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Jüdische Rundschau · 1910-11-04 · Heft 44 (4.11.1910) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 44 (4.11.1910)
Date
1910-11-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ד Seile 10S. Ander» bei יי»». Wiis in Oesterreich heiuahe Uriiiullauc ist. ist bei uns ein weite», schwer erreichbares Ziel. Zwischen ilas Nailoiinljmleiitimi mul ilas TaufimleiiiMin il1'ii1n׳en sich hei uns eine Unzahl Veriiiiiihiiiesloriueiu ein llalbdnUeiul mir xvenig von einander unterschiedener Ornanisationen. die auf verlegenem und oft verlogenem l.iheraliMiiu» basieren mul nebenbei jede einzelne das Judentum, das allein wahre, gepachtet zu hnbeu ulauben. Sobald der deutsche jimue Jude dciikfäliig wird, strecken all die verschiedenen Or1׳a1tisulionen und Bestrebuiieen ihre!•’anearme nach ihm aus. Bcrikksielitiut man. dail das lünsehen und das Verständnis eines so juuKcn Menschen nicht allzu entwickelt ist, so wird man es selbstverständlich finden, dalt der juttee Jude Deutschlands, der an seinem Judentum noch Interesse hat, sich unter diesen vielen Riehiiingcu diejenige misslichen wird, die Ihm am verlockendsten, am hc»|uetustcn scheint. Beschränkt sich doch sein Interesse fürs Judentum vorläufig grälltenteils auf ein verschwommenes, unerklärtes, namenloses Interesse fürs Judentum überhaupt, ohne ein würdigendes Verstehen und Akzeptieren r.ulikaler. zielbcwulUcr Strebungen zu ermöglichen. Die liberalen Parteien werden also den grollten Zulauf haben mul um der extremen, der nationalen Partei aufrichtige Anhänger zu/ufiihreu, bedarf es einer auüet'ordeutlich mühseligen, überaus langwierigen Arbeit, die um s<> schwieriger wird, als die moderne IkguemliehkeitsphiloNophie, der zielvcrsehw ouuueno l.iberalismus, in immer weitere Kreise dringt. Damit sind die Momente gegeben, die uns der österreiehiseh-galizisehe» Jugend gegenüber (bei* spielswciseJ in Nachteil bringen. Wahrend »hiibvii für jeden Juden, der Jude sein will, der Schritt zum Nutmnalhcw ulUseni ein minimaler und seihstverständlicher ist, verläuft sich der deutsche Jude, wenn auch von »len besten und löblichsten Absichten beseelt, im I,.»byri11th angeblich positiv jüdischer, aiitmatioiialer. liberaler liastardorgauisatbrneii und jaulet, einmal verstrick!, nur mit Mühe mul mir in seltenen l allen den Weg ins Breie. Per wirklich Strebende, der tiefinnerst Aufrichtige, findet ja manchmal, 11111U ja zunickfiiulei). Aber die Masse, die Mittclm.iüigen die sind rettungslos verlöten. 111 Oesterreich findet eine viel weniger schroffe Auslese stau als hei uns. Bei uns gibt es leider blutwenig ״Mitläufer■־. Bort schart sich ausnahmslos alles, was überhaupt noch irgendwie jüdisch sein will, um die blauweille Palme, hier sammeln sich mühselig nur die Piuzelnen. nur die Stärksten. In Oesterreich hat der Jude wenig Auswahl, mul wem) er nicht ganz verzichten will, m 11II er n.itmual werden. Ocm deutschen Juden unterbreitet das Judentum eine aullerordcntlich reichhaltige Musterkollektion mul nur zu viele lassen sich vom änderen Bilanz der Ramschware betören. Und sonn! kommt der Verfasser atii seinen früheren Satz zu ruck: was dem Juden dort drüben gleichsam als (iruinllagc dient, das, was er bald mit auf den Weg bekommt, der allein schöpferische Nationalitälsgedanke, der Ocdmike, dessen niekhaltlose Aneignung erst wieder das Schaffell