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Jüdische Rundschau · 1910-08-26 · Heft 34 (26.8.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 34 (26.8.1910)
Date
1910-08-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ggjMgjjMjj ■;aaa* iM• No. 34. lUEDlSCHil RUNDSCHAU Seite 405. 5C (i!r 1111s wirklich ein Opfer sein, vierteljährlich, oder!Pst jeden Monat, eine Mark z« entrichten? Pie Vorsitzenden der verschiedenen Ortsgruppen werden sicher darüber orientiert sein, welchen OesiumtimsKeiiossen sic die Mehrbelastung nicht 7.u-!innen dürfen, und es würden sich MiiistimmuiiKen jjCw!p leicht vermeiden lassen. Sara Kassrlcl, Posen. Consutes — I Ke re' v * c Kr!־ S.v Ke׳ de: mit Urwald bedeckt sind, der sehr schwer zu roden ist. WcstaustraIicn wird das ״Land voll Sünde, Sonne, Schweiß» Sand, Salz, Sorge und — sch lim in er Augen“ genannt. Und Sir Moore hat vorläufig auch nur versprachen, ״nach seiner Heimkehr den Plan dem Ministerium zur Beratung vorzulcgeti." War es zu viel, was in unserem Artikel ״Jernsalcmcr Spekulationen’^ über einen jüdischen Politiker Zangwill gesagt wurde? das russische Organisationskomitee, oder daß führende deutsche Oy nakologcn sich im geringsten »n gUicücr Richtung bemüht hätte n. Ja, ja, die Zeiten haben sich eben geändert. *ז י l\. Zionistenkongreß hat beschlossen, die ^•iiiNChuftlichc Siedlimgsmethodc in den Tätig- . iiucb der zionistischen Organisation aufzti- ,1% Pieser Beschluß ist einstimmig gefallt .111. Um die Durchführung dieses Beschlusses!i'igüclien, überläßt der Nationalfonds der zu er- **den genossenschaftlichen Kolonie pachtweise .!iorderiiehen Boden mul beteiligt sich an der schuifuug der zur Inbetriebsetzung des Landes 'erlichen Mittel mit 100 000 Frs״ sobald der aus;en .Mitteln zu bildende Üenosseiiscliaftsfonds ...eiche Höhe erreicht hat. .unit ist die vu.1 Pr. Franz Oppenheimer ־•> auf dem VI. Kongresse eingehend begründete einer?icdhmgsgenosseuschaft im jüdischen e in ein akutes Stadium getreten. Fine Stunde der Annahme des bedeutungsvollen Beschlusses ,;e der Präsident des Kongresses bekannt geben, der zu bildende ticnossenschaftsfonds bereits Summe von •10(101) Frs. erreicht habe. Sieben ■ •ite spater inulite das Komitee des jüdischen Oe- >ci:schaftsf011d$ zur öffentlichen Kenntnis bringen, die bisherigen Eingänge sielt erst auf •10 900 Mk. v teil, ' Ls hat Menschen gegeben, die aus der bc- '׳,erteil und tatfreudigen Stimmung des Kongresses; t ilatibcn gewannen, die Bildung des Fonds werde Werk eines Augenblicks sein. Diese Optimisten ,1 um eine F.nüäiischung reicher geworden. Aber ,uattd hätte damals wohl zugegeben, daß nach ■edigiing aller Vorarbeiten — und diese machen; volles Jahr aus *י der Beginn der Arbeit eine Wr/.ögcriing erfahren könnte, weil das von privater S ie erforderliche Betriebskapital dem Fonds noch r׳ itt genügend /.!!geflossen ist. Heute darf eine >׳ die pessimistische Ansicht nicht ohne weiteres v• :1 der Hand gewiesen werden. Und doch darf dies i״: Anfang Unwahrscheinliche unter keinen Umstünden V.teign'.' werden. IHr Kongreß hat in jener Stunde der Begeisten,!;.,׳ ׳■niicr dem starken F.influß einer glänzenden IVrv ׳!׳;clikcit gestanden. Pr. Franz, Oppenheimer ]!.!; d.ciiais Wunder gewirkt. Kein Wunder also, dali ui■־;׳■ K.iubt, durch ein abermaliges Kingreifen Pr. I'i■־•■:׳ Oppenheimers im Laufe des Herbstes werde dis;.