Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite •100. U1: DISC11 E RUN PSCHAU ן. Kühe aulierhalb des Ansicdlnngsrayons weide» zu lassen. Und mm hat der Stadtltauptmamt von Cliorol, einem im Ansiedlmigsrayun belegenc» Orte, die He- Stimmung verfügt, dal) das Juden gehörige Vieh mir bis zu einem bestimmten des gesamten weidenden Viehes aulierhalb der Stadt zugclasseii werden darf! tu der Tat: warum soll das jüdische Vieh besser behandelt werden als die Juden selbst? (Inflcbclenc Kurgäste II. Hie;unterhalb des Ausicdliingsgebietcs helegeiien Kurorte in Rulllaiul dürfen Juden nicht aufsuchen. Umsomehr wenden sieh viele Juden nach dem ,.jüdischen•־ Kurort Prusgcniki im Gouvernement (Imlno. Hort wird ihnen aber seitens der Adminisrtation eine nichts weniger als freundliche Hehundlung zuteil. Als einige jüdische Kurgäste kürzlieh gegen die!)olizeilielien Schikanicrimgc» Hesehwerde er hoben, wurde ihnen erwidert: .AVer hat Huch denn gebeten, hierher zu kommen?" * Jüdische Deputationen bei Stolypin Her Kownner Korrespondent der ״N. J.K." bcrichtet: Trotz aller bishermen Erfahrungen gibt es noch naive .Menschen unter den russischen Juden, die von Abordnungen mul Bittgesuche» bei russischen Machthabern ihr Heil erwarten. Und so haben denn die Juden von Kowno und Keidanv die Gelegenheit ergriifen. um Abordnungen au ihn zu entsenden. Von der Kownacr Deputation wurde dem Premierminister eine Henkschrift überreicht, die er in Gegenwart der Abordnung durchbl.ittcrte und den Überreichem zuriiekgab. nachdem er sich ein paar kleine Notizen daraus gemacht hatte. * Kusskoje Snamja über den Pall Glusker Pie ״rechte" Presse Ruftlands hat sich mm von der unangenehmen Verlegenheit über ׳ die Ghiskcrangelegcnheit bereits befreit. Die ״Pcnsclitscliina״ praßte den weisen Aphorismus: ״Lieber zehn Un- | schuldiße liinrichtcn. als einen einzige» Verbrecher ).Ulfen lassen." Die ״NowoJe Wicnija" sucht nach• zuweisen, dali die Kleiner allen Urund halten, den jitdischcn Zeugen kein Vertrauen ־zu schenken, da der Talmud nsw. . . . Den Rekord scljluß aber das Organ der ״echten Russen". ״Riiltkojc Smmija", wel* eltes ־zur Bcruhißtinß der beängstigten Gemüter erklart, dall sicles dafür spricht, dalt die Mörder, weiche ihr Verbrechen ciiißostaiuien und die Heteili• guug (Uuskers au demselben Verneinten, vinf.ieh von den Juden bestochen worden waren. Die öffentliche Meimniß möße sicli daher beruhigen und die russischen Richter dürfen, nach Ansicht des chrwiirdißcu Palnoteimrgans. auch künftighin jeden Juden, der ohne weiteres wcßcn Mordverdachts vors Gericht geschleppt wird, auf den Galgen bringen, falls er seine Unschuld nicht besser als durch die Aus• s.tgcn jüdischer Zeniten beweisen kann. Amerika Ein Kiesenslrcik Aus New York wird uns geschrieben: Die schreckliche I.agc der jüdischen Kon. f c k t i 0 n s a r b c i t c r, der sogenannten ״Sweaters", bietet ein Iiikl des g r a u e 11 v o 11 s t e n s o z i a 1 e n Elends. Pie niedrigen Löhne, .schlechten liygicnisehen Verhältnisse und die malSIus lange Arbeitszeit in diesem Gewerbe finden kaum ihresgleichen. Kein Wunder, dall diese Acnnsten min nach laugen, langen Leiden den Versuch machen, eine Hesserung ihrer so traurigen Situation lierbeiz.ulühreit und einen Streik proklamiert Italien. Heim Ausbruch des Streikes vor einem Monat waren die Aussichten desselben nicht besonders günstig. Der Verband der Müntel-Arbeiter ׳zahlte damals nur etwa 18 000 Mitglieder und umfällte nur '4׳ der in