Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651657-2651690--07221-2664370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 380. wachsend(' Generationen alhuählieh inivcisiaiiillich v, ird. Sie sollen auch nicht zuviel mit diesem Geiste in Verbindung trete», Hr ist für sic höchstens Kr■ iimenmgs-, kein Lebensgnt. Ist »och keine eisen• lhtrtisc Literatur da, dann Ist ehe» die Zeit dafür noch nicht da. Fine Literatur wie die bis 7.11m heu• litte» Tage, wird aber bis auf wettise Ausnahmen morsen nicht sanz die eisen-jüdische sein können. Diese wird freier, einfacher sein, das Komplizierte, das Uobertriebeue an Verstand oder SentimentaliUd allm.ihlich versessen, und beide letzteren lünfliissc konnten (kr neuen Lniwiekluns sosar sch.'idhch sein. Line andere Gefahr ist durch llervorkehrims eines geistigen Chauvinismus seseben. Hs ist dies ein Kapitel ftir sich. Nicht das Jüdische'■ dem Namen nach uiaelit das Wertvolle, Hiscne aus. sondern das Wesen des .Indischen. Nur durch das Hinfache, allein .'Uploiub Herne kan» ein neues Lehen kultursehöpfe• risch werden. Das ,Wi1.1lmns-N.1ti011.1Ic hat seinen gewissen Platz auf dein Wette nach Palästina, ni< ht eigentlich in Palästina seihst. Mit Recht bemerkt neulich eilt palästinischer Publizist, es fühle jeder, der , <11 Palästina arbeitet. sogar der Lehrer auf dein Katheder, noch zuviel den ״Agitator" in sielt. Und in doppelter Weise, scheint es, wird dieses j heute noch nicht getilgte Moment das natürlich mit einem ttcsmulcu l>nlri»tisnms nicht identisch ist! überwunden werden durch eine größere IJcschvi- | dcuheil gegenüber den übertragenen Kultnrwertcii ' iiml durch höhere Ansprüche in bczutt auf die Werte der zu weckenden Hittenkultur. Gerade das jüdische f in seiner reinen Urgestalt, durch manches im Onlus! vielleicht gesteigert, aber im Gotus seihst verdunkelt, wird uns;1011 im eigenen Laude klarer werden. Hrst; wenn von wahren geistigen Zentren aus. die eben; natürlicherweise jüdisch sind, das Lehen in materieller, sozialer und geistiger Beziehung befruchtet werden wird, wird man mi Hriiste beginnen, können, von; einer neuen jiulisebcii Kultur in Palästina zu spreche». Meinestudienreise mPalästina j Von |)r. P ranz Oppeiihehuer, Merlin. IV. Diese Ausiedlimg selbständiger Hiemente soll sieh alter mm und hierin erblicke ich den grüßten > Vorzug der Organisation, die dadurch jedem itulivi•! dualistischen Streben vollkommen freie Halm Utltt * - »Ritt nur auf solche Handwerker, Händler, freie Hc•; rille. Rentner, (!ärmer und Landwirte erstrecken, die nach der Begründung der Genossenschaft von;■i'lk'ii her zuwandern, sondern auch auf alle diejenigen ersten Mitglieder der O c - n us s e n s c 11 a f t, die den Wunsch nach ׳ Selbständigkeit habe n, j Sobald es sich über jeden Zweitel hinaus ergeben hat. da ft das Unternehmen dauernden Bestand haben wird, eventuell schon vor dem Uehergang von der j Gcwiimebcteiligung in die Produktivgcnosseuschaft. . soll es jedem Arbeiter frei stehen, in einer von den i folgenden drei Formen, je nach seiner Wahl, zu i einer mehr oder minder grollen Selbständigkeit zu I gelangen. 1 Wir werden grundsätzlich nur mit ledigen Ar- J beiter» beginnen, da wir die Verantwortung für das j Schicksal einer Familie nicht eher tragen können. 1 .------ -. ־..ן■;.