Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1910-10-21 · Heft 42 (21.10.1910) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 42 (21.10.1910)
Date
1910-10-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2651273-2651657-2651700--07341-2664500
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite •150, J U E D 1SCH E RUNDSCHAU No. 42. Pr. Jakob T11011: Pas Schulwesen in Palästina. Pr. Os las Thun: Pie Palästina-Arbeit im Rahmen unseres Programms. Frau Sarah Thon: Jüdische Frauenarbeit in Fa* l.isllll.l. M. Ussischkiu: Palästina und andere Länder. Pro(. Pr. Otto War bürg: Kulturpllan7.cn in Falästina. L. Warszawa kl: Fresse und Verlagswesen In Falästina. Unter den etwa 100 Illustrationen beliudcii sich: Fine ganzseitige Kunstbcilage von L. M. Lilien, ferner Radierungen von llerinanu Struck, photographische Aufnahmen aus den Kolonien, Schulen und sonstigen Anstalten. Porträts, Kartenskizzen etc. Nicht nur jeder Zionist, sondern jeder Jude, der au der ghnreichen Ucsciilchtc, dem Ucschlck und der Zukunft unseres alten Heimatlandes Falästina Anteil nimmt, findet in dieser Falüstinanunnner der ״Welt" eine Fülle des Interessanten und Pelelirenden. Wir hohen, dali auch die Leser unseres Plattes die Faläsiin.itnnnmer der ״Welt" nicht nur lesen, sondem auch mit dazu beitragen werden, sie in vielt weitesten jüdischen Kreisen zu verbreiten. Per Preis der Nummer, die nur gegen feste He• Stellung abgegeben wird, beträgt für Oesterreich• Ungarn und Penischl.iml (!5 Pfennig, fnr alle :ihrigen Länder 75 Pfennig. Für Gestcrreieh-Uiigaru und Pciitscliland 11) Lxcm!11;tro . . , . . , (1, Ml׳. 25 L.xcmpUirc . . . . . . 13.75 Mk. 50 Lxcmplare . . . . 22,511 Mk. 100 Lxcinpl.irc . . . . . . •111,— Mk. Ile ״luiuvii!.ander: ID Lxcmplare . . . . . 7,- Mk. 2י Lxemplare . . . . . 15.— Mk. Mi I.' v 111(11,0 v• . . . . . . 25. M!;. 10(1 Lxemplare . . . . . *15,™ ML. Lxemplaie auf Kunstdruekpapier 1,511 Mk. pro Stück. Pestelluugeu sind aussehhelllich an vielt Verlag der ..Welt‘‘. K׳>In Kit., Karolingernng dl. zu richten. Sukkaus 1.111 seltener •last ist in diesen Tagen m unseren S.\ n.«g<׳gv11 eiugeuehrt. iiedich mein m eci ihm gvlmhreuvlvii xHlvn Pracht semer Majestät. Nein, mir eia schwacher Abglanz, davon ist zu uns gelangt, mir einige *■einer niederen Trabanten sind es, die er t:1is.111dtc, und du.li haben sie es verstaimen, dem tinnzen unverkennbar ihren Stempel aiif/.iidriieken mul suli m vlen Mittelpunkt des (iottesdienstes zu sie Heu. Pie Natur ist bei uns zu Haste gekommen. I'ie Allniuttcr hat sieh ihrer Kinder erinnert und sandte uns die goldig-glänzende Frucht vom Baume ll.ul.n, l'ahnzv.eiv.e, IS tdt\u!den und Zweige v«>m Aboi-Bamnc schlang sie zu einem harmonischen Fest• straube zusammen Sinnend ruht unser Blick auf den lieblichen Puten!!es Herbstes und vier I!r11le, wohlig umschmeichelt unsere Sinne das sanfte Rausehen des Straubes, der Hilft seiner Plätter. Und liebevoll wird unser Plick. wenn uns durch (!*.11 Sinn geht, vlall dieser Slraull Ja das l'.iuz.ige. Letzte ist, was uns von dem Test der Natc.rbegeistcnmg. des Lriitv'Jatikes und auch vier ernsten!׳.