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Jüdische Rundschau · 1910-08-19 · Heft 33 (19.8.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 33. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 393. Neue Testament" von Juden Beschrieben worden? Hiben wir Christen nicht viele unserer religiösen Anstfliauungcii von den Juden (Ibernoinmcn? Warum Md! solche «rolle Mühe «eben, um die Juden zu bc• kelircnV* Ich bin nicht in der La«c. Ihnen die «cwünschte behördliche Erlaubnis zu «eben; Ihre Bekcl1ru11«M'redi«ten würden mehr Übles als Qutes stifte״• Wie viele Juden haben Sie eigentlich bisher sch!'״ bekehrt?’* — Es ist bekannt, schreibt das jk‘1l״H i Hl.itt, daII Mayor Uavuor dem «anzen amerlkattiwlteit Missionswesen im Auslände, das ja ln der Tat v eit mehr Schaden als Nutzen hervorgebracht!,at. durchaus feindlich «CKcnübcrstcht. s: AUS ALLCR W€ll « ftu *siand J tdcnwcrfolflungen iin Gouvernement Smolensk. Nach Kiew kommt jetzt Smolensk an die Reihe. Pie i.issisehcn Behörden suchen sielt jeweilig ein bc- Mn1. :.cs Üebict zur gründlichen ״Bearbeitung“ aus. üc.;..!"artig wenden sic dem Gouvernement Smolensk ihr*, ׳esondere ״Aufmerksamkeit“ zu. Hier wird bcsw!•..׳s gegen die zahlreichen jüdischen Hand- \n.kcr vorgegangen. Zunächst nahm die Polizei tut•. Prüfung der Wohnrechte derselben vor — hatte;.א . dabei wenig Glück. Denn alle jüdischen Handvci *er in diesem Gouvernement besitzen ordnungs- «ei-׳!•״ das Wohnrecht. Die Administration wulltc sie;. aber in dieser Verlegenheit Rat zu schaffen. Slo toi vrt nun von den jüdischen Handwerkern bev s-.׳!,.:erc polizeiliche Aufcnthalts-Erlau bnis sch eine. Solche Scheine pflegen aber in icsom Gouvernement gar nicht den Juden selbst .ui gehändigt, sondern den lokalen Administrationen v•:: der Üouvcrncmcntsvcrwaltung übermittelt zu 'uidcn. Und wie sielt jetzt herausstellt, sind in den la ,..iladministrationcu zahlreiche dieser Dokumente וויו ״ an de n gekommen (!) — was in Rullland ״׳acr nicht wundernehmen darf. Und so sind nun!Luderte jüdische Familien von der Ausweisungsgefahr bedroht! Kaftanjuden, Trunkenbolde, Bctller usw. nlk. An den Eingängen zu den öficntlichcn Gärten uml Anlagen in W a r s c 11 a u ist von jeher folgender Anschlag zu lesen: Trunkenbolden, Bettlern, Hausietem, Juden in Kaftans und Barfüllcrn Eintritt verboten. Diese unerhörte Verhöhnung der jüdischen VAksh.assen, die hunderttausenden jüdischen Bcwoltueru du groben luft* und lichtlosen Kasernenhäuser ar Naiewki und Umgegend die Möglichkeit nimmt, jemals die frische Luft der von ihren Steuern mitcrlultiiKii öffentlichen Gärten zu genicllcn, war immer cm Augcriiis in den Augen der jüdischen Bevölkcmit«. Nur die offiziellen Juden — will sagen: der;ui: getan Boden bestehende Gemeindevorstand — fand anscheinend diese Wirtschaft in der Ordnung tmd nahm nie Anlall, gegen diese Barbarei Verwaltrmi« aii/.ulcgcn. Nun ist es anders geworden. Seitt'a1׳ vidi die Zionisten im ddic ״Litwaks“ für Geniuihlamgclcgcnlicitcn zu interessieren begannen, narkt mau ab und zu in der Gemeinde Zeichen von v 1 •Midier Teilnahme, wirkliches Interesse für die •׳daülichen jüdischen Angelegenheiten. Vor kurzem Imi!.,in der üciucitulcvorstaiul beim Stadtrat wegen du hi Einschränkung Beschwerde geführt. Die I1«• 111 i s c 11 c progressive Zeitschrift .J'r.iwda" nahm nun Aulall, bei dieser Gelegenheit 