Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1910-08-26 · Heft 34 (26.8.1910) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 34 (26.8.1910)
Date
1910-08-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651657-2651692--07247-2664398
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

No. 3». Seite 404. tiiiijjcboiulen jiuiiselien Lcliciis ubgolcnkt werden, als dal! sic überhaupt zum Nachdenken über jüdische Fragen Gelegenheit und Zeit binden. So gelangen unsere Kinder nur in seltenen Füllen von sich aus, ohne aulie-e l’infinssc, zum stolzen Bcwulltscin ihres Judentums und der l'llicbteu. die ihnen die Zugeltorig־ Keit zu unserem viel verfolgten und befehdeten Volke unterlegt. Wollen wir daher die für unsere Sache so uh• schatzbar wertvolle Jungmannschaft erobern, so müssen wir Mittel und Wege suchen, um zuerst ein־ mal das D e w jt 111 s e i 11 ihres Judentums in unserer Jugend wachzurufeu, müssen also auch hier den Weg beschreiteu. den uns Theodor llcrzl gewiesen hat: ״Rückkehr z 11 in Juden tu 111 vor der Rückkehr in das Judenland!" Hs ist daher schon hingst als zweckmüllig er־ kaum worden, denjenigen Teil jüdischer Hrziehtmg. den Schule und Hlteruliaus nicht gehen können oder wollen, unseren Kindern durch eine geeignete Zeitsehrift zu gewähren. Von diesem Gesichtspunkt aus• gehend, hüben wir die Herausgabe einer Juffcndzdtschrin beschlossen, die vom I. Oktober d. Js. ab unter dem Namen ...I u n g I s 1־ a e I" erscheinen soll. Ibis Programtii dieser Uulbiiioiiatsschrifl ist in dem dieser Nummer beigefiigten Prospekt ausführlich dargelegt. Pas liaupterjordernis für den Hrtolg dieses Unterneluuens ist, dal! unsere Freunde uns hierbei unter* Mützen, indem sie keine Gelegenheit versäumen, dem neuen Blau Interessenten z.n werben mul möglichst viele iliiun bekannte Familien znui Abonnement dieser — von jedem Parteigeist natürlich völlig freien Zeitschrift zu veranlassen. Purcli die Herausgabe der neuen Zeitschrift ״.hing Israel" ist die ebenso betitelte Beilage der ״Jüdischen Rundschau", für die ohnedies leider allzu .selten der notige Platz, reserviert werden konnte. , übet flüssig geworden. Um aber unseren Lesern dafür i einen Hrsatz zu gewahren, haben wir für sie eine be־! deutende Pieiseriuälligung beim Abonnement der | netten Zeitschrift diircligeselzt. Pie )lalbimmais־ schuft Jung Isiael" wird für die Abonnenten der ״Jüdischen Rundschau" statt 1 Mk mir 60 IT. vierteljährlich kosten. Wir erwarten im Hinblick auf diese aullei-־ ordentliche Vcigiliistigitug mit Bestimmtheit, dal! alle unsere Leser, die dem Prospekt anliangende Bestell• karte ausiiillen werden. Bestellungen auf die vor dem 1. Oktober erscheinende l’robcnumrncr von Jung Israel", die uni Wunsch gratis und franko zur Verfügung steht, bitten wir umgehend an den V c 11 ׳ a g .111 n g 1 s r a e I, B e r 1 i n SW., Z i tu tu e r ־ s trabe 77, zu liebten. lUEDiSCHE RUNPSCJlAU_ Zum XII. Delegiertentag Wir stellen diese Rubrik zur Diskussion über Fragen des XU. Delegiertentagcs zur Verfügung, bitten alle F.iitscndcr jedoch, ihre Vorschläge möglichst kurz; und präzis zu fassen. j /ur I*i1u1nzrd0r1n I Hie Bemerkungen des Herrn Dr. Jung manu j beweisen