׳mnerung an gc• waltige historische Vorgänge gehliebeu Ist. Seil* s:.m, ein Fest der Natur, au dem nicht wir die hehre, freie (lottesnatur aufsuehen, sondern an dem sie uns ihre letzten llerbstboteit in die dumpfen Hetstnben senden mult, damit wir ihrer nicht gänzlich vergessen. Aber nicht immer war cs so. Mit welchem lubcl wurde nicht Sukkaus im Laude der Väter begangen. Pa zog mau, pilgerte man hinaus ins Freie und schlug seine Ilütten linier (Julies freiem lliiumel auf, eingedenk der Weisung: ״In Ilütten sollt Ihr sieben Tage wohnen, damit noch Hure spätesten (Jesehlechter wissen ,vlall ich mein Volk in Hütten wohnen licll, als ich es aus Aegypten führte!“ Port konnte man den Zusammenhang zwischen Mensch und Natur enger knüpfen: Mensch und Natur gehören ja unlösbar zusammen; weh dem Mcusehen, vier dem entsagen will, er weil! nicht was er verliert. Alles Bewältige, Lrliabeue, was wir sinnen und was w ir zu vollbringen wünschen, haben wir der reinen Ursliiume der Natur abgelauscht; hören wir nicht mehr auf sie, werden wir entwurzelt, verlieren wir den Zusammenhang mit der Muttererde, mit dem Hmlen, dann veiliereu wir unser besseres Selbst. Niehls Uleiehwertiges mul geistig Fbculütrtiges können wir aus uns seihst allein gebären Jie Natur allein ist die I ehriueistciin unseier (ledanliem:,mge. Pie llcobacluung ihres Wirkens und Schattens ersehn*"’ uns die Oelieiiimisse des Lehens, sehärit unseren 1 Pick und Versi.uid und offenbart uns die Harmonie des Alls. Am SiiKkausfeste wie an keinem zweiten Tag im Jahre kommt es uns zum Hw ui;:* sein, dal; wir Hodeiilosc mein Vollmeusclien sind in des Wortes wahrster Hedeuluiig. Hin Volhiieuseh wurzelt in seinem hrdreieh gleich einer stämmigen und kernigen Liehe, den Stürmen trotzend, seiner Kraft, die er aus dem Hoden immer neu wieder sangen kann, stolz, hewulii. Wir sind mir Schemen, die jeder Windhauch verlegen kann, die zittern müssen vor dem leisesten I iiiichen. da sie kein Lrdrcicli besitzen, j in dem sie Wurzel schlagen mul sieh behaupten | konnten. Wir hören nicht mehr die Stimme vier N.iinr. denn wir sind ihr ciitircmdcl wurden, seitdem unsere Hände es verlernt haben, das l'.rdrcich zu he• arbeiten mul aus ihm Kraft mul Nahrung za. ziehen. Pcslnlb weil wir nicht mehr ihre malmenden Worte seruelimeti können und mir deshalb isi es nmgheli, dal• wir das ticbot vier Natur, ihre elen1cntar.su׳ und! uMgvbni'uic I urvk,״ng, das Prinzip der F.rlinl- 11111 g 1111 d F o r 1 e n 1 v i e k c I u n g <| c r A r 1 vorgesseu haben mul jahrv.c'iiitcl.iiig eine Siuidc auf uns; luden, die bisher ohne ‘ ileichcn dastellt 1111 Schuld*; Imeli vier N. tut den s ,׳stematiseh begonnenen und fm le.esetzteii Versuch des Selhslumrdes. Nur Ment scheu, die jede Fühb.;״g mit der Natur verloren hauen,; denen ihre gewaltigen ethischen Oriiiulgcdnnken ׳ fremd mul iiiifnilbar geworvleii waren, 1,01111 teil sieb ] zu dieser Tal aiifscliw mgen. Nur in verzw eifelten j Beliiinen konnte dieser Bedanke geboren werden, i Ihr. die ihr vlen Tod unseres Volkes, sein rastloses! Aiilgcheii wollt, wir verweisen Luch auf das Sukkaus-! fest und rufen Luch entgegen: An diesem Fest des 1 Lebens mul vier Ruckcriiutcrung an eine eminente k׳•! beiisseböpferisclic Tal fordern wir von Luch das : Leben der Unser!!! Lrwaclien sollt Ihr aus Liircm | Traume und in die reale Wirklichkeit Luch hinein• er- I sitzen. An diesem Feste der!Natur lernt •incli v<>11 * der Natur! Lernet, dall nicht das sehmutz.r4Mc ,jc> wurm, nicht der elendeste Käfer sich veranlai;! sielij. selbst seinem Leben ein Ziel zu setzen, weil ci ,!