1i :• '•'titelten an den Kaftans zu kühlen. Charaktcri'iscli ist cs nun, daß das Organ der pol- H! ־< c ii j ii d i s c h c 11 Assi m i I a n t c n 1״ s r a - I; •יי in dem fraglichen Verbot nichts I» m ii t i ge n de s für die Juden erblickt, üa das Verbot sielt auch auf andere Gruppen erstrecke. In Warschau ist mau ja auf dem Gebiete der b .Ilistentwürdigtmg von Juden manches gewöhnt —;•׳ ׳.r dazu sollte man doch auch in Warschau wie;::iJerswo sagen: Pfui Teufel! * Seltsame ״liberale** Kandidaten Aus Odessa wird uns geschrieben; Nachdem der liier in die Reichsduma gewählte i :Bische Rechtsanwalt Brodsky wegen seiner bc- I muten Namensaffüre auf sein Mandat verzichtet hat, ־״: eine Ersatzwahl nötig geworden. Trotzdem ״!esc schon am 29. August a. St. stattfinden soll, ist vorläufig von einem ״Wahlkampf" noch nichts zu banerken. Unser Stadthauptmann Tolniatschcw verbietet jeden liberalen Zeitungsartikel über die Wahl als ״Beeinflussung" derselben. Auch die herrsehende Clt ole r a - E p i d c m i c wirkt nachteilig in dieser Hinsicht. Insbesondere Ist das Interesse der jüdischen Wähler, die etwa die Hälfte sümtlichcr Wähler ausmachen, dadurch hcrabgemindort worden, daß die Kadetten zwei Kandidaten In Aussicht genommen haben, von denen der eine kein großer Judenfreund und der zweite ein seit kurzem getaufter Judo ist. Es ist dringend zu wünsehen, daß die Kadetten noch In letzter Stunde ihre Entschließungen ändern und •einen würdigen Jüdischen Kandidaten aufstcllcn. Oder giaubcu sic, daß die zwei jüdischen Dumaabgeordneten eine ausreichende Repräsentanz der fünf Millionen Juden in Rußland darstellcn? # Die judenfelmllichc Presse hat nun ihre Verlegenheit über den ruchlosen Justizmord au Gluskcr Uberwunden und ergreift leidenschaftliche Partei für die famosen Richter. Die ״Scmschtschina" erklärt offen, daß die Richter recht daran taten, auf die Aussagen der jüdischen Zeugen kein Ocwiclit zu legen. ״Jeder Richter wird Ihnen sagen, daß inan jüdischcn Zeugen keineswegs Vertrauen schenken darf, da ihnen der Talmud das Lügen und Betrügen erlaubt.“ Achnlich schreibt auch diu ״Nowoje Wremja". Die Sammlungen zugunsten der!Unterbliebenen Erau und sechs Kinder des unschuldig Hingerichteten gehen inzwlsehen sehr träge von statten. Der hinreißende Aufruf Roditschews an die russische Ocscllschaft, die grausige Schuld durch Unterstützung der ihres Ernährers beraubten Hinterbliebenen zu sühnen, hat offenbar die ״fortschrittliche russische Ocscllschaft“ sehr kalt gelassen. Alles In allem sind bis jetzt ca. 300 Mark aufgebracht worden. (!!) Wie verlautet, soll der Witwe eine Unterstützung aus dem Fonds für Hilfeleistung an Zersonen, die von terroristischen Attentaten betroffen werden, gewährt werden. ’ * 11. Gehört Sibirien zu Rußland? Ein Polizei- Wachtmeister im Oouverncinent Irkutsk glaubte, wie uns berichet wird, diese Frage verneinen zu müssen und verweigerte deshalb einem Juden den Aufenthalt daselbst, obgleich er das Wohnrecht in ganz Rußland besitzt. Auf Vorstellung des betroffenen Juden erklärte jedoch der Gouverneur, daß Sibirien wohl zu Rußland gehöre .... Was nicht alles erdacht werden kann, um Juden zu schikanieren! Am Ende wird noch geleugnet werden, daß Rußland selbst existiert, um damit zu bcweisen, daß die Juden dann doch auch kein Wohnrecht in Rußland beanspruchen können. II. Während der dritten Session hat sich die Duma in 5.1 Sitzungen, d. i. fast der Hälfte aller Dumasitzungen, mit der Juden frage befaßt. Gegen die Juden sprachen 87 Redner. 