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Jüdische Rundschau · 1910-09-16 · Heft 37 (16.9.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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lUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 439 No. 37. Nr*, .'oscl Goldstern-Breslau, J. H. Schcrek-Posen, Mannheim Mnnassc- Posen, Sclutplra -Chemnitz, Hirsclil^nm-SirrtllbMrK. sind. nied. Bcrnhjij$( Rubin- 5tem-K0mgsbcrg. sind. Richard Lchfcld-Bcriin^ , Er gedachte ferner des Krollen Verlustes, den die gesamte zionistische Bewegung und gäTtz besonders ilic Mestiisterrcichisehc nnd die galizische Landsiiuunscluft durch den frühzeitigen Hingang des österrcichischen Kciehsratsabgcordnctcn I)r. Heinrich da bol erlitten liat. Oie Anwesenden hatten sich *u Ehren des Hingeschiedenen von ihren (»laJ/en erhoben.!׳> tolgi sodann der Hcricht des Gcschüllsführenden Ausschusses ״!.er ..i'Hii Tätigkeit in der Zeit vom 1. Juni 1908 bis dt. August 1910, den Rechtsanwalt pr. llaiuKe erstattete: u. Girier Bclegiertcntag! Der Bericht des Oe- 5ch.u:-führenden Ausschusses unseres Zentralkomitees ״>!:. »t sich über die Zeit van 1. Juni 1908 bis zun! 1׳. August 1910, also über mehr als zwei Jahre. 111 den beginn dieser Zeit fiel als eins der für uns wich;׳.•־steil politischen Ereignisse die Umwand- 1 u u. der Türkei in einen konstitutionellen <t.1.1 Sie ist bereits auf dem IX. Zionistcnkongrell a; 11. :iiluirg in ihrer Bedeutung für den Zionismus gew!.:.ligt worden, so dall hier wenige Worte ge* raute::. Die Revolution des 24. Juni 1908 brachte der 1'nrkci die volle Prcflfrcihcit und uns die Mosi.ehkeit zur zionistischen Agitation unter den linkischen Juden. Hs gelang unserer Partei•!c ts;, den scphardischcn Juden der Türkei.־ diesem 50 v״ rtvollen Bestandteil des jüdischen Volkes, das Ile״;Otsem des nationalen Zusammenhangs aller Juden /,11 vermitteln. Die Neuordnung der Dinge in Koii't.uttinopcl ermöglichte aber aucli eine stärkere Arl'e.t in Palästina selbst. Die Gründung des Palas11 na - A m t s. der stärkere Bodenkauf seitens des Jüdischen Nationalfonds, die Krottmutg der Bank in Konstant!nopcl. die Om!; Jung der Pa lest ine Land Dcvclopment Co., die Eröffnung der Filialen der Anglo Palest ine Co. in Haifa und Safed, die kräftigere Forderung des Bezahl durch Zionisten aller Länder, das alles sind Ergebnisse der praktischen Palästinaarbeit unseres Aktionskomitees in den letzten zwei Jahren. Gerade im deutschen Zionismus hat die Notuendigkeit dieser Arbeit nur nach langwierigen inneren Kämpfen allgemeine Anerkennung gefunden. Immerhin waren diese Kümpfe bereits im Jahre 1909 mt wesentlichen beendet, so daß sic bei den Wahlen zum IX. Kongreß im Dezember 1909 keine große Rollo ־׳;dir spielten. Die Zionisten in Deutschland konnten dahe׳ im Laufe der letzten zw ei Jahre ihre Auftuerksa1V.־t immer mehr der Entwicklung der de:!!sehen Landesorganisation zuwenden. iTr '•'! Delegicrtentng des Jahres 1908 in Br cslau hatte bereits nach dieser Richtung vorgeaii'eitet, indem er sielt hauptsächlich mit den Hez.ei..:;;gen unserer zionistischen Organisation zu den ubiu,־ t indischen Organisationen Deutschlands und mit den Fragen jüdischer Gcmcindepolitik beschäftigte. Du• l'.ntwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, wie wertvoll die intensive Beschäftigung des Breslauer Dclcgiertcntagcs mit diesen beiden Fragen und w;e r!eht1g die damals gefällten Resolutionen ge- ^eseit sind. Sic haben reiche Früchte getragen, ln allen grollen jüdischen Organisationen Deutschlands buk:! unsere Freunde in den letzten Jahren eifrig mitguirbeitet und sich vielfach durch ihre Tätigkeit untml.chrlieh gemacht. Die Entwicklung ist klar. In lur/.cr Zeit wird keine einzige jüdische Organi- '•■ti-Deutschlands die Arbeit ihrer zionistischen Mmmaler vermissen wollen. Andere jüdische Organisationen l-eidcr sind wir Im Sommer 1909 ln eine ernste Diffucnz mit der Deutschen Konfcrcnzgcmclnschaft der Alliance Isradlitc Universelle geraten. Der von dem damaligen Vorsitzenden der Deutschen Kon* lertii/.gcmcinschaft erstattete Bericht, der übrigens nicht nur unsere Entrüstung, sondern auch den energischen Widerspruch des Hilfsvereins der Deutschen Juden und der religiös rcchtsstchenden Elemente der deutschen Judenheit hervorgerufen hat, nötigte uns zu energischer Abwehr. Inzwischen