diesem Hache beschUftigtcn Arbeiter. Die Verbandskasse war fast ganz leer, so dall die Vcreinsleituug steh nur schwer ׳zur ProMamierung eines Streiks entschlichen konnte. Die Arbeitgeber kannten die finanzielle und organisatorische Sehwiiebe der Arbeiter mul leimten jede Konzession ab. Durch die Streikagitation wurde jedoch die Lage des Arbcitcrvcrbandcs wesentlich gebessert, dem sich viele Tausende neuer Mitglieder anselilosscn. Hei der Proklamiert׳^״ des Streikes legten etwa 50 000 Arbeiter die Arbeit nieder, und gegenwärtig betragt die Zahl der Streikenden ungefähr 90000. Die Streikenden führen den Kampf mit einheitlicher Entschiedenheit und Opfcrwiliigkeit, aber auch mit Ruhe und Besonnen• beit. Die Sympathien weiter Kreise sind auf Ihrer Seite, und ihre Aussichten für eine erfolgreiche Durchführung des Kampfes sind durchaus günstig. Manche Arbeitgeber haben sich bereit erklärt, mit Ihren Arbeitern in Verhandlungen cinzutrctcu und Ihnen Zugeständnisse zu ntnehen. Pie Streikleitung fordert jedoch eine generelle Aufbesserung der Arbeitsbedingungen in der gesamten Branche. Allem Anschein nach wird auch eine solche erreicht werden. No. 'Jl England Im englischen Unterhause wurde bekanntlich jüngst die Aomlormig des Königseides beraten, der eine gegen den Katholizismus gerichtete Stelle enthält. Per Katholik Helloek. der einzige Antisemit des Hauses, unterstützte die Ücsctzesvorlagc und be• rief sich dabei auf die Toleranz, die den Konfessionen gegenüber geübt werden müsse. Ihm erwiderte Niel Pninrose, der zweite Sohn Lord Roscbcrvs. der müt- Icrlicherseils von den Rothschilds abstaimnt: ״Hellock ist der letzte, der von Toleranz sprechen darf; denn er selbst übt schlechteste Toleranz gegen eine Kasse, mit der verwandtschaftlich verbunden ־zu sein ich stolz bin. Als meine Ureilern gezwungen wurden, in Ägypten die härteste Arbeit zu verrichten, waren cs sicherlich die Urahnen Dellocks. die in wilder liitolern»/ die Martern für die Israeliten ausgchcckt haben. Ich hin stolz darauf, einem Volke ־zu entstammen, das die Kraft in sieh hat. Tausenden und Abertaiisenden dieser Ucllocks mit Erfolg zu widersteilen." Unter den Lords in den deutschen Parlamenten gibt es auch eine Anzahl, die das Recht hatten, so zu sprechen. Türkei Hin Rundschreiben des Ministers des Innern gibt bekannt, dall die Intaml-Piisso für Reisen aus eine* Provinz des türkischen Reiches in die andere seit dem 1. August nbgescliaift sind. Hs wird also kiinftig beispielsweise nicht mehr nötig sein, sich in Konstniitinupcl mit einem Pal! für Palästina zu verseilen. הי Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat beschlossen, den Hau folgender Ilülen, für die die Vor- Studien bereits gemacht sind, zu vergeben: Amassia, Hartin, Mersina. Alcxandrelte, Tripolis und Jaffa. Hs schein( also, dalt die Zeit nicht mehr so ferne ist. wo auch der Eingangshafen Palästinas für Jerusalem ein den Erfordernissen des Verkehrs entsprechendes Gepräge erhalten wird. Bosnien Kitualmordbcschuldlflufifl In Bosnien ulk. Pie in Osijek U'.ssek) erscheinende zionistisehe Halbmonatsschrift ״Zidovska *smotra" (Jüdische Rundschau) erhalt folgende Nachricht aus Dervent, einem grollen! Orte Hosnicns: Am 12. August stand die I ran des Kaufmanns Moritz Stern vor ihrem Laden, als auf sie plötzlich der Kaufmann und Grollgnmdlmsitzer Marko Petric, ein Serbe, zncilte und die anfs höchste erschrockene brau in erregtem Tone beschuldigte, sic hätte sein Kind versteckt und