42 Redner!laben 102 mal die Juden verteidigt, davon die beiden jüdischen Abgeordneten 14 mal, 7 Sozialdemokraten 25 mal, 4 Trudowicki 1(1 mal, 12 Kadetten 21 mal. Die übrigen Redner waren Rrogrcssislcn. Polen und Oktobristen, von denen einige sich nicht prinzipiell, sondern aus formalen Gründen gegen antisemitische Anträge aussprachcn. nlk. Dumaabgeordneter Ericdmanii erhielt von einer armen Jüdischen Witwe zu Tirasnol die telegraphische Mitteilung, daß sic mit der üblichen Geldstrafe in der Höhe von 300 Rubeln ״wegen Entziehung der näelusten Vorwaiultcnvoin Militärdienst" belegt worden sei, weil sich ihr Sohn der Militärpflicht entzogen habe. Tatsächlich hat aber dieser, trotzdem er ihr einziger Salm und Ernährer ist, seine vollen vier Jahre beim Militär gedient. Die Strafe wurde ihr tnferlegt bloß deshalb, weil ihr Sohn hei der Aushebung genau fünf Minuten nach Schluß der betreffenden Sitzung der Aushebungskommission erschienen war. Er hatte sich darauf vierzehn Tage später bei der näelistfol- «enden Sitzung pünktlich eingestellt, war ausgcliobcn worden und hatte hierauf seine volle Dienstzeit absolvicrt. Nichtsdestoweniger wurde hier eine Entzieh um £ v «> 11 der M i I i tä r p f I f c h t fcfct:|> stellt und für die dürftige Mühseligkeit der armen Witwe die öffentliche Versteigerung angeordnet. — Die arme Frau flehte nun den Abgeordneten Friedmann um Beistand an. Die neulich wegen Beteiligung an dem RjUsancr Pogrom von 1905 zu Gefängnisstrafen von 2—8 Monaten verurteilten ״echten Russen" sind nunmehr begnadigt worden. M ־ Oesterreich Einen bemerkenswerten Erfolg hat der J ü d I - sch Klub durch seinen Obmann, den Abg. Dr. S t r a u c h c r, in seiner auf die energische Vertretuug der jüdischen Forderungen gerichteten Tätigkeit zu verzeichnen. Die jüdischen Angclcgcnlicitcn waren bisher im Landesschulrat einem niclitjüdischen Referenten zugpwiesen, der ihnen selbstverständlich auch bei der größten Objektivität nicht das nötige Verständnis cntgcgcnbringcn konnte. Nunmehr Ist der Supplent am Großen orientalischen Gymnasium In Suczuwa. Dr. Heinrich Teller, zum Jüdischen Adlatus für den Dukowinncr Landesschulrat ernannt und bcreits zur Dienstleistung clnberufen. Türkei Aus Konstantinopcl berichtet die ״N.J.K. : Die nationale Sache muß schon stark die jüdische Jugend der Hauptstadt durchdrungen haben, wenn man sich auf assimilatorisch-reaktionärer Seite genotigt findet, den wirtschaftlichen Krieg gegen ihre Anhängcr zu erklären. Man hält offenbar die Hetzkompagne und die verleumderischen Praktiken des ״Tlempo" für nicht mehr genügend. Man hat hegönnen, die Jugend durch Drohungen mit Entlassung aus ihren Stellungen und durch ihre Aus- Sperrungen cinzuschüchtcrn und zur Aufgabe ihrer neugewonnenen Ideale zu zwingen. Dieses verwerfliehe, nach moralischer Erpressung riechende Vorgehen wird grell beleuchtet durch einige Einzclfälic, die die ״Aurore" aus der Fülle des ihr zugegangenen Materials zitiert. ln einem Institut der Hauptstadt, dessen Chef ein Jude ist, suchte ein junger Mann, dessen Verwandtschaft mit dem Direktor ihm besondere Hoffnung auf Erleichterung seines Eintritts gewährte, einen Posten. Er wurde aufgefordert, falls