-; ״Warle nielil, mein .lossei,“ fleht sie kosend. , ״Warte nicht. Ich hüb’ so Angst.“ ״Sei ohne Angst,“ sage ich und streichle ihr : das weiche Maar, ״cs wird schon alles werden."; ״Nein, Jossel, nein! Nimm mich gleich, gleich auf der Stelle und wiir’s zu dir ins I laus,“! sagte sie verschämt. 1 Da bleibe ich vawim Stehen. Dumme <Wschichte. Hin Fiufall von einem Mädel! Nimm! sie nach Maus! Gut. Ich machte cs so. Ich j komme in später Nacht daheim an, klopfe gegen die Fensterladen. ״Mama macht auf.“ Das Kettchen knarrt, und ich tmd Deborah kommen rein. ״Willkommen!“ Meine Mutter ist eine! kluge Frau und begreift schnell. Fragt so zum 1 Anfang, wie um iltr auf den Zahn zu fühlen; ״Deborah, was machst du Gutes?“ '! Mittlerweile hebt meine Schwester den Kopf j vom Bett und guckt sich verwundert um, bald zu; mir, bald zu Deborah, als will sic sagen: feine j Geschichte! i t ״Für seine ältere .Schwester sagt er nicht! Geschäfte hat er. Na, ja!“ Aber das ist noch gar nichts. Kleinigkeiten. Und am Sabbat! Da wirds nur so regnen von Sticheleien. ״Unsere Brüder4‘ haben ein loses Maul. _ J Ü D IS C H E R U N D S C HA U nls bis der günsiigc Ausgang fe.stMchl. Kt;d1er jeder Zweifel geschwunden, so werden wir unsere Arbeiter ermutige», sieh zu beweiben. In Parenthese: Hier liegt der schwierigste I *unkt der ganzen Kolonisation. Wenn es schon einige Hauern in Palästina gibt, so gibt es doch kaum schon Bäuerinnen. Und ohne Bäuerin ist der Bauer verloren! Die jungen Mädchen Palästinas sind Veizendc, frische Geschöpfe, aber sic haben in ihrer ühergrollcn Mehrzahl weder Lust noch Verständnis für die Landwirtschaft, und nicht •ווי mindesten Neigung, die schwere und häufig unangenehme Ar• beit zu übernehmen, die der Bauernfrau auf dem (icflügelliof. im Stall und oft genug in der Krntc liehen ihrer llaiislialtsarheit ziifällt. Ich habe sehr viele elegante seidene Blusen und schlanke Stöckelschuht' gesehen, habe viel Intelligenz und Willen zu höherer Bildung getroffen, aber nur wenige Hr* sehi'immgcii gesehen, die ich mir mit geschürztem Rock nml lloizscliuhcn auf dem Melksehcmcl oder beim Ausmisten oder heim Oarbeiibindeii unter »:liiliciiili'f Sonne vorstellen könnte. Dieser vorl'iuf ire Mangel an ausreichenden und genügend vorgebildeten A r hei is hä 11 er in ne 11 und Salonbäiieriuneii können nichts lielien erscheint mir als der vornehmste Grund, aus dem wir auf den Krfolg einer c i n z, e I h ä u c r I i e h cn Siedlung im grollen vorläufig nicht werden rechnen dürfen. Und e s e r s c h e i u! mir ferner 11 in als ei n entscheidender Vorteil des von mir v o r g c s e h 1 a g c n c n Systems, daß cs die A n s i c d 11111 g zahlreicher Bauern er* 111 ögl teilt, ohne d a II sic mit Bäuerin- II c 11 v c r 11 e i r a t e t s i 11 d. Der Arbeiter hat nämlich die Wahl zwischen folgenden drei Möglichkeiten: Lrsteiis: er bleibt nach wie vor Arbeiter des Zentralbetricbes rvsp. Genosse der Genossenschaft: er wohin entweder im Hauptgebäude in einer kleinen tu׳ ihn erstellten Wohnung von zwei Ins drei Räumen, die seine Frau für ihn bewirtschaftet: er mag aus der Kliclicngcnosscnschaft aiistretcn oder seine Flau cintrelcii lassen, ganz wie er will. Will sich die Frau als gewinnenbeteiligle Arbeiterin oder Genossin im Zcntralhctrichc gegen entsprechenden 1 .