Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1910)
- Date
- 1910-09-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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lto־SpeKulationen Die ״Ilo", das Zcntralorgan der ״Jcwisli Tcrritorial Organisation", briiigt die folgende Nachricht, deren furchtbare Lehre hoffentlich von den jiUllsehen Ltuidsnehem aller Schattierungen nicht «an 1 auller Acht «classcn werden wird: ״H r c in c n, Am 13. d. M. langten hier 27 jiidisehe Emigranten an. welche der 41. Partie der Ito-Emigrantcn angätürten und zum Landen in Oalvcston nicht z.tigeiasscn wurden. Beim Ankoinineii der Zurilckgcwicscncn waren Mr. Zangwill, Dr. Jochehnann und Mr. Josef Fels zugegen. ' Auf der darauffolgenden Sitzung des Londoner Komitees wurde der Besehlull gefallt, den 27 durch die Zurückweisung stark geschädigten Auswanderern eine materielle Unterstützung zuteil werden zu lassen, obwohl die ..Ito" au und für sich natürlich keine Verantwortung für die unbcrechcnbaren Launen der amerikanischen Regierung übernehme״ kann. Unter den 27 Leuten wurden ca. 1*1 OÜÜ Pres, verteilt, wodurch sie auch eine hübsche Summe für die Neueinrichtung in Rulllaud zurückbclialtcn konnten. Die Freude und die Dankbarkeit dieser : heute war auch unendlich und üulierte sich in j begeisterten Ovationen, die Dr. Jochehnann zuteil; wurden." Der Zionismus j und seine Feinde 1 Jean Matliieu, ein Mitarbeiter des ״Matin", widtuet in einer der letzten Nummern des genannten Blattes dem Zionismus einen längeren Aufsatz. Nachdem er im wesentlichen wiederholt, was unser Qesimumgsgenosse Alfred V a I c n s i In Tunis seinerzeit in den ״Dokumenten des Fortschritts" über die Judcnfragc, speziell über die Verhältnisse in Rulllaud gesagt hat, gibt er einen kurzen Ueberblick über die Geschichte des Zionismus, den Valensi als einzige Lösung des J u de n p ro h le in s anerkannt hat und führt die Thesen des Baseler Programms an, um schließlich in interessanter Weise die bisher erzielte» Ergebnisse und die weiteren Aussichten des Zionismus einander gegenüberzustellen. ,.Welches sind die bisherigen praktischen Rcsultate des Zionismus?" tfjic sind bescheidener Natur. Palästina zählt vorläufig nur eine jüdische Bevölkerung von 100 000 Seelen. Immerhin, sagt Valensi, ist die physische Entwicklung der Kolonisten sehr hemerkenswert. Der nach Palästina verpflanzte Jude macht eine glückliche Veränderung durch: er gleicht in nichts mehr dem ärmlichen, blutarmen und vernacliiussigten Paria, dem man in den ühetti von Galizien, Rußland und Rumänien begegnet. Er hat besseres Blut und stärkere Muskeln bekommen und ist kräitig, mutig und energisch geworden. Wenn sich auch das jüdische Volksleben noch in den Anfangsstndicn seiner Entwicklung befindet, so darf 1mm doch nicht Übersehen, dal) der Zionismus bereits Feinde in den Reihen der Juden seihst besitzt. Dies sind vor allem die europäischen Juden und unter ihnen vorwiegend die ro ich ein, die fürchten, dal) man aus Sympathiekundgebungen für den Zionismus bei ihnen auf einen Mangel an Pa- Der Golem von David F r i s c h m a n n. (Aus dem Hebräischen übersetzt von Josef Meist.) (Fortsetzung.) — Hüte dielt deine Augen nur für eine Minute zu schließen, sonst küsse ich dich auf deine Lider. Sein bleiches Antlitz errötet ein wenig. Rasch erhebt er sich und beschließt zu gehen. In seinem Kopfe tauchen unklare Gedanken auf, er gedenkt des Ausspruches ״wer da sagt: Wie schön ist dies Blatt Rapier, hat sein Seelenheil verwirkt“, und ihm scheint, daß dies Weib der Satan ist, der böse Trieb, der Feind der Heiligkeit. Doch wie schwer sind seine ™ r^c sc^wt'r־ Er ist nicht imstande, sich vom Platze zu rühren. ~ 0 du törichter Mensch 1 Von heute ab wil ich dein Gott sein. Ich will dich beleben und dich töten — sagt sie plötzlich zu ihm, als 00 sic m seinen Gedanken lesen könnte. Der Golem fühlt, daß seine Kraft zuende geht, und daß er nicht mehr weiter kämpfen trioiisnms schlichen konnte. Ferner sind es die Rabbiner, die von Anfang an und besonders im Hinblick auf die Irreligiosität der Führcr-des Zionismus in ihm eine antireligiöse Bewegung sehen. Es ist also klar, da» die natiounljüdische