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Jüdische Rundschau · 1910-08-12 · Heft 32 (12.8.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 32 (12.8.1910)
Date
1910-08-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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IUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 381. No. 32. 11.1t. Komik Heinrich IV. hörte davon und Hei! ihm, als feiner Menschenkenner, der er war, verbieten, Pum zu verlassen. Von dem Taue an hatte der alte Manu Keine Kühe mehr und bestürmte den König mit Hilten, ihm einen Ausflug zu gestatten. Kitt Jahr ohne I'rfolK! Als aber nach Jahresfrist der König ihm feierlich die Erlaubnis erteilte, hatte er plützlieb gar keine Neigung mehr, davon Gebrauch zu ׳,!.,ה v». und starb richtig viele Jahre später, ״ohne jemals die Haitlieue überschritten zu haben. י > wird cs voraussichtlich auch mit linseru jüdiselu'11 Arbeitern sich verhalten, die als eingefleischte In.!:' uhialisten die meiste Neigung gerade dazu 11,11■!1. was ihnen verboten ist. Hier ist ihnen das Au".beiden ausdrücklich gestattet, ohne dal! mau es ihm•■! im geringsten übel nähme•, und gerade darum \u; cu sie cs wahrscheinlich unterlassen. dessen wird doch noch einmal der Pall einir,. ׳:. dall einer der Genossen sich mit dem Adnt! -:rator oder mit seinen Kameraden nicht vertr. 1 kann: — oder dal! er sieb für ganz besonders tug und für viel klüger halt als den Administrator; ,er dal! er in der Tat aus wahlberechtigtem 1״. diialisiuus lieber als völlig selbständiger Wirt \u scr, wie als immerhin unter Disziplin gestellter ti. .sc mehr verdienen will. Er wird seine Hufe fei 111 und ohne weiteres erhalten, und wird natilrkc .l:e letzte Kraft daran setzen, um den Genossen za •cweisen, dall er recht getan hat; er wird viel lu .1 arbeiten als sic. Mas Experiment wird über die fernere Form der Ui 'scnschaft entscheiden. Die andern Genossen Wv len sehr aufmerksam Zusehen, was dabei herausk ut. Erwirbt der ausgeschicdcnc Genosse in der 1. ein Mehr an Ertrag, das seiner intensiveren A; . iisleistung entspricht, so werden sie ihm nach- .1, cu und dann sollen sie iluu auch nachahmen! D. :1 dann ist bewiesen, was einige Fachmänner als w. arsclicinlich annehnieii. dall die Vorteile sogar der g'-.osscnschaftlicHcn Kooperation im Groilbetriebc d. ׳:noch überwogen werden durch die intensivere A.l'eit des Einzchvirtes. Wenn aber — und das halte ich bis zur F.ntscheid sg fur das weitaus wahrscheinlichere — cs sieh ik rausstellen sollte, dal! der ausgeschiedene Ge- 1• 'sc trotz härterer Arbeit beträchtlich weniger verdktit hat als die in der Genossenschaft verliehenen K.meraden, so wird die Mehrzahl sich schwer hüten, ih u nacliziialiuicn. Fs sei no.’li bemerkt, dal! für die Formen 1 und i 2 V.v . ■iidisclic Müllerin erforderlich ist. dall dagegen 1 •! kaum /,u irgendwelchem Gedeihen ״amt, wenn der Mann nicht eine Bäuerin von Schrot und Korn zur Frau hat. Und solches Maa...d ist vorläufig, wie gesagt, in Palästina kaum zu 11.den. Nur einige Frauen der Gcrim, der jud.i,';eiten Russen, bringen die Oualilikation aus der Hi mit: zwei solcher Wirtschaften, die ich sali, s:•!: ui denn auch hoch über denen der jüdischen! j >elion aus diesem Grunde werden die meisten j Ad 1;ter oder Genossen verhindert sein, die dritte l״r׳n /•.! wählen; meine Hoffnung ist, dall die zweite »״־<״'־ die herrschende