mir, dab ich selbst von ihm nicht verj standen bin; ich will .schleunigst antworten und nicht erst selten müssen, um wieviel mehr mich andere imlivorstaiidcn haben. Ich bin der Meinung, dull der Nationalfonds um keinen Pfennig geschädigt, sondern um ungeheure j Summen bereichert werden wird. Jedes Bold, das j wir der Organisation als solcher y.tiweitdcn, bedeutet t ein Hrseltliclfen neuer Hilfsquellen, insbesondere für : den Nationalfonds. Wenn heute wirklich noch ein; Ocfix.il durch den Nationalfonds zu decken ist, wird; das Verhältnis in kurzer Zeit sielt ändern, wird un- J sere Scliekelkasse einen Uebersebul! aufweisen und; dieser Ueberflult flielit ja nach meinem Vorschlag nur; dem Nationalfonds zu. Ibis <leid, das wir in dem J Natimtalfonds festlegen. ist nicht produktiv in dem! Sinne, dalt dadurch der Organisation neue Mittel er־ , schlossen werden, das Oeld. das wir in dem Orgam- , satimisfomls legen, ist für die Zwecke der Agitation bestimmt und wirkt befruchtend zum Besten aller; /.ümistiselieii Angelegenheiten. Ich will also nichts ' aus einer Tusche nelinicii. mit es in die andere zu; stecken, sondern ich will das Held herausnehmen, um es gewinnbringend aitzulegen und die Tasche nach־ : her umso mehr zu füllen. Vorläufig haben wir die Uclniiig, imscr Oeltl .sofort in die Tasche zu stecken i mul die T.isciic fest ziizimälien, •— so fest, dab wir j selbst nicht heran können. j Der positive Vorschlag des Herrn Hr. Jung־ manu ist gut und durchführbar, nur erscheint mir ] die Veranschlagung der l'.inualuuc zu optimistisch. In j jedem Falle aber bleibt es ein kleines Mittel, wällj tetul uns eine grundlegende Reform der Finanzen not* ן tut. Wir imisscn die absolute Sicherheit haben, für! alle notwendigen Ausgaben gedeckt zu sein. Der [ Betrag, den wir in den Reservefonds tun, mub auto-! matisclt durch das Verhältnis von Hinnahmen und j Ausgaben reguliert werden.! Snmmy Gronemann. 1!1! . Die I-inan/.frn;)C j F.s liegt nicht In meiner Absieht zu den Ansi fülirtmgen anderer unsere Finanzaiifbe.ssermig he- ' treffend. Stellung zu nehmen. Ich darf daher kurz j sagen was kli will: , Jeder Zionist hat einen Mindestbeitrag von 1־ Mk.! pro Jahr ( •I Kronen 2 Rubel) zu zahlen mul zwar in vierteliälirlielie n Raten. Die Berechtigung zur Wald bestellt durch Nach־ weis der voilgezahlteu Raten wahrend der jeweiligen Wahlperiode; d. 11. א Mk. bei zwei- •I Mk. bei ein־ i'iliriger Periode. Nengewnibeiic haben sich dieser Bestimmung gleichfalls zu fügen. Die Bezeichnung Landesbeitrag füllt fort, hingegen die des Schekels bleibt bestehe״. Die cingczogeneii Beiträge könnten im Prinzip zur Hälfte der Zeulialleitting und zur Hälfte der Lau- . desorganisation ziigcliihrt werden. Vielleicht ist aber I auch eine andere Teilung vorteilhafter. Der Beitrag von I Mk. pro Vierteljahr ist so j gering, unii ihn Ieder leisten kann, der ihn leisten will. Wer aber so bedruckt ist. daii er diese kleine Summe nicht zu zahlen vermag, der crubrigt;Uic|, nicht 1 Mk. Schekel und I Mk. Landcsbeitrag wo Jahr. Ich rechne auf ein mehr als vcr11np1u:|tcs wachsen der Hinnahmen. Der Schekel wird gc/..,|t|1 er ist populär. Der Landcsbeitrag wird leider sehr oft verweigert, er