Idee einen langen Kampf führen muß, tun im curoplüschen gebildeten Mittelstand Eingang zu finden, dessen jüdisches Leben seine Richtlinien noch von den großen philanthropischen Gesellschaften, wie z. B. der Alliance Isruölitc Universelle, erhält. Es fragt sich nun, ob nur diese Motive die Lut- Wicklung des Zionismus zurliekhaltcn und die geringe Sympathie erklären, die man ihm in den Kreisen, die gewissermaßen die jüdische Aristokratie repräsentiereu, entgegenbrlngt. ln sozialer Hinsicht hat der Zionismus die Nationalisierung des Bodens und die kooperative Organisation der Produktion in sein Progranim aufgenommen und einige seiner .Anhänger gellen sogar bis zur Idee des Sozialismus. Die Anführung dieser Tatsache dürfte genügen, um das Verhalten des jüdischen Kapitalismus zu erklären. Es wäre naiv, wollte er eine gegen das K a * pital gerichtete Bewegung (?) unterstützen, ln dem Augenblick, wo der Zionismus nicht mehr ein einziges Ziel verfolgt, sondern, wo seine Tendenz sich verdoppelt und dem Sozialismus in die Hände arbeitet, müssen notwendigerweise die Feinde des Sozialismus auch diejenigen, des Zionismus werden. Was wird unter diesen Umstünden aus Satz *t des Baseler Programms, und wie kan» der Zionismus mit gutem Gewissen die öffentlich-rechtlichen Darantim der Regierungen für die Gründung eines revoiutioiiäreu Staates in Palästina verlangen? Zion als Hauptstadt des Zionismus läßt man sich gefallen, aber Zion als Hauptstadt des internationalen Sozialisiims? ] Diese Idee ist es offenbar, schließt Mathicn, die 1 den Zionismus beeinträchtigt. Wer mehrere Ziele zugleich verfolgt, ist der Gefahr ausgesetzt, keines davon zu erreichen.“ —• Es bedarf fiir unsere Leser keiner Auseinandersetzung, was an diesen jedenfalls Interessanten Aus* ן führungen richtig und was falsch ist. Unrichtig ist vor allem, daß der Zionismus sich irgendwie mit dem ' Sozialismus identifiziere. Eine große Reihe zionisti- I scher Unternehmungen sind rein kapitalisttj scher Natur und müssen cs sein, andere wieder nähern sich sozialistischen Prinzipien. Eine nationale Bewegung wie der Zionismus wird eben stets alle Richtungen in sieh vereinigen müssen — auf politischem Gebiete ebenso wie auf religiösem. Darin, daß eine bestimmte Richtung zur allmächtigen werde, liegt allerdings eine Gefahr, aber die hat der Zionismus bisher stets glücklich zu vermeiden gewußt, und er wird sich auch fernerhin in dieser Beziehung in kein Extrem drängen lassen. 1111t. Das ״Zionistische Merkblatt“, welches aui dem Dclcgiertcutag allscitigen Beifall fand mul ein vorzügiiehes Material zur Orientierung über alle zionisti* sehen und Palästina-Fragen bietet, ist einzeln zum Preise von 20 Pf., bis 100 Exemplaren für 15 Pf., bis 500 Exemplaren für 10 Pf. von der ״Zionistisehen Vereinigung für Deutschland“. ChailoUenliurg, Bleibtreustr. •10, zu beziehen. i: AUS ALLER WELT::; Deutschland Ein Artikel, den Herr Jacob Fronur dieser Tage in der ״Zukunft" veröffentlichte, weckt die |:r. f inncrung an seine ״Affäre", die damals, vor etwa sechs Jahren, weit mehr Staub im jüdischen Leben I aufwirbeltc, als cs die Bedeutungslosigkeit der Person jf verdiente, um die sich der Streit drehte. \\־,׳ | unseren Lesern erinnerlich, redete der 1l..iuai;KC 1 Bibliothekar der Berliner Jüdischen Gemen■,!g ]n | einem polemischen Artikel der Auflösung des ן Judentums durch die Masse:!t;tuic I seiner Anhänger das Wort. Man nahm jiuli•« : erseits den Fehdehandschuh auf und Herr Fron,*.7 ver- I schwand .... Ein Zwerg hatte sich an eine '׳ ׳ar.cn• [ arbeit gewagt und war gescheitert. Die Abwehr ״egen I den seichten Demagogen war notwendig, wo■! aber { denen, denen sic oblag, wenig Freude bereit , ,bcn. Denn die Mittel mußten sich allmählich de; Mallen des Gegners bequemen. Nun beklagt sich Herr Fromcr wk\! r.iai in der ״Zukunft" — in rührseligem Tone!.,׳ d;t ihm /.!!gefügte Unhill. Er hatte es '1 so schön gedacht: als ״Jacob Fromcr" die sichere;,:runde des Gemcindebeamtcn zu genießen und ui•- ..Elias Jacob" gegen das Judentum zu Felde zu dien Hätte er die Folgen seines Vorgehens ge. de Veröffentlichung wäre unterblieben .. . Fromers Don Qui.xote-Schicksal wird kaum gvr.J• wo