Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1910)
- Date
- 1910-08-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 394. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 33. ZIOMISTISCHe BCWCGUNG XII. Dclegicrlcnlag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland am 11. und 12. September 1910 in Frankfurt a. M. Kaufmännisches V e r c i n s U » u s, Eschenheimer Anlage. Der üeseliähsfiihretulc Ausschul) des Zentral- Komitees wird auf dem Delegiertentage folgende Antrüge zur Abänderung des Statutes der Z. V. f. D. stellen: 1. Das Wahlrecht /um Delegiertentage haben mir diejenigen Sehekclzahler. die direkt oder durch die Ortsgruppe den Landcsüeitrag gezahlt haben. 2. Der Landesbeitrag wird auf 3 Mark erhöht. 3. Die Wahl besonderer Mitglieder des Zeniralbureaus durch den Delegiertentag füllt fort. 4. Der liescliaftsfiilireitde Ausschuß bestellt aus fünf in Berlin wohnenden Mitgliedern des Zentralkomitees. 5. Die Sitzungen des Zentralkomitees müssen einberufen werden: a) mindestens einmal in jedem Vierteljahr; b) auf Antrag von 5 Mitgliedern des Z.-K. (1. Die Mitglieder des Z.-K. sind berechtigt, stell bei Sitzungen des Zentralkomitees durch ein anderes Mitglied des Z.-K. vertreten zu lassen. Niemand hat aber mehr als 2 Stimmen. י! Wir bitten alle Ortsgruppen, die für den Deleglerteutag Anträge vorbercitcit, uns diese umgehend zur Veriiiiciitlieliimg 111 der »Jüdischen Rundschau" diiziisendeii. Die Wahlen der Delegierten sind nunmehr nach den in den letzten Nummern der ,.Jüdischen Rund־ schau" veröffentlichten Bestimmungen unseres Statutes vorzunelnnen und die Wahlprotokollc an uns einzusehickon. I. e g i t i m a t i 0 n s k u r t e n für die gewühlten Delegierten und F.rsatzdclcgicrtcn werden vom Zentralbureau aus verschickt. Folgende (icsinnungsgenossen haben uns ihren Wunseli übermittelt, ein Mandat für den Dclc• giertentag zu übernehmen: 1. Bosch w i t z - Berlin. Dr. Heinrich Locwc •Berlin. Frau Johanna 1.0 e w c Berlin. Referendar Dr. Jacob Moc Iler-Altona. Fräulein i 5erta M n j c r o w i t $ c h Schöne• berg. Fräulein Fnnnv li i I d e s 11 e i nt c r - Berlin. Bertram Stern- Wiesbaden. Dr, Siegfried Sc 11 w a r z s c h i I d - Frankfurt a. M. Max B r a u 111 h a 1 - Frankfurt a. M. Redakteur S. Cleis• Frankfurt a. M. Samuel S t e r » •Frankfurt a. M. laeob Straus-!־raukfurt a. M. L Re r 1 m u 11 c r-Frankfurt a. M. Isidor II i 1 s c 11 - Frankfurt a. M. I. I.. ü 11 i t e i 11 * Frankfurt a. M. Tagesordnung Die ciidgiltigc Tagesordnung ist vom Clesehüfts• führcink'ii Ausselmli in seiner Sitzung am 10. August wie folgt festgesetzt worden: Sonnabend, den 10. September, abends 8 Uhr: Sitzung des Zentralkomitees; Kaufmännisches Vereins- Itatis (blaues Zimmer). Sonntag, den II. September 1910. Vormittagssitzuug. Beginn 10 Uhr präzise, 1. Liiituumgs.mspvaebe des Präsidenten, Herrn Dr. Bo de n h c inte r - Cüln. 2. Ansprache des Präsidenten des A.-K., Herrn David Wolffsohn-Coin. 3. Wahl des Bureaus. 4. Bericht des Gcschiiftsführendcn Ausschusses. 5. Referate der Herren: a) Professor Dr. Otto War b u ric-Berlin: Paliistina als jüdisches Arbeitsgebiet. b) Dr. Franz Oppen beim er-Berlin: Die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. Naelmilliagssltzuug. Beginn 3 Uhr präzise: 1. Generaldebatte. Montag, de» 12. September 1910. Vorinltiagssltzung. Beginn 10 Uhr präzise. L Dr. Hans G. lleymann: Finanzen. 2. Parteisekretär Blumenfcld: Zionistische Agitationsmethoden. 3. Anträge. I NachniRlagssltzuiig. Beginn 3 Ultr präzise: L Eventunlia. 2. Wahlen: a) des!Präsidenten, b) des Z.-K-, c) der Revisoren. Sämtliche Sitzungen beginnen pünktlich zur festgesetzten Zeit. Die Verhandlungen sind öffentlich. Nummerierte Trlltlineiik urteil (reservierte Plätze) sind schon jetzt bei Herrn Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild, Frankfurt a. M.. Zeil 74, gegen Einsendung von 1 Mk. in Briefmarken zu haben Besondere Veranstaltungen Am Sonntag, dem 11. und Montag, dem 12. Scptember findet ein gemeinschaftliches Mittagessen im grollen Saal der Frankfurt-Loge (U.O.B.