Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 37 (16.9.1910)
- Date
- 1910-09-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651657-2651695--07287-2664441- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 37 Seite 441 l’s i11s*l;u1u das Referat der Herren Prof. |1r, Warburu 1״'aIü s t ina als jüdisches Arjn'i t'«1י יc t" und das von Pr. Oppenheimer ,Pu־ n 1 r 1 s e 11 a f 11 i c 11 c K r sc 111 ic fl u 11 g Pa- ״ ׳ ן s". Heide Referate kümicu weiten R;u1m- 1;;,;11C‘־ ־ erst in miserer nächsten Nummer veröffent- |1,•In "־*־ulen. ין Eröffnungssitzung bedeutete eine glanzende Rmleiiane in die Verhandlung des Dclcgicrtcutugcs. Pie RJer.ite gaben eine klare Darlegung der Ver- IuIiukh in der deutschen Laudes-Orgnnisation und der wichtigsten Probleme der Arbeiten der gesamten Partei!11 Palästina. Sie gaben auch dem zahlreich ervl!;.■neuen Publikum den besten Beweis lllr die LekaM.ihigkcit, die!•'riscltc und die ernste Arbeit, di. :1 der zionistischen Organisation tagtäglich j1״a:• geleistet wird. NüchmilUifls-SUzuno ' ׳.;u.» valent Qroncmami eröffnet die Sitzung mit Vu mg der zahlreichen emgegangenen Glück- \u;1'. ־ und HcgriilJtmgstclcgrammc; insbesondere l;ec Schreiben der xxestösterrcicliischcn Landesorc. ■ vitiim des iiicilei liiinlisclten Zionistenbundes und der ׳ Jt\vci/or Zionistischen Vereinigung vor. י > erster ergreift Herr Pr. Hans llcyiituttn das \V< 1׳! seinem Referat über die Hinanzen Geehrter Helegiertentag! 1 •זי• und Budgetreden sind den meisten Mensc•;«, cm Gräuel: einmal verstehen sie nichts davon, mul .11111 iimsscn sic doch zahlen. Aber dieselben :..su eiligen Budgetdebatten sind in allen Ländern hu her der l'.ckstein des Parlamentarismus und der l'e u.itic gewesen, sie haben Peel und Glad- >:׳• c zu unsterblichem Ruhme geführt, sic mü.i!1 den letzten Jahren überall der Tummelplatz. «.'«; heftigsten Intercssenkoitfiikte gewesen und \u im im normalen politisclicu Leben eines Volkes MC!' eine grundlegende Bedeutung beanspruchen. Wir körnten cs daher als ein Zeichen politischer IhLrcntwickhing unserer zionistischen Organisation bc:r.einen, wenn Budgetfragen allgemach einen gr< cren Raum in unseren Debatten beanspruchen. Alkidings besteht zwischen unserer Volksorganisation uml dem Staat, der politisclicu Organisation anderer Volker, ein fundamentaler Unterschied: meine Kollegen können dem faulen Zahler den Stcuerexckutor auf den Hai' schicken und notfalls Zwangsanlclltcn aufnehmen: ich kann äußerstenfalls grobe Briefe schreiben und muß imitier und immer wieder an die Gcs.iim! :gstreue und freiwillige Opferfreude unserer b’remule appellieren. Unter solchen Umständen ist cs eine Danaidcnark•.:. ein Budget zu balancieren. Ich muß Ihnen lenkt eine Abrechnung für die Zeit vom 1. Juli 1908 I.' 0. Dezember 1909 vorlcgeit, die das f’.iitstchcn e ius Defizits von über 3000 Mark ergibt, eine Abruinmng. die noch mein Vorgänger auf diesem Herr Max Wollstcincr, aufgemacht liat,!!!״׳: Jt selbst kann Ihnen in der per 31. August aufge;! chten Bilanz nebst Gewinn- und Vcrlustrcchnto.g leider nur von einem Anwachsen des Defizits!»teMut. Ich muß sogar darauf aufmerksam machen, ׳•1׳!• •las Defizit noch um fast 1000 Mark größer wäre, '*«1 ־ die Art der Rechnungsführung nicht geändert xx •:■’en xvürc und nicht, um einen klaren Ucberblick ul. unsern Vermögens- oder vielmehr Schuldenk <t.il zu gewinnen, eine richtige Bilanz aufgemacht xi .«•׳.. m der die Aktiva der Betriebskonten zu ihrem v<>; n Werte aufgenommen und entsprechend von den IV. •sten abgesetzt sind, während ein derartiges VorsW!