abgeschlachtet. Hs sei ihm ja bekannt, daß d i c .111 d e 11 Christ e n h 1111 benötige n. . . Der Kaufmann Stern war zufällig nicht zu Hause, als sich dieser bedauerliche Vorfall ereignete. Hrau Stern begab .sich sofort zum Bezirksvorstand, um ihn! die Sache vorzutragen und machte gleichzeitig Strafanzeige wegen Verleumdung. Pie Verhandlung wurde auch bereits für den 19. September d. Js. angeordnet. — Vom Hanse Sterns begab sich Pc»ric in die Oendarmerickasernc, wo er die Mitteilung machte, dall sein Kind von den Hhcleuten Stern zu rituellen Zwecken ahgeseldachtet worden ist. Der Zufall wollte es jedoch, dalt Pctric, als er von der Cieiularmcriekasernc heimwärts ging, sein Kind aus dem Hause seiner Wäscherin, namens Hva Simm, herauskommen sah. . . . Dort hatte cs mit andern Kindern gespielt! Hrau Stern, sobald sic von diesem Umstande erfuhr, stellte Herrn Pctric zur Rede und befragte ihn, ob er sich der begangenen Verleumdung bewußt sei. worauf dieser einfach erwiderte: ״Ich weif), was ich gesagt habe!״ In Dervcnter jüdischen Kreisen herrscht ol> dieses Vorfalls grolle' Bdunrnhißimg, da sich bisher die bosnischen Juden Uber 1 Kctvic Anfeindungen zu beklagen hatten. Erst jetzt, nach der Annexion, wo die Serben in Bosnien immer stärker werden nml sich besser organisieren, heobachtet mau öfter antisemitische Ausfälle. Die bosnische Judcnschaft fordert eine exemplarische Bestrafung des Verleumders. PA LAGST I NÄ:RU N DSC H AU Sichren Jakob, Anfang Juni, Weizen und Gerste sind hei uns in diesem Jahre sehr gut ausgefallen. Dies ist um so erfreulicher als unsere Kolonie in ״inner weiterem Umfange den Getreidebau aufnimmt In erster Linie werden die einstigen Weinberge, aus denen infolge der anhaltenden Welnkrisls die Stücke noch fortgesetzt herausgerissen werden, für die Getrcidcbauwirtschaft verwendet. Leider aber überschreitet die Bevorzugung dos Ackerbaues vor dem Pflanzenbau!״ gewisser Hinsicht die *Sssigcn Grenzen, indem schöne Mandeln• und Oliven■ plan tat Ionen teilweise sehr stark vernachf/iV,WCfdon’ S0 siclJt dem Wege nach Üath-Selilomo schöne Plantagen, die zum Teil vollständig vernachlässigt und verunkrautet sind. Wenn man bedenkt, wie viel Mühe man sich gibt, um neue Bäume ־/n pflanzen, dann tut cs einem weh zu sehen, wie man alte, mit einem Kraftaufwand von "*ן,, reren Jahren grollgezogene Bäume durch Nachlässig, keit ׳zugrunde gehen lälit. Gegenwärtig sind sowohl in Sicliroii-Jahuli selbst als auch in den Tüclitcr-Koluiiien eine ganze Au/.,hl jüdischer Arbeiter beschäftigt. Die W o I! » u!! ״ s. frage ist hier nicht so brennend wie in den ankm.11 Kolonien, da, mfoige der in Sichron-Jakob liesmuias stark aufgetreteitcn Emigration, mehrere Knlutwg». Wohnungen unbewohnt sind, die die Arbeiter für wenig Geld mieten keimten. Jetzt soll eine Ge• in ein s c h a f t s k ti ch c, in der 30 Arbeiter s!cH werden beköstigen können, eingerichtet werden Hin Kredit von 31)1) Hrcs., den das Odcssacr Komme auf Antrag unseres Herrn Dr. II. Joffe den Arln ־..rn zur Errichtung eines gemeinsamen Backofens and zum Ankauf von billigem Mobiliar bewilligte, ha11.- ־ sehr gut bewährt. Die Arbeiter halten auf sg Weise schon seit einigen Atonalen die Atuglicl;1 gutes und billiges Brot zu kaufen. Unsere Kolonie kann sich rühmen, dal', sie hg einzige ist, in der eine Spar- und I. eit:. . g e n 0 s s e n s c 11 aft vorhanden ist. Wahrend!1• lieh in allen übrigen Kolonien nur Leihkassen![..1; ־! inilwch) bestehen, deren genossenschaftliche! ■» ׳:.!