werde, schon aus dem Grunde, s e eine viel dichtere Hcsicdelung gestattet als d r drute. Hierbei soll bemerkt werden, dal! cs eine dci׳ wichtigsten Aufgaben der zionistischen Zukunftsarbeit Ist, jüdische Mädchen zu tüchtigen Hauersfraueu zu erziehen. Als ich In Jerusalem war, war von der Gründung einer derartigen Erziehungsanstalt die Rede, die hoffentlich bald in die Erscheinung treten wird. Eine solche Anstalt würde ihren besten Platz auf dem Lande einer Siedlungsgcnossenschaft finden, zum Segen der Genossenschaft und zum Segen der Anstalt. Diese würde auf einem Hoden, den sic nicht zu kaufen, sondern nur zu geringem Satzzu verzinsen brauchte, sich in voller hygienischer Breite atifbaucii können und hätte sofort Anschluü an die gleichgesinnte Bevölkerung, und die Gelegenheit, ihre Zöglinge mit landwirtschaftlichen Arbeiten vertraut zu machen. Die Genossenschaft aber hätte einen Naliemarkt für eine Anzahl ihrer Produkte, gratis Dünger, einige Hilfskräfte in drängender Zeit, eine Verstärkung ihrer Untergenossenscliaften und nicht zuletzt in den Lehrern und Lehrerinnen einen Stamm geborener Führer und Erzielter der Gesamtheit. Aus allen diesen Gründen sollten nach Möglichkeit alle Wohltütigkcitslnstitutc, die nicht unbedingt, wie Schulen usw., in die Stadt gehören, auf dem Boden der Siedlungsgenossensehaften errichtet werden: Waisenhäuser, Blinden- und Krüppel-An* statten usw. Sehr wichtig wird cs auch sein, auf diesem billigen Grund und Boden und im gcnosscnschaftliehen Gcincindcvcrbuiidc sekundäre industrielle Genossenschaften oder auch kapitalistische Industriebetriebe an/.usiedein. Die Arbeiter finden nirgends so unbedingt günstige Existenzbedingungen wie gerade hier auf billigem Hoden bei billigen Nahrungsmittclprciscn und beim Anschluli an alle möglieheu gciios'eiisehaltllchen Verbände, die den einzelnen in jeder Phase seiner wirtschaftlichen Existenz, fördern und stützen. Nach Aussage von Herrn Professor Boris Schatz, werden in etwa Jahresfrist etwa 51) jemenitische Silhcrfiligranarhcitcr soweit herangebildet sein, dall sic nicht mehr in Jerusalcm unter der Aufsicht des ״Bczalcl" tätig zu sein brauchen. Ihnen steht, wenn sie cs wünschen, und wenn die Siedlung geschaffen sein wird. Land für Haus und Garten zur Verfügung. Schon sic allein mit ihren Familien würden hinreiehen, um die Sied• luug sofort in ein .stattliches Dorf, ja, für palästinische Verhältnisse schon zu einer kleinen Stadt aus/.ugestalten. * Aber wird die Siedlung fertig sein? Die Geld- Sammlungen laufen betrübend und beschämend sparlieh ein. leb liege starke Zweifel, dall der Fonds rechtzeitig, d. 11. gegen Ende dieses Jahres, vollständig sein wird. Und ich muH sagen: das wäre eine nationale Schmach! Ich will durchaus nicht die pessimistischen Anschaumigen einiger meiner Freunde einstimmeu. die sielt auf den Standpunkt stellen, dall die zionistische Bewegung mit dem Erfolge der genossenschaftlichen Siedlung in Palästina stellt und fällt; aber daran kann niemand zweifeln, der sehen will und kann, dal! sie eine der wichtigsten Aktionen ist. die zu tun sind, um dem Zionismus neuen Wind in die Segel zu י geben und das grolle Werk, das er unternommen fiat, zu fördern. Und ferner ist sicher, dall die palästinische Bevölkerung, und namentlich die palästinische Arbeiterschaft, cs durchaus nicht verstehen wird, wenn das Werk verzögert wird, weil die Opfcrwilligkeit