ist die Leitung der Deutschen Konfcrcnzgcmelnschäfr >n andere Hände übergegangen, und wird, wie ־ 'wir hohen dürfen, andere Bahnen elnschlagen. ln einer Anzahl Jüdischer Gemeinden haben die Zionisten in die Ücmciudepolitik lebhaft cingegriffcn und versucht, den Ideen des nationalen Judentums Eingang zu verschaffen. Schon jetzt haben wir vielfach Erfolge erzielt und für alle Parteien in diesen Gemeinden ist eine Stärkung des jüdischen Lebens durch die Mitarbeit der Zionisten unverkennbar. Aber wenn cs auch gerade in den grollen Gemeinden im allgemeinen noch nicht gelungen Ist, ־zionistische Ideen zur Geltung zu bringen, so sind wir doch von dein festen Vertrauen getragen, daß unsere Zeit auch dort einmal kommen muß. Wir haben gerade in Deutschland die tüchtigsten und charaktervollsten Teile der jüdischen Jugend in unseren Reihen, und unser Nachwuchs wird dazu berufen sein, die Füllrung der deutschen Judenheit zu übernehmen. Wir haben beide Fragen, unsere Stellungnahme zu den anderen jüdischen Organisationen in Deutsch-!and und die Bedeutung der Zionisten im Gemeindeleben, auf diesem Dclcgicrtentag nicht wieder zur Debatte gestellt. Beide Fragen haben ihre prinzipiellc Erledigung gefunden. Beide Fragen werden aber auch in der Zukunft von der grüßten Bedeutung für uns bleiben. Denn die Verbreitung national-jüdischer Ideen unter den deutschen Juden, eine unserer wichtigsten Aufgaben, wird nur erreicht werden können, wenn wir neben unserer zionistischen Agitation versuchen, auch in allen die deutsche Judenheit als solche interessierenden Fragen uns durchzusetzen. Allerdings dürfen wir nicht der Gefahr unterliegen, daß sich In der Tagesarbeit für allgemeine jüdische Interessen die Kruft unseres nationalen Bewußtseins verdünnt und verflüchtigt. Bei all unserer Sympathie für die nichtzionlstischcn Organisationen, bei all unserem Verständnis für die Fragen der Verwaltung unserer Gemeinden dürfen wir nie vergessen, daß die Hilfe für das jüdische Volk nur gebracht werden kann durch die Erreichung unseres Zieles, durch die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Tätigkeit des Zentratbureaus Unsere zionisifschc Tätigkeit setzt sich für den Verwaltungsorgan^inus einer Landesorganisution naturgemäß in eine Reihe einzelner, an sich vielfach kleinlicher und unbedeutender Arbeiten um. Dclcgicrtcntagc und Kongresse sind dann die Gelegenheiten, um wieder einmal Rückschau zu halten und sich darüber klar 7.11 werden, ob diese Tagestätigkeit auch immer von zionistischem Geiste getragen war und zionistischen Zielen gedient hat. Auf den organisatorischen Rahmen unscrer Tätigkeit brauchen wir nur kurz cinzugehcn. Di» Arbeit unseres Zcntralburcuus hat sich immer mehr vergrößert. So haben wir in den ersten acht Monaten dieses Jahres 6700 Briefe, 800 Postkarten, 4000 Drucksachen und Zirkulare und 100 Pakete versandt. Die früher zahlreiche Versendung von Rundschreiben Ist fast ganz eingestellt worden. Dagegen ist unsere Korrespondenz durch die Einrichtung des Pa r t c is ck re ta r in ts, durch eine aui die speziellen Bedürfnisse der Ortsgruppen zugcschnittcnc Einzelkorr espondenz und durch eine intensive schriftliche Fühlungnahme mit den Hunderten von Zionisten, die außerhalb des Rahmens festgefügter Ortsgruppen zerstreut wohnen, um ein vielfaches vergrößert worden. Diese Methode der individuellen Korrespondenz hat sich als erfolgreich erwiesen. Zentralkomitee und Gruppenverbände Die verstärkte Tätigkeit des Zcntralburcaus läßt cs immer notwendiger erscheinen, unsere Arbeit noch mehr als bisher zu zentralisieren. Nur eine starke Zentra linstanz gibt die Gewähr für eine umfassende, dauernde und einheitliche Agitation im ganzen Lande. Die systematische Beeinflussung von Einzelpersonen, die systematische Gründung von Ortsgruppen haben eine einheitliche Verwaltung zur notwendigen Voraussetzung. Die Zentralisierung der Arbeit in Berlin erfordert aber zwei Korrelate: die Schaffung kleinerer Zentren in Form von Gruppenverbünden und eine Verstärkung des Einflusses der nicht in Berlin ansässigen Mitglieder des Zentralkomitccs, Nach beiden Richtungen stellt der Gcschüftsführcndc Ausschuß Anträge. Er schließt sich dem Antrag des Qruppenverbandes Mitteldeutschland [ auf obligatorische Durchführung der Qruppenverbandsidcc an und beantragt außerdem, unsere Sta- ן tuten dahin zu