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Jüdische Rundschau · 1910-08-19 · Heft 33 (19.8.1910) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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.! U li D1S C111: K UN DSC 11 AU No. 31. heit. Heule fulilcu wir uns wie int Hufen tnu! timten viele aiiücrc PaliizeuKe mit ihrem Walirz.eichcii vor. Da sinkt unsere EiiizcIflngKc herunter, mul es steift auf dem anderen Mast die LIukkc der Mcnscliltcit empor." Herr l>r. Hirsch, ich hin überzeugt, dall Sie 15• racls Standarte nicht herahsetzen wollten; aber es wiire besser gewesen. Sic hiitteit auf die rhetorische Wirkung Ihrer Worte verzichtet und keine Auslassungen gemacht, die, gelinde gesprochen --י inlliverständlich sind. — Sie wissen ohne Zweifel, was allen Völkern die nationale i-'laggc bedeutet. Je mehr sie von Kugeln durchlöchert wird, je zerfetzter und blutiger sie ist, nach jedem Kricgszttg, um so heiliger wird sic gchalten, und Könige und Kaiser entblößen ihr llanpt in lihrfnrclit, wenn sie vorübergetragen wird. Von allen Standarten der Welt a her ist keine mehr getränkt ״mit Hl nt und Tränen" wie die 1'all ne Israels. Hunderttausende Italien hei ihrer Verteidigung den Märtyrertod gefunden, dennoch wurde sie immer wieder siegreich aus dem Getümmel getragen, und immer wieder hat sie Heroen und Märtyrer geschaffen, und für sie kämpfen und bluten wir noch heute, - mul diese Palme, ein Heiligtum, vor dem Könige und Kaiser Ihr Haupt entblößen sollten, diese Palme wollen Sie, Herr Dr. Hirsch, nicht schänden, Gott behüte, aber Sic wollen sic hernmerhülon und vor der Menschheit nicht in ihrem vollen Werte gelten lassen. Nein und tausendmal nein! — Die P'lagge der , Menschheit weite auf ttnserm P'alirzcug, aber die 1 Plagge Israels wehe nicht minder; wenn das jüdische Schiff in den jüdischen Hafen eingelaufen ist und die Scharen eiender lirüder auf heimatlicher Scholle ein arbeitsames, freiheitliches Leben führen, dann erst werden Menschheit und Menschlichkeit zum Siege kommen. — Ich schreibe folgende Thesen nieder, die auf dem Rcligionskongrell leider nicht aufgestellt worden sind: 1. Für uns Juden ist die Idee der Menschheit j von vornherein ein Gegebenes gewesen, eine gestellte Aut gäbe. 2. Die Propheten lehren, dall durch den Kulturfortsehritt der Volker der Oeduuko der geeinigten Menschheit im Laute der Ueseliiclttc auch tatsächliche Wahrheit wird. 3. Diese ideale Menschheit ist aber nicht das Resultat der Zertrümmerung nationaler. Unmdlagen. ״Nicht wird erheben Volk gegen Volk das Schwert", d. 11. die Volker bleiben, aber über dem nationalen Unterbau erlicht sich als Krönung die internationale Kultur• einiicit. 4. Wie die hervorragendsten literarischen Er- Zeugnisse der Völker in die Weltliteratur eimmmden, so kommt jede nationale Arbeit schlieltlich dem Wöhle der Menschheit zugute; letztere kann nur dann gedeihen, wenn jedes Volk seine nationalen Aufgaben erfüllt. 