in jü di selten Kreisen Mitleid, gewiß r nirgends Sympathie erregen. Dorthin waren sc! Aus• führungen wold auch nicht gerichtet. Die antisemitische Presse aber nta sieh ihres Gesinnungsverwandten an und iil-e;:;;.mpf: Fromers Artikeiüberschrift ״Moderne Felm! «torch das Stichwort ״J (i d i s c 11 e M e 11 s c 11 e n;1! / y m. ä. Ganz albern ist die Parallele, die man dort zwischen der jüdischen Abwehr und dein :*: te*«: gegen die Maßregelung christlicher Geistlich!; /;eh:. ,zu dem sich doch wiederum Imchstuns imuers ״jüdische" Gesinnungsgenossen berufen fühlten. Denn, wer innerhalb des Judentums mit den iurmeben• den Meinungen dissentiert, wird zum mindesun das gleiche Maß von Toleranz finden, wie cs in anderen Gemeinschaften geübt wird -- wo sic v׳vir.« kleinen Gcmeindcoligarchic verweigert wus.h. hat ein jedesmal die Mehrheit der Gemeinde entwhivden Stellung genommen, — aber die Feinde des J u d c n t u m s. mögen sic nun ihren Posten in jüdischen Acmtern oder sonstwo fassen, weiden stets und überall entschlossenen Widerstand f.ndcn. I Russland | Unser Petersburger Korrespondent f uns; ן Zwei Vorgänge ans der jüngsten Zeit gekn A!.• S lall zu vielfachen Deutungen und Verimitunau. uh! l das Verhalten der maßgebenden Faktoren zur .luder.• 1 frage. Der Beschluß des Ministerrats, ach; : ■\r• 1 siedlungsravon belegene Dörfer zu ״St.idul1׳n erklären mul den .luden das Wolmrcehl m de;.'•׳,:!•,:, zu gewähren, wird von den Gemigsameii 1:׳..! Ar.• I spruchslosen als eine ״Konzession" der k’u.e• 1 rung au die Juden und als Symptom bezeichn!.US gleich es in der Begründung dieses Besclilus'-o he;.׳:, dieser erfolge mit Rücksicht darauf, daß u;e chr.s:• liehe Bevölkerung jener Dörfer durch die ASum;.• Und sie redete zu ihm Schmcichclworte, Worte der Liebe. Einen Augenblick hört sein Merz auf zu schlagen, und dann wird ihm plötzlieh so leicht zumute. Nun kann er gar nicht begreifen, wie er nur einen Augenblick anders denken konnte, wie es überhaupt anders auf der Weit sein könnte. Und er fühlt jetzt, daß dies das wahre Leben ist und daß es kein anderes Leben gibt. - - Dieser närrische Alte! - sagt sie und ihre Stimme klingt wieder wie eine Metallglocke. — Was hat er in seinem ganzen langen Leben erreicht? Siebzig Jahre ist er jetzt alt und sein Lehen hat er an eitle Träume gehängt. Achtund* zwanzig Jahre hat er seinem Leben gestohlen. Was hat er davon? -- Nach seinem Tode, wenn seine Zeit tun sein wird, wird irgendein Schuster und Schneider kommen und sein Bild im Keller oder in der Mansarde über dem Belte hängen, — doch die Welt wird wie früher bestehen. Dasseihe Gras auf der Flur, das vor tausend fahren aus dem Erdboden sproßte, wird auch nach weiteren tausend Jahren aus dem Erdboden emporwachsen,— und es wird sich daran nichts ändem. Was heute draußen der Hund bellt wird auch nach hundert Jahren gebellt werden und ebenso wie die Sonne jetzt aufgeht und darauf die Finsternis kommt und sodann die Sonne wieder aufgeht, so wird sie nach tausend Gene• rationell auftauchen, und darauf wird die Finsternis folgen, und am nächsten Morgen wird sic wieder aufgehen. Alles bleibt, wie e* war. bis ans Ende der Generationen. Wem tu׳•:zt er mit seiner Wellabgeschicdcnhcit und seine!! For• schlingen? Kommen wir durch einen noch >0 tiefen Gedanken auch nur lim einen Scliriu vor• wiirts? Und auch das Böse bleibt wie v!!rdein in der Welt, so wie cs heißt: ״Es sinnt (Kr Mensch Böses von Kindesbeinen an!" Der Golem fühlt, daß in seinem Gehirn eine gewaltige Veränderung sich vollzieht. Er sitzt da und brütet schweigend vor sieh hin. __ Wehe denen — murmeln seine 1 ippeü wie im Traume, und er weiß selbst nicht, was er sagt •— wehe denen, die das ewige Leben vor* lassen und sich der flüchtigen Stunde anhangei!. Die da verlassen, was ewig unabänderlich b'• und aus dem die Seele ihr ewiges!.eben hätte schöpfen können. . . Was ich lernte, das gehört mir ewig. . . — Und er — redet das Mädchen weiter dieser Tor unterfängt sich dir von dem ewi• gen Leben und der flüchtigen Stunde zu *־t־ zählen? Er? Er soll cs versuchen, ntir gerade ins Auge zu sehen, wenn er spricht, und a!'r zu erzählen, daß er das ewige und das zeitliche