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Jüdische Rundschau · 1910-10-21 · Heft 42 (21.10.1910) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 42 (21.10.1910)
Date
1910-10-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Amerika Aus der ulten ״Judensladl“ New-YorK Unser Parieiblatt. die ״Well“, enthält' einen intcrcssanlen Brief aus Amerika, der insbesundero durch seine Daten außerordentlich imponiert. Allein der Verband der galizisch-bukowinisclien Juden iil New-York umfaßt dauacli 3W Vereine mit 75IHM) Mitgliedern. Solche Zahlen geben umgciülir eine Vor- Stellung von dem jüdischen Leben und Treiben in diescr Stadt, die eine Million jüdischer Rinwolmer zahlt und darin weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart von irgend einem Gemeinwesen auch nur annähernd erreicht wurde. — Der genannte Verband steht unter der Leitung des organisatorisch hervorragend begabten Mr. Send, dem cs gelungen ist, ihn ans dem Rahmen lokaler Wohltätigkeit auf die Basis des Basler Programms zu stellen: ״Unsere Plattform ist eine begrenzte, unser letztes Ziel aber die Realisierung des ewigen Traumes des indischen Volkes, die Schaffung der gesicherten Heimstätte im Lande der Väter". Und weiter heillt es, ״als der Mahnruf des andern zionistischen Zukunftskümpfers, Dr. Magnes, — der der asshnllatorisch-reformistischen Riesenschlange in ihrer eigenen Hohle den Todesstreich versetzte, — der Ruf nach Sammlung der gesamten New Yorker Judenheil ertimte und die Gründung der Kehilla bewirkte, stauden die organisierten Juden ans Galizien und der Bnkowina wie ein Mann hinter dem kühnen Wecker. Mit noch festeren Klammern hält der Geist Mr. Barondes die Glieder des ״Order Bnai Zion" zusammen. Aus kleinen Anfängen heraus hat es dieser ״Orden" im Verlauf von kaum zwei Jahren Ins zu 3500 Mitgliedern gebracht, und die Zahl der Mitglieder ist noch im Steigen begriffen. Den Ordensmitgliedern ist der Zionismus die Synthese des Praktische n mit dem I d c a I e n. Der ״Order" umfalit seine Mitglieder als Brüderschaft, versichert sic gegen Unfall und Ablehen und beschützt jedes Linzclglicd durch nie vereinte Krait der Massenorganisation. Sein Vermögen, trotzdem es durch einige ansgezahite Lcbensversieherung.spoliecn angegriffen wurde, zählt jetzt 2*000 Mark. Jedes Mitglied erhält v o in V e r e i 11 di e S c h c k c I q 11 i 11 n11 g. Wenn die Ruergie der Leitung, die in bewährten Bänden ruht, nicht iiacliSäilt, und sieh wie in den Anfängen dieser Organisation nach allen Seiten der Vereinigten Staaten erstacht, so wird hier ein fester Block jiidisch-natioii.dcu Lehens erstehen. Denn in Amerika liegen Unsummen jüdisch-nationaler l’.nergie aufgespeichert. Der Mcmorialtng - ein Tag des Gedenkens für die gefallenen Helden der amerikanischen l'reiheits- Kampfe ־ biaclite den Juden eine Ueherrasclnmg. Die ..American llebrcw Brigade", Soldaten jüd i s c h -11 a t i o 11 a 1 c r Gesinnung, 200 an der Zahl, marschierten unter Waffen itt vollem Wichs hinter dem jüdisch-nationalen Banner. Sie waren Gegenstand stürmischer Sympathiekundgebungen allerorts mul haben den zionistischen Gedanken um ein erhebliches gefordert Neben der praktischen Werbearbeit für den Zionismus bereiten die Pioniere der jüdisch-nationalen Kultnrbcwcgnng den Weg nach Zion vor. Die ״Mefi/.e Sfatli l’.wer" erzielen mit Hilfe ihres Sekretärs Mr. Bloclt, der auch für den Verein ״Achiewei" (mit der Tendenz die hebräische Literatur zu!Ordern) sein bestes leistet, großartige Rrfolgc. Sie haben Kindergärten. Mädchenschulen. Sonntagskursc usw. eingerichtet, in denen ausschließlich hebräisch gesprochen wird. Kitte Anthologie amerikanisch-hebräischer Poesie unter dem Titel ״S’miiiith" (Schwalbe) befindet sielt in Vorbereitung, und auch zur Forderung palästinischer Literatur wird manches unternommen.'