«׳eh iehlende Kapital sieh cinlinden. Die Reellniii.g ist unbedingt richtig. Aber sollte es wirklich sein, daß um einer lächerlich geringen Summe ’v;!kn der Prophet durch die Lande zieht und die Hefter auiriittclt? Mir scheint es nicht ehrenvoll ״־׳ sein, bis dahin zu warten. Fs ist ohne Zweifel eine unaufschiebbare Pflicht derer, die auf dem Konerd! dem Oppenhcimcrschen Vorschläge jubelnd ihre JfüMiuiinung gegeben haben, in ihren Gruppen lind isen das schlafende Volksgcwisscn zu wecken, mögen Zusehen, daß das beschlossene Werk!erlci Aufschub erfährt. Videant Consulcs, ne c!uid nnicntj capiat res publica! Dr. L. Weinberg. AUS ALL6R W€LT « Deutschland * * le S׳• er zi: £1 Zangwill Wir halicn vor kurzem von dem neuesten ״Pro- •" Mr. Zangwills gesprochen, der in Australien an die liailic Million Hektar kaufen wollte — wie verbreiten ließ, schon beinahe gekauft hatte. Dawird der jetzt der ״Voss. Ztg." aus Adelaide eli rieben: ״Die Ansiedelung von (angeblich 100 000) Juden in Wcstaustralicn auf einer Flüche von 400 000 Hektar in letzter Zeit in London Gegenstand von Verh; ndlungen zwischen dein zurzeit dort weilenden I'r mier Sir Newton Moore und Zangwill gewesen •wm. Wer die Verhältnisse in Wcstaustralicn kennt, <rd zu solchem Plane den Kopf schilt- Hin. denn der Staat umfaßt mit über 2'4 Millionen Uaaiiratkiloinetcr wohl H des ganzen Krdteils und >'t nahezu fünfmal so groß wie das Deutsche Reich, aller ein wie geringer Teil dieser ungeheuren Flüche ist kulturfühig! Von den sechs ״Divisionen“ (Pro* vinzen) ist der die Hälfte des ganzen Landes ein- 1khinende Ostdistrikt wasserlosc Wüste; nur der •!iidwcstdistrikt ist einigermaßen dicht besiedelt. Oute Weidegründe hat auch der Norden. Die 275 0(W Einwahner sind zum geringsten Teil als Ackerbauer Külg, zahlreiche Produkte müssen noch clngeführt werden. Dazu kommt, daß dlo fruchtbaren Striche Eine Kede des Kronprinzen Gelegentlich seiner F.iufitliriuig als Rektor inaguifieciitissimus der Universität Königsberg i. Pr. hat K r o n p r i 11 z W i 111 c I m eine Rede gehalten, in der er nach dem offiziellen Bericht des Wolltsclieii Tclcgruplicu-Biircuus u. a. die anwesenden Universiiülsdozenten f‘>lgc11dcr111nßc11 apostrophierte: .. Weisen Sie uns die Wege, auf denen unser deutsches Volk wandeln soll, um die Stellung unter den Völkern eimieliuieii zu können, die ihm, seinen geistigen und physischen Kräften entsprechend, zu Recht zukommt! Dabei ist uns nicht damit allein gedient, die Schwachen und Mängel unseres Landes zu kennen, denn diese F.rkenntnis fuhrt leicht z.u Verdrossenheit und unfruchtbarer Kritik. Vielmehr selincn wir uns nach Betonung unseres deiitsclmatiuiialcn Volkstums hu Gegensalz zu den!iiternalioiiallslerciideii Bestrebungen, welche unsere gesunde völkische Ligeiiart zu verwlseheii drohen“ Mau soll diesen Worten, die ja nach Wortlaut tuid Inhalt ganz zweifellos ׳Jett Geist des alldeutschantisemitischen Chauvinismus atmen - sie könnten wörtlich einem der bekannten Organe dieser Richtung entnommen sein! — keine allzu große' Bedeutung beimessen - denn Kronprinzen haben 0H dann ganz anders geurteilt, wenn sie selber zur Regierung kamen. Aber die Verlegenheit der liberalen Presse gegenüber diesen unerwarteten Aculierungen ist gar zu köstlich. Abgesehen von einigen wenigen Blättern haben sie noch jauim die Sprache gefunden, indes die reaktionäre und antisemitische