Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1910)
- Date
- 1910-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r I I I I I I I I I I I I Abonnomonta 1ul die wöchentlich am Frei, ui ertchcUende ,,JOdlicI» Knnduhau" koste■ bei der KsptdlUon und bet allen Post• imtcrn vlcrirlllhrllch 1.23 M. •nueihtlh Ueaischlandt eia Oesterrrlch-Uniarns 2,— Mj (Sr Mtttllcder ISdlscber Ver* tlaa Im SammelbeiHi derch de■ Verein I.— M. Verla! Jldlsche Raadecbii I’.. Q. m. b. H. Berlin SW. 48, Zlmmeritr. TT. Qescblllsstunden: 3 bis 7 Uhr auticr Sonaabead ■ad Sonaus. r Anzeigen kosten (Or die lOnfiespaltene Pelliielle oder deren Raum 25 Pli : Siellen-Amtboie and Oesucbe sowie Vercinsmittellunten 11. ״Kleine Anteile■‘* nur IS Plf. oooojooo Manuskripte werden. wenn Porto beilieft, stets rurück- «esandi. — Kcdiktionsscliluia Mittwoch vormiiuis. Redaktion jadlscke Randscka« [lerlln.Churloitenliuri. Blelbtreastr. 4*. Tel. Cb. MSI. Sprechstunden Dienst«! und Doaaeutai 5-6 oaclimnugt. gyciBOSSMll Ed HY UN® Nummer 42 Berlin, den 21. Oktober 1910 —18. Tischri 5071 XV. Jahrgang Ausweis Heim Zionistischen Zcntrulburcnu sind in der Zeit «111 12. Oktober bis zum 20, Oktober folgende Be* 1*;c ciugcgangcn: Isaac Hoschwitz-Bcrlin II, Rate 20 Mk. Jahresi.itrag, N. N'.-Crosscn 10 Mk. Jahresbeitrag. Briescn ־. ‘ Mk. Schekel. Leo Rcichcnbach-Tlude \Ü Mk. ' Jiresbeitrag. Bis zum 12. Oktober betrugen die Einnahmen an .'.hekcln 4643.50 Mk.. an Landesbeitrügcn 3053.30 M. ml an Jahresbeiträgen 8702.20 Mk., so dall sich die : •m.ihmeii nach dem heutigen Ausweis auf 4653,50 '״■tk Schekel, 3,15.1,50 Mk. 1.» miesbeit tilge und 02.20'י Mk. Jahresbeiträge stellen. Herr Lehmann Die breite Öffentlichkeit hat bisher nichts um Herrn Lehmann gewußt, sie würde ihn vielnicht auch noch lange nicht kennen lernen, wenn wir ihr nicht zu Hilfe kämen. Aber wir wollen es kurz machen und den Leser nicht auf die Folter spannen. Also ■— Dr. Lehmann heißt der neue Rabbiner, pardoit Prediger, der Berliner jüdischen kefomigcmcinde. Die Rcfomigemeindc führt iin allgemeinen ein ziemlich stilles und beschauliches Dasein. Ihre Mitgliedcrzahl ist seit Jahren stabil, ihr Gottesdienst an Sonntagen ist sehr viel leerer als der in den Synagogen an Sonnabenden, und aller propagandistischen Kraft ist sie längst verlästig gegangen. Der Versuch, mit dem bis dahin absoluten lieben Gott in ein konstitutionelles Verhältnis zu treten, und au seiner Gesetzgebung parlamcntarisch mitzuarbeiten, um sie zu ״tnoilcrnisieren“ hat Fiasko gemacht, wie bei dem ungleichen Kräfteverhältnis der in Frage kommenden Faktoren ja schließlich nicht anders zu erwarten war. Aber das sind Uebcrzeugungsfragen und man soll jedermann auf seine Fatjon seclig werden lassen. Ja, selig werden lassen? Danift bt’s nun leider auch vorbei, seit die Leiter der Reform Herrn Lehmann enga- « i e r t 11 a b e n. Und auch noch mit manchem . iideren ist's *n der Johannisstraßc aus, wie wir gleich sehen werden. Herr Lehmann hat nämlich, wie wir hören, an den hollen Feiertagen zweimal gepredigt. Am \ «)!abend des Neujulirstagcs und tuu VevsöU- יו mgsfeste. Der Inhalt der ersten Predigt war d:e Darlegung, daß alles in der Welt ״mit