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Jüdische Rundschau · 1910-08-12 · Heft 32 (12.8.1910) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 32 (12.8.1910)
Date
1910-08-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 3S2. Zum XII. Delegiertentag Wir stellen diese Rubrik zur Diskussion über Fragen des XII. Deicgicrtentagcs zur Verfügung. bitten alle Hinsender iedoeb, ihre Vorschläge möglichst kurz und priii.is zu fasset). Indirekte Steuern 1:111 Vorschlag zur Flminzrcforni. In der Diskussion unserer Partciaiigclcgcnhcitcn nimmt mit Recht die Finnn/.frage neuerdings den etsten Platz ein. Darüber herrscht nun Wohl keine Verschiedenheit .ler Meinungen. dnll wir einerseits dem Aktionskomitee, anderseits in Deutschland dein Zentralkomitee die Mittel verschaffen müssen, die notwendig sind, um in einer unserer Bewegung würdigen Weise den Ausbau der Organisation und Agitation zu ermöglichen. Woher aber diese Mittel genommen werden sollen, das wird wohl noch lange ein (legenstand der Beratungen sein. Der Sanierungsvorscltlag. den Herr Rechtsanwalt Oroncmann in der letzten Nummer der ..Rundschau" gemacht hat, künntc im ersten Mopient als ein gangbarer Weg betrachtet werden. Er will sagen: (lebt eure Spenden mir mit Vorbehalt dem Nalionalfoitds. und zwar zu 1 lünden des Aktionskomitees, das von den Summen zunächst seine Bedürfnisse decken und dann den Rest dem Natinuallomls überlassen wird. — Ocwill. auf diese Weise wird sich der Stickel unserer Behörde füllen, aber scltlielilich bereichert sie doch nur ihre rechje rasche auf Kosten ilircr linken,!•»glich gibt dieser Vorschlag keine befriedigende Lösung. Unerörtert bleibe nb/igens, ob dabei nicht die Samuicl- Icidenscliaft ihr den Nationalfonds abiiehineii wiirde. sicher aber ist. dali dah dieser Fonds noch lange nicht groß genug ist, um ihn zugunsten einer anderen Kasse leiden zu lassen. Zu diesem Mittel sollte man mindestens nicht früher greifen, als bis alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind. Ist das nun schon der Fall? Hs scheo.it mir nicht so. Wir kennen in *ler zionistischen Bew egung bisher nur die ditekle Steuer (Schekel!und l.andeslieitrag) uiul die freiwilligen Spenden. Hs bleibt daher noch übrig, dali wir 1ms nach indlrekleii Steuern Umsehen, mul zwar vornehmlich nach solchen, die einen grollen ~ ־ : liefern, ohne den einzelnen empfindlich |.-h schlage in erster Linie eine Bille t- die ich sofort näher bezeichnen werde. ich allerdings glaube, dali sic zunächst iktionskomitce. sondern mir der tlcut- ו t r a I c zugute kommen kann. ״*tstcuer betrifft die Hintrittskarteii zu;dien zionistischen ( auch den studentischen) Voranst.tituugen und möge 10 von Hundert des Hiutrittsgcldes bcRagen. Diese Steuer hat den Vorteil, daß sic im grimde genommen eine Litsiissteuer ist: sic zeigt ferner die Merkmale der Uereclitigkeil, Weil hei abgeeuften!,reisen für billigere Platze ein geringerer, fiir teurere Plätze ein höherer Zuschlag erhoben wird, und schließlich bandelt es sich fiir den einzelnen immer nur um eine minimale Abgabe. Denn gewöhnlieh schwanken die Kartellpreise für unsere Vcran- Mallungen zwischen 50 Pfennigen und .) Mark mul erreichen nur ausnahmsweise die Höhe von 5 Mark. Der einzelne würde also zu seinem Billet einen Zuschlag von 5 3j) Piennigon. im Höchstfälle 50 Bf. zu zahlen haben. Diese Steuer bedeutet demnach kein Opfer, wird ohne Widerstreben gezahlt werden und dem Zentralkomitee eine jährliche Hinnahme von 4000 - 5000 Mark verschaffen. Nebenbei hat sic den Vorzug, daß Iper einmal auch solche Personen zu den Lasten unserer Bewegung beitragen werden, die sich nur für die