Presse jubelt. — Wir als deutsche Juden könnten es nur lebhaft bedauern, wenn in der Tat der Jargon und die Gesinmingen des ״Vereins Deutscher Studenten“ Ohr und Sinn des deutsehen Thronfolgers gewonnen haben sollten, und würden als eine erfreuliche Folge dieser Rede es nur empfinden, wenn dadurch die deutschen Juden in ihrer Allgemeinheit endlich einmal begreifen würden, w i c weit die Gesinnungen gewisscr Kreise bereits gedrungen sind, deren Gef ü 11 r 1 ie h k 0i t und Verbreitung im deu ts c 11 c 11 Volke die S c 11 w׳ e i g e t a k t i k der liberalen Zeitungen sie nicht erkennen läßt. Hoiiciulich ist es nicht zu spät, wenn die deutsehen Juden cs einmal merken werden, dali sic zu »rillt frohlockt haben, und daß der feste Boden, den sie unter ihren Füßen glauben, in» tiefsten Grunde auch vulkanischer Natur ist! Vom 22. bis 2$. September soll in Petersburg der schon mehrfach vertagt gewesene Interna tiona Fe Gy 11 ä k o I oge n k 0 n g re ß shutifindcn. wenn nicht die Cholera abermals eine Vertagung nötig macht. Aber auch wenn der Kongreß stattfindet, dann ist es fraglich, ob jeder Gynäkologe teilnehmen können wird, denn, wie die ״Berliner klinische Wochenschrift" hervorhebt. die russischen Paßvor• schritten gelten auch für Gynäkologen — wenn sic Juden sind. Für einen jüdiscUcu Atu ist es sehr schwierig, einen russischen Paß zu erhalten, selbst den an der Grenze wohnenden Russen ist es erschwert. den zunächst wohnenden deutschen Arzt lierbcizurufcn. Im vorigen Jahre richteten die preubischen Ärztekammern an den Minister die Bitte, durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes bei der russischchn Regierung eine Milderung der Paßvor- Schriften für jüdische Ärzte zu erwirken. Das Auswärt!ge Amt hat sich daraufhin bemüht, aber nichts anderes erreicht, als eine Vertröstung au! die Zukunft. Als vor Jahren in Moskau der große Internationale Ärztekongreß stattfand, war in Deutschland ein vorbereitendes Komitee unter dem Vorsitz von Virchow gebildet worden. Audi damals tauchte die Frage auf, ob ausländische jüdische Ärzte an dem Kongreß tcilnchinen könnten. Virchow aber erklärte mit aller Deutlichkeit, daß er jede Mitwirkung an dem Kongreß ablchnc, wenn Irgend einem Arzte irgendwelche Paßbc- Schränkungen aufcrlcgt würden. Daraufhin wurden dieso für die Besucher des Moskauer Kongresses aufgehoben. Bisher hat man noch nichts davon gehört, daß Petersburg der R 11 1) i 11 s t c i n - dieser künstlerikz. Die amtliche Statistik über das Volksschulwesen Württembergs enthält sehr interessante Am- Schlüsse. Danach bestehen Volksschulen an Wohnorten; die Zahl der Klassen aber ist •ר.72י. so daß au jeden Ort im Durchschnitt etwa 2! Klassen fallen. Lehrstellen gibt cs 574h. von denen14*״ ständig sind. Von den 2!«א Wohnorten, wo Volksschulen bestehen, unterhielten 2080 auch Portbildimgssclinlcii. USti.l auch Suimiagsschtilen. mir ח«ו״הtagsseliulcii 12. Das beweist, daß das Gesetz über die Fortbtdduugsschulen praktisch in weitgehendem Maß durchgeführt ist. Lehrerinnen für Handarbeit und llaiislialttingskimde gibt es 364. Die Zahl der unterrichteten Schüler beläuft sieb aut 340 019. von denen 237897 dem evangelischen. 