na* imhchen Dingen zugehe“, die naturwissens häßliche Anschauung berechtigt und die ganze i \istcnz der Menschen auf Erden Selbstzweck sei. Der veraltete Unsterb- 1! hkcitsglauben wurde zum alten Eisen gewor Ln, die harrende Gemeinde darüber aufgeklärt, daß wir nicht auf ein Jenseits hoffen, sondern »ms hier abfinden sollen. War dies schon von seiten eines Geistlichen kuwunderlich, so sollte es doch noch besser kommen. In der zweiten Predigt erklärte Herr Lehmann den ״Gläubigen“ zunächst, daß der ,Ursprung aller Religion in dem Kinderglauben der Vorzeit liege, die Naturkräftc zu personifi* zieren. Furcht und Dankempfinden seien der Urgrund des Religiösen. Offenbarung sei Le* gendc. Und wohin gehe nun die Entwicklung? Zur Abstreifung alles Mythologischen. Das ..Do Zlonlimui eritrcbt lür da> IUöiicIio Volk dtp bchatlunu einer ollvmllch-rcchtllch «ciicherten HcliniiBMO 10 PililMlna." Untier Programm, Aus dem Inhalt Herr Lehmann. — Die Patiisitiiamimmcr der ״Well**. — Snkkuiis. — Der brave Mann. Von ücori׳ II ccli (-Leipzig. — Jahresbericht der Zionistischen Ortsgruppe HaniUuru-AUonu. — Dto Aussichten des liidlschcu Kaulniamis hi 1’aliistlnu. Von II ans Goslar. — Aus aller Welt, — Zloiiisitsclio Bewegung. — Vom Zionismus. — Uundsclimi der Presse. — Aus den Gemeinden. — Vcrclns-RiinUscliaii. — Literarische Rundschau. — Feuilleton. Judentum habe gelernt, den Gott nicht mehr im Weltall, sondern in der eigenen Brust zu finden; im Menschen lebe der Gott. 111 allen Menschen, bei allen Völkern. In diesem Sinne hätten die Psalmisten geschrieben. Es helfe nichts, an Wun* der zu glauben, nichts, Gebete zu murmeln. (Wörtlich!) Und weil unsere Ahnen uns dies Glauhcnscrbe überliefert hätten, sei es nur angebracht, ihrer in der Seelcnfcier zu gedenken. Alles das belegt mit zahlreichen Zitaten unsrer gangbarsten deutschen Dichter. — Wir glauben, Goclhe, der im Grunde seines Wesens so Religiöse, von Gott und Unsterblichkeil so Ueberzeugte, hätte gestaunt. Uns minderen Sterblichen darf es also auch nicht verwehrt sein. Ungefähr sagt das der Pfarrer der freireligiösen Gemeinde auch, nur mit ein biß• dien anderen Worten. Also, unsere Viitcrwarcn offenb a r d e r A u s i c h t, d a ß e s w e d e r e i n c n U n s t e r b 1 i c 11 k e i t s g l a u b e n , noch einen persönlichen Gott gebe. Diese Entdeckung war H e r r n L c h - m ann Vorbehalten. Wir streiten nicht im geringsten mit ihm, denn wir werden alle erst nach Verlauf einer Anzahl von Jahren (hoffentlich) wissen, ob er recht hat. Aber von der Kanzel einer jüdischen Gemeinde sind das bisher noch ungchörtc Klänge. Und unerhörte. S o wird also, uni mit den Worten des letzten liberalen Wahlflugblattes zu reden, das der Vorsitzende des Vorstandes der Rcfonngcincindc und zwei andere Reformmitglicdcr gezeichnet haben, ״ die Andacht im Gotteshaus und das Vrständnis für die Gebete gehoben.