indischer Werte ermöglicht, ist uns deutschen Juden ein weites. Weites Ziel, dessen P.ireichung den wenigsten vergönnt ist. Und wenn auch viele behaupten, dal! dieses Ziel mit dem Anerkennen des Baseler Programms erreicht sei, so inuli doch der Verfasser betonen, dail i in: pisrn f! runnsrn au die eigentliche Arbeit, das eigentliche Aufsaiigen und Sich-zu-cigeu-machcu der Idee erst jenseits des Anerkemieits ihren Anfang nimmt. lieber die Art der Arbeit. v״n der bereits ge* sprachen, über die Art der l'.r/iehmig, die uns beloblieb sein soll, betörte, hilflose Juden ans den Sirenenarmen des unfruchtbaren l.iberalismus zu retten und sie dem schöpferischen Nationaliudcntiim z.iizuführcn, will der Verfasser auch au dieser Stelle einige Worte sprechen. Br will wieder einmal versuchen, zu schildern, wie diese Arbeit verlauft, wie cs mit der ״B.r/icluuig zum Zionismus", besser: mit der Br* Ziehung zum Judentum bisher bei uns bestellt war, 11ml vielleicht auch, woran sie krankt. Noch vor einem Jahr schien ein solches Unternehmen f.!M allzu .schwierig, weil es ein sorgfältiges B.iiigehen auf die ein/einen gröberen und kleineren Sondci Organisationen erfordert hätte. Aber seit einem Jahr haben wir eine Jug1wl״־Beweg1111g", eine Jugendorganisation, die alle bislang existierenden Riiizvlhcstrebiingcu zusaiuiiiengesehw eiltt hat ״der j doch wenigstens znsammeiischweilten will. Diese 1 Organisation, die wir der Tatkraft 1111J der Begabung des R.-A. Dr. Apfel verdanke״. Bat sieb ein Prinzip zu eigen gemacht, das im ticfnmvisten Urnmle bis dahin Alleingut der nationalkullurvllen Partei war, ein Prinzip, dem jmigsthiii Rabbiner Dr. J. J. Nie- 1 m i r״ w c r - Jassy einen aulterordentlich glücklichen Namen gab ); das Prmzin des ..׳Mijudentums". Wir Juden von der nationalen Observanz können und müssen den Ruhm für uns in Anspruch nehmen, dail j wir die Sehooier jener These waren, die Niemirowvr | in erwähnter Broschüre also foimuhert: j ..Wen״ sich nicht alle, die jüdischer Abstammung sind, zur jiidis'beu Kontcsxioii zahlen kömien, als; politische Nation betrachten wollen, fast alle können als I» 111 111 r c 11 e I'. 111 heit gern mimen werden, als ein Sf.imii;, der seine eigene und eigenartige, wenn auch viclu.h variierende Kultur besitzt, die als besondcici Zweig •uii tieisfesbaum ihr (icsumtiucnsch* heit gelten kann j Wir waren die ersten, die diese These zum Aus- I g.11׳g'01' 1־ l m.o'ii s ll.imUhs macltlvn. Von lilu r.tlvr | Seite winde sic endlos lange bekämpft. Umso erireuheliei ist es. daü mv endlich von einem der , extremsten »kr laheraleu. von einem der schmusten 1 Oegiier »kr Nationalen, anerkannt wurde und in ihm so erstarkte, »lall er auf ihr eine Organisation aufz.n• : hauen vermochte, tlic in kaum einjährigem Bestehen j Toni Mitgbe»ler '»׳;uh. Indes die l'rciule bleibt nicht ungetrübt. So aiierkemteiisw ert »kr theoretische { tiriindrilt der Orgamsati 11׳ zweifellos ist. so sehr er ' unseren Pmiknmgen um! Intentionen auch ent- J spricht, so uiicrireiilich gestaltete sich und gestaltet 1 sich noch »las!.eben ׳nid Arbeiten dieser Organ!