‘ PALAeSTINA-RUIIDSCHAU Der Hxpnrf von Orangen hat bereits vor drei Wochen eingesetzt. Dieses Jahr verspricht für die Besitzer von Oraiigongärteit ein recht günstiges zu werden. Dadurch hat sich besonders die Lage der PothacU-Tikwuer Kolonisten, die in den letzten Jahren infolga ungünstiger l'.rntcmul Absetzvcrhültnis'sc ihrer Produkte sehr viel gelitten haben, wesentlich gebessert. Um den Kolonisten aus der momentanen Klemme hcrauszuhelfcn, haben ihnen der Jüdische NaUonalfouds durch die Vermittlung der Angln Pa- U-sUne Company mul die I. C. A. Im vorigen Jahre größere Anleihen gewährt. Im laufenden Jahre sind sie durch frühzeitigen Verkauf der Orangen um einige Monate früher als in früheruu Jahren in den Besitz von HaniiUtcln gelangt, l'.lnigc Bngros-Kmtfleute in Jaffa Italien nämlich die Früchte auf den Bäumen den Kolonisten zum Preise von 3 l’rcs. per Kiste ahgekauft und sofort einen größeren Betrag bar bezahlt. Hs sind auf dieso Weise ca. 150000 Pres, in die Kolonie geflossen, wodurch der Wirtschaftsbetrieb merklich erleichtert wurde, Zu bedutiern Ist In diesem Palle nur, daß die Verkäufer die einheitliche Organisation der jüdischen Orangenbcsitzcr, den ״Pardcss", durch diesen Schritt durchbrochen haben. Noch empfindlicher aber sind dadurch die jüdischen Arbeiter getroffen worden, da die Käufer, lauter aral׳isc!1c Händler, beim Schneiden und Verpacken der Orangen wahrscheinlich ausschließlich arabische Arbeiter beschäftigen werden. * Ende der Weinkrisis Altem Anscheine nach dürfte die Weinkrisis, die eine so außerordentlich große Gefahr für die!!ntwickhing unserer Kolonien bildete, nunmehr überwunden sein. Past den ganzen Bestand der palästinensischen Weine, des Risehoticr Kellers und der außerhalb des Syndikats organisierten Weinbauern in Pclhnch Tikwab, sowie den Vorrat der Winzer in Snromi hat ein Vertreter einer grölten Weinfirma in Marseiile zu günstigen Preisen abgekauft. Der Wein soll demnächst auf speziellen Dampfern verladen und nach Marseille transportiert werden. Leider hat der Rischoner Kelter einige Zeit früher auf Aufforderung der JCA-Verwaltuttg an 15 01m 111 zu Schleuderpreisen in Hamburg verkauft, wodurch das Syndikat jetzt einen Verlust von ca. (10 (km Prs. erlitten hat. Hs stellt stell nun heraus, daß diese große Nachfrage nur zum Teil eine Folge der fast überall mißratenen Weinernte ist. (Im übrigen hat auch Palästina heuer Über eine schlechte Trauben• ernte zu klagen, Jedoch scheinen die l'.rgelmisse liier unvergleichlich besser als in den anderen Wein produzierenden Ländern zu sein.) Hauptsächlich ist cs jedoch das strenge Gesetz gegen die Wcinpanschcr in Praiikreieh, welches den kolossalen Bedarf an Naturweiuen hervorgerufen hat und das wohl noch viele Jahre hindurch dem palästinensischen Weine, der seiner vorzüglichen Marke wegen auf dem Weltmarkte bereits bekannt ist, lohnenden Absatz vorschaffen wird. Diese glückliche Uebcrwindung der Wcinkrisis ist um so freudiger zu begrüßet,, als im kommenden Jahre die Subvention des Baron Rothschild für diejenigen jüdischen Winzer, die ehemals unter seinem