5. Somit erwächst uns nls Juden die I*flicht, den Gedanken der Menschheit festznltalten und iiir ihn zu arbeiten, nicht indem wir uns als Volk preisgeben, sondern als Volk auf• rechterhalten, und uns national weiterem• wickeln. -- Verzeih mir, teurer Leser, dall ich dich mit diesen I Gemeinplätzen langweile; ich will nun den Worten des Herrn Dr. Hirsch einen dunkelbraunen Illustrator folgen lassen, nämlich Herrn Dr. Jayatilaka, Vorsitzenden der buddhistischen Vereinigung zu L.0ionibo. Der Buddhismus ist, das wird mir Herr Dr. Hirsch ztigelicn, eine l.elire, die an Her* und Menschenfrcttndlichkeil (vielleicht muii 1mm die iiero noch vor den Menschen nennen), von keiner anderen Ke* ligiou überboten wird. Was für Worte mußten mm aus dem Munde des wackeren Dr. Jayatilaka zu den Ohren von Herrn Dr. Hirsch dringen: ״Das letzte Viertel eines Jahrhunderts hat die G e b 11 r l ei u e s n '0 u e 11 Ü c i s t e s gesellen oiler besser das Wiederaufleben des alten Geistes. Die Buddhisten haben die Odahr erfüllt, die ihrem Glauben mul ihrer Gemeinsamkeit droht, und sind eifrig au der Arbeit, sie abz.iiweliien. Zunächst Italien 1 sie die Erziehung ihrer Kinder in ihre eigene Hand ' genommen, entsprechend den Vorschriften ihres Glau• bens, und buddhistische Schulen entstehen in jeder Stadt und in jedem Dorfe unserer Insel. Lin starker Wunsch •zeigt sieh auch, unsere alte Kultur, Sitten und Gebräuche wieder aufleben zu lassen. Unzweifelhaft erwacht das Nationalge fühl, und wenn es weise geleitet und unterstützt wird, wird cs zweifellos bedeutende Resultate tragen." (Berl. Tagebl. No. 409.) Mso aucli die erhabene Lehre des Buddha ist national ״verseucht"; müssen Sie da nicht, Herr Dr. Hirsch, an der Menschheit verzweifeln? Machen Sie mm. bitte, folgendes Excmpel: Nennen Sic in der Rede des Dr. Jayatilaka die Insel Ceylon ״ Palästina und setzen Sie statt ..Buddhisten" das Wort ״Juden", dann haben die Auslassungen Ihres buddhistischen Kollegen das gesagt, was dem Volke Israels nottiu und was auf dem Kongreß aus jüdische .11 Munde 11 ä 11 c ausgesprochen werden m ü s s e n, — Ob eine solche Rede ans nationaljüdis.liem Mumie Widerhall gefunden hätte? - — Tiefer Schmerz fallt mich, wenn ieli erklären muß, dal diese imposante Veranstaltung religiös und freiheitlich gesinnier Männer in ihrer Stellung zur Jiulenfrage grausam enttäuscht hat. Man hat sieli nicht gescheut, in die Angelegenheiten des belgischen Staates einzugreifen und von der Warte der Menschlichkeit aus die armen Kongo 11 eger in Schutz zu nehmen, ich harrte, ob mau nicht auch einer a «der c 11 Regie ruiig einen flammenden Protest zuschleudctu j würde wegen der hiiiimelsehrcicndcn Gewalttaten, die sie Über Millionen Unglücklicher ausschüttet - es geschalt nichts dergleichen. Die Juden Rußlands sind keine Kongoneger, und wenn sie auf internatiomtlett Eiuspi ucli der Menschlichkeit rechnen, daun können sie warten, - bis sie schwarz werden. -• Nein, der Berliner Rcligionskongrell stand noch nicht im Zeichen des Messias, und er war weit ent• lernt von Ahasver zu sprechen: ״Unsere Leiden trug er und unsere Schmerzen lud er sielt auf." — Die Judcnfrage wird nicht durch Rcligionskongresse aus der Welt geschafft werden, sondern vor allem durch die Arbeit des jüdischen Volkes. Nathan heu Mordeeital. _ j ״Seid stark, und man wird gerecht gegen Euch sein!