Wie kommt da die A. I. U. dazu, sieb ausgcrechnet die türkischen Juden zum Auswandern den Freuden der Bigamie entgegen auszusiichcti. während die türkische Regierung noch mehr Juden ins Land ziv Inn wül'• Odor is'. dies vielleicht ein neuer Streich im Kampf gegen den Hcbräismus, genau so, wie der Jahresbericht der A. I. U. von 1909 (S. 110), das als erste landwirtschaftliche Sicdelung Palästinas bcrühmte Mikw ch Israel in ״Landwirtschaftliche Seliule in Jaffa" ״unigetauft" hat. Einstweilen halten wir aber den Bigamistcnbrief und die kühnen Anmerkungen dazu für einen Schwabenstreich eines nach Klausners Tode cingc■ sprungenen Interimsarbcitcrs, der anscheinend von den Aufgaben einer jüdischen Organisation vom Range der Alliance noch etwas seltsame Vorstcllungen hat. Rcb Schimme macliU* einen Freudensprung, «laß de«־ schön bemalte Pfeifenkopf auf die Steine fiel und in tausend Stücke /־.erbrach. Zu jeder •nderen Zeit wate dieses ein t׳ar schmerzlicher Verlust für seinen schmalen Geldbeutel «:ewesen; allein it» Anbetracht des }»roßen Glückes, das ׳lut durch die Verkündigung des Propheten m sicherer Aussicht stand, wäre es die reinste 1!rheit \vej׳c11 dieser paar Kreuzer auch nur un Wort zu verlieren, litt Gegenteil, das be- (intet ja auch Glück! Fr machte daher noch ( w steifere Verbeugung und nach einem reichen Wortschwall der Dankbarkeit fügte er noch 1! .»zu: ״Ach, lieber, guter Herr Alje Nowi! Wenn Sie wüßten, wie viele Jahre ich schon erfolglos i 1 der l.oüerie spiele und wie sehr ich auf Sic gehofft und gewartet, Sie wären sicherlich schon fingst zu mir gekommen!“ ״Da irrst du dielt gewaltig. Deine Leiden' א liaft für das LoUeriespicl ist mir durchaus nicht imbekannt, und da du noch manches auf den! Kerbholz hast und im Himmel nicht sonderlich mit ungeschrieben bist, so hättest du zappeln können, bis du schwarz geworden wärst und du hättest keinen Gewinn gemacht und fcn wäre nicht zu dir gekommen. Ich will es dir nur gleich sagen, daß es wegen deiner armen ochlcr Rachel geschieht, die ein braves, fleißiges Mädchen ist, mit dein alle lingelscharcit reifes Rachmonaus haben und dem wir zu der fehlenden Mitgift verhelfen wollen. Sie ist doch schon seit zwei Jahren eine Kalle, und es ist nach* gerade Zeit, daß sie mit ihrem Glossen Awrom Kürschner unter die Gtuppe geführt, und daß endlich ('.hassene gemacht wird. Sie braucht *>()00 Gulden als Mitgift, und von heute über acht 'läge soll sie das Geld haben.4‘ Der Greis erhob jetzt drohend einen silbernen Stock, den Rcb Schimme bisher noch gar nicht bemerkt hatte, und fuhr dann fort: ״Du, alter Esel, bist ja auf das I.ottericspiel rein versessen und hast dem Spielteufel schon dein ganzes Vermögen und manchen schönen Gulden noch außerdem geopfert, den du für deine arme Familie viel nützlicher hättest verwenden können. Also für dich keinen Heller, aber deiner Tochter wegen, werde ich dir drei Nummern ins Ohr flüstern, die das Glück deiner Rachel begründen sollen. Also, höre. Bei׳ einer Chasseno hört man oft und oft den schönen Wunsch MascLTow. Im Hebräischen sind cs sechs Buchstaben; der Zahlenwcrt der ersten zwei Buchstaben ist siebenundvierzig, der der zweiten neununddreißig und der letzten beiden ist acht; also merke dir — siebemmdvierzig — neunund• dreißig -acht. Hast du mich auch gut verstanden?“ Rcb Schimme Lotter war so verblüfft, daß er nicht imstande war. auch nur ein einziges Wort liervorzubriugen, aber er behielt doch noch so viel Überlegung, nach Papier und Blei• stift in allen Taschen ־/.u suchen, um sich die glückverheißenden Zahlen aufzuschreiben. Alje Nowi, der seine Absicht erriet, sah ihn spöttisch an und sagte: ״Schlemichl, verschwarzter! Wozu willst du es denn erst aufschreiben? Hast du Angst, daß du bei der Hochzeit deines eigenen Kindes den schönen Wunsch Mascl-Tow vergessen wirst? Na, du scheinst wirklich ein sehr netter Vater zu sein! (Fortsetzung folgt.) 44 ״Jung Israel“ Das dritte Heft dieser «Illustrierten Halbmonatssclirtft für Ul« jiiülselic Jugend" lieg! nunmehr vor mul schlicht sich seinen beiden Vorgängern vollwertig an. Bei aller Reichhaltigkeit des Inhalts macht sich doch bei allen Beiträgen das einheitliche Bc* streben geltend, in gut jüdischem Sinne belehrend und unterhaltend zugleich zu wirken. Sehr vernünftig ist, dal! die Erzählungen, Fabeln und bclehrenden Artikel durchweg recht kurz gefallt sind und langatmige Darlegungen, die gerade für die Jungen Leser häufig ermüdend sind, vermieden wur-