des Volkes druullen zu gering ist. Darum heische Ich wieder und wieder mit allem Ernst und allem Nachdruck, der mir möglich ist. um die werktätige Hille, die versprochen ward und die geleistet werden muH, wenn die, die sic versprochen haben, im Zionismus mehr suchen, als die Bcfricdigung pliilantropisclicr Träume oder persönlichen Ehrgeizes! Darum habe ich die Grundziigc des Planes mit solcher Ausführlichkeit noch einmal vor die jüdische Oclfeiitiiclikeit gebracht. Sic mag prüfen und urteilen! Wenn der Plan nicht aufgebaut ist auf soliden wirtschaftlichen Rechnungen und auf die der Kenntnis der Psychologie des Menschen überhaupt und des jüdischen Arbeiters im besonderen, so verdient er keine Förderung. Beruht er aber auf sicheren Fundamenten, so kann das jüdische Volk fordern, dal! die einzelnen Juden ihre Schuldigkeit tun. Wir verlangen keine Almosen, sondern wir fordern Kredit für ein Unternehmen, dessen Kreditbasis solide erscheint. Wir sind überzeugt davon, dal! wir die uns zur Verfügung gestellten Mittel anständig verzinsen und schnell zurückgebcu werden. Und darum wiederhole ich noch einmal, was ich auf dem Hamburger Kongrel! gesagt habe; Wir pfeifen auf allen ' Zionismus, der sich mit grollen Phrasen brüstet, der ,UNliii u» 1 ״,.V. ... »V..... ״Gut", geschweige denn Blut von ihm verlangt. Man schreibt mir von allen Seiten, ich sei ein schlechter Schnorrer. Mag sein! Ich will auch gar kein Schnorrer sein. Ich will meinen ehrenhaften wissenschaftlichen Namen und meine freie unentgoltenc Arbeit auf die eine Wagschale legen, legt ihr eure Franken und Mark auf die andere Wagschale! . . . Wie aus dein hiermit abgeschlossenen Bericht Dr. Oppenheimers hervorgeht, hat die Idee ׳der Siedlungsgcnossenschaft in Palästina alle Aussicht zu einem wirklichen Erfolge zu fuhren. Wie an anderer Stelle mitgcteilt wird, ist für die Behandlang der ersten Siedlungsgcnossenschaft eines der günstigste 11 T e r r a i 11 s Palästinas er- Avorben worden, es ist eine hervorragend 1|ualifi;.icrtc Kraft als Leiter engagiert, und es sind endlich bereits Arbeiter vorhanden, die sich mit Begeisterung in den Dienst dieses Unternehmens stellen werden. Alle Vorbedingungen für ein günstiges Gelingen scheinen somit gegeben. An den deutschen Zionisten ist es jetzt, durch tatkräftig״ Unterstützung des Oppenlicimersehen Planes, diesen zu einem Erfolg der ganzen zionistischen Bewegung zu machen. Die 'deutschen Zionisten vor allem, aus deren Mitte der Plan kommt, sind dazu verpflichtet und dürfen gerade hei dieser Sache weniger noch als in anderen Fällen die Beschaffung der Mittel anderen zionistischen Landesorgunisationcii überlassen — 11 i e r ist die Stelle, wo gerade die deutschen Zionisten nicht versagen dürfen. Beiträge fur die Siedlungsgenosscnschaft sind an Herrn Max Wolist ein er. Charlottcnburg. Sybeistral'.e 51׳. Postscheckkonto 3Sä7. zu überweisen. Wirklich — das letzte Mal. Die Mutter hatte ilö' vorj׳ercclet, daß die I lochzeit auf Sabbat N iihinu verschoben sei. Vielleicht könnte dieser 111 •1nne Trug die Tränen hemmen in Deborahs •V: cu. Als aber Pfingsten vorüber war, den darauf, hatte die Mutter zehn Männer ln :0 lj^eriifcii. Vier hatten das Tuch des Traubä. mds gehalten und die Geschichte war fertig * «ms! Der Himmel wurde bleich und bleicher, Stcmgcfmikel wurde matt und verlosch wie 1 l.ihr/eitliclit. Der Mond senkte sich tief zur •׳de herab und rot, als wäre er trunken vom!',׳•de, guckte die eine Hälfte über den Horizont H) vor und warf einen letzten traurigen Blick;das I laus, vor dem wir hielten. Ich blickte jossel an, der versonnen da* •1‘,nd und sagte: ״Was wollen wir hier noch länger stehen?