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Jüdische Rundschau · 1910-09-23 · Heft 38 (23.9.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 38 (23.9.1910)
Date
1910-09-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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i dieser ie Eretwa Leben erson Wie nalige in des aufe rseits verlaneti• ecgcn aber laben, Aalten um in ' die ) so ründe »Elias!ieheti. u, die fgend* er nir• Ausfit sich rumpit durch 6 t zc" dort ־,rötest zieht, onicrs Denn, sehen• In das federen einer ,e, hat!hieden des len in eerden linden. chrcibt en An• über!Juden• Im An• in" zu [!selben tut An• Rezie• |t. Ob• heillt, j Christiwcsenl Gene-; die : wird war, : |ützt er Forloch so litt vor* Vordem int der im eine :r sitzt Lippen was Ien verlangen, ich ist, hatte!gehört weiter ewi* zu ergerade nd mir eiüiche No, 3S. I U E Dl SCH E RUNDSCHAU Seite 451. I,cit von Juden wirtschaftlichen Schaden erleide, so Konnte man doch dies*״ Schritt als eine wirkliche Erleichterung“ mr die Juden liinneluncn. würde cs ” ■h nicht uni eine solche lüchcrlichc Kleinigkeit Slwll •יי•*•- •••י IMVIIIIKKCI handeln. Was bedeuten die acht Fleckchen gegen- ״ber den ungeheuren Wolmreclilsbescliränkungcn der sechs Millionen Juden im /iarcnrcichcl Das zweite ״Svmntom" ist eine Scnatscntsclicklung uui die Reklamation einiger an sgc w i c-san c r Inden im Gouvernement Jekatcrinoslaw. Die AusweiMiiiKcn wurden von der Administration lolgg״- jermaden begründet: ״Die Betreffenden hatten eine so /. i >1 ie Revolution nropugicrt — doch konnte cs iwi ihnen nicht festßcsicllt werden." lieht russisch! Beinahe ccistreidi! russisch! Ikiiuilie gcisTrcicli! Der Senat vermochte sich aber diese eigenartige ..Bcgründuinr•• nicht ui/.ucigneii .' ׳ •י ~ •׳ - * b c: e '! i a u f. und hob den Ausweisung» . , l.'arin soll nun ein ,.günstiges $11111':־’״״׳ zu erblicken sein? Allerdings: in Ruß- Und euii auch die geringste menschliche Handlung Jen ■1״den gegenüber als etwas Aullcrgcwöhiiliches ,,׳:ge•. heu werde״ .V;1 Sonntag, den 11. September, fand in Odessa die 'rsat/walil eines Duinaabgcordncten von der cvMcn Oucssacr Kurie an Stelle des frciwiHij? zuriuhgcirctencn A. Brodsky statt. Da sich diesuui!׳••:er den jüdischen Wühlern kein einziger fand, der I > :cit gewesen wäre, eine Wahl anzuncluncn, so c: Jen sich alle progressiven Wühler auf die K.1!k!;״.mr des konstitutionell-demokratisch gc• smntci! Dr. Tschauschansky, wahrend die reaktionär• antisemitische Gruppe sich für Baron Rcno entschied. Die O.cssaer Stadtverwaltung und vor allen Dingen der .1!i1״iichtigc Stadthauptmann Odessas, General Tolma.schew, taten nun alles, was in ihren Krüftcn 1,1 g. um den fortschrittlichen Wühlern mit Gewalt und oft'cnktiuligcr Fälschung das Mandat zu entreißen. Pie jüdischen Wühler ließen sich indes nicht einschüchtern. Freilich konnten sic diesmal nicht mehr ihrem Kandidaten gleich beim ersten Wahlgange die absolute Majorität verschaffen, wie 1909 bei der Wahl lirodskys. Immerhin brachte cs der Kandidat Jcr h'rtschrittlichcn, Dr. Tschauschansky, auf eine relative Mehrheit. Er erhielt nämlich 517 Wahlzettcl, während der Gegenkandidat, Baron Rem518 .