amüsante Seite des Zionismus zu interessieren pflegen, und cs wäre nicht von Nachteil, wenn so endlich diejenigen ein wenig entlastet wiirden. die immer wieder für die gute Sache in den Beutel greifen müssen. Damit wäre freilich direkt mir der Z. V. f, D, geholfen, dem Aktionskomitee aber vielleicht hidirckL und zwar dadurch, daß cs 1. sich nach diesem Muster ähnliche Hi'mahmemielilen erschließt und 2. die anderen Landsmannschaften aulfordert, ebenfalls in der von mir vorgeschlagcnen Weise zu verfahren, damit die Gesamtheit der Schekel olme Abzüge dem Aktions• komitcc zur Verfügung gestellt werden kann. I)r. M. Jiuigiuiiiut. Die Organisalionsfrage Der XII. Delegicrtculag der deutschen Zionisten naht heran, und da für die Organisationsfragen diesmal m anerkennenswerter Weise der zweite Tag der Verhandlungen vollkommen reserviert ist. werden die Delegierten wohl zu einer ausführlichen Be* sprechting der fiir die deutsche Organisation notw e n d i g e 11 R e f o r in c ח kommen können. Dies veranlaßt Irnich heute, nachdem die Eiligkeit in unseren Reihen hcrgcstcllt worden ist und uns als einzige Aufgabe für die nächste Zeit die Stärkung unserer Organisation vor Augen stehen sollte, zu folgenden Ausführungen: Wer fortdauernd agitatorisch für unsere Bowcgung tätig ist und OelegcnheU hat, zu beobachten, No. 32. wie weit der zionistische Gedanke schon in die Reihen der deutschen Juden, besonders der jungen Juden gedrungen ist und täglich in weitere Kreise dringt, wird nicht verstehen, wieso unsere Organisation doch nur die verhältnismäßig geringe Zahl von 7000 Sehekelz.ahlern «ufwclst, die in kongrelllosen Jahren bisweilen sogar auf 45IK) sinkt. Eine der wichtigsten Ursachen für dieses Mißverhälttiis zwischen Anhängern der zionistischen luce und Mitgliedern der zionistischen Organisation scheint mir die A r t der deutschen Organisation selbst zu sein. 111 ganz. Deutschland vielleicht mit Ausnahme des ubc*'.scl11c.si.scItc» Bezirks steht das Zentral* Imieaii mit den Ortsgruppe'» direkt in Verbindung. Allen Ortsgruppen werden dieselben Agitation::• tuet linden, dieselben Sammlungen etc. empfohlen, für Nord und Süd. für Ost und West werden dieselben Ehighlättcr, die gleichen Broschüren hcrgcstcllt. Das Zeiitralbureau kamt naturgemäß nicht über die speziellen Winiselie des cin/.cV ich Bezirks unterrichtet sein, kann bei der großen Arbeit, die cs ohnehin zu bewältigen hat. nicht wissen, welchen Anforderuugeu ein Flugblatt für Posen genügen muß, um es dort wirksam zu machen, was eine Broschüre für Frankfurt enthalten muß. um eine Wirkung zu erzielen, welcher Tag speziell für eine Versammlung in Bavert! geeignet ist. Um ein Beispiel aiizufiihreu: Eine in Obersehlesien fiir den Kulturfonds vorgenommuitc Sammlung hat einen holten Betrag ergehen, in llalberstmit wäre diese Sammlung eine ziemlich aussichtslose Sache. Die Broschüre ..Zehn Jahre Zionismus" hat sich in unserer Gruppe fiir die Agitation als wirksames Hilfsmittel erwie* sen. wie mir Leiter anderer Gruppen gesagt bähen, lammen sie diese Schrift überhaupt nicht verwende n. Deshall) gellt mein Vorschlag dahin, die Orgnnisation in Deutschland so zu gestalten, wie es das Statut der Zionistischen Vereinigung für Deutschiaml ursprünglich vorgeschlagen hat. wie cs aber im Laufe der Zeit nicht cingehaltcu wurde: Jede Gruppe wird vom Zentrallmrcau in einen Gruppenverband eingereiht. dem diese Gruppe unbedingt( augehuicu muß. Das Zciüralhnreau steht nur mit den Grtippcnvcrhäuden in Verbindung, von ihnen empfängt cs Anregungen, ihnen erteilt es Direktiven. Die einzelnen Grimnen halten sieh in allen Fragen mir an den zuständigen (irppncnvcrbamLs-Lcitcr