101 836* dem katholischen und nnr 2M» dem jüdischen 15ckc n n 111Ss angeboren. Während die evangelischen und katholischen Sciiulerziifcru ungcfälir dem Stand entsprechen, nach welchem, im Volksganzen die beiden christlichen Bekenntnisse verteilt sind, fällt die geringe Zahl der israelitischen Vulksseliiiler auf; sie beträgt etwa ״ der seliulpliichtigen israelitischen Kinder. Das erklärt sich daraus, daß die Israeliten mehr und mehr das platte Land so gut wie ganz geräumt haben und in die Städte gezogen sind, wo sie ihre Kinder in die höheren Schulen schicken. Die Zahl der unbesetzten Lehrstellen ist immer noch '107 (im Voriahr löW und wird erst nachhaltig sinken, wenn die neuen Lehrerseminare eröffnet sind. Russland Zwei McislerMücke der Kcfjlerniifj Die russische Regierung hat sich in der vergangeilen Woche zwei Meisterstücke geleistet, die das Gelächter der ganzen zivilisierten Welt herausfordern intimen, wenn cs sielt (lieht in einem Falle um eine ernste, im anderen sogar um eine tieftraurige Sache handelt. In der nächsten Zeit soll in fünfte internationale Wettbewerb st.miiiuk■». Zu sehen Veranstaltung haben zahlreiche Pianisten mul Komponisten ihre Beteiligung angcmcidet. Die russisehe Regierung, für die jedwede wissenschaftliche oder künstlerische Verunstaltung den Keim der Revolutiou in sich birgt, wurde wahrscheinlich am liebsten die ganze Veranstaltung verbieten. Da sic jedoch befürchtet, sich durch ein vollständiges Verhot dein •Spott der ganzen Welt aiiszusetzen, beschränkt sie sieh darauf, nur die Teil 11 all ine jüdischer Komponisten und Pia nisten an de m Wettbewerb zu v c r b i e t e n. Dem Direktor der Veranstaltung ging nach einem Telegramiu aus Petersburg vom Ministerium des Innern der Bescheid zu, daß jüdischen Künstlern, die sicii an dem Wettbewerb zu beteiligen wünschen, der Aufenthalt in Petersburg nicht gestattet wird. Fs wird interessant sein zu selten, ob die russische Regierung es auch wagen wird, ausländischen Juden, die mit einem richtig visierten Paß nach Petersburg kommen, den Aufenthalt zu verbieten und — ob die ausländischen Rcgicrungen sich das gefallen lassen würden! — Der zweite Fall liegt noch um vieles krasser. Wie uns aus Petersburg geschrieben wird, hat die Regierung, d. 11. das Ministerium des Innern, fiir das Herr Stolypin verantwortlich zeichnet, jiidisc 11 c 11 A e r ־/. t en und Heilgehilfen den Sanitätsdienst i 111 C I! o I c r ag e b i e t verboten. Die Folgen dieser blödsinnigen Maßnahme zeigen sich bereits in einem großen A c r z t e ־ mangcl. obwohl die Amte bis zu 500 Rubeln Gehalt monatlich und freie Fahrt erhalten. Und über hunderttausend Opfer bat die Cholera bercits gefordert. Auch hier ist cs übrigens interessant, — und cs ist merkwürdig, daß von keiner Seite darauf hingewiesen wurde! ~ daß die benachbarten Regier ungen die unglaubliche Schlamperei Ruß- Jniuls in der Bekämpfung dieser furchtbaren Seuche ruhig mit anschcn, obwohl diese verbrecherische Leichtfertigkeit der zarlsehen Regierung doch alle *oge zur entsetzlichen Gefahr fiir die angrenzenden Lander werden kann. Dieser .,befreundete“ ״christliche" Nachbarstaat darf eben alles — seine Judenpolitik ist halt gar zu sympathisch. * Prozentnorm für - jüdisches Vieh! II. Das Vorgehen der russischen Behörden gegen die Juden fängt nachgerade an, einen t r a g i - Komischen Charakter anzunchmen. Die neueste Erfindung auf diesem so ausgedehnten Gebiete ist v11״.Eri״ ' von Manrc*cln «egen das Jüdische Vieh. Vor kurzem wurde den Juden verboten, ihre

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