ergänzen, daß nicht nur wie bisher vierteljährlich eine Plenarsitzung des Zentralkomitees stattlinden muß, sondern daß aucli auf Antrag von fünf Zcntralkomitccmitgliedcrn jederzeit eine Sitzung einbcrulen werden muß, sowie daß die nicht in Berlin ansässigen Mitglieder des Zentralkomitees bcrcchtigt sind, sich bei Sitzungen durch andere Mitglieder des Zentralkomitees vertreten zu lassen. Doch soll niemand inehr als zwei Stimmen haben, damit die Beratung selbst nicht durch die Vcrcinigung einer großen Stimmcnanzahl auf einzelne illusorisch gemacht wird. Unser Verhältnis zu der gerade in Deutschland stark vertretenen Föderation Misrachi war nach wie vor ein gutes, trotzdem die Beziehungen beider Organisationen zu einander nicht ״rganisatorisch geordnet waren. Um jede Differenz für die Zukunft zu vermeiden, schlagen wir im Einverständnis mit der Zcntrallcitung des Misrachi folgende Regelung vor: Die Mitglieder des Misrachi können gleichzeitig Angehörige der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sein, müssen dann aber unseren Landesbeitrag voll an uns bezahlen. Außerdem sollen die misrachistischcn Vereine Sitz und Stimme in unseren Gruppenverbänden haben, trotzdem diese Gruppenverbände organische Bestandteil.־ unserer Landesorganisation sind. Oie agitatorische Tätigkeit Die Zahl unserer Ortsgruppen und Sehekclznhlcr ist in der letzten Zeit nicht in dem Maße gestiegen, wie in den ersten Jahren der Bewegung. Die alten Agitationsmöglichkciten waren erschöpft. Ohne einen Parteisekretär, der ständig für die Agitation zur Verfügung steht, ־.var die Gewinnung neuer Stützpunkte für den Zionismus nicht möglich. Die Ergebnisse der bisherigen Tätigkeit unseres Parteisekretärs geben uns die Gewähr, daß der Stillstand in unserer Organisation bald behoben sein wird. Die Agitationsreisen unseres Parteisekretärs (Ost- und Wesipreußen November 1909, Schlesien Januar und Februar 1910, Ostpreußen und Posen März 1910, Nordwcstdeutschland März und April 1910, Rheinland, Hessen, Hessen-Nassau und Süddcutschland Mai 1910) haben durch seine ntcihodisehe Agitation sowohl nach außen als auch in Bezug auf das innere Leben der Ortsgruppen gute Erfolge gezeitigt. Besondere Aufmerksamkeit haben wir der Presse zugewendet. Bereits für den Breslauer Delegiertentag batten wir einen besonderen Pressedienst eingerichtet. Ebenso haben wir die deutsche Presse mit Nachrichten über den IX. Zionistenkongreß versorgt und von Zeit zu Zeit, ganz besonders in den letzten Wochen zur Vorbereitung des Delegiertentages mit aulklärcndcn Notizen versehen. Wir haben mit Freude gesehen, daß viele Zeitungen, darunter ׳auch führende Blätter, unsere Nachrichten gebracht haben. Die Tatsache, daß im Winter zum ersten Male ein Zionistenkongreß auf deutschem Boden getagt hat. hat uns hierbei sehr geförder* Wir können mit Genugtuung konstatieren, daß Ule Totscliwcigetaktik unserer jüdischen Gegner in der jüdischen und in der allgemeinen Presse vielfach aufgegeben worden ist. Literatur und Presse Unser Parteiorgan, die ״Jüdische Rundschau", befindet sich in stetiger Entwicklung. Ihre Abonnentenzahl wächst dauernd, so daß sic jetzt eines der gelcsenstcn jüdischen Blätter Deutschlands ist. Leider hat sie gerade in Süd- und Westdeutschland noch nicht genügend Eingang gefunden. Wir hoffen, daß dieser Dclcgicrtentag dazu beitragen wird, diese Lücke unserer Organisation auszufiillen. Denn eine allgemein verbreitete Partciprcssc bietet die unentbehrlichste Unterlage nicht nur für die Agitation, sondern auch für den Zusammenhang in der Partei. Die ״Jüdische Rundschau" gibt uns allein die Möglichkeit, organisatorische Maßregeln durchzuführen, unsere palästinensischen Institutionen populär zu machen und unsere Sammlungen auszugestaiten. Um diesen ihren Sonderaufgaben gerecht zu werden, muß sich die ״Jüdische Rundschau" ihren Charakter als Agitationsorgan bewahren. Die Erörtcrung zionistisch-politischer Streitfragen dagegen muß in erster Reihe der ״Welt" als dem Zentral- Organ der Gesamtpartei überlassen bleiben. Die ״Jüdische Rundschau" wird dann noch wirksamer als bisher die Fortschritte unserer Bewegung unterstützen. Den intimen Zusammenhang zwischen der Redaktion und der Partei soll in Zukunft ein Preßausschuß wahren, dessen Aufgabe es sein wird, ge-

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