zu wenden, an den auch die Sehekoliiu. die Landes• beitrage uml O.rjanisationsgelder abziifulircn sind. 111 Deutschland liefert Obersehlesien, in Oesterreich Südgalizien den Beweis dafür, was eine straffe Organisation nach Gruppenverb ä n d e n zur S t ä r k' u n g der Or g a n i - s;11 i o 11. zur Er w eite r 1111 e i 11 r c r Mac h tm 11 c I 11111 k n 11 n. Nur auf diese Weise und im Zusammenhang mit der in diesem Winter dtirchgcführten Neuorganisation des Zcntralhurcaus und An* Stellung eines Parteisekretärs kann es uns tu. H. gelingen, die Zahl unserer Sehckelzahlcr endlich auf wenigste u s 10000 hcraufznsctzen und uns dadurch innerhalb und außerhalb unserer Bewegung einen größeren Einfluß zu verschaffen. Die Ualbcrstädter Ortsgruppe wird jedenfalls durch ihre Delegierten auf dem Dclcgicrtcntngc energisch dafür elnlrcleii, daß die zwangsweise H ln r c 111 u » g d er Gr u p p e u in Gruppenverbände während des nächsten Jahres in Deutschland dnrcligcführt wird, und entsnreclicnde Anträge werden dem Dclcgicrtentaee vorgelegt werden. Der Unterstützung des Zentral• hure,aus glauben u׳ir sicher zu sein. Der Zweck dieser Zeilen ist, alle Gruppen in Deutschland dringend zu bitten. 7.11 der Frage Stellung zu nehmen mul ihren Delegierten entsprechende Aufträge zu erteilen. Isaak Fctierrlng (Halbcrstadt). Jüdische Museen Außer dem jüdischen Museum in Prag, über das v׳ir kürzlich berichteten, gibt es noch ein Institut dieser Art in Warschau. Wie die Vosslscbc Zeittmig miitcilt, w׳urdc cs dort kürzlich im Hause der jüdischen Gemeinde an der Grzybowskastr.aßc unter dem Namen Muse 11 in Bcrsolin eröffnet. Hs enthält reichhaltige Sammlungen aller Art, welche wertvolle Beiträge zur Kulturgeschichte der Juden in Polen darstellcii. In der Bibliothek des Museums finden sielt mehrere Pcrgamcntliaiidsclirifteu aus dem h'. und 17. Jahrhundert. Ausgaben des alten Testaments und ein Psalter in kostbaren Einbänden, Die Bibliothek bestellt aus 21)0<׳ Bänden. Beachtenswert ist die Münzsammlung, die eine große Talcrkollektion und viele Medaillen enthält, ferner die Porträtsammhing und die Sammlung historischer Dokumente. Besonders reichhaltig ist die Kollektion der Silber- und Goldarbeiten, sic enthält alte Leuchter, Lampen, Kandelaber, schöne Trinkgcfäßc, Schmuckgegcnständc. Amulette usw. — Wie der Frkftr. Ztg. ein Leser mittcilt. befindet sich auch noch im Muscc de Cluny in Paris eine reich ausgcslattcte Abteilung, in der mittelaltorlichc Jüdische Gegenstände, dlo einen künstlerischen Wert besitzen, ausgestellt sind. Sic enthält Thorarollcn. mit ihren Mänteln und silbernen Glocken, Zeiger (Jad) aus getriebenem Edelmetall, Becher. Vorhänge. UeriMnilobankc. La!״, pen und dcrgl. Dinge in ungewöhnlicher l ulle und Reichhaltigkeit. Wie eine Aufschrift am Hinga״^ besagt, ist eine Baronin Rothschild die S t j j. tcrin der Sammlung. Und die französische Rc. publik verwaltet in einem allgemeinen Museum »|tcsc Kunstsammlungen aus der jüdischen Vergange Propaganda in Kurorten Aus Marien lind wird uns geschrieben: Daß die gtoßen Badeorte ein dankbares I el! i״r I jüdischnaiionale Propaganda bieten, was in /.!• j sehen Kreisen bisher nicht genügend beuchtet <f. j den ist ־. das zeigen die bemerkenswerten ■ r* folge der Organisation i n r 11 e b r a 1 *!! c Sprache und Kultur in ihrer Agitation! 1er in Marienbad und ebenso in Karlsbad. Das Im; /M( Kur weilende Mitglied des Berliner Zentralko!