Protektorate gestanden haben, nunmehr aufiiört. Man kann bestimmt erwarten, daß Jetzt auch die Weingärten, die nach dem seitens der JCA-Vcrwaitung erfolgten Verbote der Anlage neuer Weinpflanzungen entstanden sind (den sogenannten tr^ienen Trauben) an den Rischoner Keller ihre Trauben werden ahliefern können. In erster Linie werden von den bisherigen Kolonien nur diejenigen profitieren, die den grollen Weinkellern und dem Ausfuhrhafen nahe liegen, also allen voran Risehon lc Zion, sodann Rechouoth mul Wadi-Chaniii in Judäa, Sichron Jakob und seine Tochter-Kolonien in Samarija. Wenn sieh einmal die Wcgvcrl1altnis.se in Palästina bessern, werden daun auch die entlegeneren Kolonien vorteilhaftcre Bedingungen für den Absatz ihrer Wein- Produkte haben. a .1 ׳ ■ ־: v '׳ Hin Teil der Katracr Kolonisten hat sich nach vielem Zogen» und inneren Kämpfen entschlossen, nahezu 500 Dunam Weinberge, die 1000 Kantar Trauheu lieferten, ausziiliaclsen. Die Aufregung wurde jedoch dadurch noch grillier, daß, wie matt erst nach dem Ausliaeken erfahren hat, in diesem Jahre eine große Menge unseres Weines verkauft werden könnte. Fast in allen weinbauenden Ländern, hauptsächlich in Spanien und Praiikreieh, ist in diesem Jahre die Weinernte vollständig mißraten, sodaß eine grolle Nachfrage nach Wein vom Auslande her beim Karmd erfolgt ist. Wenn auch mit der Mißernte dieses Jahres als einem zufälligen llrcignlsso nicht für die Dauer zu rechnen ist, so behaupten doch viele Kolonisten, daß cs gerade darauf nngekommen sei, nur kurze Zeit die Krisis auszuhnltcn und dazu hätte ein günstiger Absatz in einem Jahre viel beitragen können. RUNDSCHAU DCR PRCSSe ״F:rm1cn-l{undsclmuu, Berlin Das neueste Heft dieser Zeitschrift bringt di folgenden feinsinnigen Ausführungen Jacob Wassci man ns über den Juden als Literaten, die den In kannten Artikel ״Das Rätsel Jude", den d( Verfasser vor Jahren In der Neuen Rundschau vci ölfcntliclitc, in Interessanter Weise ergänzen: ״Nicht ohne tiefen Grund findet sieh eine so groll Zahl von Literaten unter den Juden, ln der Kxisten des Juden gibt sich die schärfste Ocgcnsützlichke geistiger und seelischer Eigenschaften kund. Rr i׳ entweder Uer gottloseste oder der gotterflllltesle nlh Menschen; er ist entweder wahrhaft sozial, sei cs i veralteten, leblosen Formen, sei cs In ncuei utopischen, das Alte zerstörenden, oder er will i anarchischer Hinsamkclt nur sich selber suchen Rn weder ist er ein Fanatiker oder ein Gleichgültige entweder ein Söldner oder ein Prophet. Das Schick snl der Nation, ihre Vereinzelung unter fremde Nationen, ihre ungeheuren wirtschaftlichen un geistigen Anstrengungen im Kampfe gegen dl widrigsten Umstände, der fortwährende Zustand de Abwehr, der Selbstbehauptung, das plötzliche p, wachen am Morgen eines Kulturtagcs. tf;,s |Cj,<־״n schnftlichc Hrgrcifcn der Hilfsmittel und Waffe.' dieser Kultur und die darauf erfolgte gew,(|Hi) “ Unterdrückung und Zerschneidung der Tradition A das hat die Juden als ganzes Volk zu einer Art’vff LitcratenroIIe vorhestimmt. Wo sieh liingcg»•« al, einzelne wieder des grollen Zusammenhanges 1״ w1״, wird, wo er im Schoß der Geschichte, der!;Uiet lieferung ruht, wo urewige Symbole ilm urewige Blutströme ihm Adcisbewußtsein vaieL״ und zugleich alles Rrrungene und Hrv organisch damit verschmilzt, da mag er wo:,4> ן.