ist nicht populär. Die Schekel, zabler werden sieb bald daran gewohnt haben, den Beitrag in der Hohe von •t Ml:, zu zahlen; mul der Modus der vierteljährlichen Hinzielntng ist zwar wu. stündlich, dürfte aber für schwache Zahler bequemer sein. Aber auen so mancher faule Schekel/,!Mer, der in zwei Jahren nur 1 Mk. Schekel bisher be/nlil: hat. wird, wenn ihm daran liegt zu wählen, mna.r.hr א Mk. gezahlt haben. Das Recht, das dem Scii.i.el- ־,־;»hier erwächst. mufl für alle gleich sein. I׳!v\es Recht das Wahlrecht — wird bestätigt diu«..־, die letzte ׳Rafenquittung der eine Wahlkarle ,'״gt wird. Hine direkte Steuer ist immer noch die! sic Hiniiahmequclle und dürfte es auch hei uns . n. A. M. Jos e!־! י. * Hs ist den zionistischen F r a 11 c!;,n dieser Stelle der Vorwurf gemacht worden, j ,. ,c sich den Fragen unserer Bewegung gegenüber .v verhalten. Vielleicht aber ist es mir ihre haltung, die ihnen den Ruf der Passivität ea.g.; hat. da sie ja in Wirklichkeit an allen Diugci! 1; ז• halb unserer Bewegung den innigsten Anted und nicht weniger bereit sind, sieh iur das ׳,־״.,,;c Werk unserer Bewegung einzusetzeii, als jei,;!,!!. sehen Frauen, von denen uns die Geschick:: . .. richtet. Wenn ich heute diese Zurückhaltung abs. .;;1, so geschieht cs ans Anlall des Vorschlags des L.rtn Rechtsanwalt O r 0 n e in a n n zur?aiucnmc *.r!־inanzvcrliiil tnissc. An alle Uesainimgsgea hu mochte ich die Bitte richten, den Vorschbu: ■Ls Herrn Rechtsanwalt «ironemann. die f 11 r dei.!>,..״׳ ׳ n.ilfoiuls hestimmten Spenden an das Ze!, ahzufiihrcn, um daraus die fur Organisati״!; ,e erforderlichen Unkosten zu decken, ahzulelme;.. Kr Nationalfonds sei und biedre unantastbar fur!er. anderen, als den fur ihn vorgesehenen Zweck. K; Nationalfonds ist für palästinensischen B׳.ä,; stimmt und jede Summe, die wir davon tnr ();.1.1• sationszweekc verwenden, bedeutet eine zu ui. vorgenommene Kürzung des pntüstineiis:•. *‘.,׳t. teils. Herr Rechts.mw.>11 tir*!*u:.1 *1.:־ spricht ,!;*,",ת• hlicklich von Mnoit Mk. Und w enn es sich er\< .• ־>:. dall!•11101) Mk. nicht genügen wo bleibt :!:.11 unsere Leistung fiir den Nationalfonds? Line Stärkung unserer Mittel Bedeutet eine St.it:.׳:!:z unserer Macht, und entsprechend wirkt auch , .׳ e Schwächung unserer Mittel auf unsere Machten,..::;g zurück. Anderseits können wir uns gegen die '1..: nicht veischlielleil, d.iü die Leitung tnr l>1;:.111,'..׳;;•■• und Propagandazweckc Geld halten 111110. Aber g 1: es kein anderes Mittel, dieses zu beschaffen, als Nationalfonds zu kürzen? Das Sclukeigcld K::, fur das ganze Jahr I Mk., Lamlesbeitrag eh,־• :.־;־ 1 Mk.. iiir unsere bedrängten russischen <ila־' 1!;,־ genossen gewifl eine Summe, die sie vielt.!.I: ־־ unter Opfern entricliten körnten. .M er tnr ־,!״., wir itt gesicherten Verhältnissen leben? \\ ar.ä Weile blieb der große Rabbi Löw in Gedanken versunken stehen. Seine müden Alicen waren i geschlossen. Dann schüttelte er auf einmal lief- 1 tig den Kopf. Nein, nein! Ist das das Leben? — Und rasch machte er sieli auf, wusch eilends die I lande und schickte sich /.um Mineliah* gebclc an. Von der Höbe des llradschm rollie eine prächtige Karosse, mit sechs Schimmeln be־ spannt, hinab, und nälierlc sich dem 1 lause des {׳rollen Rabbi l.