“ j Von Dr. Hugo II ״ p pc - Königsberg. I Diese Worte rief der jetzige Generaloberst Er״. § licrr v. d. Goltz vor einer keilte von Jaluui btt 1 seinem Seiteiden aus der I urkei, wo er lange Zeit 1 als Instrukteur und Reorganisator der tutHsdan | Armee geweilt hatte, seinen inngturkiselieu t־t uuUvn I zu, und diese Worte wiederholte er genau vor r.v״ § Jahren, als die Kunde von der unblutigen kev'.ltm!,!, M und der Einführung der Konsumtion ganz. L1>, m 1 Erstaunen setzte, in einem Aufsatz, m dn 1 Preten Presse", worin er seine Meinung ״:; i Ereignisse und seine Ratschläge fnr die Zu'׳,״ zן .״ sammenfaltte: ״Seid stark, so wird man gereu.;^•i. I Euch sein!" Was wollte Ereiherr v. d. 11׳ ׳ m I diesem Ausspruch sagen? I Die Türkei war Jahrzehnte lang ein S!>k!1( 1!״ den Hunden der europäischen Machte gewc, . die 1 ״den kranken Mann" bei jeder Gelegenheit zu .!ro:»- 1 fen suchten, die überall, wo sieli irgend ein;nom 1 | der Kranklieit oder der Schwache zeigte, m.!; j | griifen. ilun den lleilplan vorschrieben, ihn. :!«!״ I | bittere Pillen zu schlucken gaben und die um durch I die gegenseitige Eifersucht verbinden wuru. dm j ״lieben" Patienten mit Haut und Haaren; v״•! schlingen. Die patriotischen und ualionaigv;am•:; 1 Jiiugtiirkcn, von Scham und Wut über diese >:.ן!י»• dige Behandlung erfüllt, ballten zälmcknirseiie! . aber ohnmächtig ihre Hände gegen die fremden ater• drücken und oft genug mögen sie ihrer h ... ..muh und ihrem Ingrimm über die Ungerechtigkc!! vk ihrem deutschen P'rcunde Luft gemacht I!..: :1,!: lauten Klagen und Verwünschungen. Und v. h.uu• dieser hervorragend kluge deutsche General einen ן Freunden als Quintessenz seiner Ratschlage ...trau: | zu *agen? Die lapidaren Worte, die an pr.׳׳..׳.amt 1 Kmz.e und Bedeutung einem Ausspruch des .״.];»l!!. j sehen Orakels almein: ״Seid stark, und mai; wird ' gerecht gegen Euch sein!" Seid stark, d.!; ich!, j übel und stählt Eure körperlichen Kräfte 0■ :1 an i körperlicher Kraft gebrach es und gebricht v. > den Türken, die einen sehr kräftigen und gesunde;. Mer.• se'henschlng bilden, wirklieli nicht, sondern: wenn Euer Wille lest und stark sein wird, wenn Ihr das Ziel der Regeneration des Staates, das Ihr 11.. . vor• gesetzt, mit aller Energie verfolgen w erdet, \! 11.״ I r dieses Ziel unverrückbar im Auge, Euch K1: s ויי• gauisierett, strenge Disziplin halten, alle Maine• Leiten. Eifersüchteleien und selbstischen S׳:,!crlu• strclmngcn unterdrücken, wenn ihr einig sein ־•a»h: und einmütig, (int und Blut zur Erreichung de•, /.u!1> willig und selbstlos zu opieni, wenn Ihr 111 ,'.׳esc; ׳ Sinne stark sein werdet, werdet Ihr Euer er• reichen, man wird Respekt vor Jlucii bekomme׳., ur,. slie ungerechten Einmischungen der Mächte s erden aiifliören. Das ssar das. was Freiherr von U tj,Iu mit jenem Ausspruch sagen wollte. Die .11mg: uken haben sielt das wohl zu Herzen genommen!::,1 der Erfolg hat nicht lange auf sieli warten lasse;!; die Türkei stein jetzt geeint und kräftig da und In: 'ich die Achtung aller Mächte erworben, die an er. Ein• miseJmng nicht mehr denken. Die Blumen von Galiläa (Nac'uiruck veiti'iim; Von 11. York-St ein er. Rote Anemonen so groß wie die Tulpen - die glänzenden I»liilcit ztt hunderten beisammen. Dann in dichten Leidem, als seien sie in ganzen Aeekern ITmgcsäet — Anemonen U\ z.avtvm Lila, wie um zu zeigen, dall der liebe Gott auch Modefarben zu erzeugen verstellt — und endlich