Ü.), dem Kaufmännischen Vereinslmnsc gegenüber, statt. Das trockene Couvert wird 3 Mk. kosten. Anmeldungen sind bis spätestens Freitag, den 9. September au Herrn R.-A. Dr. Siegfried Schwarzschild• Frankfurt a. M., Zeil 74, zu ri•^■ reu. ms Promenaden -Caf£ im Kaufmännischen \v uinsliaiise, Eschenheimer Anlage, ist als Treffpunkt für die Delegierten und Gäste für den Vorabend des Delegiertentagcs, Sonnabend, den 10. September bestimmt. Wir machen ferner schon jetzt darauf anfmerksam, daß im Kaufmännischen Vereinshause selbst ein A u s k u 11 f t s b u r e a u für die Delegierten und Gäste errichtet werden wird. Anläßlich des Delegiertentagcs wird auch ein großer Kommers und eine Volk s versam mlung veranstaltet werden. Näheres hierüber wird noch bekannt gegeben werden. Vergünstigungen für die Delegierten Jedem Delegierten wird der vom Frankfurter Vcrkchrsverci» licrausgegcbcue Führer gratis übergeben werden. Die Städtische S t r a 15 e n b a 11 n in Frankiurt a. M. luit sich bereit erklärt, den Teilnehmern am Delegierten tag einen Fahrpreis von 30 Pf. pro Person mul Tag zu bewilligen. Es werden Lcgitiinatioiiskarien aitsgegebeu werden, die eine Bemitzung der Straßenbahn von Freitag, den 9. bis Dienstag, den 1.1 September für 30 Pf, täglich nach [!dielten gestatten. In den Hotels Luitpold, Kaiscrstr., in der Nähe des llaupthalmhofes und Drcxcl, Gr. Friedbcigersir., im Zentrum gelegen, stehen den Dclc־ gierten /immer zu dem ermäßigten I*reise von 2.50 M. ciiisclilicf•licli Frühstück zur Verfügung. Anmeldungen sind an Herrn Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild, Frankfurt a. M., Zeil 71, zu richten. Zionistische Vereinigung fiir Deutschland. Zentralbureau. Kundgebung Dr. bodenheimers ln einem Schreiben, das wir nachstehend voll* inhaltlich wiedergeheu, teilt der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland mit, daß er von seinem ^mtc zu rück tritt, d. h. daß er eine Wiederwahl auf dem Frankfurter Dclcgiertentage nicht mehr amtchmen werde. Wir wiirdigen diesen bedauerlichen Entschliili int Leitartikel der heutigen Nummer und lassen mm Dr. Bodenheimers Schreiben folgen: An den Gesehäftsfülii'encleii Ausscliull der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin. Hierdurch beehre ich mich Ihnen mitzutcilcn, daß ich eine Wiederwahl als Vorsitzender des Zentral- Komitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschlaml nicht mehr amiehmen kann, ich gebe diese Erklürung schon jetzt ab, da der Dclcgiertentag bevorsteht und ich cs für richtig halte, daß unsere OesinmmgsKcnosscn In aller Ruhe die Fragen der Neuwähl erörtern können. Da ich durch das Vertrauen der deutschen Zionisten seit Beginn unserer Arbeit au dieser Stelle gestanden habe, würde ich sonst bcfürchten müssen, daß eine Neuordnung auf unerwartete Schwierigkeiten stoßen könnte. Ich bin aber fest entschlossen, nunmehr einer schon längst wünschenswerten Vereinigung des Vorsitzes des Zentralkomitees mit dem des Oeschüfisfültrcndcn Ausschusscs den Weg zu ebnen. Durch die Trennung des Ocschüftsführcndcn Aus- Schusses von dem Sitz des Präsidiums des Zentralkomilccs ergaben sich schon* seit längerer Zelt erhcbllchc Schwierigkeiten für die Leitung der Bewegung in Deutschland. Insbesondere in der jüngsten Zeit ist dies deutlich in die Erscheinung getreten und habe ich die Ueberzciigmig erlangt, t|.,ß Jtc Körperschaft, welche die Geschäfte der Bewegung in Deutschland führt, auch die Verantwortung für d!c Leitung dieser Geschäfte übernehmen muß. l(l der Geschäftsfuhrendc Ausselmli seit mehreren Jahren mit Erfolg die Arbeiten in Berlin vereinigt hat;!:ul die Entwicklung der Organisation sich in l>cutse)1:.1tH] in einer stetig aufstrebenden Linie bewegt, halte!d! den Zeitpunkt für gekommen, der Anomalie ein Lide zu machen, welche in der Scheidung zwischen dtr Präsidentschaft und dem Geschäftsführenden Ausschuß liegt. Ich will nicht verfehlen, bei diesem Anlaß n:־׳iner innigen Freude und Genugtuung Ausdruck zu «.!״־ daß cs mir gestattet war, durch fast 15 Jahre hm. durch an der Spitze der Zionistischen Verein ״!!