öw. Kaiser Rudolf 11., der sieh gleichfalls mit Mystik, Alchemie und dergleichen beschäftigte und selbst nach dem {׳roßen Oelieittmis forschte, schickte seinen Adjutanten, um den Rabbi nach seinem Palaste cinzuladen. Denn die Kunde von dem Treiben des Juden״ Rabbi war auch zu des Kaisers Ohren gedrunßen, und er lichte den innigen Wunsch, den Wundennann zu sehen und mit ihm zu reden. Der Freitag nach diesen Freignissen strahlte in einem Lichlmeere und hellem Sonnenglanze. Rabbi Löw begann sich zum Einfang des Sabbat zu rüsten; er reinigte seine Nägel, schnitt einige Kerzenstückc zurecht, und begab sich zuletzt 1^ltUem Badehause. Seine alte Gattin war in der Küche tätig. Schwer ging ihr Atem und sie schwitzte. Ein DuT von frisriigek« »ritten Fischen ׳ stieg auf und erfüllte die Stube. Und auch Fva maehle, ungeduldig und leise ein Lied vor sich : hinlrällernd, zu Iihren des Sabbat Ordnung in , den Räumen des Hauses. Ab und zu vernahm ׳ inan von der Moldau her ein Rauschen des Wassers, das liebliche Plätschern und Wogen des feuchten Flenicms. Zuletzt betrat Fva auch! das Arbeitszimmer des Alten und begann da; gleichfalls zu säubern. j Den Kopf hat sie mit einem roten Tuch tim- ' hüllt, das sie rückwärts nach Art der Bäuerinnen j zugebunden hat, in der Hand hält sie einen Gäuseflügel und unter dem roten Tuche funkeln zwei schwarze, fieberhaft glühende Augen. —■ So springt das Mädchen von einem Punkt zum andern, von Ecke zu Ecke, redet laut mit sieh selbst und verrichtet seine Arbeit. Sie redet nicht, sondern sie zwitschert, sie springt nicht sondern sie fliegt und schwebt durch die Luft! Von tlrnuBenlier. ans einem verborgenen Dach- Winkel, ertönt die Stimme eines Vogels, der ein Lied mit dem Refrain: ״Wie schön ist das Leben“ singt. Eine Weile bleibt das Mädchen stehen und lauscht, dann singt cs auch mit. Und dabei!liegt sie vom Tisch zur Bank, von der Bank zum Stuhl, von einem Stuhle zum andern und der Gänseflügel in ihrer Hand kommt nicht zur Ruhe. Oben neben der Decke, wo die K. :: tung nach dem Heiligtum Jerusalems bezeic: ז i>L verrichtet sie ihre Arbeit mit besoiu' 1 r Sorgfalt. Nun stürmt sie gegen die Spinne : 0 gegen das Fadennetz, los, und dann gegen ■ ■ Bücherschrank tuU den Folianten. Flink venu ־ fet sie die Arbeit, singt und trällert dazu, i < ••־ Viertelst linde nach der anderen verstreich 1. / ־ letzt wird es ihr heiß und sie öffnet die Kn.!; c ihres Kleides über ihrem Busen. Und nun str».; das heiße Leben hinaus, das in des Busens /:. ־ nier verschlossen war. Jetzt nimmt sie einen der großen Foliant« t) heraus und säubert ihn vom Staub. Plöt/Ii. wird sie nachdenklich. Herr der Welt! Wo u Itaben wir denn diese vielen Bücher? Wozu braucht sie der Mensch? - Und sie l>ho׳t stehen und versinkt in Gedanken. Der Alte Dt entweder ein vollendeter Narr oder uniteilt', r verrückt, wenn er!*in blühendes, siebenzig J.'iln*־ wahrendes Leben mit solchen Nichtigkeiten v.־r* geudet. Fine Minute in der Welt des volles Lichtes'Und des prächtigen Somienglanzes gi J mehr Erkenntnis, denn alle diese Bücher zu• sammen. (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.