׳ und der Kandidat der Oktobristen, Kasarinow. nur 63 Stimmen auf sich vereinigte. Am Sonntag, 18. September, fand nun die Stichw.1111 /wischen Tsehuschansky und Rcno statt. Da Jie <׳.t iiktobristischcn Stimmen bei der Stichwahl 3a::;r!icl; dem Kandidaten der Schwarzen Hundert tugcf.i'.’cii sein dürften, da cs ferner ein Leichtes ist, weiteren 30—40 jüdischen Wählern inzwischen das Wahlrecht zu nehmen, so ist cs nicht unwahrschein• Ich. daß diesmal die parlamentarische Vertretung der ersten Kurie Odessas einem ״Vcrbündler" zugefallen ist. Südafrika Aus Kapstadt wird der ״N. J. K." gekabelt: Am 15. September wurde das Ergebnis der Wahlen für das erste Parlament der ״Vereinigten St.i.uen von Südafrika" bekannt gemacht. Danach Mild bisher drei Juden ins Parlament gewählt u< rJon: Mr. Max Langermann (Nationalist) für Kmgcrsdorp. Mr. Lionct Phillips (Unionist) für Ycovillc und Mr. Morris Alexander (Schwiegersohn des Professors Dr. S. Schcchlcr, Rektors des Jüdlsehen Seminars in New York) für einen Bezirk in Kapstadt. Mr. Alexander ist Mitglied des Oroßcn Aktionskomitees der Zionistischen Organisation. 1 Amerika Aus New York wird der ״N. J. K." berichtet: Die Zionisten New Yorks haben der Stadtverwaltung einen Antrag unterbreitet, eine Straße oder einen Park in New York nach Dr. Theodor Hcrzl zu benennen. Türkei Aus Konstantinopcl wird uns geschrieben: Am Sonntag , den 7. Elul (11. September), hat sich nun das große Ereignis vollzogen, über dessen Ankiiiidigung hier alle Welt staunte. Der Mlschüscli 11111111111, der grolle Rntskiirpcr der ottomnnischcn Judcnhcit, hat selbst seinem Dasein ein Ende bereitet. inwieweit cs wirklich freiwillig geschehen ist, wird man wohl schwerlich erfahren können. Es dürfte dabei mehr als ein gelinder Druck seitens des Konsistoriums mitgewirkt haben, wenn dies auch in der entscheidenden Versammlung nicht uugcnschcinlieh hervorgetreten Ist. Die historische Sitzung fand am erwähnten Tuge im Hause des Großrabbinats statt unter Teilnahme der Mitglieder des Mischlisch dschismani (des Exekutivkomitees des Großrabbinuts) und des Mischlisch ruchuni, sowie der übrigen Laicnmitglicder des Mischlisch amumi. Die den Teilnehmern zugegangene Einladung enthielt folgende Tagesordnung: 1. Eröffnungsrede des Oberrabbiners; 2. Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Mischlisch dschismani; 3. Neuwahl des Mischlisch dschismani. Diese Gegenstände riefen in der ״Nationalvcr- .Sammlung" fast gar keine Debatten hervor. In seinen Ausführungen über seine und des Konsistoriums Tätigkeit während der letzten zwei Jahre kennzeichnete der Obcrrabbiucr nur in allgemeinen Strichen den Inhalt und die Richtung dieser Arbeit, und fügte hinzu, zu seinem Bedauern würo cs aus Mangel an materiellen Mitteln, nicht möglich gewesen, seine großen Absichten und Pläne zu verwirklichen. Mit dem darauffolgenden vom Sekretär erstatteten Kassenbericht war der Rechenschaftsbericht erschöpft. Weder der Oberrabbiner noch das Exekutivkomitcc ersuchten die Versammlung um ihre Zustimmung zum Rechenschaftsbericht und die Erteilung eines Vertrauensvotums. Dann aber folgte de־ Coup der Sitzung: die Verlesung der schriftlichen I) c 111 i s s i o n s c r k Ui r u n g des Mischlisch umuitii, an die sich lange und erregte Debatten anknünften. Die denkwürdige Versammlung schloß mit der Wahl einer sicbengllcdrigen Kommission mit dem Oberrabblncr an der Snitze, zur Fortführung der Konsistorialgcschüftc bis zur Wahl eines neuen Mischliscli uitiumi. Damit war ־!