״J! etwa tilötzlich in den Sinn kommt, sein h',״|;(Hf tnoclile vielleielit iur einen lebendigen!.*•wen g,!M|!ca werden! — Per Selbstmord wäre w i d e r ,״ז;,ן,.ן^ lind uns möge die Vernunft, die uns doch ui,f Jaj Tier erlichen soll, vor einem Schritte hcw .1!!, ], dem seihst das Tier — zu vernünftig ist! Unsere Vater wohnten j.ihrzchntebnig in Hutten als \\ ., t weil ihnen die Aussicht winkte nach Ai!,,! ,,jj^ Muhen das Land vier Verlichtung zu crrcivä.(1 l״,j dort endgültig Ruhe mul Frieden zu iimkii, j/)c storrige» Menschen, die liartnäekigen Trotz;,׳ Lein wertvolles Mensciienmatcrial fnr eine , Heimstätte waren, sie muhten atissurbui Wüste. Sie sollten nicht einst die Wonne dürfen, freie Menschen auf eigenem 1500111 dürfen, weil sie zu engherzig waren, die (> Liithehrungen auf sieh zu ncluiien. die zur 1 ilieses Ziels unumgänglich notwendig u... gaben eine sichere Zukunft auf um der sei,: minnliehkeh 11ml Sicherheit des AugeubhU Nur die durften das gelobte Land schauen, v hielten in Frcml und Leid, in Hunger 1:...! Augenblicken der Furcht nml der Y< 1/a«. verkörperten, obwohl sie du• Minderzahl Lebenskraft und den Lebenswillen des g.!: ,, darum durften sie am Lehen bleiben in Volksleben noch schauen. Pas alles z Rückblick auf die Geschichte des 511 Werden wir einsichtig genug seid, •ms ihr Paim wird auch uns ehe Sehnsucht packn, Lande der Vcrlieiüung, nach dem eige:... nach dem Neuaufbau unseres Volkslebens 1111' diese Sehnsucht tragen wie auf st.uk, . fituclicn durch die Jahre der Wostenwan k Not. der angstvollen, niederdrückeiuku \er hiniilur in •las Land, ׳dem vor 2000 Jahren Schneit der Almen galt. - Zuruck zur Natur! Zuruck zur Vumiuü /um H(>den •and damit zum Leben! Pas alles 11.1t Ulis der kleine I esisb.ni, ׳—' neue S't r.lls VII) »•IMvS'.vV 1 <׳• an w’t ■ 11 ä,t 1 > l'״Jv:■. .. u׳״j 1 \ :luv : Jcr .;!un? .1. lie't'Ä /...־; ät >1>ic, die : -.re Ute ׳•! tkf : :,iiJ.M sein zu ■1••! und ■ ahjijj II Itc. w 111 vii. durch* .־st. ווו : Sic lei). 6c Vclkts ul• llagosi Dr. Murmoreks Anlilubeö.;ain Pie ziilie J'orselierarbeit unseres Parssi• <iesin* miiigegenossiii Marniorck ist in unseren Kk<h1/־ stets mit besonderer Teilnahme verfolgt ..:kn. Unsere Leser entsinnen siel! ge will der b \n• griffe, die Vor .1,ihren seitens der Ang< ' ••:.ח <׳ ,!v\ ,.Institut Pasteur“ gegen den Belehrten ׳,;■ ׳kn wurden und des temperamentvollen Artikels.;cm M.1\ N <1 r d a 11 iur den zu Unrecht v..: ..;an Fteutul eiugwUeten ist. Ma1»־...u ks geniale i •וי• schlingen auf dem Bebietc der Tiibcrkuhiwiv• kämpfung scheinen sich nun (10*11 l.mgsani!Iur sicher trotz, aller Anfeindungen dtitcbzu י t/eit; Mc eilten fr;mz,»>*iscl1en m e d i z. i n i s c 11 e n K ה• grell, der dieser Tage cr*׳f:'ne: wurde, er*;.•:etc Pr. Alexander Marumrck He rieht ober die m,t *, ,״cm Tiibcikiiliiiseruin erzielten Lrfolge. Fr icv :״me die Resultate von 1211 wissenschaftlichen \•; 1 die aber 1700 Heobachtungsfa'.k• berichten.!a es gehmgen ist. durch die rektale Ni.vvn. * k* Per Golem von; David E r i sc 11 mn n 11.! (Ans (Um Hebräischen übersetzt : von J o s cf Meis 1.) i (Scltluft.)