“ Ist das ״Ubcvahsmus“, oder ein ״uferloser Radikalismus“, der alles jüdische Empfinden zerstört? Ist das Seelentrost für Bereu ende, die doch nicht in den Gottesdienst des Jom Kippur gehen, um naturwissenschaftliche Vorlesungen zu hören, monistische Plattheiten, sondem um Trost im Leid zu finden?! Das sind Steine statt Brot, das ist nicht Judentum, sondern Haeckel mit einem Schuß, ethischer Kultur, und die ״veralteten Formen der Orthodoxie“ von denen das Flugblatt der Liberalen redet, sind mit den in ihm verkündeten Tröstungen für Kummerbeladene Gemüter jedenfalls noch n ü tzli eher,. als dieser Eisstrom, der die Glaubenshoffnungen sch lägt, statt. si*c zu beleben. Einen Emil Cohn, der als ein aufrechter und bewußter Jude, sich zu seinem Stamm und den Hoffnungen auf eine neue Blüte desselben bekennt, entläßt man. Herr Dr. Lehmann darf ruhig sein. Er ist ja kein Zionist. Und der Liberalismus ist ja duldsam, so duldsam! Die Palästina-Nummer der ״Welt“ ist soeben zur Ausgabe gelangt. Mit lebhaftem Interesse hat die gesamte zionistische und ei» «roher Teil der jüdische» Ocffentllchkeit dem Erscheine» dieser Sondernummer, für deren Herausgabe Verlag und Redaktion der״ ׳WeL“ umfassende Vorbereitungen getrofien hüben, clUgegengcsch'en. Die Fülle, Manigfaltigkcit und Gediegenheit der Beiträge, verbunden mit einer vornehmen und überaus reichhaltigen 1!lustrativen Ausschmückung dieser wohl einzig in ihrer Art dastehenden Schrift, dürften selbst die kühnsten Erwartungen iibcrtrcffvn. Im Nachstehenden geben wir unsern Lesern eine Inhaltsangabe der einzelnen Beiträge und behalten uns eine eingehende Würdigung für die nächste Nummer vor. Agronom Aaronsolin: Eine landwirtschaftliche Versuchsstation in Palästina. J. Aliuroni: Forschungen in Nordsyrien. Arcnowitz: Die indische Arbeiterfrage in Pakistina. Dr. Elias Auerbach: Eutwickluugsuussichlen der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Rcgicrungsbaunicister Bacrwald: Bauprobicmc in Palästina. Dr. Simon Bernfcld: Palästina in der jüdischen Rehgionsgcschichtc. Dr. M. I. Boden 11 ei mer: Der jüdische Nationalfonds, ein Volksschatz. Dr. Frey er: Die licbr. Journalistik. M. Eisen stiult: Die jüdischen Kolonien in Palüstina. Dr. M Gluck sohn: Das Werkder Cliowcwe- Zion. Dr. Grünliut: Die indische Bevölkerung Palästinas. A. IdeIsohn: Die Jemeniten. Dr. Je II in: Die hebräische Sprache in Palästina. S. Joffe: Sanitätswesen in Palästina. Dr. Beruh. Kahn: Dia Arbeit des Hüfsvcreins deutscher Jaden in Palästina. S. Kaplansky-Kaplan: Die Sicdlungsgcnosscnschaft in Palästina. Dr. N. K a t z c n c l s 0 h n: Die Anglo - Palestine- Company. M. Klc inmann: Die Arbeit der Genial! in Palüstina. Ober•!!)«. Lau: Palästina im Knotenpunkt des Welt,״ Verkehrs. Sarah Lea: Tel-Awiw: der jüdische Frühling. D. Le von tin: Das Kreditwesen in Palästina. Dr. Heinrich L 0 c w c: Bibliotheken in Ercz Israel. J. Luncz: Die hebräische Literatur in Palästina. Dr. Mettmann: Das hebräische Gymnasium in Jaffa. J. Mccrwitsch: Der Weinbau in Palästina. Dr. Hans Mühsam: Das Hygienische Institut in Palästina. Rabbiner Dr. NiemIrower: Eine jabnchistischc Akademie für Palästina. Dr. A. Ruppin: Die Palestinc-Land-Dcvelopmcnt- Company. Dr. A. Sandler: Heilquellen und Hygiene in Palästina. Prof. Boris Schatz: Der Bczalcl. Dr. Schlesinger: Die Tachkemoni-Schutc. N. Sokolow: Palüstinlsmus und Nationalsprachc. Dr. Täübler*. Palästlnabcstrebungen im XVI. Jahr- hundert Dr. B. Thomson: Palästina-Bibliographie.