׳•s ״historische Ereignis" zu Ende. Der ganze Verlauf der ״Nationalvcrsamiuhing" mußte auf jeden Unbefangenen den ungünstigsten Eindruck machen. Man vermißte da die Bekundung jedes clcmantarcn Organisationsprinzins und gesellschaftlichen Verantwortlichkcitsbcwußtscins. Entlastung wurde nicht verlangt: der Kassen- und Rechenschaftsbericht war von keiner Revisionskommission geprüft; der Hauptheratungsgegenstand befand sich gar nicht auf der Tagesordnung — alles Dinge, die geradezu unbegreiflieh erscheinen. Die ganze stauncncrrcgcndc Angclegenheit der Demission des großen Ratskörpers erhält durch diesen wenig wohltuenden Abschluß einen noch auffälligeren Charakter. PALA€5TI NA-RUttDSCH AU Nach der Weinlese in den judadschen Kolonien Einer der erhebendsten Momente im Leben der weinbauenden Kolonien ist die Zeit der Weinlese, des ״Bazir" oder ״Vcndcngc", wie man cs teils hebräisch teils französisch hier nennt. Voll sind die Weinberge von Arbeitern, die die süßen Trauben vom Weinstock pflücken und sic sodann in Körben auf vollbeladenen Wagen nach dem Keller führen. Freilich ist cs betrübend, daß die vielen Scharen der Arbeiter in den Weinbergen nicht Juden sind. Dies geschieht nicht einmal in der Kolonie Reehowoih, die die grüßte Anzahl billiger jüdischer Arbeitskräfte in den jemenitischen Familien besitzt. Immerhin aber werden; alle Arbeitskräfte aufgeboten' und Männer, Frauen und Kinder sind in Anspruch genom• men und eine große Anzahl von Juden aus Jerusalem finden in der Bazir-Zeit eine sehr einträgliche Bcschäftigung. 1111 großen Weinkeller in Rischon arbeiten in dieser Zeit mitunter bis 200 Arbeiter, alle Juden. Dafür hat ja schon die Vorschrift über ״Ncssach" gesorgt. Auch der Rechowother Keller des Wcinbaucrn-Syndikats beschäftigt mitunter bis j 80 Arbeiter. Ein reges Leben herrscht hier. Das im Lande sonst übliche langsame ״orientalische" Ar- י beitstempo wird schneller und lebendiger unter den - Einfluß der im Keller arbeitenden Maschinen, die in rasender Schnelligkeit ganze Kanturc von Trauben im Nu verschlucken, den Saft auspressen und die kolossalen Fässer füllen und leeren. Man arbeitet mitunter 15--16 Stunden im Tage und arme Jcriisalemer Schlucker verdienen bis 5 und 6 Francs taglieh. Die ganze Kolonie lebt in einem freudigen Rausch und vergißt vorübergehend die üblichen Klagen. Und in diesem Jahre gibt cs mehr als sonst za klagen, weil die Ernte zumeist ziemlich schlecht ausgefallen ist.• Mehrere Tage mit besonders heißem SirokkoAVinde haben die Baumblüten zu schneller allzu früher Entfaltung gebracht, die Ende April cingctrctcncn allzu heftigen Spätregen mit Sturm und Hagelwetter haben sodann die zarten Früchto vernichtet und die Fruchtbäume entblößt. Dadurch ist insbesondere die Trauben- und Mandelernte eine viel schlechtere als int vorigen Jahre. Man schätzt in Rischon den Minder-Ertrag der diesjährigen Ernte gegen das vorige Jahr auf 50000 Frcs. auch die Getreideernte ist in Judäa und mit wenigen Ausnahmen in ganz Palästina eine ziemlich miß* ratcnc. Insbesondere sind die Laubonnen (Full) und der Weizen schlecht ausgefallen. Zu dieser schlechten Ernte tritt die andaucm de Weinkrisis hinzu, welche große Ver- Stimmung in den Kolonien hervorruit und zu Rcibungen zwischen den Kolonien und Spaltungen innerhalb der einzelnen Kolonien führt. Es gibt eine Partei, die als radikales Mittel gegen die Krisis das Aushacken eines großen Teiles der Weinleben kennt! Schwankt er nicht selbst von Stunde zu Stunde, und fährt er nicht allstündliclt mitten in seinen Forschungen auf und fraßt sich selbst: Womit