“ Er antwortete: ״Sic haben recht“. Und er reizte seinen Fuß auf das Vorderrad. ״Sie haben B:eht. Ich habe hier gar nichts mehr zu suchen.“ Vorwärts, mein Pferdchen! Hopp! 1 ft• Misceuen # Die Zarcnregicrung entdeckt immer neue Gebiete fiir die Schikuiiicrnng von Juden. Bisher ver• folgte sic mir die Juden selbst, aber nicht auch den jüdischen Kultus. Jetzt, nach der Sanktioniermig des Gesetzes über die G I a u b e 11 s f r c i heit, beginnt sie, wie uns ans Petersburg gcscbcicben wird, auch dem jüdischen Kultus Hindernisse in den Weg zu legen, lu verschiedenen Städten hat die Administration angeordnd. dall Ule Synagogen von aiillcn mir wie Prlvalliänser ansselien und keinerlei Erkennung;Zeichen wie Magen-David und dgl. haben dürfen. Damit beginnt offenbar ein neues Karitel in den Beschränkungen der russischen Judcnheit. * Der sozialdemokratische ״Vorwärts“ veröffentliebte jüngst einen Aufsatz ,.Harden und Dernburg", der folgendermalleu beginnt: ״Sic waren einst die besten Freunde, der geniale Bankdircktor Bernhard Dcrnbure und der geistrcicliclndc Herausgeber der ..Zukunft". Herr Maximilian Hartlen. Verwandle Seelen finden sich bc- * kanntlicli z;1 Wasser und ־zu Lund, und so hatten sieh auch diese beiden hervorragenden Herrenmenschen gefunden. Verband sic doch nicht nur das Gefühl der Abstammung aus de nt selben auserwähl- : י * n Volk." War diese Spitze gegen Angehörige; der ..Kapitalistcnklassc" gerichtet, so wendet sich einige Tage später ein Aufsatz ״Piraten im Althandel" gegen die kidischen Altwarenhändler, die als ״gewerbsmäflige tlyüncn" bezeichnet werden, die ״die Not ausplmijkrii bis aufs Hemd.•• Der Aufsatz erzählt in der lonart der antisemitischen Hcizorgane. wie ein Braver von diesen jüdischen ״Zitronenpressern" J aiisgemictscljt wird. Ist er endlich handelseinig und | ruft: ..Iialmikcn seid ihr doch alle! |ף Drcitcufcls- ן namen . . . her mit dem Geld! Iler, sage ich . . , hört ihr nicht das Jammern meiner Kinder?" So aiitwartet die ״Hyäne": ״Wie liaiCt . . . Geld? Mm! ich doch evst abhokn lassen die Sachen . . . und bringe sofort noch heute das Geld." -- — — , . .. Hat die ..Staatsbürger-Zeitung", so bemerkt dazu der ״Demokrat , in ihrer tollsten Walmsinns/.eit je wüster auf die niedrigsten Instinkte ciuziiw irken ver- 1 H1,, V. 'Drklivh. ci״c niedliche Leistung, am die der ״Wahrheit ־-Brulm eifersüchtig sein mul!. Wo bleibt die Prissckompiission? Wo der Verlag, der doch Singer u. Co. heillt? •'V'IIIIIV 111M11 ... Mv׳o-1M.mmiKWIVAIlli1m MJI Jüngst an folgendem Inserat ergötzen: ״Familienvater. ■10 Jahre alt. g״t deutscl sinnt, bittet edle Christen um ein grölSeres mehrere kleine Darlehen zur Gründung einer l 1• Nrt* Hamb״«,. ffi״a ״״JJ l,״f dr '11־ .”»״1“״v. Verdien, gewährt. Geldgeber erhalten auf Wünsch JS?1״״ Srm,״K “• tf• v* J^cn geleitetes l Scr״ZcUung" CfCS UnlCr ״Antiscm't" Adresse Dieser ״Kaufmann" ist zwar ein etwas n Mensch, ater die antisemitische Praxis hat er soweit raus, dajl er weif», wie man hiuterrück׳ auflcrdciu für 4cld und gute Worte die jüdische! kurrenz verleumdet. 1 IC \

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