•; satioii m Wirklichkeit. Teils Uebcieifer, teils 'len-; »lenz, mitunter böser Wille, meist aber Milivcrstäiuluisse haben bewirkt, dail »liest* Organisation, die wie keine zweite berufen sein sollte, positiv jüdische Arbeit zu leisten, jüdische Werte zu schallen, die wie i In Sinter vnitieiihclicii und nicht genug emiueliK uswei teil Bmsclmre ״l'.nie moderne Jahneh- Akademie". a.: ״laue jahiielustische Akailetme". ehcnfulls von Nicimrowcr. in der Palästina-Nummer der ״Welt", sox\ ic mein Aufsatz ..Allimicmum" m »kr ״Jüdischen Zeitung" vom ti. August. No. •11 keine zweite geeignet ist. wirklich ״.iliin,!.»״;,,_•• Arbeit liervor/nbringen mul ein gedeihliches Zu. sainineiiseli iffen aller Rkhlimgcti zu ermöglichen, 'niedrig( wurde zum Schauplatz endloser l\,״t;. kümrfc. Bei den zioiiiMiselien Railikalen z\\.,r v«. stutulliclic, alter nicht immer ,mgebraehte und ׳) ז;!,ןs Verteidigung gerechtfertigte Jkl1roitln.it und l’inminj. liclikeit einerseits, hei den Liberalen ein gei , \u. er««! lamg י -Z,o ׳■ eilen ־* .10/ 1 »u: •׳ge״׳ ent•־!׳ 1 •ite •«.[> ׳׳ Uns S zu 1 VvK ־; /U ik־ icn da» 1).e dJie »da groteskes MilUraucu anderseits, sind ela• In 1 wertesten mul gefahrlielisteii Brscliciiitmgeii m Organisation. ..Orotcsk" ist das Mißtrauen zu 1 weil die laheraleu. die die tirmulihese ihrer s innerhalb des Verbandes, wie dargelegt. »I» nisten entlehnt haben, mm ploi/lkh nicht »׳־ mul nicht glauben wollen, »lall es cm» ח is tische These ist und das die von!' fmchts im mul so mutig als fanatische t»uim.: stellten Zümisten nichts anderes wollen als i »lies. So ergab sieh die traurig grotesk» י »lall Brüder, die dasselbe wollen, sich au | Milttrauen und Uebercifer zerfleischen 11! löbliche Absicht paralysieren. Ilieri'1 mnll Wandel gesell.liicn werden, nicht untersucht werde», wen »he Schuld!• ziemt es. vorwärts zu blicken mul B»»»> xviiken. Del liigvihlband soll den .die 1: g׳ haben, seine Mitglieder positiv indisch. erziehen. (D i e s c s Ziel allerdings werde!; sicht'los. mit allen ,Mitteln dumlizuset/e.!■׳ sein.) Nicht Uebvrzengmigen heil*rn1gen, kehren, nicht Proselytenmaclierei einzig Kenueiileriie״ mul l.iehenlernen »les ludern, sei unser Programm. Nicht da» Bekennen bestimmten l'.utet. allerdings auch mein ״ kämpfen einer solchen, sondern einzig und Liehe zum Judentum, gegumdo nui eine "! , Keiniinis desselben, dazu Wollen wir die Mit;; erziehen. > Im I »!.fesb 1 ■cli; des ..Bar-K<׳c'1b.1"-!*fag. ■ •.» i Verein», der sich ähnlicher Besucloingca »,׳ireui. <! der heu-its rahmhclist erw.iluite ״Bar-Koch) ן Wien, tlerausgeher des Almau,icli». sieht ein P.oms den »kr Verfasser nicht bessn!.,!<»1׳: k um. als dal• »r ihn hier u örtlich folgen lallt: | ..Im Besonderen glauben w »:.»»;» Ki.u:»• n »!!; j st, »ehr »Jer Propaganda, als vielmehr ,.!;••» ,■ I gleich schwieriger, aber auch wichtiger ei ן Arbeit »kr Vertiefung »les Zionismus \» > •■;1: /:; j dnifen. Diese Vertiefung stellen wir ur. r ״:» j eine Brfiillimg des B111/eb!en mit Jüdische״.. Itereieherimg der jndischen Seele. als ein. ...! Anteilnahme mul einen endlichen Abschluo d.׳s I positive Jüdische, »las die gegenwärtige (i»1׳s׳,e»e:;:- j Wicklung im Osten mul vor allem in Pa!.»:; er.:- 1 hält, »las m »kr jiulischen <1!.:.,ו1.«י1ו• auibewa!;־. .»: 1 und in der hebräischen Sprache lebt, kurz als c.r.e Besitzergreifung von all dem, v.,» cs heute »׳••!: ^•ner judiseheii Kultur gib!.•׳ Diese Worte sollten 1ms Natumaien d;e 10 schnür geben zu unserem Wiikvu im J״gt1:!• . : »lies allem: wir werden cs solange l>elo!e; >1.«! ״ ojj wiederholen, bis »las narrische Mmii.ii!»■!1 : .ז .linieren Seite schw mdet tunl bis ein gedeiä.. * /..!