׳• :.es der Organisation, der bekannte hebräische S ׳:. steiler S. H u r w i t /.. hat im Auftrag der Verl . u. Icitung eine großzügige, umfassende Pr׳ gandatätigkeit ins Werk gesetzt und 111,׳;!. opfernder Hingabe durehgefülirb wobei die K<>11. e• mitglieder Schriftsellcr Rüben Braininin*!:;,n und Chaeham Jacob Meier aus Soloniki. *!c Reichsratsabgeordneter Adolf Stand mit du . ״. meinsam wirkten. U. a. w׳urde liier zugunste. ז hebräischen Kuburorganisation am 26. Juli im ..I j Walhalla" eine II erzl-Feier mit folgendem! ,״. grainm veranstaltet: 1. Einleitung von Chaeham Baschi. Rabbi Meir (hebräisch): 2. Jüdische Kulturprohlcmc. von Schrats .? Ruhen Brainin (hebräisch); 3. Theodor Hcrzis Leben und Wirken, , u Reiclisratsabgcordn. Adolf Stand LU.:•• Der grolle Saal war von einem ititcrn.ito•11..:vn jüdischen Publikum überfüllt, die Versammlung nai.iu einen eindrucksvollen Verlauf und hatte m״r.1;.s1:״ und materiell einen bedeutenden Eric]״, \ , I. August wurde zum gleichen Zwecke auch m h bad im Kurhaus eine Ilerzl-Fcier veranstalte•!, wo. statt des Herrn Sta nd, der wegen des plot/liJi.n Alilebens des Rciehsratsabgeordnetcn Dr. lUmr.üi Gabel sielt nach Wien begeben hatte. Rablm.cr Dr. Niemirowcr aus Rumänien und ai.iieMuu Chaeham Jacob Meir und Brainin rcienenui. Z u m ersten M a I tagte im Karls h a .1 e r Kurhaus eine jüdische Vers ,1111 nt i 111, ׳״, Und auch diese Veranstaltung war vom Erfolg ge* krönt. Insbesondere wurden dem greisen Chach.mi stürmische Ovationen dargebracht. dessen!*atn.tr• ehalische Erscheinung und wohlklingendes Hebiat' Ji tiefen Eindruck machten. Zu Beginn der Vers,man. hing gedachte deren Leiter, der Vorsitzende der d ■r* tigen zionistischen Ortsgruppe, des heimgcg.mgei cn Dr. Gabel, wobei sich die Anwesenden von »Ln Sitzen erhoben. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, d.dt Reichsratsabgeordneter Stand mit Herrn Hur• witz eingehend *leti bedeutsamen Plan erörtern .1. im Anschluß an den kommenden hebräischen Kulז ״- Kongreß eine i 111 e r p a r 1 a m c n t a r i s c 11 c 1• ־ d i s c h c (1 r u p pe z.u bilden, d. i.: die jüdischen!' ׳r* lamcnlarier aller Länder in einer Vereinigung ׳ •׳»• samtucn zu schließen, deren Organisierung iL :r Stand in die Hand nehmen will. Der weiteren! י :• Wickelung dieses hochwichtigen Planes wird sic!,.!• lieh in .allen jüdischen Kreisen mit besonderem lau׳• esse entgegengesehen werden. Aus Bad Neuenahr schreibt inan tms: Zw einer allgemeinen Aussprache und Diskuticrung der gegenwärtigen Lage fanden mUi vor einigen Tagen ungefähr 2» zur Zeit liier weiht Zionisten im ..Rheinischen Hof" ein. Die Del'.!:!., von den Herren Dr. (101 d b e r g * Neuenahr. Ih m Dr. G n n z b 11 r g-Ncwvork. Rabbiner Dr. I'< * n a n s k i Warschau und Heinrich M a r fl u 11 c s- Kattowitz geführt, dreiitc sicii ausschließlich um .יי.' Beschlüsse der Jalireskonferenz. Dr. Go Id her: fnlirtc in einem einleitenden Referate aus. da» d>e ersten fünf der erwähnten Beschlüsse durchaus und rückhaltlos zu billigen seien. d:»!> dagegen der Be* Schluß, der Präsident des I;. A.-K. solle kimftiglmi nicht mehr vonm Kongreß, sondern vom H. A.*K. seihst gewählt w׳crdcn, nur geeignet sei, von neuem Zank und Streitereien hervorziirufen. vas aikh schon daraus ersichtlich wäre, daß dieser Beschluß als der einzige nicht mit Stiinmencinheit gcl.mt w urde. Während Prof, Gönz 1» u r g diesen Au*׳- fidirungcn beistimmte und den Beschluß als mit den sonst von der Opposition so stark verfochtenen demokratischcn Prinzipien für unvereinbar erklärte, suchte Herr Heinrich Marguiies diese Kritik zu entkräften und die Notwendigkeit des Beschlusses nachzuweisen. — Da sich in Neuenahr außerordentlich viel Juden aufhalten, wurde beschlossen, wenn nmglieh, eine öffentliche Propagandavcrsammiung zu veranstaltcn.

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