er nicht zurückgewiesen werden wollte, mit dcmnationalen Vereine ״Makkabi“, dessen Mitglied er war, zu brechen und sich der neugegründeten ״Association des aucicns Mives de l’Alliancc Amicale anzuschlicßcn. — In einem andern Etablissement wurden Schritte cingclcitct, um alle diejenigen unter den Angestellten, die dem ״Makkabi“ ungehärtet!, auf den Index zu setzen und sic vom Avanccucnt auszuschlicßen. — Ein reicher Kaufmann stellte beim Engagement eines neuen Beamten folgendc Grundbedingungen: 1. Keiner jüdischen Jugend- Organisation anzugehören. 2. Keine zionistischen Zeitungen zu lesen. Und sofort. Obwohl der soziale Notstand, der in den Häusern der meisten dieser jungen Leute waltet, eine Korruption der jungen Seelen durch diese Erprcssungsmaßrcgeln der reichen Assimilanten begreiflich erscltcincn ließe, ist cs doch offenbar, daß diese verwerflichen Versuche das Ge- «enteil von dem Beabsichtigten erreichen. Amerika Der Herausgeber der ״Jewish Eneyelopedia", Dr. Isidor Singer in New York, veröffentlicht einen Prospekt über die von ihm in Angriff genommene Herausgabe einer Bibliothek der hebräischen nach biblischen Litcratu r", die in 25 Bänden eine Auswahl der hebräischen Literatur, mit dem Talmud und Midrasch beginnend und mit den Erzählungen Smolcnskys und den Gedichten Bialiks abschließend, enthalten soll. PA LASSTINÄ-R U M D 5CHA Ü Anglo Palestinc Company —a — In einer Sitzung des Direktoriums der A.P.C. während der Jahreskonferenz, wurde beschlossen, der Direktion unserer Palastinabank einen Beirat zu geben. Dieser Beirat soll bei allen wie!!- tigeren Geschäften, insbesondere z. B. bei größeren Kreditgcw.hrungeii, beschließende Stimme haben: edoeh verbleibt dein Manager des Recht, bei Bierenzen die Entscheidung des Boards andurufen. Dieser Beirat, der aus vier Mitgliedern bestehen soll, ist nun, wie wir erfahren, konstituiert worden, und cs gehören ihm u. a. die bekannten alten palästinischen Kolonisten üluskin und Berlin an. Damit ist einem alten Wunsche der Palästinenser Rechnung getragen, und cs ist zu hoffen, daß dadurch das eingesessene Kolonisteitelemcnt in nahe Verblndung mit unserer Bank gebracht wird. Eine Föderation ״Palästina“ —a— Wie wir erfahren, bemüht sich unser bckannter Gesinnungsgenosse M 0 s c 0 w i t z zur Zeit sehr um die Realisierung eines seit langem auch von anderen in Palästina ansässigen Zionisten eifrig versonderen palästinensischen Federation folgten Planes, nämlich die Begründung einer bcim Zionismus, ln welcher Form diese sich konstituicren würde, steht noch dahin, aber ihr Zustandekommen soll als gesichert anzuschcn sein. — Dadurch wüte die Einreihung der palistinensischcn Juden, besonders der Kolonisten, in die zionistische Bewegung bedeutend erleichtert. neue Zuwendungen vor das Hebräische Gymnasium Ein Freund des Herrn Aldcrman und jetzigen Lordmayors in Bradford. Jakob Moser. Herr in . sohn aus ürad{°rd. bat anläßlich seines 70. Geburtstages für die innere Ausstattung 1sehen Gymnasiums in Jaffa MO Pfund (12 500 Eres.) gespendet Demselben Zweck hat auch Herr E m i I M 0 s c r, der Bruder des hochherzigen Gönners der Jaffacr Schule. 25 Pfund (600 Francs) zugewandt. Somit wird das Gymnasium nicht bloß ein prächtiges Schulgebäude, sondern auch eine entsprechende innere Ausstattung erhalten

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