ן unter den früheren einfachen und kleineren Knsscnvcrhühitisscn mit Recht überflüssig erschien. Ich holle, daß Ihnen die neue Form der Rechnung*- mifmachimg nicht weniger deutlich sein wird wie die bisherige. Line Revision war in den wenigen Tagen nicht mein• möglich und wird am Jahresende 1taelty.it• holen sein. Die Gewinn- und Verlustreelnumg ist ohne weiteres klar. Zur Bilanz sei bemerkt, daß der Geschäftsfiihrcmlc Ausschuß sich in diesem Frühjahr bei einem befreundeten Bankhaus gegen persönliche Garantie mehrerer Herren einen ausreichenden Betriebskredit gesichert hat und von diesem seinerseits unserem Parteiorgan, das bei seiner ständigen Ent- Wicklung gröllcrcr Betriebsmittel bedarf, ein Darlclm von •UHU) Marl: gcxvälirt hat. Um Mißverständnissen vor/.ubeiigcn, sei betont, daß es sieh nicht etwa um Deckung eines Defizits d •r ,.Jüdischen Rundschau" handelt, sondern um einen geschäftlich durchaus ׳/,u rechtfertigenden Betriebskredit. Die ״Jüdische Rundschau" arbeitet, wie Sic wissen, mit sehr geringen Mitteln, ist aber bis jetzt noch immer ohne irgendwio erhebliche Verluste durcligekommen und dürfte in absehbarer Zeit bei Ausdehnung unserer Organisation sogar nennenswerte Uchcrscltilssc abwerfen. Jedenfalls Ist das der Rundschau gewährte Darlclm als g u t zu betrachten. Die anderen Aktiven sind schon oben erwähnt worden, zum kleinen Teil sind es wie die Passiven außer der Bankschuld Verrechnung*- Posten. Die Ursache des Defizits liegt, wie Ihnen schon im Bericht des Geseliüftsfülircnücn Ausschusses mitgeteilt xvurde, in den durch Ausdehnung unserer Propaganda sehr stark angewaelisenen Bureau• und Agitationsunkosten. Wenn auch in den kommenden Jahren nur mit einem Anwachsen dieser Spesen zu rechnen ist, so wird das nufgeweiulete Geld erst dann volle Erträgnisse liefern. Schon jetzt ist cs gclungen, die Einnahmen zu verdreifachen. Der Etat für das Jahr 1911 ist in Ihren Händen. Er weist gegenüber dem im Mai veröffentlichten Voranschlag eine Erhöhung tim •1000 Mark auf, die sich nach der per 31. August aufgemachten Rechnung als unumgünglich lierausgestellt hat. Zur Deckung des Etats hat der Gcschüftsführcndc Ausschuß zwei Maßregeln vorgenommen: 1. Er hat die festen Jahresbeiträge cingcführt. eine Maßnahme, die ich schon 1907 die Ehre hatte im Namen der deutschen Lniidsmaiuiscltaft dem Haager Kongreß für die Gesamtorganisation vorzuschlagen, und die sich für unsere deutsche Organ!־ sation vorzüglich bewährt hat. Sie hat wohl liauptsächlich deswegen solchen Anklang gefunden, weil sic indem jeder nach seinem Vermögen beizutragen moralisch verpflichtet wird, eine rein demokratische Stcuerform darstcllt. Wir rechnen bestimmt darauf, sic auf 12 000 Mark jährlich zu bringen. 2. Er hat den Antrag gestellt, den Landesbeitrag auf 3 Mark zu erhüben und von dessen Zahlung das Wahlrecht zum Dclcgicrtcutng abhängig zu machen• Wenn, was bestimmt anzunchmcn ist, 2000 Gcsimumgsgenossen je 3 Mark Beitrag zahlen, so sind weitere 6000 Mark gesichert und der Etat balanzicrt. Unter diesen Umständen dürfte cs sich er- (ihrigen, auf die von dritter Seite vorgcschlagcncn Steuerprojekte cinzugchcn. Eine Lustharkcitsstcucr ist umständlich, kostspielig und bringt wenig ein, außerdem wirft sie einen Tropfen Wermut in den Becher der Lustbarkeit. Die Vermengung von Organisationsbeitrag und Nationalfondsspcndc ist äußerst gefährlich angesichts gewisser Tendenzen. Zwecke zu nehmen, wo immer Geld sein mag und bedroht im letzten Ende unsere gesamten Finanz- Institutionen. Der dritte Vorschlag, die Beträge zu vereinheitlichen, ist. so berechtigt er im Grunde ist. Gelder für angeblich unumgänglich notwendige verfrüht: denn bis wir nicht noch straffer organisiert sind, bestellt die Gefahr, daß zu viel Geld in den Ortsgruppen kleben bleibt. Nach obigem besteht kein Anlaß zu einer bcsonders pessimistischen Beurteilung unserer Finanzen, wenn jeder einzelne von uns