׳g fiir Deutschland zu stellen und dieselbe aus w!: ׳ Anfängen zu einer achtunggebietenden Organ!' ׳ ,n gestalten zu helfen. Als Herzls Judenstaat im Jahre 1896 crs.' Ar, und seine Aufforderung an uns erging, uns an c;:;!n allgemeinen Zionistischen Kongreß zu beteiligen, .-c. stand in Köln eine kleine Gruppe begeistert«.״׳../ י nisten, welche dem Rufe Herzls folgend, die o:..!. sation der Zionistischen Vereinigung für Dcu:s.׳'־.. :!J übernahm. Die Zahl der Anhänger in Dcutv;«;,d wuchs dann von Jahr zu Jahr und erreichte u! « 191)4, in welchem die Einrichtung des üesel : > führenden Ausschusses erfolgte, bereits die '/ ז von ca. 5(XX) organisierten Zionisten. ln i.e Zwischenzeit fällt eine Epoche energischer und eifriger Propaganda, der sich alle unsere Freut k an jugendlichem Feuer und stürmischer Begeh*׳ .mg widmeten. Es fand die Bildung verxeka.. uer Gruppenverbände statt und die Delegierten׳..:ge, welche zuerst den Charakter intimer Z1is1״, .*.:*,. kiinfte im kleinsten Kreise hatten, wurden zu Ur- Sammlungen, welche die öffentliche Aufmcrksan,• .,! auf sich lenkten und dadurch selbst wieder e.:;e propagandistische Wirkung uusiihtcn. Diese erste Zeit aufstrebender Entwicklung ־. :J die schönste Erinnerung meines Lebens bilden, nj ich spreche bei dieser Gelegenheit all den tiaiai Freunden unserer Sache, welche mit Umgehung ״«ul Opferwilligkeit mich bei meinen Arbeiten im Interesse der Sache unterstützt haben, den herzlichsten!'.««.k aus. Das Band treuer Kameradschaft schlang s.j! im Laufe der Jahre immer enger um uns un i aus kameradschaftlicher Gesinnung heraus wurden «dt die Arbeiten geleistet, welche sonst als eine Fi';cht der Disziplin mul der Unterordnung betrachte! w!1r• den. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß dieses starke Gefühl innerer Zusammengehörigkeit alle diejenigen auch künftig beseelen wird, welche sich «׳u einer führenden Stellung innerhalb der deutschen Organisation berufen fühlen. «Nur auf diese Art wird cs möglich sein, Gefahren und Schwierigkeiten ׳׳!! umgeht•״, welche siel! aus der Notwendigkeit er־ geben, daß ein Kreis von Personen von hoher lnte 1hgenz und starker Individualität gemeinschaftlich m einer Bewegung arbeitet, welche durch die V׳h* geslaliigkeit eine gewisse Betonung diiiereii/ierc! ht Meinungen zulalit. Ueher diese Verschiedenheiten der A11!i,1"1:׳ g von der Methode mul Taktik unserer Arbeit da 11 ״!,er niemals das gemeinsame Ziel vergessen ue! 1 ״■ Demi in Beziehung auf dieses Ziel bestellt ke e prinzipielle Verschiedenheit der Meinung mul hc Notwendigkeit, das Ziel in kurzer Zeit zu eue:a ־ wird immer dringender. Die allgemeine Lage er großen jüdischen Massai hat sieh im Laufe der k: ׳!: Jahre nicht verbessert, sondern verschlechten; «1 von neuem dringen Notschreie aus dem Osten ״־ uns, welche es als unsere imabwendlure I'ihcht י!•!Schemen hissen, eine dauernde Heimstätte m >11,1 ׳ Lande unserer Väter zu schaffen. Nur bei'gerne י׳• sanier Anspannung aller Kräfte, die in unserem Y*׳".e schlummern, ist es aber möglich, dieses Ziel zu streichen. Wir müssen im Westen unser gat. Augenmerk darauf richten, auch diejenigen Kreise mr uns zu gewinnen, welche noch ein starkes tieu.c. .- samkcitsgefiihl empfinden, die aber bis jetzt ■ms Ln* Kenntnis unserer Bestrebungen sich unseren Rai*. 1 nicht »״geschlossen haben. Die Furcht, daß durch solchen Zuwachs die Idee des Zionismus tmtla«!'11 könnte, ist gegenüber der Tatsache, daß die «M.1"'!l unserer Anhänger fest im jüdischen Volks׳ .׳* « wurzeln, völlig ausgeschlossen. Wir können aber gerade heute, wo es stich fiir uns darum li.m.U'.. praktische Kolonisutioiisarbcit in Palästina zu leiste«!, die materielle Hilfe der wohlhabenden Juden de> Westens nicht entbehren. Die Organisation der den!־ selten Zionisten wird an Werbekraft umsomehr ge- Winnen, je mehr sie einen Machtwilicn darstellt, den die öffentliche Meinung respektieren muß. So möge denn die Verschiebung der Leitung der deutschen Zionisten und die Vereinigung derselben in Berlin den Beginn einer neuen Epoche der inneren und äußeren Entwicklung des Zionismus in Deutsch-