! Gegen Abend, . . ( K‘m.cii Abend sitzen z.wei unter dem Kirsch* bäum int (}arten. Weilte!,»litten fallen von Zeit >.u Zeit auf j sie herab und bedecken sie wie Kcgcnlropfeii 1 und (allen au( ihren Kopf, ihre Schultern, ihre! Brust mul hüllen sie ein, bis sie ganz, weih sind, j Hann lacht das Mädchen übermütig laut. Doch j der Jüngling nimmt eine Hand voll weißer Blii* ten und reicht auch ihre eine HandvoU und blickt sie an. Hie weiße Farbe schmerzt ihn eine Weile. Sie erinnert an den Tod. Seine Lippen murmeln in diesem Augenblick etwas ganz. anderes. Wie lilau ist doch der 1 limniel, wie sanft die Luft und wie grün die Erde. ‘ Was wollen die Menschen, daß sie in allen Winkeln scharren, um die Mittel zu entdecken, die ihre Lebenslust töten? Und doch haben wir nichts als das Leben der flüchtigen Stunde! Wenn ich einen 1 Augenblick vorübergehen lasse und ihn nicht י bis auf den (jrinul genieße, tun aus ihm ein wenig Leben z.u schöpfen, dann schwindet dieser Moment für immer dahin und kehrt niemals in allen Ewigkeiten wieder. Was wollen jene Menschen, daß sie mit sieben Augen suchen, um das Wesen einer Sache z.u entdecken, und so ihr Leben in trüben Gedanken verbringen? Wer heißt sie ihre Forschungen ansteUen, mn das wenige Hule noch z.u trüben? Trotz, all dem haben wir nichts als das Flüchtige, und das Ewige meidet uns! Iß, trink’ und genieße das Leben. Heil Himmel kannst du mit der Hand nicht fassen, und was man nicht greifen kann, existiert nicht. . . Er faßt sie bei der Hand, küßt sic, blickt sic an und küßt sie wieder. Her Sturm in seinem Herzen hat allmählich nachgelassen. Verstummt sind die!Tagen in seiner Seele, alle seine Gedanken und Spintisierereien sind verflogen. Jetzt ist ihm wohl, daß er von all dem nichts weiß. ♦ Abends ... Am Abend rudern sie in leichtem Kahne auf der Moldau. Ein sanfter Wind weht ihnen entgegen und fächelt ihr Antlitz. Das Mädchen erfaßt das Ruder mit leichter Hand und bewegt langsam das Fahrzeug vorwärts. F.r sitz.t da mit gekreuzten Armen und träumt. I lie mul d.t, wenn ( das Ruder auf die Wasserfläche fällt, spni/s ein weißer Schaum auf mul fällt auf ihre K Lider, ) mul sie freuen sich beide und Indien. Wie kleine 1 Kinder lachen sie. Stille herrscht ringsum und bedeckt Erde und Wasser. Und sie!!.:mnen! und wissen nicht warum.; * '« Nacht . . . j Arm in Arm schreiten sie zusammen Airdi 1 die Nacht. Ab und zu wird das F.cho ihrer Sunnit’ vernehmbar. Niemand außer ihnen bl da. keine! lebendige Seele. Sie gehen auf mul ab. ן Ungezählte Klänge und halblaute abgeri*• 1 *eile Töne, deren Sinn nicht wiedcrz.ugclvn M. I dringen aus dem!Meere der Nacht hervor. PL' J Stimme des Todes, die Stimme der Vergäiiglidi* ן keit und des wunderbaren Wiedererstehen* j klingt ihnen entgegen. Auf dem Wege zttm j Walde blitzen Feucriunken. Johanniskäfer; leuchten am Felde auf. Auf der grünen Fläche siiz.cu die beiden und halten einander fest umschlungen, während da* Dunkel sic umfängt. Es schweigt die Nacht und hütet still ihr Geheimnis.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.