weiße Anemonen — ein gut abgcstimmles Bild muß auch helle I arbenflecke zeigen. Nun eine riäclte, aus dessen saftigem Grün blaue Spitzen brechen: wilde Schwertlilien uiul dicht bei, wie auf einer Bauenitruhe rote Tulpen, Lin Hügelabhung ist in brennendes Gelb ׳gehüllt, das emporlodert an den Ginsterbüschen und in das trockene llaideland leckt; blaue Cascadcu fallen nieder, — blühende Lupinen, oder ist es vcrvvildeler Krapp? Uebcrnll aber stellt die Cyklatne in dichten Büscheln, dicker Blüten — neben den Lenzeskindern ־ die Blume des Spätjahrs, wie eine Myriade violetter, lila abgetönter Schmetter־ linge. Und wir fahren mitten durch, die Augen weit geöffnet, Bild um Bild cinzusaugen. Der Kutscher läßt die Pferde ziehen, wirft sich in die köstlichen, leuchtenden Pflanzen, und bringt Anne voll der blühenden Gaben an unser Gefährte. Blaue Bliitcntraubcn hängt er den , Pferden ins Geschirre, gelb leuchtet es aus den : Rädern und die I,assagiere sitzen eingcliüllt in! allen Larbon des gütigen Goiles, der sein Land ׳ so freigiebig zu schmücken weiß. Bergauf — bergab, unter dunklen Lichen,, au blassen Oliven vorbei, neben blühenden Bäumen und schwellenden Slräuchern — immer weiter, weiter, in der lauen •־• duftgeschwäugeriet) Luft. Und nun eine weite Lläche, ein kuppenbegrenztes Tal ־־־ das kahl daliegt, fast traurig neben der verführerischen Schönheit der bluini* gen Triften. 1 Her wird Korn gebaut. Die Brol* fruclit verdrängt den Blumenflor; der Bauer vernichtete das Unkraut. Wir sind in Jenuua, einer jüdischen Kolonie, die mit ihren dunklen Basalthäusern ernst, düster, fast traurig ins Tal blickt. 1 He und da unterbrechen einige Bananenbäume das farblose Düster — sonst weit und breit nichis, was das Auge erquicken könnte. Nichts? Gar nichts? ln einer jüdischen Kolonie! Und wo bleiben die Kinder? Üben kommen sie aus dem Bellt hasefer, die Seitule ist zuende-- und um unseren Wagen wimmelt es von Blondköpfen mit schlichtem und krauset! Maar, als sei Jenuua ein friesisches Dorf. Nur das männliche Kindermädchen einer Kolonistin, ein bibtltöucr Araborjunge, zeigt den \u־ selten Typus. ■c H•. * Die Kinder lärmen trotz der ieici! Ti: Sprache, die uns das Hebräische ist, genau » wie andere tosgelassene Dorfkinder -- ״dein S!wc• storchen, die Sarah kommt," rufen sie eiiu! : der Knaben zu, und iiir einen Augenblick voi׳m ׳!!nt der Lärm. T’.ine zarte Frau von südi״ite1tt Typus, das Haar schlicht gescheitelt, trägt eist Baby von etwa einem Jahre. Mutter mul blinkend in sorgsamer Nettigkeit. Das a.״-c.• eben jauchzt uns entgegen. Welch ein bim. n• liaftcs Gesdiöpfchen. Der Mund mit > >1'!׳! Kirschcnlippcu ist klein in geschweige• ״er Linie gezeichnet. Die glänzenden Augm blicken aus schwellenden Wangen, in »!.non kleine Grübelten nisten, Aermelieit und Teile verschwinden fast in rosafarbenen IVukiian!׳• eben, so daß inan die kleine Me11scl1c11pil.11»׳׳e immerzu und überall abküssen möchte. Warum die Mutter unsere /.iirlliclikei:!!1• nahmslos duldet? Last scheint es, daß nmere Freude an der kleinen Sarah ihr Leid verursacht. ״Welche Freude der Vater an diesem ה äßen, herzigen Kindchen haben muß.“ ״Sein Vater hat dieses Kind nie geselle!! “

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