‘! Weg zu Göttlichem leichter als andere imd»! ןן “ Jude als Ruropäcr, als Kosmopolit 1st Literat; der Jude als Orientale. Un im ctnograplüschen. sondern im mythischen 51n״v ak welcher die verwandelnde Kraft zur (j .umari schon zur Bedingung macht, kann Schöpfer . '1 •׳״ ziowsTiscHe Bemvm Silzunfj des Grossen Aktionskomitees Für die am 22. November und den i ’.;enden Tagen in K■ ׳In statlfindende Sitzung de '(jroCen Aktionskomitics ist vorläufig folgende Tag sordnung festgesetzt worden: I. Bericht des R. A.-K. 2. Orgatiisa; ',sstatuL 3. Rhrcngerieht. •1. Kongreßen und -Zeit. Kreditinstitut, b. Chalukah. 7. Finanzlage. :» l'»rtsst 9. Institutionen. 10. Verschiedenes. Bcnilunfj der Orjitinlsalionskomission Für den 30. Oktober ist eine Bcratui,; der von der Jahreskonferenz eingesetzten Komin.׳,,י.י,« zur Beratung des neuen Orgauisatiousstatuts n״ch ד.: •א cinberufen worden. Zu derselben wurden ..ach je ein Vertreter der Föderationen ״Misraci..״ ur4 ״Poale-Zion", die gegen das neue Statut Bedenken geltend gemacht buhen. ciiigcUkn, Die ClHilukdh Nachdem durch das Aufrollen der Sel1mi:t.dt- Frage in diesem Jahre durch einige Raldnner lau• saiems den Kolonisten große Schwierigkeiten unstanden sind, hat in Rußland eine luftige Bewegung gegen die Chalukah eingesetzt, die s ״! «viwn in erregten Manifestationen gcaulier. ,; S׳a$ russische Zentralkomiee hat daraufhin «,u \-t I derartigen planlosen Kundgebungen gew.i:,׳:, und | das R. A.-K. hat mit Rücksicht darauf, daß ». c der Chalukah eine allgemeine, die zionistische <ksamtorganisatioli betreffende ist, beschloss:, de• selbe auf die Tagesordnung der A.-K.-S,;.; ag zu setzen. Aktionäre der Jüdischen Koloniulbiink Reicht Hure Aktien zum l'mt.uisch cm. ' :;st verliert ihr fur die Zukunft Rute Dividenden. Wir veröffentlichen jetzt seit Wochen 11.!;״• Stehende I kkamttiuacliung: ..Die Jüdische K'olunialbank hat für das .lallt \W) eine Dividende von 0 pence 50 Pi. 1..r jede Piuudaktic erklärt. Damit ist dei Kupon Nr. (ו fällig geworden. Kupon (• ist »Ser letzte Kupon, 11er sich all den .iii'gcbciicn Akun lc• findet. F.s müssen daher jetzt neue Kn; ׳ ׳׳1.1׳ö«! aiisgegebcn werden. Dies ist aber nur m<•gbeb. wenn jeder Aktionär seine Aktien 1! den Kupoiibogen und Talons zwecks U11H.n1'!1 cm• reicht. Zur Bequemlichkeit unserer Freundt, 1 .!!׳•cti w ir es übernommen, ohne hierzu sei! ״' der Jüdischen K״lonia!bank beauftragt zu »hc Rinlösimg aller bisher fällig gewordenen!י!;;' ns I bis ö, sowie die Riiireichuiig der Tal•׳!:s l'd der Jüdischen Kolonialbauk und die /.!.-■ ':m* der neuen Knponbogen und Talons an die Ak: - ■•!ח■' zu besorgen. Wir ersuchen daher unsere Freunde, »ms Zertifikate mit anhängenden Talons und K״p׳n$ nebst genauem Verzeichnis ,baldigst an .'־י‘ Adresse ״Zionistische Vereinigung fur Deutsch• land, CliarloUenbiirg 2, Bleibtreustralle 4׳)" ein* zusenden. I Da der Jüdischen Kolonialbauk fur den F׳n• I tausch der Talons in neue Kuponbogcn 20 Ff l'fö j Zertifikat, mindestens aber •10 Pf. pro ScmhmJ 1 zu vergüten sind, so werden wir unsere Spesen vom Rrfose der Kupons in Abzug bringen. Wcf• I den uns Zerliiikate ohne Kupons übersandt. 'יי sind pro Zertifikat 20 Pf., mindestens aber T» Ffpro Sendung in Briefmarken beizufügen." Trotzdem sind von dem umfangreichen 111 Deutschland befindlichen Besitz an jüdischen KoIoumI־ 1 bankaktien nur ein kleiner Teil hei uns eingeieidil worden. Wir machen darauf aufmerksam, daß ' Aktionäre, welche ihre Talons nicht zum Umtausch I In neue Dividcndcnschcinbogcn cinrcichcn, der M&2*

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