«11111 beteiligen, so steht ihr (las frei: will oder kann sic cs nicht, so mag sic es unterlassen. Zweitens: der Arbeiter bleibt ebenfalls gewinnbeteiligter Arbeiter des Zentralbetricbes resp. Ge* misse der Genossenschaft: aber er nimmt aulterdcm in Ltlmuehl etwa zehn Dnnam Land, erbaut sich darauf aus eigenen Mitteln oder mittels eines Darleliens, tlas er bei der Kreditgenossenschaft aufgcnominell hat, ein Häuschen mit einem kleinen Stall mul hcwirlscliaflel mit Hilfe seiner!•'rau in seinen freien Stunden, die ab und zn durch einen Urlaubstag verstärkt werden können, das kleine Grundstück, die ..!»na jugera“ des römischen Rechtes. Hr kann hier soviel Korn und Vielifutter und Gemüse ziehen, als er für seine kleine Wirtschaft braucht. Das tield ftir Haus und Inventar erhält er nicht von einer der grollen Organisationen, sondern lediglieh von der Kreditgenossenschaft seiner eigenen Genossen, die es ihm nur bewilligen werden, wenn er als tüchtiger und ordentlicher Arbeiter Kredit hei ihnen gcniellt. Nationalfonds und (ieiiosscnschaflsjomls werden grundsätzlich niemals einem einzelnen Ja. würs nicht so?;־.)׳kommen? Ich mußte doch daran denken, wenn ich ihr den Willen tun wollte, und so schlaue ich ihr vor: ״Höre mir, Deborah, du sprichst wie ein Kind. Deine Mutte»• wird dir nachlaufen bis in die Stadt, und der Rabbi wird bald seinen Diener schicken.“ ״Du hwehlvst duh vor dem UebbenV! (tmd sie schüttelt ihren Kopf). Du fürchtest dich? Und ich? Glaub mir, «nein Jossele, ich kenne nicht Furcht und nicht den Tod, wenn du nur willst! Doch, willst du etwa, daß ich mich furchten soll?“ Das sind böse Worte, denke ich mir, und laut saue ich: ״Glaube mir, Deborah, ich will dir folgen, wohin immer, und mein Herz ist bei dir. Aber die Menschen.“ Da wurde sie still. Sie hatte verstanden. Konnte Sie mir ganz Unrecht geben? Ich fühlte, daß mir das Herz zerspringen wollte. Aber was war zu tun. Man iinißtc eben warten, keiner wagte ein Wort zu sprechen. Und versonnen saßen wir im Grase. Ihr Kopf lag an meiner Brust. Oft seufzte sie und ihr ganzer Körper bebte. So saßen wir, bis der Morgenstern aufging. Da standen wir auf, küßten und umarmten ־ _ No. 32. ׳ c neu Pfennig leihen. Mindern immer nur den <jt. 1 nosseiischaflen gegen Solidarhaftung. Dadurch s,!;j * erstens Verluste so gut wie völlig ausgeschlossen- ' die Kontrolle der!1111 Orte anwesende» Genoss1 ,״sj! die genaueste und eifersüchtigste, die sich denken lallt, im Interesse ihres eigenen Geldbeutels ha)!״, : sic den säumigen Genossen rcgelmällig. das In su ist die F.rfahrung unserer Raiffeiseiik.isscn. zu Fleüi und Ordnung an, unter Umständen mit dr.1M«sc!1״j Mitteln, deren sich ein fcrncrstchcnder Kreditgeber niemals bedienen durfte, und kündigen den Kred,; 1m lieli.oriingsl.ille schon immer zu einer Zeit, w<, er ' noch nicht gefährdet ist. Zweitens aber wird durch! diesen scheinbaren Umweg die Möglichkeit dis \|. ) iiioscngcbens mit seinen vernichtenden l'<>lg«:! ׳ (f die Wirtschaftlichkeit völlig vermieden: denn der Schuldner schuldet ja nicht einem entfernte», w״. möglich unpersönlichen großen Portemonnaie, d. «H־n Interessen ihm sehr gleichgültig sind, sonder» v; eigenen Genossen und Kameraden, auf deren \. seine ganze Stellung beruht, deren Interesse , ,,t dem seinen völlig identisch ist. und deren ״ Wille ihm unendlichen Schade» zufugen kann. Um zu unserer zweiten Sicdlmigsform za. .kzukehren, so hat der Kolonist das Recht, aber ]!! die IMlicht. von der Zentrale des Gutes gegen 1 r- Stauung der Selbstkosten sein Land pflügen, und walzen zu lassen, so daß er eines eigen« t, lv> Spannes und eigener Ackergeräte eiitbehicii . l!r hat dann nur zu düngen, zu hacken und zu «׳; Arbeiten, die in einigen freien Stunden leici /j erledigen sind. ) Dasselbe Recht genießt der Kolonist der «. * Form.! Drittens: Der Arbeiter scheidet aus den! V. I betriebe aus, erhält weder Lolin noch <icw,1:;1,1 j mehr, abgesehen von dein Lohn und dem Gc,; \;!»teil gelegentlicher Hilfsdienste, zu denen «־ , j freien Vertrage geworben wird. Fr erhält c!! etwa zehn Dunam iu Krbpacht, und daneben L «re * äü bis •41) Dunam in längere Erbpacht, ctu. af! 18 Jahre, mit dem Rechte, nach Ablauf der 1' J!•» i zu den gleichen Sätzen dasselbe Land wieder u, > j zu dm (cn. falls die Genossenschaft es mellt!! ,, e! Ansiedlung städtischer Elemente oder von G.nn ׳ dringend bcdarL Hr baut sein Haus mit Wirtscliaftsgcb.ui.i«; . s eigenen Mitte!» oder unter den gleichen liedu,. , wie inner zwei mit einem Darlehn der k.« genossenschatt, und ist von diesem Anger,HL ,:־. völlig selbständiger Wirt, der auf sein ug«,.«s Risiko sein Land bestellt, wie er es t.ir riclu,g La::. Hr hat das Recht, sämtlichen Untergcnossenscli.«:•«,־,: Konsumverein. Kreditkasse, Versicheruiigskasse. \l׳• satzgeiiosseiisch.ift, Zuclitgeiiosseuseli.ift. Lud. ßcnossensehaft usw. als vollberechtigtes M.;;: ■J beizutreten. Stirn» die gewährleistete Moglulikut.!. \a Augenblick aus dem Zentrall'ctricb aiisselieuleii , J selbständig werden zu können, wird den Ver; i der Genossenschaft sehr fest z.11sammeni1.1i:e!1. Ls ist eine alte Krf.ihriing, daß dem Menschen g1:..!e das wünschenswert erscheint, was ihm nicht er ,!>; ist. Ich habe bei einem meiner Vorträge in l'.ila' .1 die berühmte Anekdote von dem alten Pariser B״ s«r erzählt, der bis zti seinem achtzigsten Lebens 10׳ niemals das Weichbild seiner Vaterstadt iiberseh:■ \׳n! 1חי$. Sie ging beim, und ich blickte ihr natii. wie I sie in leichten, hunigen Schritten fortlief. Ich , blickte ihr nach, bis ich den Riegel an ihrer tür j knarren hörte. ן Ich hatte mein Pferd wieder angespannt . d ו war kaum wieder auf dem Wagen. da lunv n die lüt'c von Dvborahs Hans wieder gelten ׳ d sehe das Mädchen auf der Schwelle. Sie >'• u j still da, regungslos ohne Wort, ohne Zeic: ׳ Und mir wird so bang ums Herz, daß es tu :eit! nicht fortfahreu läßt. Was sollte ich nur u!? 1 Miinclimcn nicht mitnclunen. Ich sehe kein n i Weg. So ist's schlecht und anders auch. bie I aber regt sich nicht. Ich werfe die Zügel ni«׳,־ '»׳ und steige vom Wagen. J Ich fasse ihre I!and und sage: ״Deborah, «i , nicht traurig, meine Deborah. Goti wird heben.; Nach Pfingsten wird alles werden.“ Sie hat kein Wort geantwortet, blickte mich nur starr und weinend an. Und als ich sie wieder und wieder küßte, preßte sie sieb dicht an muh. und ich fühlte küssend das Beben ihres jungen Leibes. Wir nahmen Abschied, still und lieb. Ich sprang auf meinen Wagen. Sie aber blickte mir 1 ז ’,.kis »cli weit auf der Chaussee verschwand. ן Und in ihren Augen lag die Klage: ״Das letzte;j . I ו¬ ¬ו G 1!;’׳I ־« 1 i j *!