• samiueiiw irkeii ermöglicht wird. Das Wintersemester, »las Arbcitsseme.n ■; gönnen: sei dies hier 1m»e׳r l.vitsteru! »!1 Ein Lotteriegewinn ohne Lolterielos I hunoreske von M. 1» u j v e r m a n n. L Kaum hatto die lange hölzerne, wunnzerfresset 1c Wanduhr mit heiserem Schnarren zehn• mal geschlagen, als Reh Schimme!.öfter ge- * tnächlich von der wackeligen Ofenbank sich erhob und Anstalten traf, um sich zur Nachtruhe zu bej׳eben, wie es von eine inbeknweieii Baalboes, von einem rechtschaffenen Familienvater nicht anders erwartet werden konnte, der sechs Partien ״Franzefuß“ verloren mul dem die Tabakspfeife bereits ausgegangen war. Hr verrichtete das vorgeschriebene Naeiitgebef, legie die Kleider auf einen Stuhl und sieh selbst in» Bett, zog die Nachtmütze über die Nasenspitze herunter und das dicke Federbett über das Kinn hinauf und ließ bald ein lautes Schnarchen er• iüueu. Nach wenigen Minute» stattete der Traumgott ihm einen Besuch ab. F.r gaukelte ihm z.unächst allerlei buntes, krauses Zeug vor, und führte ihn dann zu der grüngcstrichencu Bank vor dem Wirtshaus»• auf dem Marktplatz, wo heb Schimme alle laue zu sitzen pflegte, wenn du־ krumme Schlamm׳, sein einziger Partner bei dem (jan/efnß. aufs Dorf gegangen war, und um wo aus er alle Ankommende und Al»- reisi'inle, sowie aiii'h das gegenüberliegende Haus des l.otlerie-r.iuuehtuers bequem Wetvacb* tm konnte. I>014־ sal» K'eb Schimme Lotter, die ewige I*teile mit dem schon bemalten Porz.ellanokpt im Munde, die mottenzerfressene Pelzmütze auf dem Kopfe, die abgetretenen Filzschuhe an den großen I Tillen und ließ sich behaglich von thr Sonne braten. Bald kam ein kleines, schmales Leiter- Wägelchen auf dem holprigen Straßenpflaster angerumpelt, das vor dem Wirtshause hielt, und dem viele, viele Menschen entstiegen. lieb Schimme wmuleile sich, wie die vielen Mensehen auf dem kleinen Wägelchen hatten Platz, finden und wie das magere, lendenlahme Pferdchen die große I :ist batte fort bewegen künncu; noch mehr aber mußte er sich wundern, wohin denn alle so plötzlich verschwunden Waren, ohne daß er sie halte fortgehen sehen, bis auf einen einzigen ehrwürdigen Oreis, mit einem weißen, langwallenden Bart, der sich jetzt verlegen und suchend »ach allen Seiten umsah. In seiner Zuvorkommenheit, viellci.ln an•1־) in der I rwantutg, für seine 1 lilisbet» n '!.1!s mit einem Schnaps traktiert zu werden. »:!!ליי sich Reb Schimme schwerfällig von seien!!!'׳• quelltet 1 Sitz, ging auf den Allen zn. m-T«׳ ihm mit dem üblichen ״Scholnmn Aledpm'" die Hand entgegen und fragte ihn, ob er ‘ י י jemand suche. ״Naiiiriich," antwortete der Ureis *׳.»Tt sehr höflich; ״ich suche einen gewissen Reb Schimme Lotter.“ ״Zu dienen, der bin ich selbst. Und w.:> wünschen Sie von mir?“ Der Ureis sah ihn durchdringend an hm,“ sagte er, ״so m>. Uu also bist es!" N.u־i1 einem längeren Kopfschütteln fuhr er dann fort: ״Du wirst mich sofort z.u dem kaiscrlich-koeui* liehen Lotterie! iunehmer begleiten, wo ich dir eine wichtige Mitteilung, eine himmlische I’־*'*־ schaft zu überbringen habe.“ ״Soll mir sehr angenehm sein; dorthin *t*־Bc ich für mein Leben gern. - Und mit wem halv ich das Vergnügen?“ ״Ich bin Al je Nowi, der Prophet Flias mul ich bringe dir drei Nummern direkt vom Ihn»• mel, die bei der nächsten Ziehung mit einem großen Treffer lierauskommen werden. Hast du mich verstanden?“

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