restlos auch finanziell• wo cs gerade bei den wohlhabendsten manchmal hapert, seine Pflicht tut. Die Hauptschwicrigkcit wird cs sein, die 5000-6000 Mark, die uns bis zum 31. Dezember 1910 fehlen, zu bekommen, denn es wäre uns im höchsten Grade unerwünscht, unser Defizit auf 10000 Mark anschwellen zu sehen. Wir würden dann viele Jahre brauchen, um es herunterzuarbeiten und es würde unnütz Zinsen fressen. Hier in den nächsten Wochen und Monaten gilt es hauptsächlich auzusetzeu. Ich bin am Schluß. Ich bitte Sie: 1. Herrn Wollstcincr für die revidierte Rechttung per 31. Dezember 1909 Decltarge zu erteilen. 2. Mir selbst Decltarge zu erteilen für die unrevidierte Zwischcnrcchming per 31. August 1910, vorbehaltlich der buchmäßigen Revision. 3. Den Etat pro 1911 in vorliegender Form zu genehmigen. *1. Gemäß Antrag des Gescluiftsführenden Aus- Schusses die Erhöhung des Jahresbeitrages auf 3 Mk. usw. zu beschließen. 5. Folgenden Beschluß anzunchmcn: Der XII. Delegicrtentag der Zionistischen Ver- ־ cinigung für Deutschland macht cs sämtlichen der deutschen Landesorganisation ungehörigen Gcsinntmgsgcnosscn zur moralischen Pflicht, gemäß ihrem Einkommen und ihrem Vermögen Beitrage für die deutsche Landesorganisation beizustcucrn. Hallen wir unsere Finanzen in Ordnung, so sind wir schlagfertig, so werden wir im jüdischen Leben Deutschlands und int zionistischen Leben der Gesatmorganisation stark und mächtig sein, so werden wir in vervielfachtem Umfange arbeiten können für unser Ziel: die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für unser Volk in Palästina. Sodann erstattet Herr Llchtliclm den Bericht der Nationalfonds-Kommission, den wir in der nächsten Nummer wiedergeben werden. Nach Anhörung der Referate trat der Delegiertentag zunächst in die Generaldebatte über den Bericht des geschüitsführendcn Aus- Schusses ein. Als erster ergreift, mit Beifall begrüßt. Herr Dr. Heinrich Loewc (Berlin) das Wort. Einleitend weist der Redner auf die große Bedeutung des Herrn Dr. Bodcnlicimer fiir die zionistische Bewegung Deutschlands hin. Daraufhin gellt er zur Kritik des Geschäftsberichtes über. Er schlägt vor allem eine Palästina-Ausstellung vor, da man durch die Vorführung von Bildern aus Palästina sich eine große Wirkung auf das jüdische Publikum Deutschlands verspricht. Er wendet sich im weiteren Verlauf seiner Rede gegen den Vorschlag, den Landesbeitrag von 1 Mark auf 3 Mark zu erhöhen, da dies im höchsten Grade undemokratisch sei. In kultureller Beziehung wird sehr wenig geleistet. Es mangelt oft an jüdischen Kenntnissen selbst bei den Fülircru. Er weist besonders auf die mächtig aufblühende Organisation für hebräische Sprache und Kultur liiu, die xlle Zionisten Deutschlands nachdrücklich unterstützen müßten. Auch der soeben in Gründung begriffene 11 e b r ä i - *ehe Vortrag ״Tchiair müsse die Unter- Stützung seitens aller Zionisten erfahren. In unserer Zeit vollzieht sich die Hehräisierung der östlichen Juden, ln diesem bedeutungsvollen Prozesse dürfen die deutschen Juden nicht beiseite stehen, sondern müssen tatkräftigst cingrcifcn in die Hebung der hebräischen Sprache und Kultur. Löst die Roschhaschanahwünsche durch den Nationalfonds ab! m: 2 Soeben erschienen! Zionistisches jüerkblatt Soeben erschienen! Taschenkalcndcr-Format. 64 Seiten, mit Raum für Notizen. — Kürzeste und sahneUste Information über die zionistiacho Bewegung und ihre Institutionen, über das ganze jüdlacHe Palästina. Mit Kalender und Kartenskizze der jüdischen Kolonien in Palästina. Bel 500 Exemplaren Stück io Pfg. Bel 10o Exemplaren Stück 15 Pfg. Preis 20 pjg, Preis 20 pjg Herausgegeben und zu beziehen von der Zionistischen Vereinigung für BeutschlanD, Charlottenburg, Bteibtrustr. 49. 41- ■ 11־׳ ׳ ״n־