wird er sein Leben vollenden? Gibt cs überhaupt ein ewiges Leben? Ist dies nicht vielleicht nur eine leere Phrase? Sieh’ midi mal an, mein lieber schöner Golem! Du bist ein Mensch, dem Hin! vollkommene, gesunde Sinne verliehen wurden, du selbst kannst alles prüfen und seine Bedeutung erkennen. Frage dich einmal selbst: Weißt du, was ״ewig“ ist? Gibt es auf der Welt denn ein anderes Ding als den gegenwärtigen Moment, als das Leben der Stunde? Wenn du eine Stunde verträumst und *ic nicht zu deinem, zu deines Lebens Nutzen «mweiKlcst, das heißt nicht deinem Gefühle und l-111pfi11den lebst — dann ist diese Stunde in Wahrheit verloren und kehrt niemals wieder. Das Leben der Stunde ist das einzige fassbare Ding, das wir kennen. Was jene ewiges Leben nennen, ist nur eine Phrase, deren Wirklichkeit der Mensch nicht beweisen kann, und die höch* stens der Phantasie eines Lügners, Narren oder irrsinnigen entsprungen ist. Schade um jede Minute, die du vorübergehen läßt, ohne sie zu fcben, ohne sie mit deinem ganzen Wesen, deiner Seele und deinem Körper zu genießen. Auch dein Lwen ist kürzer als es erwünscht wäre. Und du sollst leben, leben und das Leben genießen. . . Der Golem hört es und ihm scheint, daß er all dies längst von selbst empfunden. Alle diese Worte sind nur ein Bild dessen, was er selbst in dunkleren Bildern in seinem Herzen längst gefühlt hatte. Und ohne das er die Augen schließt — küßt sic!ihn auf die Augen, die Lippen, die Stirn. Er fühlt, daß ihm jetzt leicht zumute ist. Im Bcth-ha’ Midras zur Zeit des Gebetes. Der Golem sitz da, auf der Stirn die Teffilin, den Kopf mit den gelben Locken auf die Hand gestützt, und er träumt. Warum mußte mir dies passieren? Und dies ist das Unglück, daß der, welcher mich, den Golem, bildete, mir einen Körper mit zwei Seelen gab. Oder ergeht es jedem Mensehen so? Sonderbar wäre es um die Welt bestellt, wenn der Mensch mit einer Seele und zwei Körpern geschaffen worden wäre, die ihn bald dort, bald dahin ziehen. Jetzt aber hat er zwar nicht zwei Körper, doch zwei Seelen, die ihn hin und her schleppen. Wenn Eva spricht, so scheint alles, was ihrem Munde entströmt, wahr und richtig, und er weiß nichts darauf zu erwidern; doch wenn der Maharal spricht, glaubt er, daß dies der Inbegriff der Wahrheit sei. Wird dieser Kampf mit dem eigenen Ich noch lange währen? Oder ist dies der Kampf jeglicher Kreatur? Und hört er nicht früher auf als das Leben selbst? Der Golem nimmt die Tefillin von der Stini und legt sie auf den Tisch. ) Was ist mehr? Himmel oder Erde? Herz 1 oderHim? Seele oder Körper? Schönheit oder Weisheit? Lyrik oder Philosophie? Glaube oder Wissen? Eva oder der Maharal? Dann setzt er sich wieder an den Tisch und stützt seinen blonden Kopf auf den Rücketi der schönen Hand, und ein Sonnenstrahl spielt über den blauen Adern seiner dünnen Fin״er. Keines von beiden steht höher. Den einen zieht dieses, den anderen jenes Wesen an. Doch das ist das eigentliche Unglück, daß in der gleichen Minute, in welcher einen das eine Wesen anzieht, das andere kommt und nach einer anderen Richtung zerrt. Und dies Unglück rührt daher, daß der Mensch zwei Seelen besitzt! Herr der Welt! Wann werden die beiden Seelen in dem einen Körper sich versöhnen? * Ein regnerischer trüber und kalter Tag. Die ganze Nacht hatte es geregnet, Tropfen auf Tropfen und an dem darauffolgenden Morgen

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