• rakter sich hauptsächlich auf die Solidarlia;. a Mitglieder beschränkt, und die höchstens ein- < kr ־zweimal int Jahre bei der Entnahme des (!ekle, v׳m der Bank ihren Mitgliedern Geld leihen können. : v. unsere Genossenschaft ״Hahvaah" ihren Mit«! ern nicht mir die Gelegenheit, vorübergehend uhc!’ "5• ges Geld nutzbringend in die allgemeine Kasse ab• zufiiliren und ihre Sparpfennige für längere */.er an• zuvertrauen, sondern gibt ihnen auch die M• .. keit, Geld mir im Bedarfsfälle und mir m der ll.,h: des jeweiligen Bedarfs zu entleihen. Auch hier 1.1: es sich erwiesen, wie leicht sich solche gerne!־■• mitzigen Werke durchführen lassen, wenn s>. b nur Leute finden, die sich ihrer mit Energie am.vl .en. Auch unsere ״liahvaali" hat anfänglich mit dem 1:1• difiorentismus und dem Atilltrauen vieler zu k.s u:>: ״. gehabt und das Prosperieren der ticn׳>ssensP1.11: hauptsächlich das Verdienst unseres Lehrers, des Herrn M. S. Scliapira aus Tarnow, der um. :,!״!• lieh fiir sie arbeitet. Allerdings war auch hu■: d..־ Subvention der ICA von grober Bedeutung, G >׳'.׳> das Entgegenkommen der AngIo-P.11esti11e-C׳;np.my, welche in unserer ״Halwaah" eine Icistung Stelle auch für ihre e.gcnen Bankgeschäfte erkannt hat. Von der ICA erhält unsere Genossen'. 11.!:: jährlich 10!MN) l־'rs. als zinsloses Darlehen für 10 Monate. Unser Kredit bei der Anglo.Palc'Mie• Company beträgt zur Zeit 31) 000 l'rs. Dagegen Laken wir bereits einen Reservefonds von!0non 1 rs. erspart. Die deponierten (leider betragen zur Zeit über WKW Hrs. Die Darlehen an die Mitglieder v er* den mit 5': Prozent verzinst, also zu einem für palästinische Verhältnisse sehr geringen Z .י>• f 11H. Uebrigens denkt auch die Verwaltung!er ״Ifahvauh" an den Jüdischen N a t i n n a I f«,!: d s. Hiir jedes Schriftstück, das an die Verwaltung ge• richlet wird, ist eine Nutionalfonds-M.ukc cr:״rd. .11 und Schuldscheine müssen für je HM» l'rs. rau je einer Herztmarke versehen werden! Der alle und der neue Jlscliuvv (Von unserem Jerusalemer K or r cs!י-■ n• d c n t e n.) Jahrzehnte hindurch bestehen sie nebencin.!: er, der alte, auf der ,Chalukah" beruhende Jisclmu. .1.־<־ die moderne jüdische Kolonisation in Palästina. /' ' 1'-־ entgegengesetzte l’cuvzipüm Legen ihnen zu 111,1• Lu Port das Nichtstun, der ständige Verlad auf tuk' Hilfe und philantropische Unterstützung; hier •ko Eigenhilfe durch }leidige, rastlose Selbstbetätigung. Nur selten trat der tiefe Gegensatz in che ändere!זי• schcinmtg. Er konnte aber nicht auf die Patter \׳.r• borgen und wirkungslos bleiben — und nun ist er auch z.iiiii Ausbruch gekommen. Den Anlaß dazu gab die S c 11 m i 11 a i r a g e. I u Repräsentanten des ״Ciialukali-Jiscliuw״ fanden Rer Gelegenheit, ihrer seit langem im Inneren glimmen• den Abneigung gegen die n c 11 j ii d i s c he I' •' ־ י I ä s t i n a k 01 o n i s a t i o n Genüge zu tun und erneu schweren Schlag gegen diese zu fuhren: Sie 'זי• klärten die Sclmiittah-Vorschriften als auch für J>0 Gegenwart bestehend nml vollgültig trotz ־101׳ gegenteiligen Rabhiueretitscheidimg während dreier Schmittah-Jahre seit Beginn der Neuen Palast־.(״)• Kolonisation. Die jetzigen Jerusalemer Rabbiner gehen sogar soweit, den Gebrauch der Ernte der deutschen Ko!׳'• nisten in Palästina während dieses Sclunittah-Jahres zu erlauben, die Verwendung der Ernte der Jüdiscltcn Koionicen aber zu verbieten!! Die Rabbiner in Jerusalem haben damit den Kampf gegen den neuen Jischuw förmlich j 5 / I fc